Die Revolutionswächter zwangen Zaghari-Ratcliffe, ein falsches Geständnis zu unterschreiben

Nazanin Zaghari-Ratcliffe

Nazanin Zaghari-Ratcliffe, die sechs Jahre im Iran inhaftiert war, sagt, die Revolutionsgarden hätten sie gezwungen, vor ihrer Freilassung ein falsches Geständnis über „Spionage“ zu unterschreiben. Die iranisch-britische Staatsbürgerin erklärte: Ein britischer Diplomat war am Flughafen anwesend, als die Revolutionswächter-Agenten ihr den Text des falschen Geständnisses überreichten, und sagten, dass sie nur das Recht habe, das Land zu verlassen, wenn sie es unterschreibe.

Laut Frau Zaghari haben die iranischen Behörden den Prozess der Unterzeichnung eines erzwungenen Geständnisses für ihre Spionagevorwürfe gefilmt. Sie sagte am Montag, dem 23. Mai, in der BBC-Sendung „Woman’s Hour“, dass der Iran erzwungene fabrizierte Geständnisse als Propagandainstrument verwende. Sie fügte hinzu: „Ich bin sicher, dass die Islamische Republik eines Tages diese fabrizierten Geständnisse veröffentlichen wird.“ Frau Zaghari sagte: „Diese Geständnisse sind wertlos und die Islamische Republik will nur zeigen, wie „beängstigend sie ist und tut, was sie will.“ Sie fügte hinzu: „Warum hat die britische Regierung die Aktion der Islamischen Republik, sie zu zwingen, falsche Geständnisse zu unterschreiben, nicht angefochten?“

Tulip Siddiq, ein Mitglied des britischen Parlaments aus der Gegend, in der Frau Zaghari lebt, sagte, dass dies ernsthafte Fragen für die britische Regierung aufwerfe. Frau Siddiq sagte, der Außenminister solle im Parlament erklären, ob er etwas von diesem erzwungenen Geständnis wisse und welche Folgen es in Zukunft haben werde.

Nazanin Zaghari, eine Mitarbeiterin der Thomson Reuters Foundation, war im April 2016 in den Iran gereist, um ihre Familie auf Nowruz zu besuchen. Sie wurde am 17. März letzten Jahres zusammen mit Anousheh Ashouri, einem weiteren iranisch-britischen Staatsbürger, freigelassen, nachdem er im Zusammenhang mit einem Vertrag zum Kauf von Chiftan-Panzern während der Pahlavi-Ära etwa 400 Millionen britische Schulden an den Iran gezahlt hatte.

Morad Tahbaz, ein iranisch-britisch-amerikanischer Staatsbürger, sollte während des Austauschs ebenfalls freigelassen werden, aber britische Beamte teilten der Familie von Tahbaz mit, dass die US-Regierung damit beauftragt worden sei, das Problem des Gefangenen zu lösen. Der Schritt zog heftige Kritik von Tahbaz‘ Familie nach sich, die die britische Regierung des Hochverrats beschuldigte. US-Regierungsbeamte haben die Herangehensweise der iranischen Regierung an die Inhaftierung von Personen mit doppelter oder ausländischer Staatsangehörigkeit als Geiselnahme beschrieben.

Quellen:

سپاه زاغری را به امضای اعتراف دروغین مجبور کرد
Iran Emrooz, 23.5.2022
https://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/more/99568/

Nazanin Zaghari-Ratcliffe: I was made to sign a false confession
BBC Radio 4 – Woman’s Hour, 23. Mai 2022
https://www.bbc.co.uk/programmes/p0c8g8mn

Iran: 300 Verhaftungen in nur einem Landkreis

Gewalttätige Proteste im Osten der Provinz Khuzestan

Allein im Landkreis Idhe sollen über 300 Menschen im Rahmen der Proteste gegen die Verteuerung verhaftet worden sein. Ein Teil von Ihnen kam ins Sepidar-Gefängnis von Ahwaz, ein anderer Teil wurde in die Molla-Thani-Klinik verlegt. Viele der Verhafteten sollen jünger als 18 Jahre alt sein.

Arash Sadeqi, ein ehemaliger politischer Gefangener, schreibt auf Twitter, dass die bewaffneten Kräfte an den wichtigsten Plätzen des Ortes stationiert seien. Sie seien nicht nur mit Kalaschnikofs und Winchester-Gewehren ausgestattet, sondern auch mit einer neuen, noch unbekannten Waffe, die kein Blutvergießen verursacht, aber dazu führt, dass die getroffene Person sich aufgrund der extremen Schmerzen nicht mehr bewegen kann. Sie wird dann leichte Beute für anschließende Verhaftungen.

Da die Krankenhäuser von den bewaffneten Kräften kontrolliert werden, begeben sich viele Verletzte nicht ins Krankenhaus.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=246927

Iran: Bericht aus drei Frauengefängnissen

Die Bürgerrechtsaktivistin Atena Da’emi war vom Monat Adhar 1395 (2016) bis zum Monat Bahman 1400 (Anfang 2022) im Gefängnis. Sie wurde nach 5 Jahren Haft entlassen. Sie berichtet u.a., dass die Frauen in der Anstalt nicht mehr ihre eigene Kleidung tragen dürfen. Bananen, Gurken oder Mohrrüben bekommen sie während der Haftzeit nicht zu essen, in den seltenen Fällen, wo so etwas ankommt, sind sie schon in Plastikbeuteln zermatscht. Angeblich soll dieses Verbot verhindern, dass sich die Frauen geschlechtlich befriedigen.
Um ein Feuerzeug, eine Nadel oder eine alte Schere zu erhalten, muss eine Frau bereit sein, Liebesbeziehungen zwischen gefangenen Frauen an die BeamtInnen zu verraten. Wer Geld hat, kann verschiedenste Dinge von den BeamtInnen erwerben, wer nicht, muss es sich anderweitig „erkaufen“.
Atena Da’emi hat ihre Haftzeit in drei verschiedenen Gefängnissen verbüßt: im Frauengefängnis Qaretschak bei Varamin, im Ewin-Gefängnis in Teheran, und im Lakan-Gefängnis von Rascht. Das Ewin-Gefängnis unterschied sich deutlich von den beiden anderen Haftanstalten. Denn im Ewin-Gefängnis waren die politischen Gefangenen konzentriert, während in den anderen Anstalten Frauen wegen unpolitischer Delikte einsaßen, unter miserablen Haftbedingungen. Am schlimmsten seien die Haftbedingungen im Qaretschak-Gefängnis gewesen.
Auf die Frage, was ihr während der Haftzeit am meisten zu schaffen machte, antwortet Atena Da’emi, sie habe zwar im Qaretschak-Gefängnis einiges ertragen müssen – dort wurde ein Besuchsverbot gegen sie verhängt, sie durfte keine Telefonanrufe empfangen und erhielt auch keinen Hafturlaub anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester. Zudem wurden Mitgefangene aufgehetzt, sie und ihre Freundin anzugreifen. Aber das sei nicht das Schlimmste gewesen.
Einige Mitgefangene seien schon über zehn Jahre in Haft gewesen, denen sei es sehr schlecht gegangen.
Atena Da’emi berichtet auch, dass es im Gefängnis Banden gebe, die minderjährige Mädchen entführten, um sie teuer an Männer zu verkaufen. Die Mädchen würden im Alter von 1 bis fünf Jahren (?) entführt, vergewaltigt und dann auf der Straße ausgesetzt.
Atena Da’emi berichtet von zwei gefangenen Frauen aus dem Qaretschak-Gefängnis, die zu sechs Monaten bzw. zwei Jahren Haft verurteilt waren. Eine hatte Drogen verkauft, die andere saß wegen Diebstahl ein. Die eine hatte in der Nacht vor ihrer Haftentlassung einen Mord im Gefängnis verübt und wurde darauf zu 18 Jahren Haft verurteilt. Später wurde sie ins Gefängnis von Amin-Abad verlegt. Dort schlug sie den Arzt/die Ärztin und eine/n PflegerIn, außerdem biss sie den/die PflegerIn. Daraufhin wurden ihr sämtliche Zähne gezogen. Die andere, mit ihr befreundete Gefangene bekam wegen Mordes eine zusätzliche Strafe von 15 Jahren Gefängnis.
Atena ist überzeugt, wenn die Haftbedingungen in Qaretschak auch nur so wären wie im Ewin-Gefängnis, wäre das Gewaltniveau in der Anstalt wesentlich niedriger. Freilich sei auch da ein Unterschied zwischen dem politischen Trakt und dem allgemeinen Trakt zu beobachten. Im politischen Trakt durfte man Messer haben, um sich Essen zu kochen, im allgemeinen Trakt war das unmöglich, da hätte der Besitz eines Messers unerfreuliche Folgen.
Atena berichtet auch über die gesundheitlichen Folgen der schlechten Ausstattung des Qaretschak-Gefängnisses im Vergleich zum Ewin-Gefängnis. 90 Prozent der Frauen, die schon lange in Qaretschak in Haft sind, hätten einen gekrümmten Rücken oder einen Buckel hätten. Das liege unter anderem daran, dass das Gefängnis so überfüllt ist, dass die Frauen gekrümmt im Bett sitzen müssen, weil auf dem Boden kein Platz ist. Es sei auch eine Unterhaltung für das Gefängnispersonal gewesen, zwischen den Gefangenen Streit anzuzetteln und sich an den Folgen zu ergötzen. Solange die Gefangenen mit sich selbst beschäftigt waren, hatten die WärterInnen ihre Ruhe.

Atena berichtet von Liebesbeziehungen zwischen gefangenen Frauen, die aber durch die Überwachungskameras stark beeinträchtigt waren. Die Überbelegung der Anstalt und die Bespitzelung durch Mitgefangene trug das Ihrige dazu bei, dass die Unterdrückung solcher Beziehungen in Gewaltakte umkippte: Von Vergewaltigung, Verstümmelung und zwei Morden weiß Atena zu berichten. Die Atmosphäre der Gewalt führt dazu, dass einige alteingesessene Gefangene die jüngeren damit bedrohen, sie würden sie „zu den beiden“ (umgebrachten Frauen) schicken, also ebenfalls umbringen.

Quelle

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=245514

Iran – Großbritannien: Nazanin Zaghari-Ratcliffe in Freiheit

Nazanin Zaghari-Ratcliffe, rechts


Nach sechs Jahren Gefängnis wurde die britisch-iranische Doppelstaatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe am 26. Esfand 1400 (16. März 2021) aus der Haft entlassen. Am Montag, den 21. März, hatte sie ein Treffen mit der Vorsitzenden des britischen Parlaments (House of Commons) und gab dann im Parlamentsgebäude ihre erste Pressekonferenz.

Nazanin klagte über die erbarmungslose Behandlung im iranischen Gefängnis. Nach ihrer Darstellung war ihre Haft nichts anderes als ein Versuch der Erpressung seitens der iranischen Regierung. Vor über 40 Jahren, noch zur Schahzeit, hatte Großbritannien sich verpflichtet, dem Iran Chieftain-Panzer zu liefern, was aber nie geschehen ist. Großbritannien schuldet deshalb dem Iran eine Summe von 400 Millionen britischen Pfund. Nazanin Zaghari-Ratcliffe hat mit dem Panzergeschäft nichts zu tun. Trotzdem soll die iranische Regierung sie als Geisel genommen haben, um an ihr Geld zu kommen. Über die Einzelheiten der Abmachungen zwischen der britischen und der iranischen Regierung bezüglich ihrer Freilassung gab sie nichts bekannt. Nazanin erklärte, in der Zeit ihrer Haft habe Großbritannien sechs verschiedene Außenminister gehabt, und im Gegensatz zu ihrem Mann sei sie nicht allen sechs gleich dankbar.

Nazanin weist darauf hin, dass ihre Tochter zwei Jahre alt war, als sie ins Gefängnis kam, jetzt ist die Tochter acht Jahre alt. Diese Zeit gibt ihr niemand zurück.

An der Pressekonferenz war auch die Tochter des 66-jährigen Umweltschützers Morad Tahbaz beteiligt. Er ist seit über vier Jahren im Iran in Haft und besitzt drei Staatsbürgerschaften: die britische, die US-amerikanische und die iranische. Es hieß ursprünglich, dass er zusammen mit Nazanin freigelassen werden sollte, aber das ist nicht geschehen. Die Tochter zeigte sich sehr enttäuscht darüber, da das britische Außenministerium wohl etwas anderes in Aussicht gestellt hatte. Die Frau von Morad Tahbaz ist wohl auch noch im Iran und steht unter Ausreiseverbot.

Quelle:

https://www.radiofarda.com/a/zaghari-news-congerence/31763273.html
vom 1. Farwardin 1401 (21.3.2022)
نشست خبری نازنین زاغری: به من گفتند تو را آزاد نمی‌کنیم تا بدهی را بدهند

Ein Blick auf den Hungerstreik von 11 Gefangenen in iranischen Gefängnissen

Ewin-Gefängnis, Teheran

Mindestens elf Gefangene befinden sich derzeit in verschiedenen Gefängnissen im ganzen Land im Hungerstreik, um gegen die Nichtbearbeitung ihrer Forderungen zu protestieren.

1. Ahmadi Ragheb, ein ziviler Aktivist, befindet sich seit dem 21. Februar im Hungerstreik, zeitgleich mit seiner Verhaftung und Verlegung in das Evin-Gefängnis. Herr Ahmadi Ragheb wurde am Montag, dem 28. Februar, in eine Einzelzelle im Evin-Gefängnis verlegt.

2. Fariba Asadi, eine politische Gefangene, befindet sich seit Sonntag, dem 27. Februar im Qarchak-Gefängnis in Varamin im Hungerstreik. Fariba Asadi wurde am Montag, dem 8. Februar Januar, in ihrem Privathaus in Teheran festgenommen und zur Verbüßung ihrer Haftstrafe in das Qarchak-Gefängnis in Varamin gebracht.

3. Arsham (Mahmoud) Rezaei, ein ziviler Aktivist, der im Gefängnis Rajai Shahr in Karaj inhaftiert ist, befindet sich seit dem 8. Februar im Hunger- und Medikamentenstreik, um gegen die mangelnde medizinische Versorgung und seinen Widerstand gegen eine medizinische Beurlaubung im Gefängnis Rajai Shahr in Karaj zu protestieren Karaj.

4. Mohammad Houshangi, ein Bürger von Javanrood, trat am 23. Februar im Urmia-Gefängnis in einen Hungerstreik, um gegen seine lange Haft zu protestieren

5. Ali Musainejad Farkoush, ein ziviler Aktivist, der im Gefängnis Rajai Shahr in Karaj inhaftiert ist, befindet sich seit dem 1. Februar im Hunger- und Medikamentenstreik und fordert die Freilassung politischer und ideologischer Gefangener.

6. Ebrahim Sediq Hamedani befindet sich seit dem 13. Februar im Hungerstreik im Marivan-Gefängnis.

7. Yousef Mehrad, einer der im Arak-Gefängnis inhaftierten Angeklagten, befand sich seit dem 11. Februar im Hungerstreik, aus Protest gegen die Verweigerung des Telefonanrufs.

8. Shakila Monfared, eine politische Gefangene, streikt seit Donnerstag, dem 3. März, im Qarchak-Gefängnis in Varamin.

9. Habibaullah Mirki, der Sohn von Mirza Mohammad, einem Häftling wegen Drogendelikten, befindet sich seit Dienstag, dem 8. März, im Hungerstreik des Kamyaran-Gefängnisses und beantragt seine Beurlaubung.

10. Loghman Mamandi, der Sohn von Rahman, einem Häftling wegen Drogendelikten, befindet sich seit heute, Dienstag, dem 8. März, im Gefängnis von Kamyaran im Hungerstreik.

11. Loghman Abdullahzadeh, ein wegen Drogendelikten inhaftierter Gefangener, befindet sich seit Sonntag, dem 6. März, im Hungerstreik des Kamyaran-Gefängnisses und beantragt seine Beurlaubung.

Quelle:

نگاهی به اعتصاب غذای ۱۱ زندانی در زندان‌ها
https://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/more/97843/

HRANA News Agency, die der Gruppe der Menschenrechtsaktivisten angehört.

Iran: Hacker in Gefängnis-Dateien

Eine Gruppe namens „Edalete Ali“ (Alis Gerechtigkeit) soll gegenüber dem persischsprachigen Sender Radio Farda erklärt haben, dass sie einen Teil des anstaltsinternen Systems des Gefängnisses von Qezel Hesar in Karaj „gehackt“ habe und damit Zugang zu Daten des Gefängnisses erhalten habe.

Dabei sei sie unter anderem auf eine Liste von Gefangenen der Proteste vom November 2019 gestoßen sein, die die Namen von 1846 Personen umfasste, die damals verhaftet wurden. Viele von ihnen wurden zu Haftstrafen zwischen einem Monat bis zu 10 Jahren verurteilt. Ein beträchtlicher Anteil wurde auch zum Auspeitschen auf die Fußsohlen verurteilt.

Beispiele für Vorwürfe gegen die Verhafteten waren:

„War mehrmals am Ort der Ansammlungen in der Straße des Sieges anwesend und schickte an seine Angehörigen einen Text in Form eines SMS, um damit anzugeben.“ Strafe: 1 Jahr Gefängnis und 74 Stockschläge auf die Füße.

„Parkte sein Auto diagonal in Yaft-Abad.“ Strafe: 1 Jahr Gefängnis und 20 Stockschläge auf die Füße, zur Bewährung ausgesetzt auf 2 Jahre.

„Hatte sein Gesicht vermummt, und während er behauptete, erkältet zu sein, rief er Parolen gegen das Regime.“ Strafe: 10 Monate Haft und 74 Stockschläge, zur Bewährung ausgesetzt auf 3 Jahre.

„Hat zugegeben, sein Fahrzeug falsch geparkt zu haben und zusammen mit anderen gesetzeswidrig handelnden Bürgern den Unruhen auf der Imam-Ali-Autobahn zugeschaut zu haben.“ Strafe: 3 Monate Haft und 10 Stockschläge.

Es versteht sich, dass über die Hacker wenig bekannt ist und diese Angaben für uns nicht nachprüfbar sind. Sie stehen aber im Einklang zu anderen Meldungen über das Ausmaß der Verfolgung nach den Protesten vom November 2019.

https://www.radiofarda.com/a/iran-cyber-group-justice-ali-hack-prison-ghezelhesar/31691366.html

Schreiben von Nobelpreisträgern und Professoren zur sofortigen Freilassung von Ali Younesi und Amir Hossein Moradi

Amir Hossein Moradi (links) und Ali Younesi

In einem gemeinsamen Brief an hochrangige UN-Beamte forderte eine Gruppe von Nobelpreisträgern und akademischen Forschern die UNO auf, alles zu unternehmen, um die Freilassung von Ali Younesi und Amir Hossein Moradi, zu erreichen.

Bei den beiden handelt es sich um inhaftierte Studenten der Sharif University of Technology, die bereits im April 2020 festgenommen worden waren. Ali Younesi ist Gewinner der Silbermedaille der Nationalen Astronomieolympiade 2016 und der Goldmedaille der Weltastronomieolympiade 2017. Er wurde am 12. April 2020 ohne Angabe von Gründen festgenommen, „nachdem er von IRGC-Agenten in Zivil schwer geschlagen worden war“. Am selben Tag wurde Amir Hossein Moradi, Physikstudent und Silbermedaillengewinner der Nationalen Astronomie-Olympiade, festgenommen.

Die Herausgeber des am Dienstag, dem 18. Januar, veröffentlichten Schreibens forderten UN-Generalsekretär Antonio Guterres sowie Michel Bachelet, den UN-Hochkommissar für Menschenrechte, auf, „praktische und mögliche Anstrengungen“ für die Freilassung politischer Gefangener zu unternehmen, inbesondere von Amir Hossein Moradi und Ali Younesi. In dem Schreiben heißt es, dass Ali Younesi und Amir Hossein Moradi, die sich seit 10. April 2020 in „willkürlicher“ Haft befinden, „psychische, körperliche und andere Formen der Folter erlitten haben und u.a. erzwungene Geständnisse abgeben mussten.

Mitte Dezember 2021 wurde die erzwungenen Geständnisse von Ali Younesi und Amir Hossein Moradi in den sozialen Medien durch Cyberkräften der Islamischen Republik verbreitet. Unter ihnen befand sich auch ein Reporter, der mit der Nachrichtenagentur Fars, einem dem IRGC nahestehenden Medium, verbunden ist. Er wurde inzwischen mit Reaktionen von Aktivisten und einigen Menschenrechtsorganisationen sowie einer Warnung seitens Amnesty International wegen falscher Anklagen konfrontiert.

Der besagte Brief ist von zehn prominenten akademischen Persönlichkeiten unterzeichnet, darunter Noam Chomsky und sechs Nobelpreisträger. Unter ihnen befindet sich der mit dem Phsyik-Nobelpreis ausgezeichnete Physiker Barry Barish und der mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnete Biochemiker Randy Schekman. Auch Professor Reza Younesi von der Universität Uppsala in Schweden und Ali Younesis Bruder, Professor Bahram Soltani von der Universität Sorbonne in Paris, sowie Michel Erwin (MICHELE IRVIN?), Direktor der American Physical Society haben unterschrieben. Der Brief wurde auch von Professor Reza Afshari von der Pace University in den Vereinigten Staaten und Professor Ali Arab von der University of Georgetown unterzeichnet.

Quelle

https://www.radiofarda.com/a/nobel-prize-winners-scholars-calls-for-release-of-iran-s-detained-students/31661194.html
نامه برندگان نوبل و محققان دانشگاهی برای آزادی فوری علی یونسی و امیرحسین مراد
Das iranische Regime verhaftet Elite-Studenten

Bektasch Aptin – Dichtung mit dem Vorschlaghammer

Bektasch Aptin

Dein Blatt

war das Fallen des Herbstes vom Baum

eines poetisch-traurigen Herbstes

die Hand, die deine Kehle in der Straße verschwinden ließ

hat dich verewigt

und das einzige, was an dir ungültig geworden ist,

ist der Ausweis

und der Coupon für verbilligten Reis in deinen Taschen

barg-e to

oftâdane pâyizi az deraxt bud

pâyize shâ°erâne-ye ghamgin

dasti ke galu-ye to-râ dar xiyâbân gom kard

to-râ jâwdân kard

wa tanhâ chizi ke dar to bâtel shod

shenâsnâme

wa kupon-e berenj dar jibhât bud

(Bektasch Aptin)

«برگ تو
افتادن پاییزی از درخت بود
پاییز شاعرانه غمگین
دستی که گلوی تو را در خیابان گم کرد
تو را جاودان کرد
و تنها چیزی که در تو باطل شد
شناسنامه
و کوپن برنج در جیب‌هات بود»

Dieses Gedicht hatte Bektasch Aptin Mohammad Mochtari gewidmet, einem der Opfer der Serienmorde des iranischen Geheimdienstes. 23 Jahre später ist der Schreiber dieses Gedichts, Bektasch Aptin, selbst dem Regime zum Opfer gefallen. Bektasch Aptin war Dichter, Mitglied des iranischen Schriftstellerverbandes, Filmregisseur und politischer Gefangener. Am 18. Dey (8. Januar 2022) ist er an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben. Oder muss man sagen, er ist daran gestorben, dass ihm das Regime eine angemessene Behandlung verweigert hat?

ich habe den schweren Vorschlagshammer

gegen den lächerlichen Kreis meiner Einsamkeit

gegen die Wanduhr

aufgezogen

potak-e sangin bar dâyere-ye mod.h.ek-e

tanhâ’iyam-râ

bar sâ°at-e diwâri kuk karde’am.

Bektasch Aptin wurde 1353 (1974) geboren und hat fünf Gedichtsbände veröffentlicht. Als Filmregisseur hat Bektasch Aptin sich auf Dokumentarfilme über gesellschaftliche Phänomene konzentriert. Er sagt, dass die Zensur dabei wesentlich strenger ist als bei anderen Filmen, bei denen ja nicht der Anspruch erhoben wird, die Wirklichkeit zu zeigen und im Zweifelsfall das Ganze als Fiktion deklariert werden kann.

1391 (2012), als Monizhe Najam-Eraqi, die gewählte Sekretärin des Schriftstellervereins, verhaftet wurde, wurde Bektasch Aptin zum Nachfolger gewählt. 2016 wurde Bektasch Aptin mehrfach verhört, zu seinen Filmen, seiner Tätigkeit im Schriftstellerverein, zur Teilnahme an Straßenprotesten von 2009. Mitte 2016 wurde Bektasch Aptin verhaftet. Er wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Und im Gefängnis ist er jetzt gestorben.

https://www.radiofarda.com/a/who-is-baktash-abtin-poet-who-died-in-prison/31645204.html

ضد نظام سانسور؛ بکتاش آبتین که بود؟بکتاش آبتین شاعر، فیلمساز و زندانی سیاسی در حالی شنبه ۱۸ دی، پس از یک دوره ابتلا به کرونا جان خود را از دست داد، که مأموران جمهوری اسلامی او را از درمان به‌موقع محروم کرده بودند.www.radiofarda.com

vom 18. Dey 1400 (8. Januar 2022)

ضد نظام سانسور؛ بکتاش آبتین که بود؟

Iran: Wir sind Gottes Schlägertruppe

Eine Skizze vom Gesicht von Gouhar Eshqi – von Homa Skandari

Gouhar Eshqi war am 18. Adhar 1400 (9. Dezember 2021) zu Fuß unterwegs, als sie von zwei Motorradfahrern eingeholt wurde. Einer von ihnen stieg ab und stieß sie gegen die metallenen Gitterstäbe eines Zauns. Er fügte ihr schwere Gesichtsverletzungen zu. Vor etwa einem Monat war Gouhar Eshqi zusammen mit Familienangehörigen festgenommen worden. Dabei sagte einer der Beamten zu ihnen: „Es werden nicht immer alle im Gefängnis und unter Folter getötet. Manche werden auch durch einen Unfall oder einen Streit oder einen anderen Vorfall ums Leben kommen.“

Gouhar Eshqi setzt sich aufgrund der Verhaftung und Ermordung ihres Sohns Sattar Beheshti seit 9 Jahren für die Menschenrechte der Gefangenen ein. Sie und ihre Tochter wurden wiederholt bedroht und schikaniert. Ihr Sohn war wegen seiner politischen Blogs verhaftet und umgebracht worden.

Ali Afshari, der Verfasser des Artikels, der bei Radio Farda veröffentlicht wurde, ist sich sicher, dass die Motorradfahrer von den iranischen Sicherheitsorganen organisiert wurden. Er schreibt, dass die Hinzuziehung Dritter zur Ausübung staatlicher Gewalt außerhalb des Rahmens staatlicher Organe ein Wesensmerkmal der Islamischen Republik seit ihrer Gründung ist. Ali Afshari weist darauf hin, dass die Geistlichkeit schon früh eine Bündnis mit sozialen Randgruppen eingegangen ist, mit ungebildeten Gewalttätern (er verwendet die Ausdrücke: jâhel – unwissend, ignorant, und lât – so etwas wie Lumpenproletariat), um ihre Ziele voranzutreiben. Dieser gewaltbereite Personenkreis wird amtlich dann als „Ommate Hezbollah“ (Die Gemeinschaft der Gottespartei) oder als „Niruhaye mardomiye xodjush“ (Spontane Volkskräfte) tituliert, was suggeriert, sie handelten aus Gründen der (richtigen) religiösen Überzeugung bzw. „aus dem Volk heraus“. Diese Kräfte werden von den Revolutionswächtern (Pasdaran) organisiert und ausgebildet. Zu Beginn der Revolution wurden solche Personen auch in den Komitees eingesetzt, das waren während der Revolution 1979 gebildete „Sicherheitsorgane“, die rasch die Funktion von Polizei und Haftzentren übernahmen. Damals wurden sie auch als „Schamschire Eslam“ (Schwert des Islams) bezeichnet.

Heute sind solche schlagkräftigen Gruppen auch über den Iran hinaus im Libanon und Irak aktiv, wohin die Pasdaran ihre Tätigkeit ausgeweitet haben.

Die ideologische Grundlage für diese gewaltsamen Aktivitäten im rechtsfreien Raum hat Ajatollah Chomeini geschaffen, und zwar mit dem Ausdruck: „Hefze nezâm oujabe wâjebât ast.“ Die Bewahrung des Systems (der Islamischen Republik) ist die höchste aller (religiösen) Pflichten. Damit wird eine rechtfreier Raum jenseits von staatlicher Gesetzgebung, von moralischen Regeln und auch jenseits des islamischen Rechts, der Scharia, geschaffen. Der Satz heißt übersetzt: Der Zweck heiligt die Mittel. Und der Zweck ist der Erhalt des Systems. Dies ist die Norm, die der Begründer der Islamischen Republik und damalige Religiöse Führer geschaffen hat.

Hier hat die absolute Rechtlosigkeit ihre absolute religiöse Verankerung erhalten. Die Angreifer und Schläger handeln in höherem Auftrag zur Wahrung der Herrschaft Gottes auf Erden.

So lässt sich erklären, wieso diese Männer eine alte Frau angreifen, die ihre Großmutter sein könnte. Ali Afshari betont, dass der Respekt vor älteren Menschen ein wesentlicher Bestandteil der iranischen Kultur sei und dieses Vorgehen gegen Gouhar Eshqi daher völlig aus dem Rahmen falle.

Afshari bezeichnet diese Leute als mafiös, kriminelle Gruppen, Verbrecher, Lumpen. Und weiter: „Die schändliche Art des Umgangs mit Gouhar Eshqi, dieser mutigen und leidgeprüften Frau, spiegelt sehr gut den gefährlichen Charakter dieser ahrimanischen Vereinigung wieder.“ Ahriman ist laut dem persischen Wörterbuch von Junker/Alavi das Oberhaupt der Dämonen, das Zentrum des Bösen. Und genau da stehen wir (nicht nur in der iranischen Gesellschaft). Wir haben im Laufe des Lebens oft religiös geprägte, später evtl. vom Kommunismus etc. überarbeitete Vorstellungen von Gut und Böse übernommen, nach denen wir die anderen und uns selbst einstufen. Die Neigung ist groß, uns auf die Seite „des Guten“ und die Gegner auf der Seite „des Bösen“ zu finden. Das gilt für das Lager von Ali Afshari genauso wie für das Lager dieser „ahrimanischen Kräfte“. Solange wir für uns selbst und die Gegenseite nicht alle Wertungen zulassen, schaffen wir mit solchen Einstufungen die Grundlage für den nächsten Ajatollah, den nächsten Führer, den nächsten Präsidenten oder Erleuchteten, der für seine Seite die berechtigten Ausnahmen von den eigenen Normen zulässt, wenn es darum geht, die Gegenseite zu bekämpfen.

Quellen:

https://www.radiofarda.com/a/31608415.html

vom Di 23. Adhar 1400 (14. Dezember 2021)

حمله به گوهر عشقی، بازنمایی ماهیت گانگستری

جمهوری اسلامی

https://middleeast.in-24.com/world/381813.html

https://fa.wikipedia.org/wiki/اهریمن

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahriman

Schweden – Albanien: Prozess gegen Mittäter des Gefangenenmassakers im Iran von 1988


Prozess gegen Hamid Noury

Im August 2021 wurde die Verhandlung gegen Hamid Noury vor einem Gerichtshof in Stockholm eröffnet. Ihm werden namentlich Mord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zur Last gelegt. Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Assistent des stellvertretenden Staatsanwalts am Gohardascht-Gefängnis in Karadsch, westlich von Teheran. Es geht namentlich um seine Beteiligung am Gefangenenmassaker von 1988, das auf Anweisung von Ajatollah Chomeini stattfand. Hamid Noury wurde im November 2019 in Schweden verhaftet, als er dort einreiste.

1988: Mitglied der Todeskommission, 2021: Staatspräsident

Im Iran ist ein Verfahren gegen ihn nicht möglich, da einer der Hauptverantwortlichen, einer der vier Mitglieder der Todeskommission von 1988 in Teheran, heute im Iran Staatspräsident ist: Ibrahim Ra’isi.

Gericht aus Stockholm tagt in Durrës in Albanien
Um eine Reihe von Augenzeugen anzuhören, hat das Gericht in Stockholm beschlossen, nach Durrës in Albanien zu reisen, wo es vom 10. bis 19. November 2021 Augenzeugen zur Tätigkeit von Hamid Noury anhört. Dass die Zeugen gerade in Albanien so zahlreich sind, liegt daran, dass dort die Volksmudschahedin nach ihrem erzwungenen Exil aus dem Irak einen neuen Stützpunkt namens Aschraf 3 errichtet haben, der 2019 eröffnet wurde. Dort leben auch Augenzeugen des Massakers von 1988.

Aussagen ehemaliger Gefangener aus dem Iran
So sagte Akbar Samadi vor den schwedischen Richtern aus, dass Ibrahim Ra’isi 1988 als stellvertretender Staatsanwalt damals von ihm verlangt habe, in einem „Interview“ die kurdische Partei Komele zu verurteilen, damit er selbst begnadigt werden könne. Akbar Samadi erklärte, dass die Todeskommission sich gegenüber den Gefangenen als „Begnadigungskommission“ bezeichnet habe. Akbar Samadi hatte damals die Forderung von Ibrahim Ra’isi abgelehnt und gesagt, dass er kein Mitglied der Komele sei. Ibrahim Ra’isi war erzürnt über die Absage. Akbar Samadi wurde damals viermal von der Todeskommission vorgeladen, beim vierten Mal akzeptierte er die Forderung, ein „Interview“ zu geben. Samadi erinnert sich noch, dass damals Hamid Noury die Gefangenen zur Hinrichtung in den „Todeskorridor“ gebracht habe. Dabei sei ein Gefangener namens Mortaza Yazdi versehentlich hingerichtet worden. Er wurde mit einem Seyyed Mortaza Yazdi verwechselt. Diese Aussage bestärkt den Vorwurf, dass Hamid Noury als Justiz-Assistent am Gefängnis von Gouhardascht an den Massenhinrichtungen von Gefangenen beteiligt war. Auf den Verhandlungen in Durrës ist ein Anwalt von Hamid Noury anwesend. Noury selbst ist weiter in Stockholm in Haft und verfolgt die Verhandlungen per Videoaufnahme. Auf den vorangegangenen drei Sitzungen hatten Mohammad Zand, Majid Saheb-Jam° und Asghar Mahdizadeh, alle ebenfalls Mitglieder der Volksmudschahedin, gegen Hamid Noury ausgesagt.

Schubkarren voll mit Stricken für die Galgen
Akbar Samadi berichtete auch, dass eines der Gebäude des Gefängnisses damals geräumt wurde, um es für die Hinrichtungen zu nutzen. Damals hätten die Pasdaran Schubkarren voll mit Stricken für die Galgen dorthin befördert. Es war die Aufgabe von Hamid Noury, die Namen der Hinzurichtenden vorzulesen und diese dann in den Todeskorridor zu bringen.“

Der Gehilfe des Henkers in Vaterschaftsurlaub?
Hamid Noury hat die Anschuldigungen bislang zurückgewiesen. Sein Anwalt sagt, dass laut Hamid Noury diese Hinrichtungen nicht stattgefunden hätten. Laut Angaben des Anwalts habe damals Hamid Noury wegen der Geburt eines Kindes zwei Monate lang Urlaub gehabt.
Wenn man das beim Wortlaut nimmt, könnte man geradezu denken, dass die Islamische Republik Iran so fortschrittlich ist, dass die staatlichen Bediensteten Vaterschaftsurlaub nehmen. Und das im Jahre 1988.

https://www.radiofarda.com/a/31562244.html
Montag, 24. Aban 1400 (15. November 2021)
دادگاه حمید نوری؛ شاهد: ابراهیم رئیسی را در اتاق هیئت مرگ تابستان ۶۷ ملاقات کردم