Iran: Erdölexporte auf Rekord-Tiefstand

تأسیسات میدان نفتی سروش در خلیج فارس
Soroush Ölfeldanlage im Persischen Golf

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Donnerstag, den 14. Mai 2020, dass der Iran im April täglich 70.000 Barrel Öl verkauft hat, der niedrigste Stand der letzten Jahrzehnte. Zuvor (im März) sei die Menge noch bei 287.000 Barrel pro Tag gelegen. Selbst wenn die Angabe, die von der Firma Kplr stammt, die den Erdölverkauf beobachtet, laut Kplr korrigiert werden müsste und 200.000 Barrel herauskämen, wäre das immer noch ein extremer Tiefstand. (Ob die Zahl 200.000 aus den Fingern gesaugt wurde, wird in dem Artikel nicht verraten.)

Daniel Gerber von Petro-Logistics, die ebenfalls den Erdölhandel beobachtet, führt den Rückgang auf die gesunkenen chinesischen Importe zurück. China war früher bei Sanktionen immer noch ein Abnehmer für iranisches Erdöl. Der wirtschaftliche Stillstand, den die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus weltweit hervorgerufen haben, tut sein übriges, die Nachfrage nach Erdöl zu reduzieren.

Noch im April 2018, einen Monat, bevor US-Präsident Trump das Nuklear-Abkommen mit dem Iran gekündigt hatte, betrug der iranische Erdölexport über 2,5 Millionen Barrel pro Tag.

Quellen:

https://www.radiofarda.com/a/Irans-oil-exports-dwindle-to-record-low/30614720.html
میزان فروش نفت ایران به پائین‌ترین رقم طی چند دهه رسید
vom 26. Ordibehesht 1399 (15. Mai 2020)

https://www.reuters.com/article/us-iran-oil/hit-by-coronavirus-and-trump-irans-oil-exports-dwindle-to-record-low-idUSKBN22Q0U3
Hit by coronavirus and Trump, Iran’s oil exports dwindle to record low
vom 14. Mai 2020

Ein Viertel der iranischen Ölplattformen steht still

Ölförderung im Iran

Laut einer von der Agentur Reuters am 10.3.2020 veröffentlichten Nachricht sind mindestens ein Viertel der iranischen Ölplattformen außer Betrieb, da US-Sanktionen die Ölindustrie des Irans erdrosseln.

US-Sanktionen

Die US-Sanktionen zielen darauf ab, Teherans nukleare Ambitionen und seinen regionalen Einfluss einzuschränken. Sie haben den Iran gezwungen, seine Ölproduktion seit Anfang 2018 um die Hälfte auf weniger als 2 Millionen Barrel pro Tag zu senken, weil Raffinerien weltweit den Kauf ihres Öls eingestellt haben.

Sinkende Produktion und Exporte haben die Rezession im Land vertieft und die Haupteinnahmequelle der Regierung versiegen lassen. Reduzierte Aktivitäten haben zu Massenentlassungen im iranischen Ölsektor geführt.

Fallender Ölpreis

Der bislang starke Rückgang der Ölpreise im Jahr 2020 – aufgrund der Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die weltweite Nachfrage – wird die Schmerzen für die iranische Wirtschaft verschärfen, die auch mit einem der größten Ausbrüche der Krankheit außerhalb Chinas zu kämpfen hat.

Ölpreisentwicklung im letzten Jahr

Ergänzung: Im letzten Jahr ist der Erdölpreis um die Hälfte gefallen. Im Zuge der ökonomischen Belastungen durch den Coronavirus beschleunigte sich der Preisverfall in den letzten Tagen.

Ersatzteilproblem

Einige der iranischen Ölplattformen sind außer Betrieb, weil sie nicht repariert werden können. Sanktionen haben es für den Iran auch schwieriger und teurer gemacht, Ersatzteile zu kaufen und zu importieren.

Der Iran verlässt sich bei seinen Bohrinseln ausschließlich auf importierte Teile, sagte Mohsen Mihandoust, Direktor der iranischen Gesellschaft der Erdölingenieure. In einem Jahrzehnt der Öl- und Gasbohrungen im Iran habe Mihandoust noch nie ein Ersatzteil gesehen, das nicht importiert worden sei, und die meisten stammten aus den USA oder Europa.

Die Sanktionen hätten die Kosten für Ersatzteile um das Fünffache erhöht, so dass eine Reparatur der Bohrinseln nicht möglich gewesen sei, fügte er hinzu.

Bohrplattformen aus China

Der Iran hat im letzten Jahrzehnt Dutzende neuer und gebrauchter chinesischer Bohrinseln gekauft, aber die Kernteile davon waren immer noch aus Amerika, sagten zwei Branchenquellen.

Chinesische Ölplattformen entsprachen den iranischen Bedürfnissen für die Jahre, in denen Sanktionen verhängt wurden, aber „es fehlte ihnen die dauerhafte Qualität von US- und europäischen Bohrinseln“, sagte Reza Banimahd, ein Geschäftsmann in Teheran, der an Energieprojekten arbeitet.

Laut einer Reuters-Überprüfung von Informationen aus zwei Branchenquellen, den Websites von Bohrunternehmen und den vierteljährlichen Finanzergebnissen, sind mindestens 40 der rund 160 Ölbohrinseln im Iran im Leerlauf oder in Reparatur.

Trübe Aussichten

Knapp die Hälfte der iranischen Bohrinseln wird von der National Iranian Drilling Company betrieben, einer Tochtergesellschaft des staatlichen Energieriesen National Iranian Oil Company (NIOC). NIDC verfügt über 73 Onshore- und Offshore-Ölbohrinseln – 17 davon erwirtschaften jedoch „kein Einkommen“ und sechs Bohrinseln sind nur teilweise aktiv, so eine mit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens vertraute Quelle. Dies im Vergleich zu fünf inaktiven Anlagen im Jahr 2017 und vier im Jahr 2016.

Der Iran hat nach Angaben der OPEC mehr Bohrinseln als der regionale Rivale Saudi-Arabien mit 125 Bohrinseln. Etwa 85 Prozent der Bohrinseln in der iranischen Flotte müssen jedoch gewartet und repariert werden, teilte ein Ölbeamter der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA im Jahr 2019 mit. Dies deutet darauf hin, dass die Zahl der außer Betrieb befindlichen Bohrinseln wahrscheinlich weiter steigen wird.

„Mit dieser Entwicklung werden in den nächsten fünf Jahren alle iranischen Ölbohrinseln sehr alt und ineffizient sein“, sagte Reza Mostafavi Tabatabaei, ein in London ansässiger Energieanalyst, dessen drei Ölbohrinseln in Familienbesitz nach einem Streit inaktiv sind mit den iranischen Revolutionsgarden über seine politischen Aktivitäten.

Massive Entlassungen

Iranische Bohrunternehmen haben außerdem massive Entlassungen vorgenommen. Der zweitgrößte iranische Bohrer, die private Firma North Drilling Company (NDC), besitzt 12 Bohrinseln. Drei von ihnen sind inaktiv.
Die Anzahl der Mitarbeiter bei NDC ist laut dem Quartalsbericht des Unternehmens von 9.300 im Jahr 2017 auf 2.800 im Jahr 2019 gesunken.

Quellen:

Exclusive: U.S. Sanctions Have Idled a Quarter of Iranian Oil Rigs

Iranische Ölpreise fallen

Preisverfall für iranisches Schweröl zu Beginn des Jahres 2020

Seit 6. Januar ist der Preis für iranisches Schweröl von 60,63 Dollar pro Barrel auf gestern (3. Februar) 44. 23 Dollar gefallen. Das ist ein Preisverfall von 16.4 Dollar in einem knappen Monat.

Der eh schon bestehende langsame Preisverfall beschleunigte sich in den letzten zwei Wochen nochmals. Der Grund hierfür wird in den befürchteten Auswirkungen der Ausbreitung des Corona-Virus auf das Wirtschaftswachstum in China und der daraus resultierenden geringeren Ölnachfrage, gesehen. Im Vergleich zur Zeit vor dem Ausbruch des Virus hat China 18.5% weniger Öl nachgefragt.

Quelle:

https://farsi.euronews.com/2020/02/04/iran-heavy-oil-price-decline-coronavirus

Mahschahr (Iran): Löhne in der Petrochemie


Die politische Organisation Rahe Kargar hat auf ihrer Webseite den Bericht eines Arbeiteraktivisten namens Ali Sajedi-Niya aus Mahschahr veröffentlicht. In Mahschahr in der Provinz Chusestan sind 30 petrochemische Betriebe angesiedelt, die Stadt ist ein Zentrum der Erdölindustrie. Ali Sajedi-Niya schreibt, dass auch in diesen eigentlich lukrativen Firmen die Praxis der Leiharbeiter um sich greift. So gibt es in der Erdölfirma Razi 700 fest angestellte Arbeiter, deren Löhne und Arbeitsbedingungen noch akzeptabel sind, während in der selben Firma 1800 über Subunternehmer angestellte Leiharbeiter arbeiten. Diese Leiharbeiter haben Arbeitszeiten von 7 Uhr morgens bis 18 oder 19 Uhr, ihre Arbeitszeiten entsprechen dem doppelten der normalen Arbeitszeit. Trotzdem liegen ihre Löhne unter dem Minimum, das für eine Familie mit zwei Kindern in Mahschahr derzeit bei 7 Millionen Tuman liegt.
Die Leiharbeiter erhalten auch keine Ermäßigung bei den Schulgebühren, im Gegensatz zu den fest angestellten Arbeitern, die ohnehin mehr verdienen.
Aufgrund der niedrigen Löhne schlafen so manche Erdölarbeiter in den Parks der Stadt.
Zugleich gibt es allein in Mahschahr 11.000 Arbeitslose.
Dies ist der soziale Hintergrund zu den Protesten und dem staatlichen Massaker, das kürzlich in Mahschahr stattgefunden hat.

https://www.rahekargar.net/browsf.php?cId=1033&Id=1538
vom 1. Bahman 1398 (30. Januar 2020)
امکان زندگی در ماهشهر نیست

Iran: Blutbad in den Erdölfeldern

Brennende Autoreifen auf der Straße -die Antwort kam aus Maschinengewehren


Wie aus Mahschahr (Provinz Chusestan) berichtet wird, gingen die staatlichen Kräfte während der Proteste vom November 2019 mit Panzern, Maschinengewehren und Hubschraubern gegen die protestierende Bevölkerung vor, die dort die Zugangsstraße abgesperrt hatte. Angezündete Bankfilialen oder dergleichen gab es hier nicht. Aber in dieser Gegend liegen rund 20 Produktionseinheiten der Erdölindustrie. Für die Machthaber sind die Einnahmen aus diesen Fabriken offensichtlich wichtiger als das Leben der Demonstranten, denn es sind diese Einnahmen, die das Regime am Leben halten.
Gerade weil diese Region für das Überleben des Regimes so wichtig ist, steht sie unter strikter Kontrolle und die Überprüfung von Meldungen ist dort um einiges schwerer als aus anderen Gebieten des Irans. Inzwischen steht jedenfalls fest, dass der Staat mit militärischen Mitteln gegen die unbewaffnete protestierende Bevölkerung vorgegangen ist. Laut Augenzeugen wurden gegen die Bevölkerung Maschinengewehre des Typs DSchK eingesetzt.
Es ist kein Zufall, dass höchste Kommandanten der Revolutionswächter davon sprachen, in einen „Weltkrieg“ verwickelt worden zu sein, nur mit dem Unterschied, dass diesmal auf der einen Seite Unbewaffnete standen. Wenn aber die Verantwortlichen selbst von einem Weltkrieg sprechen, darf man hier im Gegenzug eindeutig von Kriegsverbrechen sprechen.
Da in einigen Ortschaften des Gebiets um Mahschahr auch Nomadenverbände leben, die einen engen Zusammenhalt haben und sich angesichts des militärischen Angriffs zur Wehr setzten, gab es dort sogar Tote und Verletzte auf der Seite der Angreifer.

https://www.akhbar-rooz.com/با-تانک،-نفربر-و-تيربار-مردم-ماهشهر-را-س
vom 2. Dezember 2019
ba tank, nafarbar wa tirbar mardome mahshahr-ra sarkub kardand

https://de.wikipedia.org/wiki/DSchK_(Maschinengewehr)

Proteste im Iran: Mindestens 4800 Verhaftungen in 10 Tagen


Ein Team von Radio Farda hat sich die Mühe gemacht, die amtlichen Meldungen über die Verhaftungen der letzten Tage zusammenzutragen.
Laut Ali Fadawi, dem stellvertretenden Generalbefehlshaber der Streitkräfte der Pasdaran, fanden in den letzten Tagen in 28 (von 31) iranischen Provinzen Proteste statt.
Hier die Meldungen aus den einzelnen Provinzen.

Chorassane Rasawi: 400 Verhaftete
In Maschhad kam es am 24. Aban (15. November) zu großen Protesten wegen der Benzinpreiserhöhung. Die erste amtliche Angabe über die Zahl der Verhafteten stammt interessanterweise nicht von den sogenannten Sicherheitsorganen, sondern vom Freitagsimam von Maschhad, dem direkten Vertreter des Religiösen Führers vor Ort, der in seiner Freitagspredigt von 400 Verhaftungen sprach. Es wird sichtbar, dass diese Verhaftungswelle in direktem Zusammenhang mit einer Rede des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i vom vorigen Sonntag (17. November) steht, der die Sicherheitsbehörden zu hartem Durchgreifen aufgefordert hatte.

Chusestan: 450 Verhaftete
Gholam-Resa Shariyati, der Provinzgouverneur der Erdölprovinz Chusestan, erklärte am 26. Aban (17. November), dass in den ersten drei Tagen der Proteste 180 Menschen verhaftet wurden. Ein Menschenrechtsaktivist spricht davon, dass es bis zum 29. Aban (20. November) 450 Verhaftete waren.

Diverse kurdische Städte: 300 Verhaftete
Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 300 Verhafteten. Laut Angaben der kurdischen Agentur Kordpa wurden allein in Bukan 120 Menschen verhaftet, in Thalathe Babajani (keiner großen Ortschaft!) 22. Aus anderen Quellen verlautet, dass es in Sanandadsch und Marivan zu weiteren 100 Verhaftungen kam. 300 Verhaftungen ist also eine sehr konservative Schätzung.

Kermanschah: 700 Verhaftete
Kermanschah und Umgebung, eines der kurdischen Zentren im Iran, verzeichnete laut Angaben des Befehlshabers der Pasdaran-Einheit „Sepahe Nabiye Akram“ in der Provinz Kermanschah, machte keine konkreten Zahlenangaben, sprach aber davon, dass den Anführern der Proteste „mit Gewalt entgegengetreten wird.“ Laut Menschenrechtsquellen wurden in der Provinz mindestens 700 Personen verhaftet. Schon vor der Verhaftungswelle waren die Gefängnisse in dieser Provinz überfüllt, die Lage in den Gefängnissen muss jetzt katastrophal aussehen.

West-Aserbaidschan: 100 Verhaftete
Zu dieser Region gehören kurdische Städte wie Bukan (s.o.) und Urumije. Über 100 Verhaftete wurden in das Gefängnis von Urumije verlegt.

Isfahan: 200 Verhaftete
Die Zahl stammt aus Menschenrechtskreisen. Das staatliche iranische Fernsehen hat damit begonnen, „Geständnisse“ von Verhafteten aus Isfahan auszustrahlen.

Teheran: 800 Verhaftete
Auch hier gibt es keine amtlichen Angaben über die Zahl der Verhaftungen. Wenn man sieht, dass aus Großstädten wie Isfahan, Maschhad oder Teheran keine amtlichen Angaben vorliegen, ist das ein Hinweis auf eine gezielte Politik der Behörden, ihr Vorgehen zu verheimlichen. Möglicherweise befürchten sie dadurch eine weitere Zunahme der Proteste.
Amtliche Zahlenangaben gibt es nur von der unteresten Ebene, einigen Dörfern und Stadtteilen oder Kleinstädten.
Lediglich gegenüber Abgeordneten des iranischen Parlaments haben Vertreter der Provinzverwaltung von Teheran eine Zahl von 600 Verhafteten genannt. Vergangenen Donnerstag kam es auch an der Uni von Teheran zu Verhaftungen. Betroffen waren mindestens 50 Studenten.

Albors: 400 Verhaftete
Albors gehört zum Großraum Teheran. Das Innenministerium soll gegenüber Abgeordneten des iranischen Parlaments angegeben haben, dass in der Provinz Albors 400 Personen verhaftet wurden.
Die Öffentlichkeitsabteilung der Pasdarankräfte der Provinz Albors spricht davon, dass bis zum 27. Aban (18. November) 150 Personen verhaftet wurden.

Schiras: 300 Verhaftete
Radio Farda hat von 300 Verhafteten in der Provinz Fars erfahren, deren Zentrum Schiras ist. Die lokale Webseite Shiraze hat am 27. Aban (18. November) unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle in den Sicherheitsbehörden von der Verhaftung von 100 Menschen allein in Schiras geschrieben.

Ost-Aserbaidschan: 30 Verhaftete
Abedin Choram, Befehlshaber der Pasdaran in dieser Provinz, hat die Verhaftung von 30 Personen in Tabris bekannt gegeben. Diese Zahl ist auffällig niedrig, bedenkt man, dass allein die Stadt Tabris im Jahr 2016 1,6 Mio Einwohner hatte.

Masandaran: 100 Verhaftete
Ali Safarpur, der Befehlshaber der Sicherheitskräfte in Sari, gab am 26. Aban (17. November) die Verhaftung von 60 Protestierenden bekannt. Menschenrechtskreise sprechen von über 100.

Kohgiluye und Boyer-Ahmad: 250 Verhaftete
Mahmud Mussawi, Befehlshaber der Sicherheitskräfte von Gadsch-Saran, gab am 29. Aban (20. November) bekannt, dass während der Proteste 150 Menschen in diesem Landkreis verhaftet wurden. Dies zusammen mit Angaben von lokalen „Telegram“-Quellen führt zu einer Gesamtzahl von mindestens 250 Verhafteten.

Kerman: 100 Verhaftete
Auch hier vermeiden die amtlichen Stellen, namentlich der Generalstaatsanwalt der Provinz Kerman, Yadollah Mouhed, die Nennung von Zahlen. Die 100 Verhaftungen stammen aus Menschenrechtskreisen.

Lorestan: 300 Verhaftete
Hadschi Mohammad Mahdiyan, der Befehlshaber der Sicherheitskräfte in Lorestan, nennt ebenfalls keine Zahlen. Menschenrechtskreise sprechen von mindestens 300 Verhaftungen.

Yasd: 40 Verhaftete
Der Generalstaatsanwalt von Jasd, Mohammad Haddadsade, spricht am 26. Aban (17. November) von 40 Verhaftungen.

Sandschan: 30 Verhaftete
Am 27. Aban (18. November) gab Esmail Sadeqi Niyaraki, der Leiter der Justizverwaltung der Provinz Sandschan, die Verhaftung von 30 Personen bekannt.

Chorassane Dschonubi: 29 Verhaftete
Ebrahim Hamidi, der Leiter der Justizverwaltung der Provinz Chorassane Dschonubi, gab bekannt, dass in Zusammenhang mit den Benzinpreisprotesten 29 Verfahren eingeleitet wurden.
Er gab an, dass die Verhafteten gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden seien.

Buschehr: 100 Verhaftete
Buschehr ist der Standort eines Atomkraftwerks im Iran. Das bedeutet, dass dort der Zugriff der Sicherheitskräfte und die Kontrolle der Nachrichten schärfer ist als in manchen anderen Gebieten. Das dürfte einer der Gründe sein, warum von dort weniger Meldungen über Proteste eintreffen. Menschenrechtskreise sprechen von über 100 Verhafteten.

https://www.radiofarda.com/a/radiofarda_report_on_arrests_19_province_iran/30286963.html
vom 1. Adhar 1398 (22.11.2019)
bar-awarde radyo farda, bazdashte 4800 mo°tarez dar 18 ostane iran

Iran: Verdreifachung des Benzinpreises sprengt die Geduld


Vergangene Woche haben der Staatspräsident Hassan Rouhani, das Oberhaupt der Justiz Ra’issi und der Parlamentspräsident Laridschani in einer Sitzung zusammen mit dem religiösen Führer Ajatollah Chamene’i beschlossen, den Benzinpreis im Iran zu verdreifachen. Der Beschluss trat vergangenen Freitag, den 15. November 2019, in Kraft, denn Freitag ist im Iran Feiertag, und so gingen die Machthaber davon aus, dass sich da am wenigsten Protest regt.
In diesem Fall haben sie sich getäuscht.

„Verbrecher“ am Werk
Es kam zu Protesten in zahlreichen iranischen Städten, auch in der Provinz. Das nahm solche Ausmaße an, dass der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i am Sonntag an die Öffentlichkeit trat und bekannt gab, dass ein solches Treffen unter den Führern der Staatsgewalten stattgefunden habe. Er sei selbst nicht vom Fach, aber auf der Basis der Arbeit von Fachleuten sei dann beschlossen worden, den Benzinpreis zu verdreifachen. Ajatollah Chamene’i erklärte die Protestierenden für „ashrar“ – Verbrecher – und forderte die Staatsgewalt auf, energisch gegen diese Personen einzuschreiten. Er machte u.a. die Anhänger der Monarchie und der Volksmudschahedin für die Proteste verantwortlich.
Dieses energische Eingreifen hat inzwischen mehrere Dutzend Menschen das Leben gekostet. Es wird berichtet, dass inzwischen, am vierten Tag der Proteste, rund 1000 Menschen festgenommen wurden.

Landesweite Proteste
Nach Angaben der Provinzverwaltung von Teheran kam es in über 70 Prozent der 31 iranischen Provinzen zu Protesten.
Aus folgenden Städten sind bis Montag folgende Zahlen erschossener Demonstranten bekannt geworden:
Jawanrud: 4 Tote.
Mariwan: 7 Tote.
Bukan: 4 Tote.
Sanandaj: 1 Tote/r.
Kermanshah: 6 Tote.
Golshahre Karaj: 1 Tote/r.
Shiraz: 1 Tote/r.
Esfahan: 1 Tote/r.
Sirjan: 1 Tote/r.
Shahryar: 1 Tote/r.
Behbahan: 4 Tote.
Ahwaz: 2 Tote.
Kute Abdollah, Shahrestan Bawe: 3 Tote.
Choramshahr: 2 Tote.
Abadan: 1 Tote/r.
Eslamshahr: 1 Tote/r.
An den Namen der aufgezählten Ortschaften sind zwei Schwerpunkte zu erkennen: Kurdische Städte und Städte mit starker Präsenz der arabischen Minderheit.

Internet weg, Unis, Schulen und Metro geschlossen
Wie schon öfter in kritischen Zeiten hat die iranische Regierung wieder das Internet abgeschaltet und viele Handys können derzeit nur als Kameras verwendet werden. Es gibt allerdings Lücken in diesem System, so dass nach wie vor Filme von den Protesten ins Ausland gelangen.
Außerdem hat die Regierung Unis und Schulen geschlossen, damit sich dort keine Proteste formieren können, auch der Betrieb der Metro in Teheran wurde laut Berichten eingestellt.

Videokameras zur Überwachung
Der im Ausland gern als Reformpräsident gefeierte Präsident Hassan Rouhani hat jetzt die Protestierenden gewarnt, dass man sie mit Hilfe der an vielen Orten installierten Überwachungskameras identifizieren könne.

Staatliches Foto, angeblich von der Festnahme in Yazd

Angeblicher Angriff auf den Sitz des Vertreters des Religiösen Führers in Yazd
In Yazd sollen mehrere Personen das Büro und die Wohnung des Vertreters des Religiösen Führers angegriffen haben, wie die staatliche Agentur ISNA berichtet. Bei diesem Angriff seien vier Personen festgenommen worden. Das Foto, dass angeblich bei dieser Festnahme gemacht wurde, zeigt u.a. einen „Angreifer“ mit Krücken. Möglicherweise sind das die „kalten Waffen“, von denen in der staatlichen Meldung die Rede ist. Auch heißt es in staatlichen Medien, dass landesweit über 100 Bankfilialen zerstört oder in Brand gesetzt worden seien.
Da sämtliche Vorwürfe auf staatliche iranische Quellen zurückgehen, kann nichts über deren Wahrheitsgehalt ausgesagt werden.

Mohammad Qasim Othmani, Abgeordneter von Bukan

Protest aus dem Parlament
Mohammad Qasim Othmani, der Abgeordnete der kurdischen Stadt Bukan im iranischen Parlament, hat am Sonntag unter Protesten seinen Rücktritt erklärt. Er wie einige andere Abgeordnete hatten kritisiert, dass der Parlamentspräsident ohne Rücksprache mit den Abgeordneten einfach hingeht und eine so schwerwiegende Preiserhöhung beschließt. Die Abgeordneten stellten die berechtigte Frage, wozu das Parlament überhaupt da sei.
Mohammad Qasim Othmani ist Mitglied des Planungs- und Budget-Ausschusses des iranischen Parlaments und im Gegensatz zu anderen Abgeordneten, die nach dem späteren öffentlichen Auftritt des Religiösen Führers wohl einen Rückzieher machten, blieb er bei seinem Entschluss zum Rücktritt.
Er erklärte: „Ist es möglich, dass der Benzinpreis steigt und die Preise für die anderen Waren nicht? (…) Glaubt mir, mit Schüssen, Gewehren und Tränengas kann man zwar die Menschen auseinandertreiben, aber damit kann man nicht verhindern, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen. Man kann doch die Preise nicht per Befehl kontrollieren.“

https://www.radiofarda.com/a/iran-fuel-hike-protests-ongoing/30275215.html
vom 25. Aban 1398 (16. November 2019)
ostandare tehran az beruze e°terazate dar bish az 70 dar sade ostanhaye iran xabar dad
Aktualisierung bis Montag Abend

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/81517/
vom 27. Aban 1398 (18. November 2019)
amare gheyre rasmiy: dastekam 40 mo°tarez koshte shodeand

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=194932
vom 27. Aban 1398 (18. November 2019)

https://news.gooya.com/2019/11/post-32213.php
vom 17. November 2019
soxanane tonde nemayandeye mosta°fi: ba tofang wa gaze ahskawar mitawan mardomra motefarreq kard ama nemitawan jelouye geranire gereft