Urgent Action für Ahmad Reza Jalali

Am 13. Januar 2021 aktualisiert Amnesty International seine Urgent Action für Ahmad Reza Jalali (Ahmadreza Djalali). Der iranisch-schwedische Arzt sollte ursprünglich bereits Ende November 2020 hingerichtet werden, doch dazu kam es nicht. Ende Dezember erfuhr seine Familie, dass die Hinrichtung um einen Monat verschoben wurde. Amnesty fordert nun dazu auf, Briefe an das Oberhaupt der iranischen Justiz, Ebrahim Raisi, zu schicken, in denen eindringlich darum gebeten wird, die Hinrichtung zu verwerfen und das Todesurteil aufzuheben.

Auszug aus der Urgent Action

Der von der Hinrichtung bedrohte Arzt Dr. Ahmadreza Djalali wird seit sieben Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt im Evin-Gefängnis in Teheran in Haft gehalten. [..] Seiner Familie und seinen Anwält_innen wurde am 24. November 2020 gesagt, dass das Todesurteil von Dr. Djalali innerhalb einer Woche vollstreckt werde und sie nun die letzte Gelegenheit zu einem Videotelefonat hätten.

Die Nachricht der bevorstehenden Vollstreckung löste internationale Forderungen aus, seine Hinrichtung zu stoppen. Laut Amnesty International vorliegenden Informationen wurden nach den weltweiten Protesten die Hinrichtungspläne am 2. Dezember 2020 „auf Anweisung von oben“ gestoppt. Am 8. Dezember 2020 erfuhr die Familie, dass seine Hinrichtung um eine Woche verschoben wurde und Ende Dezember hieß es, dass die Vollstreckungsbehörde die Hinrichtung erneut um einen Monat verschoben habe. Doch die Tatsache, dass sich Ahmadreza Djalali nach wie vor in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt befindet, gibt trotz der zwei Aufschübe großen Anlass zu der Befürchtung, dass er jederzeit hingerichtet werden könnte. Denn die iranischen Behörden pflegen Todeskandidat_innen im Geheimen hinzurichten, nachdem sie sie in Einzelhaft verlegt und ihnen darin den Kontakt zur Außenwelt verweigert haben.

Dr. Ahmadreza Djalali wurde im Oktober 2017 in einem grob unfairen Verfahren vor der Abteilung 15 des Teheraner Revolutionsgerichts wegen „Verdorbenheit auf Erden“ (ifsad fil-arz) zum Tode verurteilt. Das Gericht stützte sich dabei hauptsächlich auf „Geständnisse“, die laut Ahmadreza Djalali durch Folter und andere Misshandlungen erzwungen worden waren. Er befand sich zu dieser Zeit in verlängerter Einzelhaft und hatte keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Die Behörden drohten ihm, ihn hinzurichten und seine in Schweden lebenden Kinder sowie seine im Iran lebende Mutter zu töten oder auf andere Art zu verletzen. Amnesty International vertritt die Auffassung, dass der Straftatbestand der „Verdorbenheit auf Erden“ die strafrechtlichen Erfordernisse der Rechtsklarheit und Genauigkeit nicht erfüllt und zudem dem Legalitätsprinzip und dem Grundsatz der Rechtssicherheit zuwiderläuft. Am 9. Dezember 2018 erfuhren die Rechtsbeistände von Ahmadreza Djalali, dass sein Todesurteil vor Abteilung 1 des Obersten Gerichtshofs summarisch bestätigt worden war, ohne dass sie die Möglichkeit hatten, Verteidigungsanträge im Namen ihres Mandanten einzureichen. Mindestens zwei Anträge auf eine gerichtliche Überprüfung seines Falls wurden abgelehnt.

Quellen:

https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/iran-dr-djalali-droht-weiter-die-hinrichtung-2021-01-13
13.01.2021, Amnesty International
Dr. Djalali droht weiter die Hinrichtung

https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/iran-drohende-hinrichtung-2020-11-27
24.11.2020, Amnesty International
Drohende Hinnrichtung

https://www.radiofarda.com/a/execution-risk-for-iranian-swedish-academic-ahmadreza-djalali/31045193.html
13.01.2021, Radio Farda
نامه عفو بین‌الملل به رئیسی: برنامه اعدام احمدرضا جلالی را فوراً متوقف کنید

Iran: Börsenspiele

Teheraner Börse (Bild: Wikipedia)

Die Nachrichtenseite gooya.com berichtet unter Bezug auf die Londoner Ausgabe der iranischen Tageszeitung Kayhan, dass es in Teheran vor der Börse zu Protestkundgebungen gegen die staatliche Börsenpolitik gekommen ist. Parolen wie „marg bar rouhani“ (Tod dem Rouhani – Name des Staatspräsidenten, zugleich auch Wortspiel – Tod dem Geistlichen), „rouhani dorughgu koja‘i, koja‘i?“ (Rouhani du Lügner, wo bist du jetzt?), „marg bar mofsede eqtesadi“ (Tod dem Korrumpierer der Wirtschaft“) (mofsed fi l‘arz – Verderber auf Erden ist die staatliche Formulierung, die dazu verwendet wird, Todesurteile zu verhängen) zeugen von der erhitzten Stimmung der Protestierenden.

Proteste vor der Teheraner Börse am 18.01.2021

gooya schreibt (wohl Kayhan zitierend, ohne dass dies klar markiert (Anführungszeichen für Zitate sind in der iranischen Presse nicht üblich): „Die iranische Börse ist seit vergangenem Jahr zu einer Quelle geworden, die Haushaltsdefizite der staatlichen Unternehmen zu decken. Vergangenen Herbst (gemeint ist der Herbst 2019, das iranische Jahr endet erst zum Frühlingsbeginn) wurde eine umfangreiche staatlicher Werbekampagne eingeläutet, das Vermögen der Bevölkerung auf die Börse zu ziehen.

Staatspräsident Hassan Rouhani und der Religiöse Führer der Islamischen Republik Ali Chamene‘i, die beide keine speziellen Kenntnisse oder Fachwissen über den Börsenmarkt besitzen, haben vom vergangenen Winter (2019/20) bis zum Sommer dieses Jahres (2020) die Bevölkerung mehrfach dazu aufgerufen und ermutigt, ihr Geld in die Börse zu stecken, und ihnen so das Geld aus der Tasche gezogen.“

Diese Darstellung ist insofern interessant, dass der Autor hier zwar einerseits die Ignoranz von Rouhani und Chamene‘i kritisiert, aber sie zugleich als ahnungslos darstellt und somit gewissermaßen entschuldigt. Und das in einer Zeitung der iranischen Monarchisten.

Denn weder Chamene‘i noch Rouhani benötigen Kenntnisse vom Funktionieren der Börse. Es genügt, wenn sie wissen, wie die Wirtschaft in ihrem Lande funktioniert, dann gibt es keinen Grund zur Annahme, dass die Börse anders funktioniert. Und wie die Wirtschaft funktioniert, wissen beide gut genug. Es geht darum, dass Führungsposten in staatliche Unternehmen an Generäle vergeben wurden, um sie für ihre Verdienste im Krieg auszuzeichnen, darum, dass die Pasdaran alles versuchen, erfolgreiche Privatunternehmen durch Erpressung und feindliche Übernahme zu enteignen, darum, dass die Privatisierung staatlicher Unternehmen ebenfalls nur dazu dient, eingeweihten Kreisen die Gelegenheit zu geben, die Filetstücke zu verscherbeln und den Rest des jeweiligen Unternehmens in den Boden zu stampfen. Chamene‘i weiß dies aus erster Hand, sein Sohn ist der Drahtzieher solcher Machenschaften, und Rouhani wäre nicht an der Macht,wenn er ernsthaft versucht hätte, gegen diese Praktiken vorzugehen.

Angesichts des Kursverfalls der iranischen Währung, des Umgreifens der Praxis, wichtige Güter (z.B. Medikamente) gegen Dollar erwerben zu müssen, und angesichts der hohen Arbeitslosigkeit war für viele Iraner der Erwerb von Aktien der letzte rettende Strohhalm. Am Anfang sorgte der Staat auch für steigende Aktienkurse. Bis dann im Mordad 1399 (Juli 2020) der Verfall der Aktienkurse begann, der bis heute anhält und jetzt dazu führt, dass immer mehr Menschen die Aktien wieder loswerden wollen, mit der Folge, dass ihr Wert weiter sinkt. Weil es hier um die Vernichtung des Notgroschens geht, der für solche Situationen wie heute angespart werden sollte, ist die heftige Reaktion der Aktionäre verständlich.

Eine Frage aber bleibt unbeantwortet. Wieso gibt es nach über 40 Jahren Islamische Republik noch immer so viele Menschen, die den staatlichen Führern vertrauen und auf deren Empfehlung hin ihr Geld irgendwohin stecken?

In dieser Form ist es keine Frage mehr, die auf den Iran beschränkt ist. Der Führerglaube ist genauso in Deutschland (Stuttgart 21) oder in den USA (die Millionen Menschen, die Trumps Wahlfälschungslügen glauben) zu beobachten, und scheint tiefere Wurzeln zu haben. Warum wollen so viele Menschen einem Führer glauben?

Quelle

https://news.gooya.com/2021/01/post-47621.php
Monday, 18.01.2021
شعار «مرگ بر روحانی» و «بی‌شرف، بی‌شرف»؛ مردم معترض پرچم سازمان بورس را پایین کشیدند

Iran: Der Mensch lebt nicht vom Öl allein

Im Iran streiken die Rentner. Nein, nicht alle, aber in verschiedenen Städten, in Teheran, sowie in den Provinzhauptstädten von Ilam, Isfahan, Gilan, Chusestan, Ost-Aserbaidschan, Lorestan und evtl. noch in ein paar anderen Provinzen haben sich Rentner vor dem Parlament bzw. vor dem Gebäude der Sozialversicherung oder des Provinzgouverneurs versammelt, um gegen die staatliche Rentenpolitik zu protestieren. Sie fordern, dass der Staat seine Schulden gegenüber der Sozialversicherung bezahlen soll, dass die Renten nicht unter der Armutsgrenze liegen sollten, dass Medikamente kostenlos sein sollten. Sie kritisieren, dass ihre Renten in Riyal sind (iran. Währung), während die Preise für vieles (zum Beispiel für Medikamente) in Dollar sind. Auch das Recht auf Versammlungsfreiheit, auf das Recht, sich zu organisieren, wird eingefordert.

Wir streiken, was nun?

Nun sind Streiks zwar ein Mittel, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und die Rentner im Iran haben dieses Jahr (im Iran endet das Jahr erst zum Frühlingsbeginn) schon mehrfach dazu gegriffen, aber was sind die Folgen? Wenn die Versorgung mit Benzin, mit Strom oder mit Wasser lahmgelegt wird, dann hat ein Streik direkte Folgen für alle. Aber wenn die Rentner streiken? Wenn es im Iran freie Wahlen gäbe, dann würde eine Regierung um ihre Stimmen fürchten und vielleicht handeln. Aber im Iran beschränkt sich Wahlfälschung nicht auf windige Vorwürfe Trumpscher Machart, nein, hier ist sie ganz reell. Der wahre Sieger von 2009 lebt samt seiner Frau noch immer im Hausarrest, während der Wahlfälscher – Ajatollah Chamene‘i noch immer an der Macht ist und sein Schützling, Ex-Präsident Ahmadineschad, inzwischen friedlich sein Altenteil genießt. Insofern sind solche Streiks zwar Ausdruck von Zivilcourage, aber mehr auch nicht.

Landesweit, aber nicht in Massen

Auch wenn es im ganzen Iran solche Proteste gab und gibt, es ist keine Massenbewegung. Und das ist verständlich. Denn selbst wenn es Korruption und Unterschlagung staatlicher Gelder nicht gäbe, ist im Iran weniger zu verteilen als in früheren Jahren. Da ist zum einen das Embargo wegen der anhaltenden Politik der atomaren Aufrüstung, zum andern die sinkende Produktivität der veralteten iranischen Erdölindustrie und nicht zu letzt auch der nach wie vor recht niedrige Erdölpreis, der im Moment bei 55 Dollar pro Fass liegt. Zum Vergleich: 2019 schwankte er zwischen 60 und 75 Dollar pro Fass. Bis er dann im Frühjahr 2020 – Corona lässt grüßen, auf 20 Dollar absackte und erst im Dezember 2020 wieder über 50 Dollar kam. In einem Staat, in dem der Hauptteil des Budgets und über das Budget die Mehrzahl der Wirtschaftsunternehmen von den Erdöleinnahmen abhängt, haben solche Preiseinbrüche verheerende Folgen. Eine Privatwirtschaft, die das abfedern kann, gibt es im Iran nicht. Denn der Staat greift überall in die Preissetzung ein und benutzt Unternehmen als Pfründe, mit denen verdiente Generäle abgespeist werden. Unternehmen werden geplündert, nicht geführt, und so werden die Firmen der Reihe nach in den Ruin getrieben. Das bekommen die Arbeiter zu spüren, ihre Familien, und erst recht die Rentner.

Jammern hilft nicht – aber was tun wir hier eigentlich? Wir, die Schreiberlinge, die Verfasser dieses Artikels? Auch nichts anderes.

Quellen

https://www.liportal.de/iran/wirtschaft-entwicklung/

https://www.finanzen.net/rohstoffe/oelpreis

تجمع‌ اعتراضی بازنشستگان در تهران و سراسر کشور
vom 21. Dey 1399 (11. Januar 2021)

Iran: Urananreicherung auf 20%

فضای داخلی سایت اتمی فردو
Das Innere der Atomanlage Fordo

Kurze Vorbemerkung: Uran enthält von Natur aus zu 0,7% das Uran-Isotop U-235, der Hauptteil ist U-238. Für den Einsatz von Uran als Brennstoff in Leichtwasserreaktoren benötigt man einen Gehalt von 3 bis 3,5% U-235, das heißt, man muss dieses Isotop von 0,7% auf 3 bis 3,5% anreichern. Ein üblicher Weg dazu ist der Einsatz von Zentrifugen. Zuvor wird das Natur-Uran in gasförmiges Uranhexafluorid überführt, das dann in den Zentrifugen „geschleudert“ wird. Beim Zentrifugieren fliegen die schwereren Moleküle weiter nach außen als die leichten, dadurch wird im Zentrum das leichte Isotop angereichert. Ab einem Gehalt von 20% ist das Uran prinzipiell waffenfähig, wenn man den Angaben von Wikipedia Glauben schenkt. In der Praxis verwendet man für Waffenherstellung aber auf über 85% angereichertes Uran.

Der iranische Regierungssprecher Ali Rabi’i hat jetzt bekannt gegeben, dass aufgrund eines jüngsten Parlamentsbeschlusses mit der Anreicherung von Uran auf 20% begonnen wurde. Präsident Rouhani habe kürzlich die Anweisung dazu erteilt, die Internationale Atomenergiebehörde sei informiert worden. Am 12. Azar 1399 (2. Dezember 2020) habe das iranische Parlament den Entwurf „Maßnahmen des (Religiösen) Führers zur Beseitigung des Embargos“ verabschiedet, das Gesetz sei auch vom Wächterrat gebilligt worden. Laut diesem Gesetz ist die iranische Regierung verpflichtet, jährlich 120 Kilogramm auf 20% angereichertes Uran zu bevorraten. Das Gesetz sieht weiterhin vor, im kommenden Jahr (d.h. am 20. März 2021) 1000 Zentrifugen zu montieren und in Betrieb zu nehmen, monatlich 500 kg angereichertes Uran herzustellen (Frage: stimmt die Zahl? Zuvor war doch von 120 Kilo im Jahr die Rede.) und in Isfahan ein Werk zur Herstellung von metallischem Uran in Betrieb zu nehmen. Außerdem soll die Regierung die „freiwillige Einhaltung des Zusatzprotokolls beenden“, wenn bis zum 12. Bahman 1399 (31. Januar 2021) die Embargos der westlichen Vertragsstaaten des Atompakts mit dem Iran nicht aufgehoben seien.

https://www.radiofarda.com/a/31032685.html
vom 15. Dey 1399 (4. Januar 2021)

ایران از آغاز غنی‌سازی ۲۰ درصدی اورانیوم خبر داد‎؛ نتانیاهو: اجازه نمی‌دهیم ایران سلاح هسته‌ای بسازد

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochangereichertes_Uran

https://de.wikipedia.org/wiki/Uran-Anreicherung

https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4chterrat

dort: „Die zwölf Sitze im Wächterrat werden nach Artikel 91 der iranischen Verfassung zur Hälfte mit Geistlichen und zur Hälfte mit Juristen besetzt. Die sechs geistlichen Mitglieder werden vom Obersten Führer direkt ernannt, sechs Juristen aus verschiedenen Rechtsgebieten vom Parlament gewählt, wobei nur vom obersten Richter vorgeschlagene und genehmigte Personen vom Parlament gewählt werden dürfen. Der oberste Richter ist wiederum vom Obersten Führer ernannt.“

Die American Bar Association zeichnet Nasrin Sotoudeh mit dem Eleanor Roosevelt-Preis aus

Nasrin Sotoudeh

Die American Bar Association verlieh der iranischen politischen Gefangenen Nasrin Sotoudeh den Eleanor Roosevelt-Preis für die weltweite Förderung der Menschenrechte, für ihren „unerschütterlichen Mut und ihre Wirksamkeit bei der Verfolgung einer gerechten Rechtsstaatlichkeit im Iran“.

Nasrin Sotoudeh ist eine iranische Menschenrechtsanwältin, die kürzlich wegen ihrer Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte und zum Protest gegen die erzwungenen Hijab-Gesetze des Iran zu Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt wurde.

In einer Videobotschaft an die American Bar Association sagte Sotoudeh, dass es eine große Ehre sei, die Auszeichnung zu erhalten, und sie freut sich, dass es Solidarität zwischen Anwälten auf der ganzen Welt gibt. „Ich möchte diese wichtige Gelegenheit nutzen, um mich bei jeder einzelnen Person zu bedanken, die in der Zeit, in der ich im Gefängnis war und meine Familie jeden Tag belästigt und bedroht wurde, begeisterte Unterstützung für meinen Mann und mich gezeigt hat“, erklärte Sotoudeh. „Ich schätze Ihre Unterstützung und betone immer, dass ich meine berufliche Pflicht tue.“

Sotoudeh beschrieb die Erklärung der Menschenrechte als Vermächtnis für die gesamte Menschheit und wies auf Eleanor Roosevelts Bemühungen hin, die Internationale Erklärung der Menschenrechte zu verabschieden. „Sie hat besser als jeder andere gesehen, wie Krieg alle menschlichen Errungenschaften zerstören kann, und abgesehen von Gewalt und Massaker an Menschen zerstört er die kulturellen und sozialen Errungenschaften“, fügte Sotoudeh hinzu. Sie sprach auch das Beileid für den Tod der Richterin Ruth Bader Ginsburg aus und nannte sie eine Verfechterin der Gerechtigkeit, die gegen rassistische und sexuelle Diskriminierung kämpfte.

https://iranintl.com/en/iran-in-brief/american-bar-association-awards-nasrin-sotoudeh-eleanor-roosevelt-prize
American Bar Association Awards Nasrin Sotoudeh With Eleanor Roosevelt Prize
Iran International, 29.12.2020

https://www.americanbar.org/groups/human_rights/events/eleanor-roosevelt-prize-for-global-human-rights-advancement/
Eleanor Roosevelt Prize for Global Human Rights Advancement

https://www.americanbar.org/groups/human_rights/events/eleanor-roosevelt-prize-for-global-human-rights-advancement/virtual2020erprizeawards/nasrinsotoudeh/

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/87113/
اهدای جایزه حقوق بشر کانون وکلای آمریکا به نسرین ستوده

Anmerkung:

Die American Bar Association ist eine Vereinigung von Rechtsanwälten, Richtern und Studenten der Rechtswissenschaften in den Vereinigten Staaten. Eleanor Roosevelt war eine US-amerikanische Menschenrechtsaktivistin und Diplomatin sowie die Ehefrau des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Innerhalb der Frauenbewegung repräsentierte Eleanor Roosevelt den progressiven Flügel der Demokratischen Partei.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eleanor_Roosevelt

https://de.wikipedia.org/wiki/American_Bar_Association

Ich bin ein Berliner – iranische Identität

Am 20. Dezember, einen Tag vor der Wintersonnenwende, veröffentlichte peykeiran.com einen Aufsatz von Amir Soltanzade mit dem Titel „Iranische Traditionen, ein Bollwerk gegen die kulturelle Attacke der Regierung“, der zuerst im persischsprachigen „Independent“ erschien.

Amir Soltanzade schreibt: „Wann immer eines der traditionellen iranischen Feste näher rückt, setzen die Bestrebungen der Medien, die der iranischen Regierung nahestehen, ein, dieses Fest als unbedeutend erscheinen zu lassen. Dabei tritt deutlich zu Tage, dass diese Traditionen weiter bestehen und auf die nächsten Generationen übertragen werden. Aus der Sicht des Volks ist das eine Art Selbstverteidigungsmechanismus gegenüber dem kulturellen Angriff der Regierung auf verschiedene Lebensbereiche.“

Geschichte als Kulturkampf

Er schreibt weiter: „Nach der Revolution von 1357 (1979) versuchten die Islamisten schon in den ersten Jahren nach der Revolution, mit ihren ersten Schritten ihre spezielle Auffassung von der Religion als Mehrheitskultur zu verbreiten. In diesem Sinne spannten sie die staatliche Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Sima va Seda, die Verlage, das Kultusministerium, die Hochschulen und die öffentlichen Tribünen allesamt für ihre Zwecke ein.“

Nieder mit Persepolis!

„In den ersten Jahren der Revolution versuchte man, alles, was irgendwie mit der vorislamischen Geschichte zu tun hat, auszulöschen. Selbst Persepolis (Takhte Jamshid) sollte zerstört werden. Viele Kulturgüter an den Wänden und Türen der Städte wurden vernichtet und mussten Darstellungen von Legenden über die schiitischen Imame und revolutionären Parolen weichen. Das ging immer weiter so, bis der Blick auf Nouruz, das wichtigste Fest der Iraner, gerichtet wurde.“

Nouruz ist das Fest der Bäume

„Das ging so weit, dass Abulqasem Khazali, ehemaliges Mitglied des Expertenrats und des Wächterrats, in seinen Reden forderte, Nouruz durch das Ghadir-Chomm-Fest als wichtigstes Fest der Iraner zu ersetzen.“ Ghadir-Chomm ist ein Ort zwischen Mekka und Medina, an dem der Prophet Mohammad einen Ausspruch getan haben soll, den die schiitische Theologen, nicht aber die Sunniten, als Übertragung der Nachfolge an Mohammads Neffen Ali deuten. Auf der persischen Webseite zu Ajatollah Abulqasem Khazali steht dazu, dass dieser vor der Freitagspredigt von Teheran folgende Worte geäußert habe: „Das Nouruz-Fest ist das Fest der Bäume. Das große Fest der Iraner muss das Ghadir-Fest sein.“ Der Beleg für das Zitat, ein Link zur staatlichen Nachrichtenagentur IRNA, ist leider nicht mehr aktiv.

Oh Gott, sie sind nicht in Feststimmung!

„Dieser Standpunkt war der Grund, dass einige fanatische Individuen nicht bereit waren, iranische, nicht-religiöse Feste zu feiern. Es ist möglich, dass auch Sie im Iran auf Menschen gestoßen sind, die zur Zeit von Nouruz (Frühlingsanfang) oder zur Schabe Yalda (Nacht der Wintersonnenwende) nicht in Feststimmung sind. In der Mehrheit der Fälle glauben diese Menschen, dass man diese Traditionen nicht beachten dürfe, weil sie so alt sind, dass sie auf die Zeit vor dem Islam zurückgehen. Denn für sie sind dies Denkmäler aus der Zeit des Unglaubens.“

Verfälschung der Traditionen

„Aber angesichts der weiten Verbreitung und der tiefen Verwurzelung der alten Traditionen in der Kultur des Volks im Iran, versuchen diese Personen letztlich, selbige zu islamisieren. (…) Dieser Ansatz hat dazu geführt, dass der Druck, die Traditionen zu verfälschen, weiter anhält.“

Mit ungleichen Waffen

Die letzten Äußerungen von Amir Soltanzade spiegeln einerseits wieder, dass der Kulturkampf im Iran mit ungleichen Waffen durchgeführt wird. Da ist der Staat, der die Feiertage festlegt oder abschafft, da sind die Polizeistreifen, die Jugendliche verfolgen, wenn sie am letzten Mittwoch vor Neujahr (Tschahar-Schanbeye suri) Feuer im Freien machen und darüber springen, da ist der staatliche Propagandaapparat, die Justiz, die Sittenwächter, die Feste, frohe Musik, Musik mit weiblichen Sängerinnen, gemeinsames Tanzen von Jungen und Mädchen und vieles mehr kriminalisieren und die Beteiligten vor Gericht und ins Gefängnis zerren. Das erzeugt Abwehr und Widerstand. Auf den vorislamischen Traditionen zu beharren bedeutet Widerstand gegen die islamische Diktatur, gegen die Herrschaft des Rechtsgelehrten.

Volk und Individuum

Mit den Worten „versuchten die Islamisten (…) ihre spezielle Auffassung von der Religion als Mehrheitskultur zu verbreiten“, mit dem Ausdruck „einige fanatische Individuen“ und dem Satz „Aber angesichts der weiten Verbreitung und der tiefen Verwurzelung der alten Traditionen in der Kultur des Volks im Iran, versuchen diese Personen letztlich, selbige zu islamisieren“ spricht Amir Soltanzade die Vorstellung aus, dass auf der einen Seite „das Volk“ (mardom) steht, auf der anderen Seite Individuen, Einzelpersonen (fard). Das Volk wird gleichgesetzt mit den alten, vorislamischen Traditionen, die Individuen sind fanatisch, Islamisten, die ihre Überzeugung der Mehrheit aufzwingen wollen und dabei auch einige Menschen erreicht haben, die aber in der Zahl nicht sehr groß zu sein scheinen, wie der Satz „ Es ist möglich, dass auch Sie im Iran auf Menschen gestoßen sind, die zur Zeit von Nouruz…“ signalisiert.

Das Fremde

Dahinter steht ein Geschichtsbild, das auf der einen Seite das Volk sieht, das alte, vorislamische Traditionen und Werte verkörpert, auf der anderen Seite Individuen, die dem Volk etwas Fremdes, nämlich den Islam aufzwingen wollen. In dieser Sicht ist der Islam eine von außen, von den Arabern aufgezwungene Religion. Diese Sicht ist unter nationalistisch gesinnten Iranern verbreitet. Sie ist ein Spiegelbild des Weltbilds, das Ajatollah Chomeini und seine Anhänger vor und nach der Religion vertraten. Hier war das Volk, das islamische, das die sittlichen Werte hochhielt, und da der Schah, der Tyrann, der die islamischen Werte verletzte und fremde Werte, westliche Werte, in den Iran importierte. Gharb-Zadegi, Verwestlichung, war ein zentraler Vorwurf vieler Revolutionäre, auch linker Revolutionäre, gegen das Schah-Regime. An seine Stelle ist der Vorwurf der Eslam-Zadegi, der Verislamierung getreten. Dieser Begriff wird in der politischen Diskussion nicht verwendet, aber er trifft den Kern, weil auch hier ein Gedanke als etwas Volksfremdes etikettiert und deshalb aus der Diskussion ausgeschlossen werden soll.

Wie fremd ist der Islam, wie vorislamisch ist Nouruz?

Wenn der Islam „dem Volk“ so fremd wäre, ist die Frage, wieso Ajatollah Chomeini es in den ersten Jahren der Revolution geschafft hat, unter seinen Parolen Millionen von Menschen, Männer und Frauen, auf die Straße zu bringen. Wenn sich heute eine Mehrheit im Iran vom politischen Islam abwendet, liegt das dann daran, dass der Islam volksfremd ist, oder daran, dass die Mehrheit in den vergangenen vierzig Jahren so bittere Erfahrungen mit der „Herrschaft des Rechtsgelehrten“ gemacht hat, dass sie daraus ihre Schlüsse gezogen hat? Dann geht es nicht darum, etwas „Fremdes“ auszustoßen, sondern es zu verdauen. Schauen wir uns doch einmal konkret an, wie vorislamisch die iranischen Feste sind, die das Volk trotz des Gegendrucks der Islamisten am Leben erhält.

Sofreye-Haft-Sin und Nouruz

Wenn wir Ostergedeck und Frühlingsanfang sagen statt Sofreye-Haft-Sin und Nouruz, klingt es gar nicht mehr so orientalisch. Nehmen wir Nouruz, das persische Neujahrsfest zum Frühlingsanfang, das heutzutage 13 Tage dauert. Wie traditionell ist es denn, die Straßen in sämtlichen Städten mit Autos zu verstopfen und auf allen Grünstreifen zu picknicken und zu parken, um am 13. Tag – sizdah-be-dar – nicht zu Hause zu bleiben? Viele Iraner, auch die im Exil, versäumen es nicht, zum Neujahrsfest ein besonders Gedeck herzurichten, Sofreye-Haft-Sin genannt. Für die Sofreye-Haft-Sin werden dem dem Wort nach sieben Gegenstände, die mit S anfangen, auf dem Tisch platziert. Mehr dazu bei Wikipedia und bei Alischirasi unter dem Stichwort Haft-Sin. Diese Tradition wird als echt iranisch betrachtet. Und jetzt die Frage: Was ist Sin? Es ist der Name des Buchstaben s auf Arabisch. Warum hat man den arabischen Namen gewählt? Wie hieß denn der Name des Buchstaben in den Alphabeten, die vor dem Islam im Iran verwendet wurden? Und warum Sofre? Das ist ebenfalls ein arabisches Wort. Für diese „uriranische“ Tradition muss also die Schrift und der Wortschatz der „arabischen Eroberer“ herhalten. Und warum heißt dieses Gedeck Haft-Sin? Weil dort sieben Gegenstände zu sehen sind, die im Persischen mit S beginnen, lautet die Erklärung. Wer genau hinschaut, sieht jedoch, dass da in der Regel mehr Gegenstände stehen, mit Sin und ohne Sin. Sonbol, die Hyazinthe, zum Beispiel, ist ein häufiger Gast, das achte Sin im Bunde. Und dann gibt es den Spiegel, den Goldfisch oder ein Buch von Hafez. Samt und sonders alle nicht mit Sin beginnend. Nehmen wir an, der Name würde etwas Uriranisches bezeichnen, welche Gegenstände sind dann die Richtigen? Und wie sind die anderen dazugekommen? Und seit wann? Wie stabil und wie alt ist dann dieser Brauch in der aktuell gefeierten Version? Der Dichter Hafez lebte zu einer Zeit im Iran, als dieser schon islamisiert war. Selbst der Beiname Hafez verweist auf den Koran – so nannte man einen Menschen, der den Koran auswendig zitieren konnte. Was ist dann daran uniranisch, dass heutige Islamisten die Traditionen islamisieren wollen? Das geschieht doch schon seit Jahrhunderten!

Eine weitere Charaktergestalt des Neujahrsfestes ist der als Schwarzer mit roter Farbe verkleidete Hadschi Firuz. Firuz ist ein persischer Name, aber Hadschi ist ein Ehrentitel für diejenigen, die die Mekka-Pilgerfahrt absolviert haben, für einen gläubigen Muslim eine wichtige Aufgabe.

Was älter ist, hat Recht?

Amir Soltanzade schreibt, dass „die mehrere Tausend Jahre alte Vorgeschichte von Nouruz und Schabe Yalda und deren Traditionen wesentlich über die Religion hinaus verbreitet waren und nach der Überzeugung einiger Historiker seit Darius I. Eingang in den iranischen Kalender gefunden haben. Es heißt, dass die Landwirtschaft damals die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung gewesen sei und die Iraner deshalb der Natur besondere Ehre erwiesen. Der Wechsel der Jahreszeiten war für das Volk sehr wichtig. Und so kam es, dass sich hieraus nach und nach eine verbreitete Tradition entwickelte.“

Das Volk und die Narren

Dieses Bemühen, Traditionen möglichst alt erscheinen zu lassen und daraus eine Legitimation zu schöpfen, ist keineswegs auf den Iran beschränkt. Hier eine Parallele aus der südwestdeutschen Vergangenheit. Zitat: „Er (Willi Hermann) übernahm die Leitung des Volksbildungswerkes innerhalb der NS-Gemeinschaft »Kraft durch Freude« im Kreis Stockach. Zu seinen Aufgaben zählte die politische Indoktrination der KdF-Reisenden im Sommer sowie der gesamten Bevölkerung des ländlich geprägten Stockacher Umlandes im restlichen Jahr. Auch die Stockacher Fasnacht (19)37 sollte hin zur alemannischen Volksfasnacht ausgerichtet und deren »germanisch-urtümlicher« Charakter gestärkt werden. Denn man feierte in Baden bislang – so die Konstanzer NS-Tageszeitung Bodensee-Rundschau – zwei getrennte Erscheinungsformen der Fasnacht: »Im alten Brauchtum der alemannischen Volksfasnacht und in den Neuerfindungen des städtischen Karnevals.« 38)“

„Willi Hermann trug in seiner Funktion als Leiter des Volksbildungswerkes des KdF auch zur Neuausrichtung der Stockacher Fasnacht bei, indem – ganz im Sinne der Förderung der alemannischen Volksfasnacht – im Februar 1936 ein großer Umzug organisiert wurde. 42)“

„So wird dieser Umzug ein rauschender Abschlußakkord frohbeschwingter Narrheit, das Jahrhunderte alt und doch ewig jung durch die alte Narrenstadt klingt. Stadt und Land, sie sind vereint bei der Stockacher Volksfasnacht am Fasnachtsdienstag.« 44)“

Die Zeiten des größten Ruhms

Amir Soltanzade schreibt weiter: „Ali Chamene‘i, der Führer der Islamischen Republik (Iran), erklärte in einem Treffen mit dem Regierungskabinett im Monat Schahriwar 1390 (23.8.-22.9.2011): Was das Interesse am Iran anbelangt, sollte statt der Betonung des vorislamischen Irans der Iran nach der Einführung des Islams im Zentrum stehen; denn in keiner geschichtlichen Periode hat der Iran solchen Ruhm erlangt wie nach der Einführung des Islams.“ Amir Soltanzade sieht darin eine weiteren Beleg dafür, wie die Geistlichen die Geschichte verfälschen wollen. Das lässt sich auch anders sehen.

Parallelen in der Türkei

Ein Blick auf die Türkei zeigt, dass Atatürk den Rest des vorigen osmanischen Reichs, der noch verblieben war, durch militärischen Widerstand gegen die Besatzungsmächte und Modernisierung des Staates nach europäischen Vorbildern zu einem modernen Nationalstaat aufbauen wollte. In dieser Perspektive war die rückständige Religion ein wesentliches Hindernis. Religiöse Orden wurden verboten, die religiösen Schulen abgeschafft und durch staatliche Schulen ersetzt, in denen Jungen und Mädchen gleichermaßen ausgebildet wurden, religiöse Gerichte wurden ebenfalls abgeschafft, selbst die Kopfbekleidung wurde per Gesetz dem Westen angepasst. Und was haben wir jetzt? Einen Staatspräsidenten, der sich symbolisch auf das Osmanische Reich bezieht, für den der Kalif in Istanbul als Oberhaupt der Muslime der damaligen Welt so etwas wie der Mittelpunkt der Welt war. Statt fünftes Rad am Wagen der EU zu spielen, die ständig neue Gründe erfindet, die Türkei nicht in die Europäische Gemeinschaft aufzunehmen, besinnt er sich zurück auf ein Osmanisches Reich als religiöses, politisches und wirtschaftliches Zentrum im Mittelmeeraum und den angrenzenden Regionen. Da kommt nicht die Frage auf, wieso das Gebilde zerbrochen ist, der Bezugspunkt ist der Ruhm und die Größe des damaligen Imperiums, das bis vor die Tore Wiens gelangte.

Zurück zum Iran

Diesen Größenwahnsinn findet man auch bei den iranischen Islamisten wieder. Ajatollah Chomeini, der Begründer der Islamischen Republik, wollte die Revolution in die ganze Welt exportieren. Die Revolution gegen den Schah als Stellvertreter der USA im Nahen Osten (der Gendarm am Persischen Golf), als Verbündeter Israels, sowie die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran, die auch von einem US-Militärkommando nicht beendet werden konnte, das der damalige Präsident Carter entsandte, verliehen den iranischen Islamisten die Aura von echten Revolutionären, die auch unter Sunniten Anklang fand. Und das beharrliche Streben nach der Atombombe unter den Ajatollahs trotz aller wirtschaftlichen Kosten ist gleichfalls Ausdruck dieses Strebens nach „Größe“. Wenn ich die Atombombe habe, dann bin ich wer. Und was ist die Antwort des iranischen „Volks“ auf diese Suche nach Ruhm und Größe? Während Ajatollah Chamene‘i sie im Iran nach der Islamisierung findet, findet sie eine beachtliche gesellschaftliche Strömung im Iran in der Zeit davor. Da wird auf Persepolis (Tachte Dschamschid), auf König Kyros und König Dareios Bezug genommen, da wird der „Geburtstag“ von König Kyros begangen, und das Regime antwortet darauf mit Straßensperren und Bassidschi-Manövern in der Region. Beide Seiten jagen Geistern nach, Phantasiegebilden vergangener Größe, und nähren sich von Mythen wie der „ersten Menschenrechtserklärung der Welt“ vor 2500 Jahren unter dem Herrscher Kyros.

Was heißt es, Iraner zu sein?

Amir Soltanzade kommt über die Kritik an der Verfälschung der Traditionen und der iranischen Geschichte durch die islamistischen Machthaber schließlich zu seinem Kernpunkt, nämlich der Frage, was die Iraner definiert:

„Trotzdem weist alles darauf hin, dass die iranische Gesellschaft, sogar ein Großteil der gläubigen Muslime, gegenüber dem Druck der Regierung eine natürliche Reaktion an den Tag legen wie in jenen Zeiten, in denen fremde Völker den Iran besiegt hatten und bestrebt waren, die geltenden Bräuche zu ändern. Dieses Mal gehen sie nach demselben Vorbild vor, sie betonen die iranischen Traditionen und bewahren die eigene Kultur vor Veränderungen. Schabe Yalda und Nouruz sind de facto ein Teil der emotionalen Gemeinsamkeit und der gesellschaftlichen Erinnerung des Volkes, die wie ein Damm der Flut der neuen Kultur der islamischen theologischen Anstalten, die als islamische Kultur propagiert wird, standhalten. Viele Feste und Bräuche sind mittlerweise im Iran verloren gegangen. Aber diese beiden Beispiele sind die beiden einzigen Andenken an die iranische Kultur aus der Antike, deren Bewahrung für einen Großteil der iranischen Gesellschaft als Zeichen des Iraner-Seins gilt. Andererseits sind es gerade diese Traditionen, die angesichts der Globalisierung und der Angleichung der Kulturen das Privileg sein können, das ein Iraner mit dem andern teilt.“

Mit anderen Worten, egal ob ich im Iran oder im Exil in Lübeck lebe, wenn ich zum persischen Neujahr den Tisch mit dem Haft-Sin-Gedeck decke, dann bin ich Iraner. Das ist in der Summe ein recht bescheidener Anspruch. Da wird nicht vorausgesetzt, dass meine Eltern eine bestimmte Staatsangehörigkeit haben, dass ich an einem bestimmten Punkt der Welt geboren wurde oder eine bestimmte Sprache beherrsche, es reicht mein Tischlein-Deck-Dich, und ich bin Iraner. Das ist eine recht humane Einbürgerungsschwelle, falls Amir Soltanzade das wirklich so gemeint hat.

Aber es beantwortet nicht die Frage: Warum fühlen so viele Menschen das Bedürfnis, sich als etwas zu definieren, sei es als IranerIn, SchweizerIn oder AmerikanerIn, sei es als ChristIn, als MoslemIn oder als BuddhistIn, sei es als erfolgreiche/r UnternehmerIn, als solide/r HandwerkerIn oder als rüstige/r RentnerIn? Bringen wir den Kindern bei, dass sie nichts sind, wenn sie zu nichts gehören? Und wenn ja, warum? Weil wir auch nichts anderes gelernt haben? Wann kommt die Zeit, in der wir nachdenken, ob wir auch sein können, ohne Jemand zu sein?

zum Artikel von Amir Soltanzade:

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=220121

vom 30. Adhar 1399 (20. Dezember 2020)

سنت‌های ایرانی، سدی در برابر هجمه فرهنگی حکومت

https://fa.wikipedia.org/wiki/ابوالقاسم_خزعلی

وی خواستار جایگزینی عید غدیر خم به جای عید نوروز به عنوان جشن بزرگ ایرانیان شد.[۲۹] وی در سخنان پیش از خطبه نماز جمعه تهران گفت: «عید نوروز، عید درختان است، عید بزرگ ایرانیان باید عید غدیر باشد».[۳۰

30)آیت‌الله خزعلی: عید بزرگ ایرانیان باید عید غدیر باشد[پیوند مرده] (خبرگزاری ایرنا)

Link nicht mehr aktiv, 24.12.2020

zur Rede von Kenedy 1963 in Berlin:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_bin_ein_Berliner

zur Fasnacht am Bodensee:

SCHRIFTEN DES VEREINS FÜR GESCHICHTE DES BODENSEES UND SEINER UMGEBUNG. Sonderdruck aus: 137. Heft 2019

Jürgen Klöckler: EINE IKONE DER FASNACHT AM BODENSEE

Zur NS-Vergangenheit des Konstanzer und Stockacher Fasnachters Willi Hermann, Zitate aus S.8

zum Thema Haft-Sin und Nouruz (sowie Ghadir Chumm):

https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz

https://de.wikipedia.org/wiki/Ghad%C4%ABr_Chumm

http://alischirasi.blogsport.de/2009/03/16/fruehling-sofre-haft-sin-nouruz-fest-und-das-mullah-regime/

Haft Sin sind sieben Elemente, die alle im Persischen mit dem Buchstaben „S“ beginnen, mit denen die Tafel des Nouruz-Festes (persisches Neujahrsfest), zu Frühlingsbeginn (um den 21. März) im Iran dekoriert wird. Sprossen symbolisieren dabei Munterkeit, Pudding aus Weizen symbolisiert Wohltat und Segen, Knoblauch symbolisiert Schutz, Mehlbeeren die Saat des Lebens, Essig steht für Fröhlichkeit, Gewürzsumach symbolisiert den Geschmack des Lebens und Äpfel die Gesundheit.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerber-Sumach

„Steinfrüchte, Sumak genannt (vermutlich von aramäisch summaq für dunkelrot)..“

https://en.wikipedia.org/wiki/Rhus_coriaria

The word originally comes from Aramaic summāqā ‚red‘, via Arabic, Latin, and French.[6]

Oxford English Dictionary, 3rd edition, September 2019, s.v.

https://de.wikipedia.org/wiki/Haft_Sin

    Sabze (سبزه „Grünes“, hier: „Weizen“-, „Gersten“- oder „Linsensprossen“) symbolisiert Munterkeit (sabz o choram „lebendig und munter“)

    Samanak/Samanou[6] (سمنو „Malz aus Weizen“) symbolisiert Wohltat und Segen

    Sir (سیر „Knoblauch“) symbolisiert Schutz

    Sendsched (سنجد „Mehlbeere“) symbolisiert die Saat bzw. den Keim des Lebens

    Serkeh[7] (سرکه „Essig“) symbolisiert Geduld und Fröhlichkeit

    Somagh (سماق „Gewürzsumach“) symbolisiert den Geschmack des Lebens

    Sib (سیب „Apfel“) symbolisiert Schönheit und Gesundheit

Ferner kann der Haft-Sin-Tisch mit weiteren Elementen geschmückt werden:

    Sonbol, gesprochen auch Sombol (سنبل „Hyazinthen“) symbolisiert Freundschaft

    Sekeh (سکه „Münze“) symbolisiert Wohlstand

    Ayineh (آیینه „Spiegel“) symbolisiert Reinheit und Ehrlichkeit

    Scham’ (شمع „Kerze“) symbolisiert Feuer

Tochm-e morgh-e rangi (تخم مرغ رنگی „Gefärbte Hühnereier“). Das Ei symbolisiert Fruchtbarkeit. Die Anzahl richtet sich meistens nach der Zahl der Familienmitglieder, vier Personen = vier Eier. Sie sind den Ostereiern vergleichbar.

Mahi ghermez (ماهی قرمز „Rotfisch“, Goldfisch) im Wasser symbolisiert Glücklichkeit. Alternativ werden auch Narendsch (نارنج „Bitterorangen“) in eine Schüssel mit klarem Wasser gelegt.

Ketāb (کتاب „Buch“) symbolisiert Weisheit; üblich sind Der Diwan von Hafis, das Schāhnāme von Abū l-Qāsem-e Ferdousī, oder je nach Glaubensrichtung das Avesta, der Koran, die Bibel oder die Tora.

zum Thema antikes Iran, Kyros und die Menschenrechte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis

https://de.wikipedia.org/wiki/Pasargadae

http://alischirasi.blogsport.de/2015/01/02/ein-gespenst-geht-um-im-iran-die-menschenrechtserklaerung/

https://alischirasi.wordpress.com/2017/10/30/iran-ruhe-in-frieden-kyros/

Iran: Todesstrafe als Politik gegen Minderheiten

Vergangenen Samstag, den 26. Dezember 2020, wurde Abdolhamid Mir Baluch-Zehi im Gefängnishof von Zahedan (Sahedan), der Hauptstadt der Provinz Sistan und Balutschistan, hingerichtet. Er war ursprünglich vom Revolutionstribunal in Zahedan zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil wurde vom Obersten Gerichtshof des Landes aufgehoben und im Jahr 1397 (2018) an das Revolutionstribunal von Zahedan zurück verwiesen. Diesmal verhängte es die Todesstrafe. Angeblich soll er für den Tod zweier Pasdaran im Monat Farwardin 1394 (April/Mai 2015) verantwortlich sein. Die Justizbehörde von Sistan und Balutschistan bezeichnete ihn als eine der wichtigen Figuren des Jaish ul-Adl (Armee der Gerechtigkeit). Angesichts der notorisch unfairen Prozesse im Iran kann über den Wahrheitsgehalt der staatlichen Vorwürfe nichts gesagt werden. Die Hinrichtung von Abdolhamid Mir Baluch-Zehi wurde auch von seinem Anwalt Mostafa Nili in einer Twitter-Meldung bestätigt. Bereits am Samstag davor waren zwei andere balutschische Gefangene in Zahedan hingerichtet worden.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=220457
vom 6. Dey 1399 (26. Dezember 2020)
زندانی سیاسی عبدالحمید میربلوچ‌‌زهی، در زندان زاهدان اعدام شد

Iran: Der reiche Onkel in Teheran

Mahmud az-Zahar (Wikipedia)

Mahmud az-Zahar, ehemaliger Außenminister von Palästina und führendes Mitglied der Bewegung Hamas, erklärte am Sonntag, den 7. Dey 1399 (27. Dezember 2020) in einem Interview mit dem arabisch-sprachigen Sender al-Alam des iranischen Staatsfernsehens: „Bei meinem Besuch bei Qasem Soleymani in Teheran im Jahr 2006 erklärte ich ihm: Unser Hauptproblem ist die Auszahlung der Löhne der Angestellten (der Palästinensischen Autonomiebehörde), die sozialen Dienstleistungen und andere Beihilfen an die Bevölkerung des Ghaza-Streifens. Hadsch Qasem (Soleymani) reagierte sofort auf unsere Bitte, so dass wir am nächsten Tag, dem Tag unserer Abreise, 22 Millionen Dollar in unseren Koffern am Flughafen (von Teheran) vorfanden. Mahmud az-Zahar war damals nach dem Sieg der Hamas im Ghaza-Streifen noch ganz neu in seinem Posten als Außenminister und war zuerst vom iranischen Präsidenten Ahmadinezhad empfangen worden. Als Mahmud az-Zahar diesen auf ihre finanziellen Schwierigkeiten ansprach, verwies ihn der Präsident direkt an den Pasdar-Kommandanten Qasem Soleymani. Dies ein kleines Detail, welche Rolle die Pasdaran in der iranischen Außenpolitik spielen.

Die Veröffentlichungen im Iran über Qasem Soleymani stehen in Zusammenhang mit dessen sich nähernden Todestag. Er war Anfang Januar 2020 aufgrund einer US-Militäraktion umgebracht worden. Iranische Medien sollen jetzt auch berichtet haben, dass General Qasem Soleymani sogar einmal persönlich im Ghaza-Streifen war und bei der Anlage der Tunnels, die dem Schmuggel dienten, eine wichtige Rolle gespielt habe. Zeitweise kam es zu Verstimmungen zwischen den iranischen Machthabern und der Hamas-Führung, weil die Hamas im Gegensatz zu Teheran die Huthi-Milizen in Yemen nicht unterstützte und auch keine klare Position zur Frage der Machterhaltung von Baschar al-Assad in Syrien einnehmen wollte. Nach ein paar Jahren scheint man sich geeinigt zu haben, auch hieran war Qasem Soleymani wohl beteiligt.

https://www.radiofarda.com/a/hamas-official-money-soleimani-iran/31022805.html
vom 8. Dey 1399 (28. Dezember 2020)
مقام حماس درباره دریافت «۲۲ میلیون دلار» پول نقد از قاسم سلیمانی؛ «چمدان‌هایمان دیگر جا نداشت»

https://de.wikipedia.org/wiki/Mahmud_az-Zahar

https://alischirasi.wordpress.com/2020/01/06/iran-tod-eines-generals/

Iranische Traditionen, ein Bollwerk gegen den kulturellen Angriff der Regierung

In den letzten 42 Jahren hat die Islamische Republik [Iran] versucht, eine theologische Kultur im Land zu etablieren.

Die Iraner versuchen, ihre Kultur vor dem Ansturm der theologischen Kultur zu schützen, indem sie alte Feste und Zeremonien abhalten

Jedes Mal, wenn eine traditionelle iranische Zeremonie stattfindet, wird von den der iranischen Regierung zugeschriebenen Medien versucht, sie herunterzuspielen. Klar ist jedoch die Fortsetzung dieser Traditionen und ihre Weitergabe an zukünftige Generationen. Dies wird vom Volk als eine Art Verteidigungsmechanismus gegen den kulturellen Angriff der [islamischen] Regierung auf verschiedene Lebensbereiche angesehen.

Nach der Revolution von 1979 versuchten die Islamisten zunächst, ihre eigene Auffassung von Religion als dominierender Kultur zu fördern. In diesem Zusammenhang wurden Radio, Veröffentlichungen, Bildung, Universitäten und öffentliche Foren als Werkzeuge verwendet.

In den frühen Jahren der Revolution wurde versucht, alles auszulöschen oder zu zerstören, was der vorislamischen Geschichte zugeschrieben wird. Sogar Persepolis [altpersische Residenzstadt, 520 v. Chr. von Dareios I. gegründet] sollte zerstört werden. Viele kulturelle Relikte verschwanden von den Stadtmauern und wurden durch Hadithe [Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des islamischen Propheten Mohammed] ersetzt, die schiitischen Imamen und revolutionären Parolen zugeschrieben wurden. Dieser Trend setzte sich nach und nach fort, bis nur noch Nowruz [persisches Neujahrs- und Frühlingsfest] als Hauptfeiertag der Iraner angesehen wurde. So sehr, dass Abolghasem Khazali, ein ehemaliges Mitglied der Expertenversammlung und des Wächterrates, die Ersetzung von Eid al-Ghadir [wichtiges schiitisches Fest] anstelle von Nowruz als Hauptfeiertag des Iran forderte. Diese Ansichten haben einige [islamistische] Fanatiker daran gehindert, an iranischen und nichtreligiösen Feiertagen teilzunehmen.

Möglicherweise haben Sie im Iran Menschen getroffen, die während der Nacht von Nowruz [Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr] oder Yalda [Wintersonnenwende] keine Eid-al-Ghadir-Stimmung haben. In den meisten Fällen denken diese Menschen, dass iranische Traditionen aufgrund ihrer langen Geschichte, die bis in vorislamische Zeiten zurückreicht, nicht ignoriert werden sollten, nur weil sie als Relikt des Zeitalters des Unglaubens gelten.

Aufgrund der Verbreitung und der tiefen Wurzeln der alten Traditionen in der Kultur des iranischen Volkes versuchten diese Menschen schließlich, sie zu islamisieren. Zum Beispiel betonen einige Geistliche diesen Teil der Tradition und betonen ihn, indem sie sich auf die Bedeutung der Barmherzigkeit des Islam beziehen. Diese Ansicht hat zu anhaltendem Druck geführt, Traditionen zu verzerren.

In diesem Zusammenhang empfiehlt Alireza Tohidloo, der als Experte für Koranwissenschaften gilt, dass Korangeschichten in der Nacht von Yalda erzählt werden. Er erklärt die lange Nacht von Yalda, zitiert einen Hadith aus dem sechsten Imam der Schiiten und schreibt, dass der Winter der Frühling des Gläubigen ist; Er nutzt seine langen Nächte zum Fasten und seine kurzen Tage zum Fasten. In einem anderen Teil erwähnt er Hafez‘ Diwan [bekanntestes Werk des berühmten pers. Dichters] und sagt: „Die Iraner, so wie sie den Koran rezitiert haben, bitten um Segen aus diesem göttlichen Buch, um ihre Arbeit zu beginnen, sie meditieren auch über Hafez‘ Diwan und bitten Khajeh Shiraz um gute Gebete.“

[…]

Aber der Versuch der islamischen Regierung, die Rituale und Bräuche des Volkes zu ändern, scheint ideologisch motiviert zu sein. Weil dieser Druck nicht auf alte und vorislamische Themen beschränkt ist.

In den letzten 42 Jahren sind Männer und Frauen zunehmend unter Druck geraten, einen bestimmten Lebensstil als islamisch-iranisches Modell anzunehmen. Die […], die Geburt, die Musik, die Bücher, die Ehe und vieles mehr waren durch die Regierung Änderungen unterworfen. Zum Beispiel sagte der Oberste Führer der Islamischen Republik, Ali Khamenei, in einer Sitzung mit dem Kabinett im September 2011: „Weil die Ehre des Iran nach dem Islam in keiner Periode der iranischen Geschichte existiert hat.“

Die Belege zeigen, dass die iranische Gesellschaft, selbst ein großer Teil der muslimischen Gemeinschaft, natürlich auf diesen Regierungsdruck reagiert hat, wie zu Zeiten, als ausländische Stämme den Iran dominierten und versuchten, die damalige Kultur zu verändern. Aus dem gleichen Grund und unter Betonung der iranischen Traditionen schützen die Menschen ihre Kultur vor Veränderungen.

Die Nacht von Yalda und Nowruz sind in der Tat Teil des emotionalen Teilens und des kollektiven Gedächtnisses der Menschen, die als Barriere gegen die Flut neuer Seminarkultur fungiert haben, die als islamische Kultur gefördert wird. Viele Feste und Bräuche wurden im Iran zerstört. Tatsächlich sind diese beiden Fälle die einzigen Relikte der iranischen Kultur aus der Antike, deren Erhaltung für einen großen Teil der iranischen Gesellschaft ein Symbol dafür ist, iranisch zu sein. Auf der anderen Seite können diese Traditionen aufgrund der Globalisierung und der kulturellen Homogenisierung den Unterschied zwischen einem Iraner und einem anderen […] ausmachen. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Regierung eine bestimmte Seminarkultur als offizielle Kultur bezeichnet. So wie die Erhaltung verschiedener Sprachen und Subkulturen in der heutigen Welt zu einem Anliegen sozial- und kulturwissenschaftlicher Aktivisten geworden ist und ihr Schutz als Erhaltung der menschlichen Zivilisation angesehen wird, haben die Menschen im Iran in den letzten 42 Jahren versucht, verschiedene Instrumente einzusetzen, darunter Zeremonien oder Erinnerungen. Verteidigen Sie sich in kulturellen Werken gegen die herrschende Macht. Zumal die Islamisierung der Geisteswissenschaften als Grundlage der Kultur heute auf der Tagesordnung der Regierung steht

Amir Soltanzadeh
Schriftsteller und Journalist – Persian Independent
20. Dezember 2020

سنت‌های ایرانی، سدی در برابر هجمه فرهنگی حکومت

https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith
https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz
https://en.wikipedia.org/wiki/Eid_al-Ghadir
https://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis

Die längste Nacht des Jahres (persisch: Shabe Yalda)

Europäisches Parlament hat scharfe Resolution gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran verabschiedet

نمایی از پارلمان اروپا؛ عکس از آرشیو رادیو فردا
Europäisches Parlament, Brüssel

Am Tag nach der Verabschiedung einer Resolution der UN-Generalversammlung zur Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen im Iran hat das Europäische Parlament am Donnerstag, dem 17. Dezember 2020, eine diesbezügliche harte Resolution gegen den Iran verabschiedet. Die mit 614 gegen 12 Stimmen bei 63 Stimmenthaltungen verabschiedete Resolution nennt eine Reihe von „groben Verstößen“ gegen die Menschenrechte im Iran, darunter willkürliche Inhaftierung, Einschüchterung des Volkes und der Opposition, Hinrichtungen und Verstöße gegen Minderheitenrechte.

Die Resolution bezieht sich auf die Rückkehr von Frau Nasrin Sotoudeh, einer Anwältin und Menschenrechtsaktivistin, die im Evin-Gefängnis inhaftiert ist, während sie an einer Covid19-Infektion leidet. Ihre sofortige und bedingungslose Freilassung zur Behandlung wird gefordert. Nasrin Sotoudeh wurde am 7. November vorübergehend aus dem Qarchak-Gefängnis entlassen, um ihre Corona-Infektion zu untersuchen, allerdings erst, nachdem sie eine Kaution hinterlegt hatte. Frau Sotoudeh, die wegen politischer Anklagen zu insgesamt 33 Jahren Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt wurde, wurde kürzlich vom Evin-Gefängnis in das Qarchak-Gefängnis verlegt. Sie wurde ins Gefängnis zurückgebracht, obwohl sie noch immer an der Covid19-Erkrankung litt.

Die Entschließung des Europäischen Parlaments bezog sich auch auf die Hinrichtung von Rohollah Zam, ehemaligem Chefredakteur von Amnnews, und Navid Afkari, einem iranischen Ringer, und forderte die europäischen Länder auf, Ausländern mehr Schutz vor Bedrohungen und Einschüchterungen durch das iranische Geheimdienstministerium zu bieten.

Die Resolution fordert dann die Islamische Republik auf, das Todesurteil von Ahmad Reza Jalali, (Ahmadreza Djalali) einem iranisch-schwedischen Forscher, der der Spionage beschuldigt wird, unverzüglich aufzuheben. Herr Jalali, der auf Einladung iranischer Universitäten nach Teheran gereist war, wurde vor vier Jahren vom Geheimdienstministerium verhaftet und ein Jahr später vom Revolutionsgericht zum Tode verurteilt, weil er „für Israel spioniert und dem Mossad Informationen zur Ermordung iranischer Nuklearwissenschaftler gegeben hat“.

In der Entschließung wurde die Europäische Union aufgefordert, ihre Besorgnis über die unfairen Prozesse zum Ausdruck zu bringen und das diplomatische Personal zu bitten, sich mit der Situation in iranischen Gefängnissen zu befassen, in denen Menschenrechtsverteidiger und doppelte nationale Inhaftierte festgehalten werden.

In der Entschließung werden einige nationale Doppelgefangene erwähnt, wie Nazanin Zaghari und Kamil Ahmadi, britisch-iranische Staatsbürger, Fariba Adelkhah, französisch-iranischer Forscher, Nahid Taghavi, iranisch-deutscher Staatsbürger, Murad Tahabaz, iranisch-amerikanischer Staatsbürger und Massoud Mosaheb, österreichisch-iranischer Staatsbürger. Der Iran hat zuvor mehrere inländische oder ausländische Häftlinge mit iranischen Häftlingen im Ausland ausgetauscht, zuletzt die Freilassung von Kylie Moore-Gilbert, einer australisch-britischen Forscherin, im Austausch gegen die Freilassung von drei Iranern, denen vorgeworfen wird, 2012 in Thailand Israel bombardiert zu haben.

Verurteilt und eingesperrt

In der Resolution wurde die Islamische Republik aufgefordert, die „Hunderte“ von Menschenrechts-, Arbeits-, Medien-, politischen und sozialen Aktivisten, die sie „willkürlich“ festgenommen hat, unverzüglich freizulassen. In der Resolution werden andere Menschenrechtsaktivisten genannt, darunter Golrokh Ebrahimi Erayi, der wegen Propaganda gegen die iranische Regierung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde. In der Entschließung wurden auch die Sanktionsmechanismen gegen iranische Behörden wegen Menschenrechtsverletzungen begrüßt.

Der EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell, ging ebenfalls auf die Frage der Rückkehr von Sotoudeh ins Gefängnis ein und forderte die Islamische Republik auf, sie unverzüglich freizulassen. Er bezog sich auch auf die Hinrichtung von Ruhollah Zam und sagte, dass die Islamische Republik jährlich mehr als 200 Menschen hinrichtet und forderte ein Ende der erzwungenen Fernsehgeständnisse und die Abschaffung der Hinrichtungen im Iran. Herr Borrell sagte, dass alle Personen, die an Menschenrechtsverletzungen im Iran beteiligt sind, insbesondere an der Gewalt im November 2019, strafrechtlich verfolgt werden sollten. Er forderte den Iran auf, sich an die nationalen und internationalen Menschenrechtsgesetze zu halten.

Quellen

https://www.radiofarda.com/a/31006124.html
پارلمان اروپا قطعنامه‌ای شدید‌اللحن علیه نقض حقوق بشر در ایران صادر کرد

https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/TA-9-2020-0376_EN.html
European Parliament resolution of 17 December 2020 on Iran, in particular the case of 2012 Sakharov Prize Laureate Nasrin Sotoudeh
vom 17.12.2020