Schiras (Iran): Justizbeamter dementiert Flucht von rund 1000 Gefangenen

Seit dem Ausbruch der Corona-Virus-Pandemie werden im Iran 38.000 Fälle von Erkrankungen berichtet, bei der Wahrheitsliebe der iranischen Behörden nicht unbedingt eine vertrauenswürdige Zahl. Im Falle einer hochansteckenden Krankheit ist angesichts der überfüllten iranischen Gefängnisse klar, dass diese ein hot spot für Ansteckungen sind. Entsprechend häufen sich Proteste, Meutereien und Fluchtversuche in den Haftanstalten.

Der Chef der Justizbehörden der Provinz Pars (Hauptstadt Schiras) erklärte am Montag, den 30. März 2020, dass es am 29. März um 22 Uhr zu Unruhen in zwei Trakten des Adel-Abad-Gefängnis von Schiras gekommen sei. Die Gefangenen hätten die Überwachungskameras zerstört und Zäune demoliert. Den Sicherheitskräften sei es gelungen, die Unruhen niederzuschlagen. Die Gerüchte, dass Gefangene geflohen seien, entsprächen nicht der Wahrheit. In den sozialen Medien ist von bis zu 1000 geflohenen Gefangenen die Rede.

Ein Video zeigt, wie eine Zahl von mindestens 19 Streifenwagen mit Blaulicht mutmaßlich zum Gefängnis eilt, wohl, um die Proteste niederzuschlagen:

Am Freitagabend, den 8. Farwardin (27. März 2020), waren aus dem Gefängnis in Saqez (kurdisches Gebiet) 80 Gefangene geflohen. In der Folge wurden 4 Wärter verhaftet. Am Samstag, den 28. März, war es im Alwand-Gefängnis von Hamedan und im Gefängnis von Mahabad (kurdisches Gebiet) ebenfalls zu Protesten gekommen. Im Gefängnis von Hamedan soll es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung gekommen sein, einigen Gefangenen soll die Flucht geglückt sein.

In vielen Gefängnissen sind Gefangene in den Hungerstreik getreten, um gegen die Ausbreitung des Corona-Virus in den Anstalten und die Verschleppung der Gewährung von Hafturlaub zu protestieren.

vom Montag, 11. Farwardin 1399 (30. März 2020)

زنجیره ی ناآرامی و شورش در زندان ها به «عادل آباد» شیراز رسید

Urgent action von Amnesty International wg. COVID-19 im Iran

Unter dem Titel „GEFANGENE, DIE VON EINER COVID-19-INFEKTION BEDROHT SIND“ hat Amnesty International am 26.03.2020 eine Urgent Action für iranische Politische Gefangene veröffentlicht.

Die iranischen Behörden müssen Hunderte von Gefangenen aus Gewissensgründen unverzüglich und bedingungslos freilassen, da sie die Verbreitung des Coronavirus (COVID-19) in den iranischen Gefängnissen fürchten. Die Behörden sollten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit aller Gefangenen ergreifen und dringend die Freilassung von Untersuchungshäftlingen und von Personen, die besonders von schwerer Krankheit oder Tod bedroht sein könnten, in Erwägung ziehen.

Amnesty International am 26.03.2020

Die Urgent Action umfasst einen Brief an den Leiter des Justizwesens im Iran, Ebrahim Raisi. Amnesty-Gruppen weltweit sammeln nun Unterschriften von Menschen, die diesen Brief unterstützen.

In dem Schreiben wird davon ausgegangen, dass trotz Freilassung einiger Gefangener im Zuge des COVID-19 Ausbruchs im Iran, weiterhin hunderte Gewissensgefangene inhaftiert bleiben. Unter ihnen befinden sich Menschenrechtsvertreter*innen, friedlich Protestierende und Personen, die nur festgenommen wurden, weil sie friedlich ihr Recht auf Meinungs- und/oder Versammlungsfreiheit ausgeübt haben. Aus diesem Grund hätten sie gar nicht erst verhaftet werden dürfen.

Aber Amnesty International äußert sich auch kritisch zu den Gesundheitsgefahren für alle Gefangene im Iran. Sie würden in überfüllten, unhygienischen und ungesunden Bedingungen eingepfercht, was sie einem erhöhten Risiko einer COVID19 – Infektion aussetzen würde. In mehreren Gefängnissen des Irans seien bereits Gefangene positiv auf die Krankheit getestet worden.

Urgent Action: https://www.amnesty.org/download/Documents/MDE1320382020ENGLISH.pdf

Ärzte ohne Grenzen sollen im Iran nun doch nicht gegen Coronavirus helfen

Erst gestern, am 23.03.2020, wurde bekannt, dass die internationale, humanitäre, medizinische Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (franz.: Médecins Sans Frontières, MSF) den Iran im Kampf gegen den Coronavirus unterstützt, indem sie ein Krankenhaus in Isfahan errichtet und mit medizinischem Personal ausstattet.

Es kam zu Protesten von Fundamentalisten und Medien aus dem Umfeld der Revolutionsgarden und bereits einen Tag später hieß es: dieses Krankenhaus wird nun doch nicht gebaut.

Cargo Bordeaux
Beladung eines Flugzeug mit medizinischem Material aus dem MSF-Logistikzentrum in Bordeaux. Foto: MSF/Brigitte Rossotti

Die Hilfe sollte aus einem aufblasbaren Krankenhaus mit 50 Betten bestehen, das in der am zweitschlimmsten betroffenen Provinz des Irans die Kapazität zur Behandlung schwerkranker COVID-19 Patienten erhöhen sollte. Das Krankenhaus sollte direkt gegenüber dem Amin-Krankenhaus von Isfahan entstehen. MSF wollte außerdem ein neunköpfiges Notfallteam – einschließlich Intensivmedizinern und Logistikern – bereitstellen. Das Krankenhaus sollte in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen medizinischen Personal und in Abstimmung mit den iranischen Gesundheitsbehörden geleitet werden.

Das Ausmaß der Covid-19-Epidemie ist im Iran besonders besorgniserregend: Nach offiziellen Angaben wurden bis zum 20. März landesweit 20.610 Fälle und 1.556 Todesfälle gemeldet – damit ist es einer der größten Ausbrüche der Epidemie weltweit. In der Provinz Isfahan lag die Zahl der Fälle am 21. März bei 1.892.

Médecins sans Frontières, 23. März 2020

Das Unglaubliche geschah: anstatt sich für die humanitäre Hilfe der Ärzte ohne Grenzen zu bedanken, kam es zu Protesten von Fundamentalisten, negativen Berichten in regimenahen Medien und markigen Worten von offiziellen Vertretern des Irans. Hossein Shariatmadari, ein Vertreter des Religiösen Führers, sagte z.B. gegenüber der Fars News Agency: „Die USA wissen, dass sie keinen Platz im Iran haben und ihre Präsenz unmöglich ist. Wurde Frankreich nicht immer mit US-Verschwörungen gegen den Iran in Verbindung gebracht, und hat Macron nicht ausdrücklich erklärt, dass er alle US-Pläne gegen unser Land unterstützt?“

MSF ist eine unabhängige Hilfsorganisation, die seit 1991 im Iran tätig ist und u.a. bei Erdbeben (2003) oder Überschwemmungen (2013) in verschiedenen iranischen Provinzen Hilfe geleistet hat. MSF bietet gefährdeten und ausgegrenzten Menschen in Südteheran seit 2012 und in Mashhad seit 2018 eine medizinische Grundversorgung – einschließlich medizinischer Konsultationen -, Vorsorgeuntersuchungen auf Infektionskrankheiten und Behandlung von Hepatitis C, Pflege, Hebammenberatung und psychische Gesundheitsversorgung an.

In einer Fernsehansprache am 3. April hatte der Religiöse Führer des Irans, Ali Chamene’i, behauptet, die Vereinigten Staaten seien „beschuldigt worden, das Corona-Virus produziert zu haben“. Ali Chamene’i hat keine Beweise für seine Anschuldigungen vorgelegt, aber ihm nahe stehende Persönlichkeiten und Medien haben versucht, die „Legitimität“ der Behauptung des Obersten Führers in den letzten acht Stunden zu beweisen.

Quellen:

مقام وزارت بهداشت حضور «پزشکان بدون مرز» در پروژه اصفهان را منتفی خواند
https://www.radiofarda.com/a/the-team-of-msf-in-iran-has-been-canceled/30505015.html

MSF soutient la riposte au coronavirus dans la deuxième province la plus touchée d’Iran
https://www.msf.fr/communiques-presse/msf-soutient-la-riposte-au-coronavirus-dans-la-deuxieme-province-la-plus-touchee-d-iran

Iran: Die nächste Ausbreitungswelle des Corona-Virus erwartet

Imam-Reza-Schrein, Maschhad, März 2020

In der letzten Woche des ausgehenden persischen Jahrs – das persische Neue Jahr begann am 20. März, sind über 1,2 Millionen Pilger nach Maschhad gereist, um das dortige schiitische Heiligtum zu besuchen. Dies, obwohl der Stadtrat und der Bürgermeister von Maschhad darum gebeten hatten, eine Quarantäne über die Stadt zu verhängen. Aber das Geschäft mit der Religion ist wohl wichtiger.

Die staatlichen Stellen behaupten, dieses Jahr seien 75% weniger Pilger als im vergangenen Jahr gekommen und feiern das als Erfolg ihrer Politik. Das ändert nichts daran, dass eine Zahl von 1,2 Millionen Pilger auf engem Raum dazu beitragen wird, den Virus erneut rasch zu verbreiten.

Ali Asghar Anjidani, Sekretär des Komitees zur Kontrolle und Behandlung der Corona-Erkrankung an der Medizinischen Hochschule von Maschhad, erklärte am 26. Esfand (Ende des letzten iranischen Monats im alten Jahr), dass in der Provinz Chorasane Razavi, deren Hauptstadt Maschhad ist, 230 Personen unter dem Verdacht einer Corona-Erkrankung verstorben sind. Laut örtlichen Angaben wurden bislang knapp 4000 Menschen in dieser Provinz unter dem Verdacht einer Corona-Virus-Erkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen.

Auch in der Provinz Gilan, die an das Kaspische Meer grenzt, sieht es kritisch aus. Mit dem Persischen Neujahr beginnt eine Reisewelle. Ein traditionelles Reiseziel ist das Kaspische Meer. Offizielle Angaben über die Zahl der Reisenden in dieses Gebiet sind nicht bekannt, nur amtliche Erfolgsmeldungen der Art, die Zahl der Reisenden, die über die Autobahn Qazvin-Rasht in die Provinz kämen, habe um 68% abgenommen.

Laut dem iranischen Gesundheitsministerium sollen bis jetzt über 6400 Menschen in der Provinz Gilan unter dem Verdacht einer Corona-Virus-Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesen worden sein, 200 Fälle seien tödlich ausgegangen.

Quelle:

سفر ۱.۲میلیون نفر به مشهد؛ نگرانی درباره موج دوم کرونا در گیلان
https://www.radiofarda.com/a/mashhad-gilan-coronavirus/30502261.html
vom 4. Farwardin 1399 (23.03.2020)

Iran warnt, dass der Coronavirus „Millionen“ Iraner*innen töten könnte

Quelle: Wikipedia am 17.3.2020

Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet am heutigen Dienstag, den 17.3.2020, dass die iranische Regierung ihre Bevölkerung davor warnt, dass der Coronavirus „Millionen“ Menschen im Iran das Leben kosten könnte, wenn die Menschen weiter herumreisen und Gesundheitsanweisungen nicht befolgen.

Die Warnung wurde vom Journalisten Dr. Afruz Eslami verbreitet, der für das iranische Staatsfernsehen arbeitet. Er bezog sich auf eine Studie der Sharif University of Technology in Teheran. In ihr werden drei Szenarien beschrieben:

  • Wenn die Menschen jetzt uneingeschränkt kooperierten, würde der Iran bis zum Endes des Ausbruchs 120.000 Infektionen und 12.000 Todesfälle sehen.
  • Wenn auf einen mittleren Level kooperiert würde, gäbe es 300.000 Fälle von Infektionen und 110.000 Todesfälle.
  • Wenn die Menschen keiner Anweisung folgten, könnte dies das bereits angespannte medizinische System des Iran zum Einsturz bringen. Wenn die „medizinischen Einrichtungen nicht ausreichen, wird es 4 Millionen Fälle geben und 3,5 Millionen Menschen werden sterben“.

Laut dem Coronavirus-Monitor der Berliner Morgenpost wurden im Iran bis zum 17.3.2020 gegen 16 Uhr 16.169 bestätigte Infektionen und 988 Tote erfasst. Es ist aber davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der Infektionen um ein Vielfaches höher liegt.

Quellen:

Iran warns virus could kill ‘millions’ in Islamic Republic
https://apnews.com/6e92d93551ee6c6ae51d0acaaad9eb32

Coronavirus-Monitor der Berliner Morgenpost
https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/

Iran: Nazanin Zaghari mit elektronischen Fußfesseln im Hausarrest

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Nazanin Zaghari im Hausarrest, März 2020

Nazanin Zaghari, eine britisch-iranische Journalistin mit doppelter Staatsangehörigkeit und zuletzt Projektleiterin bei der Journalistenstiftung von Thompson Reuters, wurde 2016 im Iran verhaftet und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ihr war Spionage vorgeworfen worden.

Mehrfach hat sie einen Hungerstreik abgehalten, um gegen die Haftbedingungen zu protestieren. Sie wurde in Einzelhaft und in die psychiatrische Abteilung des Ewin-Gefängnisses verlegt.

Jetzt kam Nazanin Zaghari in Hausarrest. Wie auf dem Foto oben zu sehen ist, muss sie dort elektronische Fußfesseln tragen.

Quelle:

نازنین زاغری‌ با پابند الکترونیک در حبس خانگی
https://news.gooya.com/2020/03/post-36380.php

Iran: Nasrin Sotude tritt in Hungerstreik

Menschenrechtlerin Nasrin Sotude


Die politische Gefangene Nasrin Sotude tritt in Hungerstreik, um auf diesem Weg die Freilassung aller politischen Gefangenen im Iran zu fordern. Angesichts der Virus-Epidemie fordert sie eine Politik der nationalen Versöhnung.

https://news.gooya.com/2020/03/post-36321.php
vom 16. März 2020
بیانیه نسرین ستوده و اعلام آغاز اعتصاب غذا