Iran: Schulen öffnen – freie Bahn für Corona

Schule im Iran


Die iranische Ärztevereinigung (Sazemane Nezame Pezeshki) hat sich klar gegen die Öffnung der Schulen im Iran ausgesprochen. Vergangenen Donnerstag (3. September) wurden im ganzen Land die Schulen geöffnet. Der Vertreter der Ärztevereinigung, Ali-Reza Salimi, erklärte, diese Entscheidung sei in mehrfacher Hinsicht äußerst gefährlich. Derzeit sind die meisten Regionen im Iran aufgrund der Corona-Pandemie entweder in die Gefahrenstufe „Rot“ oder als als gefährdet eingestuft. Die iranischen Schulen sind nach Auffassung der Ärztevereinigung nicht ausgerüstet, die Bedingungen einzuhalten, die zur Verhütung der Ausbreitung der Pandemie erforderlich sind. Durch die lange Dauer zwischen Infektion und Auftreten der ersten Krankheitssymptome ist die Gefahr beträchtlich, dass die MitschülerInnen angesteckt werden. Hinzu kommt nicht nur die Ansteckungsgefahr in den Schulen, sondern auch die Tatsache, dass viele Schulkinder öffentliche Transportmittel nutzen, was der Ausbreitung der Krankheit weitere Möglichkeiten eröffnet. Die Ärztevereinigung hatte schon im Vorfeld auf ihre Bedenken hingewiesen und war überrascht, dass dann die jetzige Entscheidung getroffen wurde, die Schulen wieder zu eröffnen.

https://www.akhbar-rooz.com/مخالفت-دوباره-سازمان-نظام-پزشکی-با-باز/
vom 16. Shahriwar 1399 (6. September 2020)
مخالفت دوباره سازمان نظام پزشکی با بازگشایی مدارس

Kinderarbeit im Iran


Am Sonntag, den 16. Shahriwar (6. September), berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA, von einem aufsehenerregenden Fall in Shahin-Shahr, einer Stadt in der Provinz Isfahan. Leitende Beamte der Wohlfahrtsbehörde (Edareye Behzisti), die für obdachlose und bedürftige Kinder zuständig ist, hatten Kinder im Keller der Behörde eingesperrt. Nach Angaben der sozialen Medien hatte die Behörde 10 Kinder im Keller eingesperrt, bis Menschen auf deren Schreie und Hilferufe aufmerksam wurden und die Polizei und die Feuerwehr riefen. So wurden die Kinder aus dem Keller befreit. Marziye Farshad, die Generaldirektorin der Wohlfahrtsbehörde der Provinz Isfahan, bezeichnete den Beschluss, die Kinder im Keller einzusperren, als „unprofessionell“ und erklärte, dass der Leiter und sein Assistent ihres Amts enthoben worden seien.

Daten zur Kinderarbeit im Iran
Abdol-Reza Rahmani Fazli, der iranische Innenminister, hatte vor etwa einem Monat erklärt, dass die Mehrheit der minderjährigen Kinder, die im Iran arbeiten, afghanische Staatsbürger seien. Minderjährig heißt nach dem iranischen Gesetz unter 15 Jahren. Shokrollah Hassan-Beygi, der sozialpolitische Assistent der Provinz Teheran, hatte vor etwa einem Jahr erklärt, dass der Anteil ausländischer Kinder unter den Kinderarbeitern in Teheran etwa 80 Prozent betrage.
Das Zentrum für Statistik und strategische Informationen des Ministeriums für Kooperativen, Arbeit und sozialen Wohlstand hatte in seinem letzten Bericht, der sich auf das Jahr 2017 bezieht, von rund 400.000 Kinderarbeitern gesprochen (330.000 Jungen, 70.000 Mädchen), sowie weiteren 90.000, die auf Arbeitssuche waren. Nahid Taj-ol-din, Mitglied des Vorstands des Sozialausschusses des iranischen Parlaments, hatte die Zahl der Kinderarbeiter im Iran auf der Grundlage der Schätzungen von Fachleuten auf 3 bis 7 Millionen beziffert.

Was soll man von den Daten halten?
Wie man sieht, ist die Spannweite der Angaben derart breit, dass man nicht einmal sicher sein kann, dass die verschiedenen Behörden die selben Definitionen anwenden. Es kann durchaus sein, dass das Innenministerium so auf Ausländer fixiert ist (gibt es hierzulande ja auch), dass es nur hinter ausländischen und bevorzugterweise afghanischen Kindern her ist, dann machen die ausländischen Kinderarbeiter natürgemäß auch den Hauptteil in seiner Statistik aus.

https://www.radiofarda.com/a/iran-child-labour-imprisonment/30823555.html
vom 16. Shahriwar 1399 (6. September 2020)
حبس کودکان کار در زیرزمین اداره بهزیستی؛ «حکم برکناری برای مسئولان»

Freie Gewerkschaft im Iran: Sicherheitsbehörden beabsichtigen, Jafar Azimzadeh zu töten

حقوق بشر در ایران | جعفر عظیم زاده, زندانی سیاسی در پرونده جدید ...
Jafar Azimzadeh

Jafar Azimzadeh, ein Arbeiteraktivist, der derzeit im Iran in Haft ist, hat sich eine Corona-Erkrankung zugezogen. Er wurde am Sonntagabend unter dem Vorwand, in ein Krankenhaus gebracht zu werden, aus dem Evin-Gefängnis entlassen, befindet sich aber derzeit in Einzelhaft im Rajai-Gefängnis bei Gohardasht, nahe der Stadt Karaj. Seine Familie hat keine Erlaubnis ihn zu besuchen. Er befindet sich in ernsthafter Gefahr. Die freie Gewerkschaft des Iran und die Gewerkschaft der Vahed Company haben vor der schlimmen Situation dieses Arbeiteraktivisten gewarnt.

Tödliche Erkrankung

Die freie Gewerkschaft des Iran erklärte heute, dass Jafar Azimzadeh am Sonntagabend, den 16. August, von einem Arzt des Evin-Gefängnisses in die zentrale Krankenstation des Evin-Gefägnisses eingewiesen wurde, damit seine Lungen und sein Herz behandelt werden können. Jafar Azimzadeh litt seit einem früheren 63-tägigen Hungerstreik an schweren Herz-, Magen-Darm- und Lungenerkrankungen. Laut Ärzten kann eine Corona-Infektion für Menschen mit Grunderkrankungen sehr tödlich sein.

Statt auf die Krankenstation ins Gefängnis

Aber die Beamten brachten ihn nicht auf die Krankenstation. Stattdessen wurde Jafar in das Rajai-Gefängnis verlegt und war in den letzten zwei Nächten in Einzelhaft, ohne die Erlaubnis, seine Familie zu kontaktieren.

Freilassung? Nicht für Jafar Azimzadeh!

Das Rundschreiben über die Freilassung von Gefangenen am März 2019 schloss ihn rechtlich ein, führte jedoch nicht zu seiner Freilassung. Um das zu rechtfertigen, wurde in nur 20 Tagen ein neuer Fall gegen ihn eröffnet und es wurden Verhöre und Gerichtsverfahren abgehalten. Er wurde 13 Monate in Untersuchungshaft genommen. Diese Maßnahmen wurden ergänzt durch ernsthaften Druck auf Jafars Frau und die Beschlagnahme eines seiner während seines Urlaubs hinterlegten Dokumente.

Jafar soll getötet werden

Die Reihe von Ereignissen, die in den letzten Monaten gegen Jafar stattgefunden haben, zeigt deutlich, dass die Sicherheitsbehörden beabsichtigen, ihn zu töten. Im vergangenen Monat haben zwei gefährliche Gefangene, Angehörige der Sicherheitsdienste im Gefängnis, Jafar zweimal angegriffen, um ihn zu töten. Aufgrund der Intervention anderer Gefangener konnten sie jedoch ihre Arbeit nicht erledigen, sondern nur in Anwesenheit von Beamten der Gemeinde die Drohung aussprechen, Jafar zu töten.

Quellen:

Iran: Zartosht Ahmadi Ragheb in Gefahr

Zartosht Ahmadi Ragheb gehört zu den wenigen iranischen Oppositionellen, die im April dieses Jahres in einem direkten Interview mit dem persischen Dienst des US-Senders Voice of America das Vorgehen der iranischen Behörden in Zusammenhang mit der Ausbreitung des Corona-Virus life kritisierten.
Schon im Vorjahr war er verhaftet worden, weil er einen offenen Brief unterschrieben hatte, in dem der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i zum Rücktritt aufgefordert wurde. Er war nach fünf Monaten gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Mitte Juni 2020 war er erneut verhaftet worden, um eine Haftstrafe von 9 Monaten zu verbüßen. Er wurde ins berüchtigte Gefängnis von Groß-Teheran (Fashafuyeh-Gefängnis) verlegt.
Während auf der Webseite von Amnesty International in London noch nichts dergleichen zu finden ist, berichtet jetzt peykeiran, dass diese Organisation eine Erklärung veröffentlicht habe, in der sie den Gesundheitszustand des Menschenrechtlers Zartosht Ahmadi Ragheb als katastrophal bezeichnete. Er ist vor mehr als zwei Monaten in den Hungerstreik getreten.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=212616
vom 27. Mordad 1399 (17. August 2020)
عفو بين‌الملل: وضعیت جسمانی زرتشت احمدی‌راغب وخیم است

https://iranintl.com/en/zartosht-ragheb

  1. August 2019
    Another signatory of the letter calling for Khamenei’s resignation was arrested

https://www.voanews.com/covid-19-pandemic/iran-based-dissident-government-mishandling-pandemic-worsened-economic-crisis
Updated April 16, 2020 12:41 AM

COVID-19 Pandemic
Iran-Based Dissident: Government Mishandling of Pandemic Worsened Economic Crisis

Corona-Ausbruch im Evin-Gefängnis: Sitzstreik von 27 Politischen Gefangenen

Ewin-Gefängnis, Teheran

Mindestens 27 in der Abteilung 8 des Evin-Gefängnisses inhaftierte Politische Gefangene setzen sich am Sonntag, den 9. August, in den Hof ​​des Gefängnisses und forderten eine Untersuchung der Situation der Gefangenen und der Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs des Corona-Virus.

Protestkundgebung Politischer Gefangener im Evin -Gefängnis

Der Vorfall begann laut einer Gruppe von iranischen Menschenrechtsaktivisten am Sonntag, den 9. August, mit der Bekanntgabe der Ergebnisse eines Zufallstests von 17 Gefangenen, bei dem herauskam, dass 12 Gefangene mit dem Corona-Virus infiziert waren. Alle diese Gefangenen wurden in das Gesundheitszentrum des Gefängnisses gebracht.

Infektion von 12 Politischen Gefangenen im Evin – Gefängnis mit dem Coronavirus

In einem Interview mit der Kampagne für Menschenrechte im Iran berichtete Munir Abdi, die Frau von Esmail Abdi, einem Mitglied der iranischen Lehrergewerkschaft, dass dieser Gewerkschaftsaktivist und elf weitere Politische Gefangene in der Abteilung 8 des Evin-Gefängnisses sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten und dass sie in die zentrale Krankenstation des Evin-Gefägnisses verlegt worden waren.

Munir Abdi sagte in einem Interview, dass die Symptome der Corona-Infektion schon vor zwei Wochen in der Abteilung 8 des Evin-Gefängnisses erstmals festgestellt wurden, aber die Gefängnisbeamten, die Coronatests zu spät durchführten. Herr Abdi befand sich zu dem Zeitpunkt in einem Raum mit vier Gefangenen, die an der Corona-Erkrankung gelitten haben. In den restlichen Räumen sind bis zu 18 Personen untergebracht.

Die Symptome, die bei dem ersten Ausbruch festgestellt wurden, waren u.a. der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, starke Schmerzen und Husten, einige hatten Fieber und schwere Lungenprobleme was sich mit einem CT-Scan der Lunge zeigte.

„Am Dienstag wurden 17 Gefangene einer Blutuntersuchung und einer Nasenschleimhautuntersuchung unterzogen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am Sonntag vorgelegt: 12 Gefangene waren infiziert.“

Frau Abdi, Angehörige eines Politischen Gefangenen im Iran

Esmail Abdi, ein Mathematiklehrer, hochrangiges Mitglied der iranischen Lehrergewerkschaft (ITTA) und ehemaliger Generalsekretär des Vereins, wurde 2016 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem seine Strafe vom Berufungsgericht Teheran bestätigt worden war.

Esmail Abdis Frau sagte der Kampagne: „In der zentralen Krankenstation des Evin-Gefängnisses gaben sie zur Behandlung keine speziellen Medikamente, sie kontrollierten nur das Fieber. Herr Abdi hatte Kopfschmerzen und Atemnot, weil er eine Grunderkrankung hat und ein Asthmaspray nimmt. Tabletten gegen Bluthochdruck wurden ebenfalls verschrieben.“

Frau Abdi möchte dass die Politischen Gefangenen Hafturlaub zu Hause bekommen.

Quellen:

HRANA, Radio Zamaneh, Menschenrechtskampagne im Iran

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/85448/

https://www.amnesty.de/mitmachen/petition/freiheit-fuer-esmail-abdi-und-jafar-azimzadeh

Iran: Corona-Interview führt zu Schließung einer Zeitung

Zeitung geschlossen – zuviel Kritik an staatlicher Corona-Politik


Die Zeitung Jahane San°at (Welt der Industrie) wurde beschlagnahmt und ihr Erscheinen eingestellt, weil sie ein Interview mit Mohammad-Reza Mahbub-Far veröffentlichte. Mohammad-Reza Mahbub-Far ist Mitglied des Stabs zur Bekämpfung des Corona-Virus und zugleich Epidemologe. Er hatte in seinem Interview auf mehrere Dinge hingewiesen, die den Machthabern wohl sauer aufgestoßen sind.
So hat er darauf hingewiesen, dass die Zahl der Todesfälle wohl fünfmal so groß ist wie veröffentlicht. Am 10.08.2020 waren für den Iran auf dem WHO dashboard für den Iran 18427 Todesfälle angegeben (amtliche Zahl), das heißt, man käme mit dieser Angabe auf über 90.000 Todesfälle für den Iran.
Mohammad-Reza Mahbub-Far erklärte, dass schon einen Monat vor der amtlichen Bekanntgabe des Auftretens von Corona im Iran, nämlich Anfang des Monats Dey (Ende Dezember 2019), schon der erste Fall eines Infizierten im Iran verzeichnet wurde. Aufgrund der angesetzten Parlamentswahlen und der jährlichen Feiern zum Jahrestag der Revolution am 22. Bahman (11. Februar) wurde diese Information aber geheim gehalten. Er sagte: „Definitiv wurden die Daten über die Ausbreitung des Corona-Virus von Beginn bis jetzt manipuliert. Auf jeden Fall werden diese Daten aufgrund politischer und sicherheitstechnischer Rücksichten der Gesellschaft dosiert verabreicht. Nach meiner bescheidenen Überzeugung sind die veröffentlichten Zahlen des Gesundheitsministeriums (die Zahl der Infizierten wie der Toten) nur ein Zwanzigstel der echten Zahlen. (Anmerkung: dies widerspricht der obigen Angabe, wonach die Todesfälle fünfmal so hoch seien wie angegeben – hier ist der Zeitungsbericht von iran-emrooz schlampig verfasst, so dass ohne Kenntnis des ursprünglichen Artikels nicht gesagt werden kann, was Mohammad-Reza Mahbub-Far tatsächlich gesagt hat.
Mohammad-Reza Mahbub-Far betont, dass im Iran einerseits viele Menschen Masken tragen müssen und Abstand halten, dass aber andererseits die verwendeten Masken längst nicht immer einen wirksamen Schutz bieten (ähnlich wie ja auch die in Deutschland). Hinzu komme, dass der Staatspräsident Hassan Rouhani erlaubt habe, dass die schiitischen Feiern zum Monat Moharram ungehindert stattfinden können, gegen die ausdrückliche Warnung der Epidemologen, so dass der Ausbreitung des Virus neue Gelegenheit gegeben wird. Natürlich stehen dahinter auch die finanziellen Interessen der Geistlichen, für die solche religiösen Feiern eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung haben wie Weihnachten für den Einzelhandel in Westeuropa.

https://covid19.who.int/

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/85430/
vom 10.08.2020
روزنامه «جهان صنعت» توقیف شد

Iran: Kritiker mit Haloperidol „ruhig“ gestellt

Die „Betonspritze“, mit der Menschen „ruhig gestellt“ werden


Neuerdings werden aus dem Iran Praktiken gemeldet, die in der 1991 aufgelösten Sowjetunion beliebt waren, um Kritiker aus dem Verkehr zu ziehen. Politisch Andersdenkende wurden damals in die Psychiatrie gesperrt und gegen ihren Willen mit Psychopharmaka behandelt.
Dies berichtet jetzt aus dem Iran Kiyanush Zanjari, ein Journalist und Menschenrechtsaktivist, der derzeit zur Behandlung Hafturlaub hat. Er schrieb in einer Reihe von Tweets vom Vortag über seine eigenen Erfahrungen mit der Verlegung aus dem Gefängnis in die Psychiatrische Klinik von Amin-Abad (Bimarestane Rawaniye Amin-Abad, Markaze Rawan-Pezeshki Razi). Anfang des Jahres 1398 (also im Frühjahr 2019) wurde er von zwei Soldaten zu diesem Psychiatrischen Zentrum eskortiert. Erst als er die Aufschrift (Markaze Rawaniye Amin-Abad) (Psychiatrisches Zentrum Amin-Abad) las, wusste er, was Sache war. Bei der Einlieferung in das Zentrum wurde ihm eine Spritze verabreicht, die auf ihn eine lähmende Wirkung hatte. Er spürte, wie er ohnmächtig wurde. Sein Mund fühlte sich trocken an, und er stellte fest, dass er mit der rechten Hand und dem linken Fuß an ein Bett gefesselt war. Als er am nächsten Tag mit dem Pfleger reden wollte, konnte er die Zunge nicht bewegen. Die Hand- und Fußfesseln wurden ihm auch nicht abgenommen, wenn er aufs Klo musste.

Ärzte zum Handabhacken…
Ein Psychiater, der in Teheran im Psychiatrischen Zentrum Ruzbeh arbeitete, meinte, normale Ärzte würden so etwas nicht tun. Es sei aber denkbar, dass die „Sicherheitsorgane“ in den letzten Jahren eigene „Ärzte“ ausgebildet hätten, die dazu bereit sind. Das gelte sowohl für Ärzte, die von der Gefängnisverwaltung angestellt sind, als auch für solche, die für das Verteidigungsministerium arbeiten. Er nimmt an, dass die Sicherheits- und Justizorgane dafür sorgen, dass bei den Zulassungsprüfungen zum Medizinstudium auch Leute angenommen werden, die zum Beispiel bereit sind, später einem Menschen die Hand zu amputieren – als „islamische Strafe“. Dieser Psychiater nimmt anhand der Beschreibung der Symptome an, dass dem Journalisten Kiyanush Zanjari das Medikament Haloperidol eingespritzt wurde.

Psychiatrie gegen Proteste
Schon früher wurden Fälle der Einweisung in die Psychiatrie gemeldet. So berichtete die Mutter von Hengame Shahidi, einer inhaftierten Journalistin, am 11. Dey 1398 (Jahreswende 2019/20) auf Instagram, dass ihre Tochter in das Psychiatrische Zentrum Amin-Abad eingewiesen wurde. Hengame Shahidi teilte damals mit, dass sie von vier Männern festgehalten wurde, die ihr gewaltsam Haloperidol einspritzten – sie erwähnte das Medikament mit Namen.
Ein weiteres Opfer dieser Praxis ist Hashem Khastar, Lehrer und Gewerkschaftsaktivist, der von den Geheimdienstorganen der Pasdaran entführt und eine Zeitlang im Psychiatrischen Krankenhaus „Sina“ in Mashhad festgehalten wurde.
Auch die Ehefrau von Mohammad-Ali Babapur, eines Dozenten an der Polizeihochschule, der wegen „Zusammenarbeit mit Feindessstaaten“ zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, berichtete im Vorjahr in einem Interview mit Iran Wire, dass ihr Mann aus dem Gefängnis in die psychiatrische Klinik von Amin-Abad verlegt wurde. Ihr Mann litt zwar an einer Depression, aber die Behandlung in der Klinik diente nicht dem Zweck, die Depression zu behandeln.
Nilufar Bayani, eine inhaftierte Umweltschützerin, berichtete davon, dass auch beim Verhör mit der Verabreichung von Luftspritzen und lähmenden Medikamenten gedroht wurde.

https://de.wikipedia.org/wiki/Haloperidol
https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=212091
vom 19. Mordad 1399 (9. August 2020)
زنجیره جنایتهای رژیم اسلامی بی انتهاست/ به زندانیان سیاسی چه آمپولی تزریق می‌شود؟

Iran: Streiks in der Erdölindustrie


Am Samstag, den 1. August, traten Arbeiter der Erdöl- und Erdgasindustrie sowie der Petrochemie in vier iranischen Provinzen gleichzeitig in den Streik. Beteiligt waren Arbeiter in den Provinzen Chusistan (Khuzestan), Buschehr, Hormosgan (Hormozgan) und Fars. Am Samstag traten die Arbeiter der Raffinerien von Qeschm (Qeshm) in Hormozgan, Abadan, Parsiyan sowie der Petrochemie von Lamard und der Blöcke (Faz) 22 und 24 von Parse Jonubi in den Ausstand. Am Sonntag ging der Streik weiter, es schlossen sich die Arbeiter der Raffinerien von Fadschire (Fajire) und Kangan sowie die Petrochemie Pars an. Auch Block 14 von Parse Jonubi kam hinzu.

Raffinerie in Abadan (Provinz Chusistan)

Forderungen der Arbeiter
Die Forderungen der Arbeiter muten bescheiden an:
Sie fordern eine Auszahlung der ausstehenden Löhne und eine Reduzierung der Arbeitszeit bei Temperaturen von 50°C (!). Vor knapp einer Woche war Ibrahim Arabzade, der bei der Petrochemie in Mahschahr arbeitete, infolge der Hitze gestorben. Viele Arbeiter der Erdölindustrie sind Leiharbeiter – auch im Persischen spricht man umschreibend von Arbeitern mit Werkverträgen, so dass stabile Anstellungsverhältnisse ebenfalls zu ihren Forderungen gehören. Auch die Umwandlung befristeter Verträge in unbefristete Arbeitsverträge ist Teil der Forderungen der Arbeiter.

Petrochemie (Provinz Fars)

Die Plage der Leiharbeit
Die Nachrichtenplattform akhbar-rooz schreibt am 1. August, das schätzungsweise 3 Viertel der Arbeiter in der iranischen Erdöl- und Erdgasindustrie inzwischen Leiharbeiter sind, was zu einer deutlichen Abnahme der Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit in dieser früher sehr lukrativen Branche geführt hat. Die Betreiber der Leiharbeitsfirmen scheren sich wenig um die iranische Gesetzgebung, sei es was die zulässige Zahl der Arbeitstunden angeht, sei es was die Gesundheitsvorschriften angeht (etwa Arbeit bei Temperaturen von 50°C).
Während sich die Leiharbeiter bei der Raffinerie für Schweröl in Qeshm über die unregelmäßige Bezahlung beklagen, behaupten die Direktoren der Raffinerie gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA, die Arbeiter forderten höhere Löhne und es gebe keine Verspätungen bei der Lohnauszahlung…

Raffinerie für Schweröl in Qeshm (Hormosgan)

Gemeinsam streiken
In den meisten der genannten Firmen gab es schon früher Streiks, die zu nichts geführt haben. Das gemeinsame Auftreten zur gleichen Zeit setzt Zeichen, zumal auch Arbeiter anderer Fabriken, so die Zuckerfabrik Neyshekar in Haft-Tape und der Hersteller von Straßenbaumaschinen HepCo, sich den Streikenden angeschlossen haben.

Mögliche Reaktionen des Staates
Ruzbeh Bo-l-Hori macht sich auf den Seiten von Peykeiran Gedanken darüber, wie der Staat auf die Streiks reagieren kann. Er listet folgende Möglichkeiten auf:

  1. Der Staat geht auf die Forderungen der Arbeiter ein und die Streiks werden beendet. Für die Arbeiter wäre dies eine Ermutigung, auch in Zukunft so zu handeln, um ihre Forderungen durchzusetzen.
  2. Die Arbeiter werden mit Versprechungen vertröstet und brechen den Streik ab. Das ist schon öfters vorgekommen. Aber das bedeutet nur eine Verschiebung, denn die Arbeiter von Hepco und von Neyshekar in Haft-Tape zeigen deutlich, dass der Protest weitergeht, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden.
  3. Die Streiks bleiben erfolglos, die Arbeiter werden verhaftet, gefoltert und zu Gefängnis verurteilt. Auch das ist nichts Neues. Aber gerade das Beispiel der Arbeiter von Neyshekar in Haft-Tape, wo der Staat so vorging, zeigt, dass er die Probleme mit Repression nicht lösen kann. Die Arbeiter streiken heute wieder, obwohl eine ganze Reihe ihrer Kollegen verhaftet, gefoltert und verurteilt wurden.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=211633
vom 12. Mordad 1399 (2. August 2020)
چند ویژگی دور تازه اعتصاب‌های کارگران نفت و پتروشیمی

https://www.radiofarda.com/a/iran-workers-protest-strike/30761600.html
vom 11. Mordad 1399 (1. August 2020)
کارگران بخش‌های مختلف ایران در روز شنبه دست به اعتصاب زدند

https://www.akhbar-rooz.com/گسترش-اعتصاب-کارگران-در-پالايشگاه-های
vom 11. Mordad 1399 (1. August 2020)
گسترش اعتصاب کارگران در پالایشگاه های جنوب به سایر مناطق نفتی ایران

https://www.radiofarda.com/a/iranian-workers-strike/30762692.html
vom 13. Mordad 2020 (3. August 2020)
ادامه اعتصابات کارگری در ایران و گسترش دامنه آن

Iran: Corona-Mathematik

Sima Sadat-Lari, Sprecherin des iranischen Gesundheitsministeriums, ausgebildete Zahnärztin


Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO (https://covid19.who.int/) vom 27. Juli 2020, betrug die Zahl der nachgewiesenen COVID-19-Erkrankten in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 200.000, mit etwas über 9000 Toten insgesamt. Rechnen wir von Anfang März bis Ende Juli, sind das rund 150 Tage, also 9000 Tote in 150 Tagen, macht rund 60 Tote pro Tag. Für den Iran finden sich folgende Angaben: 290.000 Erkrankte und 15.700 Todesfälle, macht rund 105 Tote pro Tag. Mit allen Einschränkungen zur Genauigkeit und Vergleichbarkeit der Zahlen.
Laut Angaben von Sima Sadat Lari, der Sprecherin des iranischen Gesundheitsministeriums, vom 6. Mordad 1399 (27. Juli 2020) sind in den letzten 24 Stunden im Iran 212 Erkrankte an den Folgen von COVID-19 gestorben. Das ist das Doppelte des in der obigen Rechnung ermittelten Durchschnitts.
Laut Angaben von Iraj Harirchi, des Vize-Generaldirektors (Mo°avene Koll) des iranischen Gesundheitsministeriums, werden derzeit täglich 4000 Personen im Iran wegen Corona in iranische Krankenhäuser eingeliefert, wovon rund 10 Prozent sterben, das wären 400. Eine Angabe über die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthaltes von Corona-Kranken im Iran bis zum Tod machte er nicht.

Schiitisches Trauerfest ist unantastbar
Der iranische Staatspräsident Hassan Rouhani gab vergangenen Samstag, den 25. Juli, bekannt, dass die schiitischen Trauerfeiern zum Monat Moharram (mit dem Höhepunkt der Aschura-Umzüge) in allen iranischen Städten abgehalten werden, egal ob die Stadt als Ansteckungsherd eingestuft wurde oder nicht. Das erscheint Paradox, weil das Gesundheitsministerium davor warnt, Massenveranstaltungen (Hochzeiten, Trauerfeiern, Abschlussprüfungen) abzuhalten, aber dann der Regierungschef das Gegenteil ankündigt. Aber der Widerspruch ist nur scheinbar. In der Politik hat immer der Machterhalt den Vorzug, nicht der Sachverstand.

Ahmad Alam-ol-Hoda, Freitagsimam von Maschhad

Hilfe, meine Schäflein schwimmen davon!
Mit diesen Worten könnte man die Worte des Freitagsimams von Maschhad umschreiben. Das ist der von Ajatollah Chamene’i, dem religiösen Führer, bestimmte wichtigste Redner zu den Freitagspredigten im religiösen Zentrum Maschhad, wo Millionen von Pilgern zusammen kommen. Ahmad Alam-ol-Hoda, der Freitagsimam von Maschhad, erklärte am heutigen Montag (27. Juli): „Die Tür des Heiligtums von Imam Resa (in Maschhad) zu schließen, den Ort des Gebets bis auf weiteres zuzumachen, die Moscheen zu schließen, die Basare und Freizeiteinrichtungen zu schließen, das ist nicht die Lösung des Problems. Wie lange sollen die Kontakte weiter beschränkt bleiben? In Maschhad führt die Einstellung von Pilgerbesuchen zu wirtschaftlichem Druck auf die Bevölkerung.“

https://news.gooya.com/2020/07/post-41368.php
vom 27. Juli 2020
توسل به داروی امام کاظم در دوران برگزاری مراسم ماه محرم

Vier Verhaftungen beim Streik in der Zuckerrohrfabrik Haft Tappeh

اعتصاب کارگران هفت‌تپه حدود یک‌ماه پیش آغاز شد.
Streikende Arbeiter der Zuckerrohrfabrik Haft Tappeh, in der Nähe der Stadt Schusch, Iran

Heute ist es etwa einen Monat her, dass die Arbeiter der Zuckerrohrfabrik Haft Tappeh in den Streik getreten sind. Wie ihre Anwältin, Farzaneh Zilabi, heute bekannt gab, ist es zu vier Festnahmen durch Geheimdienst und Sicherheitspolizei gekommen: Moslem Cheshmeh Khavar, Yousef Bahmani, Ebrahim Abbasi und Mohammad Khanifar wurden in das Gefängnis von Dezful, einer Nachbarstadt von Schusch, gebracht. Bei ihrer Festnahme soll es zu Gewalt gekommen sein.

Zwei der Festgenommenen sind offenbar am Coronavirus erkrankt, was laut Anwältin entgegen des Gesetzes, der Scharia und der Ethik sei.

Ein weiterer Zuckerrohrarbeiter von Hafta Tappeh, Mohammad Reza Dabirian, war laut Anwältin zuvor beschuldigt worden, „Beamte beleidigt und Lügen verbreitet zu haben“. Der Verleumdete wurde von der Staatsanwaltschaft und der Revolutionsstaatsanwaltschaft von Schusch vorgeladen und vom Gericht zu 222 Peitschenhieben verurteilt. Das Urteil aus diesem Prozess sei laut Zilabi ebenfalls illegal gewesen, da Herr Dabirian nicht anwesend war und weder den Prozess verfolgen noch sich verteidigen konnte. Der Grund: auch Herr Dabirian war am Coronavirus erkrankt.

Der Streik der Zuckerrohrarbeiter von Haft Tappeh begann vor einem Monat. Der Erhalt von Lohnrückständen, die Zahlung von Versicherungsprämien, die Rückkehr entlassener Kollegen zur Arbeit, die Aufhebung der Privatisierung und die Verhaftung des CEO des Unternehmens gehören zu den Forderungen der streikenden Arbeitnehmer. Bisher wurde nur ein Monat von den Löhnen tausender Haft Tappeh-Zuckerrohrarbeiter bezahlt, und die Löhne für Mai und Juli sollen bis zum 10. August gezahlt werden.

Quelle:

https://www.radiofarda.com/a/30725920.html