Iran: Bauern streiken im Flussbett

Die vielen Torbögen im Hintergrund sind eine Brücke!


Aus der Europäischen Union kennen wir so manche Bilder von streikenden Bauern:
Etwa, dass Fuhren voll Tomaten abgeladen werden, oder dass Hunderte von Traktoren den Straßenverkehr lahmlegen.

Zelt im Flussbett


Im Iran kommt jetzt eine neue Variante dazu: Die Bauern von Isfahan haben ihr Zelt im Flussbett des Zayande-Rud aufgeschlagen und Feuer entfacht. Wie das? Im Wasser? Nein, genau das ist der umstrittene Punkt. Die Staudammprojekte, Wasserentnahmen und Wasserleitungen in andere Regionen haben dazu geführt, dass ein im Iran so berühmter und für Isfahan so zentraler Fluss (wie etwa der Rhein in Köln) nicht mehr existiert. Die Stadt mit knapp zwei Millionen Einwohnern sitzt auf dem Trockenen. Die Bauern können nicht aussäen, weil das Wasser fehlt, und verlieren dadurch ihr Einkommen. Das betrifft namentlich die Aussaat von Winterweizen, die jetzt fällig wäre.

Die Bauern verlangen jetzt, dass ihre Rechte auf Wasser geachtet werden. Sie klagen über die verfehlte Industriepolitik. Unternehmen, die viel Wasser benötigen, etwa die Stahlindustrie oder die Produktion von Fliesen und Kacheln, hätten nichts in einem Gebiet verloren, wo das Wasser rar ist, sondern gehörten in die Nähe des Meers. Solche Firmen in Isfahan anzusiedeln bedeute eine Diskriminierung der Bauern, denen das Wasser dann fehle.

https://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/more/95057/
iran-emrooz.net | Fri, 12.11.2021, 12:01
تحصن کشاورزان اصفهان در بستر خشکیده زاینده‌رود

Iran – Isfahan: Rap-Sänger vom Geheimdienst verhaftet

Toomaj Salehi, Rap-Sänger aus Shahin-Shahr (Provinz Isfahan)


Am Sonntag, den 12. September 2021, wurde der iranische Rap-Sänger Toomaj Salehi (sprich Tumadsch) in seinem Heimatort in Shahin-Shahr, Provinz Isfahan verhaftet. Gegen 21 Uhr fuhren vier Jeeps mit je drei Beamten vor sein Haus vor und nahmen ihn fest, um ihn an einen unbekannten Ort zu bringen. Laut Iran International soll die Verhaftung von der Geheimdienstbehörde von Isfahan ausgegangen sein. Der verhaftete Sänger hat Besuchsverbot, wie sein Anwalt berichtet. Laut inoffiziellen Angaben soll gegen ihn Anklage wegen „Propaganda gegen das System“ erhoben werden.
In einem Tweet vom 11. September 2021 schreibt Toomaj:

„Ihr sollt wissen, dass ich mich vor dem Tod, der Haft und der Folter nicht fürchte. Ich habe Angst davor, das Maul zu halten, wenn ich sehe, wie Menschen aus Armut ihren Körper verkaufen, ich habe Angst davor, das Maul zu halten, wenn ich sehe, wie Menschen bis zum Bauch in der Mülltonne stehen, ich habe Angst davor, das Maul zu halten, wenn ich sehe, wie du den Arbeiter verprügelst, den Protestierenden umbringst und danach ihre Eltern, wie du die folterst, die ihr Recht einfordern, und ich das Maul nicht aufkriege… Zwischen uns und euch liegt ein Meer voll Blut.“

Rap-Sänger Toomaj Salehi

Seine Verhaftung hat ihm vermutlich einer seiner jüngsten Rap-Songs mit dem Titel „Surache Musch“ (Mauseloch) eingebracht, in dem er die Machthaber auffordert, sich möglichst bald ein Mauseloch zu kaufen, damit sie sich verkriechen können (wenn es zum Aufstand kommt).
Hier ein Link zu diesem Lied:
https://youtu.be/k0XMnGrDy-w

Ergänzung: Am gestrigen Dienstag wurde Toomaj Salehi auf Kaution freigelassen. Demnächst wird er vom Gericht vorgeladen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=235058
vom 29. Shahriwar 1400 (20. September 2021)
توماج صالحی از سوی اطلاعات اصفهان بازداشت شده و در زندان مرکزی اصفهان است

https://www.radiofarda.com/a/31469081.html
vom 29. Shahriwar 1400 (20. September 2021)
توماج صالحی، خواننده رپ زندانی، به «تبلیغ علیه نظام» متهم شد

Wir feiern den Studententag als Erinnerung an Ausdauer, Widerstand und Kampf gegen Unterdrückung und Diktatur!

Auf dem Höhepunkt der Studentenbewegung des Jahres 1953 wurden drei Studenten der ingenieurswissenschaftlichen Fakultät der Universität Teheran getötet: Mehdi Shariat Razavi, Ahmad Ghandchi und Mostafa Bozorgnia. Das geschah am 7. Dezember 1953 (16. Azar).

Der 16. Azar, der Studententag, erinnert an den Widerstand und den Kampf der Studenten gegen Diktatur, Unterdrückung . An diesem Tag im Jahr 1953 wurde eine Demonstration militanter Studenten an der Universität von Teheran, die gegen die Ankunft des damaligen US-Präsidenten Nixon in Teheran protestierte, blutig, und drei freiheitsliebende Studenten wurden getötet. Im Laufe der Jahre, sowohl vor als auch nach diesem Tag, waren Studenten immer ein wichtiger Teil des Kampfes gegen die Tyrannei und die Verteidigung der arbeitenden, politischen und sozialen Bewegungen. Die Studentenbewegung im Iran war schon immer einer der Flaggenträger für Freiheit, Gleichheit und Gleichheit im Land.

Mit dem Aufkommen und der Umsetzung islamischer Politik und wirtschaftlicher Sparmaßnahmen durch das Islamische System im Iran, der zunehmenden Inflation und allgemeinen Armut, der Privatisierung und Auferlegung immer niedrigerer Löhne für Arbeiter und Lohnempfänger und dem Versäumnis, die gleichen niedrigen Löhne rechtzeitig zu zahlen, begleiteten sie Studenten als Kinder von Arbeitern. Die Arbeiter haben sich mit den Kämpfen der Arbeiter, der Lohnempfänger und der unteren Klassen in Form von Streiks und Arbeiterprotesten und den allgemeinen Aufständen der unteren Klassen im Januar 1996 und November 1998 vertieft. Im Verlauf dieses Kampfes wurden viele Studenten inhaftiert, ihrer Bildung beraubt und wegen ihrer Unterstützung und ihres Kampfes schikaniert, gefoltert und inhaftiert.

Zu Ehren des Studententages respektieren wir die wachsende Solidarität und Einheit der Studenten mit der Arbeiterbewegung und den unteren Klassen und fordern ein Ende der Belästigung von Studenten und die bedingungslose Freilassung aller inhaftierten Studenten und Aktivisten der Arbeiter- und Sozialbewegung.

Arbeiter, Student, Bündnis

Iran: Wenn der Staat mordet, schweigt das Internet

Amnest International hat am 16. November 2020 einen Bericht über die brutale Niederschlagung der landesweiten Proteste vor einem Jahr veröffentlicht. In dem Bericht geht es auch darum, wie der iranische Staat versucht hat, das Internet stillzulegen, damit die Welt möglichst nichts von diesem Massaker mitbekommt. Der Bericht ist auf folgendem Link zu finden, ebenso ein knapp 7-minütiges Video zur Unterdrückung der Proteste vom November 2019.

Amnesty International Video-Bericht

https://youtu.be/uPrjJ2VYmoY (Video-Adresse)

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2020/11/iran-internet-deliberately-shut-down-during-november-2019-killings-new-investigation/ vom 16 November 2020

Iran: Eine revolutionäre Frau wurde festgenommen 

تصویری از ویدئوی زن دوچرخه‌سوار که روز دوشنبه در شبکه‌های اجتماعی منتشر شد.
Dieses Video einer Radfahrerin wurde am Montag in den sozialen Medien veröffentlicht.

Video

Am Montag, den 19. Oktober 2020, wurde in den sozialen Medien ein Video verbreitet, dass ein iranische Frau beim Radfahren in der religiösen und konservativen Stadt Najafabad (in der Nähe von Isfahan) zeigt. Offenbar ohne sich den herrschenden Regeln der Scharia und den Bekleidungsvorschriften in der islamischen Republik Iran zu unterwerfen, fährt die Frau über einen zentralen und belebten Platz. Dabei grüßt sie mit eine großen, viel Selbstsicherheit ausstrahlenden Geste die erstaunten ZuschauerInnen am Straßenrand. Gefilmt wird sie aus einem hinter und neben ihr fahrenden Auto von einem Mann, der sie fragt, ob jetzt die Freiheit im Iran ausgebrochen sei. Anschließend ruft er ihr noch zu „Prima! Prima!“

Am heutigen Dienstag wurde bekannt, dass die Frau verhaftet worden ist.
Der Gouverneur von Najafabad beschrieb die „Tat“ der Frau, die beim Fahrradfahren auf dem Hauptplatz der Stadt keinen Hijab hatte, als „Verstoß gegen die Norm und Beleidigung des islamischen Hijab“.

Die revolutionäre Bewegung des Volkes
befindet sich in einer Situation,
in der die Politik der Unterdrückung
des Regimes sie nicht aufhalten kann und will.
Wenn die Angst vor dem Tod
bei den Massen nachlässt,
verliert die Angst vor der Unterdrückung
seine Wirksamkeit.

(Argang Bamschad) ارژنگ بامشاد

Quelle:

https://www.radiofarda.com/a/30902845.html

Iran – Mohammad-Reza Shajarian – Tod eines Sängers

Mohammad-Reza Shajarian


Mohammad-Reza Shajarian (Mohammad-Resa Schadscharian) ist einer der bekanntesten iranischen Sänger der klassischen persischen Musik. Er wurde 1940 in Maschhad geboren und ist am 8. Oktober 2020 in einem Krankenhaus in Teheran an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.
Am 9. Oktober wurde auf dem Beheshte-Zahra-Friedhof in Teheran an seinem Leichnam das Gebet gesprochen, dann wurde die Leiche nach Maschhad geflogen und von dort nach Tus gebracht, wo sie am 10. Oktober auf dem Ferdousi-Friedhof beerdigt wurde.

Die Fronten zur Beerdigung des Sängers

Gewaltiges Aufgebot an Polizei und Zivilbeamten
Das Regime, dem die Beliebtheit des Sängers nicht verborgen geblieben ist, hat alles unternommen, um zu verhindern, dass die Menschenmassen, die sein Begräbnis begehen wollten, nicht zur Beerdigung kommen konnten. Es gab keine öffentlichen Verkehrsmittel von Maschhad nach Tus, so dass viele mit dem Auto kamen und die Ränder der Zufahrtsstraßen über Kilometer hinweg als Parkplätze dienten. Der Zugang zum Friedhof wurde den meisten versperrt, die Beerdigung wurde zum Teil auf Bildschirmen übertragen.

Von der Beerdigung ausgesperrt, aber präsent: Das Volk

Ein Mann von Charakter
Shajarian war nicht nur einer der bekanntesten Sänger traditioneller iranischer Musik, er zeichnete sich auch durch seine kritische Haltung gegenüber der Regierung aus. Als der nur durch Wahlbetrug wiedergewählte Präsident Ahmadineschad die protestierenden Menschen als xas-o-xa:sha:k (auf der Straße liegendes Laub und Staub) bezeichnete, sprach Shajarian von sich: Ich bin die Stimme des Staubs. Er begab sich auch nie auf die Einladungen des „Religiösen Führers“ Ajatollah Chamene’i an die Künstler und bildete sowohl seinen Sohn wie seine Tochter im traditionellen Gesang aus. Dabei will das islamistische Regime von singenden Frauen nichts wissen, mehr noch, sowohl der Vorgänger, Ajatollah Chomeini, wie sein Nachfolger, Ajatollah Chamene’i, haben eine Fatwa erlassen, in denen Musik als Haram, als religiös verwerflich und verboten bezeichnet wird. Welcher Musiker, der sein Handwerk liebt, kann sich damit anfreunden? Versteht, sich, dass der Religiöse Führer des Landes kein Wort des Beileids über den Tod von Shajarian verlor.

Tofang-at-ra zamin begzar
Leg deine Waffe auf die Erde!

Dies war eines seiner jüngeren Lieder, das sich an die einfachen Mitglieder der bewaffneten Organe des Regimes richtete. Das Lied war so eindrucksvoll, dass das Regime – damals unter Präsident Ahmadineschad – alle Mühe hatte, die Polizisten, Soldaten oder Mitglieder der Bassidschi-Milizen davon zu überzeugen, dass er ein Regimefeind sei und sie nicht auf ihn hören sollten. Denn seine Botschaft war klar: Warum wollt ihr auf uns schießen? Setzen wir uns zusammen und reden miteinander.

https://news.gooya.com/2020/10/post-44138.php
vom 10. Oktober 2020
مراسم خاکسپاری محمدرضا شجریان در آرامگاه فردوسی + روایت مردم

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=215958
vom 20. Mehr 1399 (11. Oktober 2020)
سایه بلند شجریان بر خامنه‌ای و جمهوری اسلامی ایران

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Resa_Schadscharianhttps://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Reza_Shajarianhttps://fr.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Reza_Shadjarianhttps://fa.wikipedia.org/wiki/محمدرضا_شجریان

Nachbarschafts-Teams: Wachsende Besorgnis der Revolutionswächter über das Wiederauftreten weit verbreiteter Proteste gegen die Regierung

Demonstranten und Sicherheitskräfte im Iran

Der Plan besteht schon seit 2017: Die iranische Rgierung möchte zunächst in Teheran, später aber im ganzen Iran sogenannte Nachbarschafts-Teams gründen. Die bereits existierenden Bassidschi-Stützpunkte in allen Stadtteilen sollen dafür als Basis dienen.

Laut dem Kommandeur der Teheraner Revolutionsgarden, Mohammad Yazdi, besteht der Zweck der Nachbarschafts-Teams darin, „Diebstahl und Raub“ und „Schläger“ in der Nachbarschaft zu bekämpfen. Dieser genannte Zweck ist allerdings nur ein Code für die allerorts aufflammenden Straßenproteste der letzten Zeit.

Zuletzt gelang es im November 2019 nur mit Mühe, den Massenprotesten Herr zu werden. Die Revolutionsgarden, Polizei-Spezialeinheiten sowie Einheiten aus Provinzen und Städten versuchten die Demonstranten unter Kontrolle zu bringen. Es zeigten sich aber die Mängel bei den herkömmlichen Methoden der Aufstandsbekämpfung. Aufgrund des Ausmaßes und der Verbreitung der Proteste war es für die Revolutionsgarden und Spezialkräfte sehr schwierig, ihre Kräfte zwischen Städten und sogar innerhalb von Städten zu bewegen. Es kam zu der blutigsten Straßenrepression in der Geschichte der Islamischen Republik in den letzten 42 Jahren. Bei dem Vorgehen wurden laut verschiedenen Berichten zwischen 400 und 1.500 Demonstranten getötet.

Die Nachbarschafts-Teams sollen offenbar angesichts zunehmender Proteste der iranischen Bevölkerung die Kontrolle auf andere Weise wiederherstellen. Aber kann diese Methode das Wiederauftreten groß angelegter Proteste verhindern?

Die Bildung von Nachbarschafts-Task Forces durch die Revolutionsgarden ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen der Ausbreitung von Angst und zunehmenden Sicherheitsbedenken der Islamischen Republik und der Revolutionsgarden angesichts der Konfrontation mit neuen und weiter verbreiteten Protesten gegen die Regierung.

Quelle:

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=214382
 تیم‌های ضربت محلات؛ افزایش نگرانی سپاه از تکرار اعتراضات فراگیر ضد‌حکومتی

Iran: Hungerstreik im Fashafuyeh-Gefängnis

Das Fashafuyeh-Gefängnis (Gefängnis von Groß-Teheran)


72 Gefangene, die im Zusammenhang mit den Protesten vom November 2019 verhaftet worden waren, als die Menschen nach der landesweiten Erhöhung der Benzinpreise auf die Straße gingen, haben am Sonntag, den 26. Mordad (16. August) den Hungerstreik eröffnet, weil ihnen trotz der Ausbreitung des Corona-Virus der Hafturlaub verweigert wird.
Obwohl in ihrem Fall sogar die Direktion der Justiz (riyasate qowweye qad.a’i) dem Hafturlaub zugestimmt hatte, weigerte sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der die Aufsicht über die politischen Gefangenen hat, den Hafturlaub zu bewilligen. Auf die Proteste der Eltern und Mütter der Inhaftierten, deren Unterhalt von diesen Menschen abhängt, antwortete der Staatsanwalt, die sollten am besten verhungern.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/85544/
vom 27. Mordad 1399 (17. August 2020)
bez. vom Vortag 16. August 2020, 20:13
اعتصاب ۷۲ تن از محکومان اعتراضات آبان در زندان فشافویه

Iran: Streiks in der Erdölindustrie


Am Samstag, den 1. August, traten Arbeiter der Erdöl- und Erdgasindustrie sowie der Petrochemie in vier iranischen Provinzen gleichzeitig in den Streik. Beteiligt waren Arbeiter in den Provinzen Chusistan (Khuzestan), Buschehr, Hormosgan (Hormozgan) und Fars. Am Samstag traten die Arbeiter der Raffinerien von Qeschm (Qeshm) in Hormozgan, Abadan, Parsiyan sowie der Petrochemie von Lamard und der Blöcke (Faz) 22 und 24 von Parse Jonubi in den Ausstand. Am Sonntag ging der Streik weiter, es schlossen sich die Arbeiter der Raffinerien von Fadschire (Fajire) und Kangan sowie die Petrochemie Pars an. Auch Block 14 von Parse Jonubi kam hinzu.

Raffinerie in Abadan (Provinz Chusistan)

Forderungen der Arbeiter
Die Forderungen der Arbeiter muten bescheiden an:
Sie fordern eine Auszahlung der ausstehenden Löhne und eine Reduzierung der Arbeitszeit bei Temperaturen von 50°C (!). Vor knapp einer Woche war Ibrahim Arabzade, der bei der Petrochemie in Mahschahr arbeitete, infolge der Hitze gestorben. Viele Arbeiter der Erdölindustrie sind Leiharbeiter – auch im Persischen spricht man umschreibend von Arbeitern mit Werkverträgen, so dass stabile Anstellungsverhältnisse ebenfalls zu ihren Forderungen gehören. Auch die Umwandlung befristeter Verträge in unbefristete Arbeitsverträge ist Teil der Forderungen der Arbeiter.

Petrochemie (Provinz Fars)

Die Plage der Leiharbeit
Die Nachrichtenplattform akhbar-rooz schreibt am 1. August, das schätzungsweise 3 Viertel der Arbeiter in der iranischen Erdöl- und Erdgasindustrie inzwischen Leiharbeiter sind, was zu einer deutlichen Abnahme der Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit in dieser früher sehr lukrativen Branche geführt hat. Die Betreiber der Leiharbeitsfirmen scheren sich wenig um die iranische Gesetzgebung, sei es was die zulässige Zahl der Arbeitstunden angeht, sei es was die Gesundheitsvorschriften angeht (etwa Arbeit bei Temperaturen von 50°C).
Während sich die Leiharbeiter bei der Raffinerie für Schweröl in Qeshm über die unregelmäßige Bezahlung beklagen, behaupten die Direktoren der Raffinerie gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA, die Arbeiter forderten höhere Löhne und es gebe keine Verspätungen bei der Lohnauszahlung…

Raffinerie für Schweröl in Qeshm (Hormosgan)

Gemeinsam streiken
In den meisten der genannten Firmen gab es schon früher Streiks, die zu nichts geführt haben. Das gemeinsame Auftreten zur gleichen Zeit setzt Zeichen, zumal auch Arbeiter anderer Fabriken, so die Zuckerfabrik Neyshekar in Haft-Tape und der Hersteller von Straßenbaumaschinen HepCo, sich den Streikenden angeschlossen haben.

Mögliche Reaktionen des Staates
Ruzbeh Bo-l-Hori macht sich auf den Seiten von Peykeiran Gedanken darüber, wie der Staat auf die Streiks reagieren kann. Er listet folgende Möglichkeiten auf:

  1. Der Staat geht auf die Forderungen der Arbeiter ein und die Streiks werden beendet. Für die Arbeiter wäre dies eine Ermutigung, auch in Zukunft so zu handeln, um ihre Forderungen durchzusetzen.
  2. Die Arbeiter werden mit Versprechungen vertröstet und brechen den Streik ab. Das ist schon öfters vorgekommen. Aber das bedeutet nur eine Verschiebung, denn die Arbeiter von Hepco und von Neyshekar in Haft-Tape zeigen deutlich, dass der Protest weitergeht, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden.
  3. Die Streiks bleiben erfolglos, die Arbeiter werden verhaftet, gefoltert und zu Gefängnis verurteilt. Auch das ist nichts Neues. Aber gerade das Beispiel der Arbeiter von Neyshekar in Haft-Tape, wo der Staat so vorging, zeigt, dass er die Probleme mit Repression nicht lösen kann. Die Arbeiter streiken heute wieder, obwohl eine ganze Reihe ihrer Kollegen verhaftet, gefoltert und verurteilt wurden.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=211633
vom 12. Mordad 1399 (2. August 2020)
چند ویژگی دور تازه اعتصاب‌های کارگران نفت و پتروشیمی

https://www.radiofarda.com/a/iran-workers-protest-strike/30761600.html
vom 11. Mordad 1399 (1. August 2020)
کارگران بخش‌های مختلف ایران در روز شنبه دست به اعتصاب زدند

https://www.akhbar-rooz.com/گسترش-اعتصاب-کارگران-در-پالايشگاه-های
vom 11. Mordad 1399 (1. August 2020)
گسترش اعتصاب کارگران در پالایشگاه های جنوب به سایر مناطق نفتی ایران

https://www.radiofarda.com/a/iranian-workers-strike/30762692.html
vom 13. Mordad 2020 (3. August 2020)
ادامه اعتصابات کارگری در ایران و گسترش دامنه آن