Wir gehen nicht zum Fajr-Filmfestival im Iran

من به جشنواره فجر نمی روم!
Durchgestrichenes Logo des Fajr-Filmfestivals mit dem Schriftzug: „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival!“

Jedes Jahr im Januar / Februar findet in Teheran das Internationale Fajr-Filmfestival statt. Es wurde im Jahr 1982 vom iranischen Kultusministerium ins Leben gerufen. Ca. 10 Tage lang zeigen dem iranischen Staat genehme Filmschaffende ihre Werke und können hohe Fördergelder erhalten.

Doch dieses Jahr rufen 139 kritische KünstlerInnen aus dem Iran erstmals dazu auf, nicht an diesem Event teilzunehmen. Unter ihnen befinden sich weltbekannnte Regisseure und Schauspieler wie Jafar Panahi, Mohammad Rasul-Of, Hamid Farokhnejad, Tahmine Milani oder Tarane Alidusti. Dazu verbreiten sie das oben abgebildete Logo des Filmfestivals mit dem Satz „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival“.

Sie begründen in Interviews und auf ihren Websites ihren Appell mit dem Abschuss der ukrainischen Maschine nahe Teheran und den tagelangen Vertuschungsversuchen seitens des Militärs und der Regierung. Ebenfalls werden die Massaker gegen Protestierende auf den Straßen Irans in der Folge der Benzinpreiserhöhungen thematisiert.

Der Appell wurde heute publik. Sogleich nach seinem Bekanntwerden erhielten einzelne KünstlerInnen Anrufe vom iranischen Geheimdienst und wurden bedroht.

Quellen:

https://www.akhbar-rooz.com/%d9%85%d9%86-%d8%a8%d9%87-%d8%ac%d8%b4%d9%86%d9%88%d8%a7%d8%b1%d9%87-%d9%81%d8%ac%d8%b1-%d9%86%d9%85%db%8c-%d8%b1%d9%88%d9%85/

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199027

Iran: Neuer Vize für den Auslandsterror

General Seyyed Mohammad Hedschasi (Hejazi), stellvertretender Kommandant der Quds-Streitkräfte der Pasdaran

Die Qods-Streitkräfte der Pasdaran (Revolutionswächter) sind eine Spezialeinheit der Revolutionswächter für Kriegsführung im Ausland (Irak, Syrien, Libanon u.a.) und für die Ermordung politischer Gegner im Ausland. Kurz nach dem Tod von General Soleimani im Irak hatte Ajatollah Chamene’i General Esma’il Ghaani zum neuen Chef der Qods-Streitskräfte ernannt. Jetzt, am 20. Januar 2020, folgte ihm Brigadegeneral Seyyed Mohammad Hosseinsade Hedschasi (Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi) als neuer Stellvertreter der Qods-Streitkräfte. Er ist also jetzt die Nummer 2 dieser Einheit.

Wer ist Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi?
Geboren wurde er 1956 in Isfahan. Im Mai 1979, also bald nach der Revolution, wurde er Mitglied der neu gegründeten Revolutionswächter. Während des iranisch-irakischen Krieges war er für die Versendung von „Volkskräften“ an die Südfront verantwortlich. Sprich, er war auch daran beteiligt, Kinder und Jugendliche an die Front zu schicken. Von 1997-2007 (1376-1386 iran. Kalender) war er Oberbefehlshaber der Bassidschi-Milizen.

Berater des Religiösen Führers?
Die englische Wikipedia gibt unter Berufung auf das American Jewish Committee (Barsky, Yehudit, May 2003, Hizballah) an, dass Mohammad Hejazi als Sicherheits- und Geheimdienstberater von Ajatollah Chamene’i auch an einem Treffen zur Planung des AMIA-Bombenanschlags in Buenos Aires (erfolgte 1994) beteiligt gewesen sei. In der noch zugänglichen Datei ist er unter dem Namen Hijazi aufgeführt. Ob es sich um Fakten handelt, ist schwer überprüfbar, da Geheimdienste egal welcher Zugehörigkeit nicht dafür bezahlt werden, die Wahrheit zu sagen.

Erfahrung im Libanon?
2019 gab Jonathan Conricus laut Meldung von news.gooya (ihrerseits auf Radio Farda verweisend) bekannt, dass Mohammad Hejazi das Kommando über die Qods-Streitkräfte im Libanon ausübt und auch für das Programm zur Herstellung von Raketen im Libanon verantwortlich ist. Jonathan Conricus ist laut der englischen Wikipedia der Leiter der Abteilung für Auslandsmedien des Pressebüros der „Israelischen Verteidigungskräfte“. Das bedeutet, dass es sich im Grunde um eine militärische Quelle für diese Angabe handelt, was die Glaubwürdigkeit nicht erhöht.

Erfahrung mit der Unterdrückung der Kurden
Die persische Wikipedia weist auch ohne Quellenangabe darauf hin, dass er für die Unterdrückung der Kurdenproteste in den kurdischen Provinzen und im kurdischen Teil der Provinz West-Aserbaidschan verantwortlich war.

Seite an Seite mit den Wahlfälschern von 2009
Im Jahr 2009, als Ahmadineschad dank einer massiven Wahlfälschung auf Anweisung des Religiösen Führers Chamene’i ein zweites Mal zum Präsidenten „gewählt“ wurde, spielte Mohammad Hejazi eine wichtige Rolle als Befehlshaber des Thar-ollah Stützpunkts der Pasdaran in der Hauptstadt Teheran. Er gab laut mündlichen Quellen damals den Befehl, dass die Bassidschi-Motorradfahrer und die Jeeps der Pasdaran straflos die Demonstrierenden überfahren dürfen. Dieser Befehl wurde bekannt, als es später vereinzelt zu Gerichtsverhandlungen kam, auch wenn dabei der Autor nicht genannt wurde.

https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Hejazi
https://fa.wikipedia.org/wiki/سیدمحمدحجازی
https://en.wikipedia.org/wiki/IDF_Spokesperson%27s_Unit
https://news.gooya.com/2020/01/post-34417.php
vom 20. Januar 2020
جانشین جدید فرمانده نیروی قدس سپاه پاسداران، سید محمد حجازی کیست

Iran: Parlamentsabgeordnete rechnet mit der Islamischen Republik ab

Parwane Salahschuri (Parvaneh Salahshouri), Abgeordnete von Teheran, bei ihrer letzten Rede im iranischen Parlament am 9. Dezember 2019


Parwane Salahschuri (Parvaneh Salahshouri) ist Abgeordnete von Teheran im iranischen Parlament. Als solche trägt sie den schwarzen Überwurfmantel und gehorcht den ganzen Kleiderregeln der Ajatollahs, aber man hüte sich vor Vorurteilen.
Sie hat heute, den 9. Dezember 2019, ihre letzte Rede vor dem iranischen Parlament gehalten, nachdem sie am 7. Dezember bekannt gegeben hatte, dass sie für die nächste Legislaturperiode nicht mehr als Kandidatin antritt.
Hier ihre Worte vom 9. Dezember in Auszügen:
Zu Beginn zitiert sie Ajatollah Chomeini, der vor 40 Jahren die Frage gestellt hatte, mit welchem Recht das Volk von vor 50 Jahren das Schicksal des Volks später bestimme.
Parwane sagt: „Die Proteste der Jahre 1378 (1999), 1388 (2009), vom Dey 1396 (Jahreswechsel 2017/18) und vom Aban 1398 (November 2019) waren Proteste, in denen ständig Forderungen zu finden waren. Heute sind die Protestierenden zumeist Jugendliche, die Arbeit und ein menschlich und sozial lebenswertes Leben wünschen. (…)

Aber haben unsere Jugendlichen diese Art zu leben gewählt?

Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir gesagt haben, dass wir diese Art zu leben gewählt haben. Aber haben unsere Jugendlichen diese Art zu leben gewählt? Außer einer kleinen privilegierten Minderheit haben wir den Rest der Bevölkerung im Stich gelassen, so dass es dieses Jahr hieß, dass mehr als die Hälfte derjenigen, die zum Medizinstudium zugelassen wurden, Personen sind, die zum Kreis der Privilegierten gehören.

Eine neue Klasse

Es handelt sich um eine neue Klasse, die über alle möglichen Privilegien verfügt, während der Rest der Bevölkerung aufgegeben wurde.

Parallelgewalten

Aus diesem Grund hat sich der republikanische Charakter des Systems leider in Richtung einer Machtkonzentration entwickelt, zu einer zügellosen Tyrannei im ganzen Wortsinn und in allen Bereichen, überall in der Verwaltung des Landes treten Parallelgewalten auf, von der Versammlung zur Wahrung der Interessen des Systems (Majma’e Tashxise Maslehate Nezam) bis hin zum Wächterrat (Shouraye Negahban), vom Nationalen Sicherheitsrat (Shouraye Amniyate Melli) bis zum Rat des Virtuellen Raums (Shouraye Fazaye Majazi) und dem Rat der Kulturrevolution (Shouraye Enqelabe Farhangi). Und zuletzt waren es die Führer der drei Gewalten (sie spielt darauf an, dass der Staatspräsident, das Oberhaupt der Justiz und der Parlamentspräsident gemeinsam die Benzinpreiserhöhung beschlossen haben, die die jüngsten Demos auslösten). Wo ist da eigentlich die Institution des Volkes angesiedelt? (Sie meint hiermit das Parlament, das bei den Beschlüssen nicht gefragt wurde.)

Flucht vor Verantwortung

Die Strukturen, die doppelten oder mehrfachen Organe, die allesamt herrschen, die Regierung und heimliche Regierung, die verschiedenen Geheimdienste, die verschiedenen Parallelinstitutionen und letztlich die Doppelherrschaft, die davor flieht, Verantwortung zu übernehmen und das Spielchen „Ich wars nicht“ spielt, die alle verwalten unser Land. (…)
Wenn sie (die Entscheidungsträger) mitten aus dem Volk wären, würden sie die Armut, die Not und Klagen der Menschen spüren. (…). Das, was die Leute um uns zu uns sagen, ist nicht immer die reine Wahrheit. Wir sind den Müttern, die leiden, und den Vätern, die sich abrackern, und die sich dafür schämen, was sie ihren Kindern für ein Schicksal bieten, eine Antwort schuldig. (…)

Glauben wir lieber an das Ende der kalten Jahreszeit statt an deren Beginn.

https://www.asriran.com/fa/news/702691/متن-کامل-سخنرانی-سلحشوری-در-مجلس
vom 18. Adhar 1398 (9. Dezember 2019)
متن کامل سخنرانی سلحشوری در مجلس

https://www.radiofarda.com/a/parvaneh-salahshuri-majles-speech/30315711.html
vom 18. Adhar 1398 (9. Dezember 2019)
حمله پروانه سلحشوری به سبک حکمرانی جمهوری اسلامی و «استبداد سرکش»

Iran: Erneut ein Schlag gegen iranische Oppositionsmedien


Ruhollah Zam
Der von der US-Regierung finanzierte iranisch-sprachige Sender Radio Farda (Radio morgen) berichtet heute, den 14. Oktober 2019, davon, dass die iranischen Revolutionswächter am heutigen Tag öffentlich die Behauptung erhoben hätten, dass sie Ruhollah Zam (Sam) in den Iran gelockt und verhaftet hätten. Wo genau die Pasdaran diese Meldung veröffentlicht haben, gibt Radio Farda nicht an.
Ruhollah Zam hatte 2015 in Paris den Nachrichtenkanal „Amadnews“ auf Telegram eröffnet, der zahlreiche Interna über die Islamische Republik Iran veröffentlichte und der als Tribüne für oppositionelle Stimmen diente.
Aus iranischen Webseiten ist ersichtlich, dass zum Beispiel die staatliche iranische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima am 14.10. über die Verhaftung von Ruhollah Zam berichtet hat. Der Direktor von Seda wa Sima wird direkt vom Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i ernannt und untersteht diesem.
Einzelheiten über das Geschehen wurden nicht bekannt gegeben. Es wird lediglich triumphierend davon berichtet, dass der Geheimdienst der Pasdaran eine erfolgreiche Operation gegen die westlichen Geheimdienste durchgeführt hätte.
Es heißt in Oppositionskreisen, dass Ruhollah Zam in ein dem Iran benachbartes Land gelockt, dort von Kräften des Geheimdienstes der Pasdaran entführt und im Iran verhaftet wurde.
Ein Telegram-Nachrichtenkanal namens „Axbare amniyatiye defa°i“ (Nachrichten über Sicherheit und Verteidigung), der den iranischen Geheimdiensten nahestehen soll, hat laut einem Bericht von Iran-Emrooz (das seinerseits auf die Deutsche Welle verweist), erklärt, dass Ruhollah Zam ab seinem Abflug aus Frankreich in ein dem Iran benachbartes Land vollständig unter der Aufsicht der iranischen Geheimdienstorgane stand. Es heißt weiter: „Er selbst und seine Begleiter sind mitsamt der Geräte, die sie dabei hatten, darunter Tablett, I-Phone, Computer etc. … ebenso wie die Kontrolle über den Kanal und die Webseite Amadnews und sämtliche Informationen, die von Individuen innerhalb des Irans an dieses konterrevolutionäre Medium geschickt worden, in die Gewalt der Revolutionswächter des Geheimdienstes der Pasdaran gelangt.“ Laut der englischen Wikipedia haben die Revolutionswächter selbst die Nachricht von Zam’s Verhaftung auf seinem Nachrichtenkanal platziert und damit deutlich gemacht, dass sie jetzt die Kontrolle übernommen haben.
Über die Rolle von Ruhollah Zam zu urteilen ist noch zu früh. Es gab immer wieder kritische Stimmen in der Opposition, die dessen Kanal „Amadnews“ als Werk des iranischen Geheimdienstes betrachteten. In deren Augen ist die jetzige Entführung eine Scheinoperation, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat. Die Aufgabe hätte darin bestanden, Kontakte zur Opposition im Ausland aufzubauen und zugleich an deren Informationsquellen zu kommen. Ob diese Vermutung zutrifft, kann derzeit nicht berurteilt werden. Sicher ist aber, dass die iranischen Geheimdienstes sämtliche elektronischen Medien, die ihnen in die Hände gefallen sind, sorgfältig auswerten werden, um auf diesem Wege möglichst viel Informationen über ihre Gegner im In- und Ausland zu gewinnen. Die einzige Frage ist also nur, ob Ruhollah Zam die Rolle eines bewussten Mitarbeiters der Dienste spielte oder selbst ein Opfer war.

https://www.radiofarda.com/a/rohollah_zam_arrest_why_background/30215929.html
vom 22. Mehr 1398 (14. Oktober 2019)
chahar °amaliyate faribe jomhuriye eslami, az forude fuladwand ta ruhollah zam

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/81215/
vom 14.10.2019, 17:18
sepahe pasdaran: ruhollah zam-ra dastgir kardim (Deutsche Welle)

https://en.wikipedia.org/wiki/Ruhollah_Zam

https://news.gooya.com/2019/10/post-31055.php
Nachrichten der staatlichen iranischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima vom 14.10.2019:

Iran: Fundamentalist gibt Foltertod zu


Abdollah Ganji (Gandschi)

Abdollah Ganji (Gandschi) ist der Chefredakteur der Zeitung Jawan (Dschawan – Jung), dem Sprachrohr der Revolutionswächter (Pasdaran). Über diese Zeitung geben die Fundamentalisten den iranischen Hisbollahis Hinweise, welche Aktionen vom Regime erwünscht werden. Kürzlich war es zum Beispiel die „Anregung“, vor dem Parlament zu demonstrieren, dass die Frauen kein Recht haben sollen, ein Fußballstadion zu besuchen.
Am Sonntag, den 13. Oktober 2019, gab Abdollah Ganji der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA ein Interview, in dessen drittem Teil er auf den Foltertod des iranischen Bloggers Sattor Beheschti einging. Sattor Beheschti war im Oktober 2012 von der iranischen Cyber-Polizei verhaftet worden und starb im November 2012 an den Folterungen in Haft. Seitdem kämpft seine Mutter vergeblich um eine Verfolgung der Täter.

Interview von IRNA mit Abdollah Ganji
Hier nun der Auszug aus dem Interview von IRNA mit Abdollah Ganji:
IRNA: Was genau war Ihre Ansicht zum Fall von Sattor Beheschti?
Ganji: Ich habe geschrieben und gesagt, dass dies eine gemeine Tat war. Das, was man mit ihm gemacht hat, war ein Verrat, und dagegen muss vorgegangen und die Bevölkerung informiert werden. Einige (von denen), die die Ursache für seinen Tod darstellen, hätten vor Gericht gestellt werden müssen. Dass jemand ins Gefängnis kommt und man dann so mit ihm umspringt, hat dem Ruf der Islamischen Republik sehr geschadet.
IRNA: Und zum Mord an Ali-Resa Schir-Ali Mohammadi vor einigen Monaten im Gefängnis von Radscha’i-Schahr?
Ganji: Da gibt es überhaupt nichts zu verteidigen. Ich schreibe auf Twitter darüber.
IRNA: Was ist ihre Meinung zur Absetzung des Generaldirektors der Gefängnisse nach diesem Mord?
Ganji: Meiner Meinung nach war das ein revolutionärer Akt.

Kommentar:
An dieser Meldung sind mehrere Dinge interessant.
Erstens handelt es sich nicht um einen Artikel der Zeitung Jawan (Dschawan). Das heißt, die fundamentalistischen Leser von Jawan sollen mit diesem Eingeständnis nicht angesprochen werden.
Zweitens handelt es sich um keine Äußerung, die Abdollah Ganji, der Chefredakteur von Jawan, von sich aus macht. Er antwortet auf Fragen der staatlichen Agentur IRNA. Damit geht auf den ersten Blick die Initiative von IRNA aus.
Das wirft die nächste Frage auf: Wer hat veranlasst, dass IRNA Abdollah Ganji diese Fragen stellt? Zu welchem Zweck?
Die Äußerungen von Ganji stellen eindeutig eine Distanzierung von diesen beiden Morden in Haft dar. Was wird damit bezweckt?
Und jetzt schauen wir uns die Äußerungen von Abdollah Ganji genauer an. Wieso verurteilt er den Foltermord von Sattor Beheschti? Weil es ein Verrat an der Islamischen Republik war. Weil es den Ruf der Islamischen Republik beschädigt hat. Genau darum geht es, um den Ruf des Regimes, nicht um sein Wesen.
Es ist sehr bezeichnend, dass Abdollah Ganji fordert, einige, die seinen Tod (= den von Sattor Beheschti) verursacht haben, hätten vor Gericht gestellt werden müssen. Wieso einige (pers. barxi), wieso nicht alle? Und wieso nennt Abdollah Ganji keine Namen? Was sind das für „Geständnisse“, bei denen an keiner Stelle konkret gesagt wird, was geschehen ist, bei denen nicht einmal das Wort „Folter“ vorkommt, und bei denen die Täter totgeschwiegen werden? Klar, einer von ihnen ist Sa’id Mortasawi. Er wurde zwar wegen eines anderen Foltertodes (und nicht der einzige in seiner Karriere) zu Gefängnis verurteilt, zu zwei Jahren Gefängnis, wohlgemerkt, und wurde kürzlich freigelassen, nachdem er nichtmal ein Drittel der Strafe verbüßt hatte. Nein, Abdollah Ganji nennt keine Namen und keine Verantwortlichen, aber später kann er einmal sagen: Ja, ich habe die Untaten des Regimes auch kritisiert und beim Namen genannt.
Und das ist der letzte Punkt, der Aufmerksamkeit verdient: Wann beginnen diejenigen, die die energischsten Verfechter des Regimes sind, vorzubauen und sich Alibis zu fabrizieren? Doch wohl dann, wenn sie befürchten, dass sich das Ende des Regimes nähert und es an der Zeit ist, sich Gedanken über die eigene Zukunft in der Zeit danach zu machen…

https://news.gooya.com/2019/10/post-31044.php
vom 13.10.2019
modire ruznameye osulgera’i, jawan: kari ke dar haqq sattor beheshti kardim xiyanat bud

zum Tod von Sattor Beheschti:
https://en.wikipedia.org/wiki/Sattar_Beheshti
http://alischirasi.blogsport.de/2014/03/17/iran-europa-die-alte-hexe/
http://alischirasi.blogsport.de/2013/11/04/iran-1-jahr-nach-dem-tod-des-webloggers/

Iran: Sippenhaft von Angehörigen von Regimekritikern

Masih Ali-Neschad war in der iranischen Frauenbewegung sehr aktiv und hat unter anderem die Bewegung der „weißen Mittwoche“ eingeführt. Die Idee war, dass die Frauen jeden Mittwoch in Weiß an die Öffentlichkeit gehen, um so symbolisch zum Ausdruck zu bringen, dass sie Freiheit für die Frauen fordern, unter anderem auch in der Frage der Kleidung.
Masih Ali-Neschad lebt inzwischen im Ausland. Das hält die iranischen Machthaber nicht davon ab, ihre Angehörigen zu verfolgen. So wurde nach Angaben von Masih Ali-Neschad ihr Bruder Ali Ali-Neschad vergangenen Dienstag, den 24. September 2019, von Beamten des Geheimdienstes abgeführt, nachdem diese dessen Wohnung durchsucht hatten. Das Laptop und Handy von Ali Ali-Neschad nahmen die Beamten ebenfalls mit. Angeblich will der Geheimdienst ihren Bruder über die Aktivitäten von Masih Ali-Neschad verhören. Masih Ali-Neschad hat keine Information, wo ihr Bruder festgehalten wird, ihre Mutter und die Familie ihres Mannes bekammen nur gesagt, dass sie keine Interviews geben dürften, das würde die Lage des Verhafteten noch verschlimmern.
Zeitgleich zu dieser Aktion drangen sieben Beamte des Geheimdienstes in die Wohnung des Ex-Ehemannes von Masih Ali-Neschad ein und nahmen den Bruder Hadi Lotfi und die Schwester Leyla Lotfi des Ex-Ehemannes mit. Ihr Ex-Ehemann lebt im Ausland und hat die Werke von Masih Ali-Neschad korrigiert und Korrektur gelesen. Seine beiden Geschwister haben nicht einmal Kontakt zu Masih Ali-Neschad, wie sie sagt.
Kommentar: Vielleicht beabsichtigen die iranischen Behörden mit ihren Formen der „Vernehmung“, einen Fall gegen Masih Ali-Neschad zu konstruieren, sozusagen einen Schau-Prozess, um Masih Ali-Neschad im Inland unglaubwürdig zu machen.

https://www.radiofarda.com/a/relatives-of-activist-masih-alinejad-arrested-by-security-forces/30183538.html
vom 30. Mehr 1398
bazdashte seh nafar az bastegane masih °ali-nezhad tawassote wezarate ettela°at

Iran:Wut nach Tod des „blauen Mädchens


Sahar Khodayari

Quelle.Iran Journal
Sahar Khodayari, ein weiblicher iranischer Fußballfan, ist am Montag eine Woche nach ihrer Selbstverbrennung in einem Teheraner Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen.

Khodayari hatte am 12. März versucht, als Mann verkleidet das Stadionverbot für Frauen zu umgehen, um das Fußballspiel ihrer Lieblingsmannschaft Esteghlal in der asiatischen Champions League gegen Al-Ain aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Teheran zu sehen. Die 29-Jährige fiel der Security jedoch auf und wurde am Eingang des Azadi-Stadions festgenommen. Sie musste zwei Tage in Untersuchungshaft verbringen und kam dann zunächst gegen eine Kaution von 50 Millionen Tuman, umgerechnet 5.000 Euro, frei.

Die Justiz leitete gegen Khodayari ein Verfahren wegen Beleidigung der öffentlichen Ordnung und Widerstand gegen die Polizei ein. Am 2. September erfuhr sie nach ihrer ersten Anhörung, dass ihr bis zu sechs Monate Haftstrafe drohten. Nach dem Verlassen des Revolutionsgerichts in Teheran übergoss sich die junge Frau mit Benzin und zündete sich an.

Khodayari wird in den sozialen Netzwerken nach der Farbe ihrer Lieblingsmannschaft Esteghlal als „blaues Mädchen“ bezeichnet. Unter dem Hashtag „Blaues Mädchen“ prangern nun Tausende Iraner*innen das Zutrittsverbot für Frauen in Sportstadien als „mittelalterliche und menschenrechtsfeindliche“ Maßnahme an und fordern deren Aufhebung. Die Abgeordnete Parvaneh Salahshouri schrieb auf Twitter: „Wo Männer die Grundrechte von Frauen missachten und Frauen diese Unterdrückung offenbar unterstützen, sind alle an der Selbstverbrennung von Sahar mitschuldig.“

Auch prominente Sportler äußern ihre Trauer um Khodayari. Der ehemalige Fußballspieler Ali Daei postete auf Instagram ein blau gefärbtes Foto, auf dem ein Mädchen zu sehen ist, das einen Ball in der Hand hält und mitten in einem Stadion in Flammen steht.
Quelle.Iran Journal

Wut nach Tod des „blauen Mädchens“


vom 10.09.2019
Es fällt auf, dass die Webseite Iran Journal den persischen Begriff „doxtar“ mit Mädchen übersetzt, obwohl es sich laut eigenen Angaben des Artikels um eine 29-jährige Frau handelt. Dahinter steht noch immer die sexistische Verwendung des Begriffs „doxtar“ für Jungfrau, die in Deutschland nicht mehr üblich ist.