Wir gehen nicht zum Fajr-Filmfestival im Iran

من به جشنواره فجر نمی روم!
Durchgestrichenes Logo des Fajr-Filmfestivals mit dem Schriftzug: „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival!“

Jedes Jahr im Januar / Februar findet in Teheran das Internationale Fajr-Filmfestival statt. Es wurde im Jahr 1982 vom iranischen Kultusministerium ins Leben gerufen. Ca. 10 Tage lang zeigen dem iranischen Staat genehme Filmschaffende ihre Werke und können hohe Fördergelder erhalten.

Doch dieses Jahr rufen 139 kritische KünstlerInnen aus dem Iran erstmals dazu auf, nicht an diesem Event teilzunehmen. Unter ihnen befinden sich weltbekannnte Regisseure und Schauspieler wie Jafar Panahi, Mohammad Rasul-Of, Hamid Farokhnejad, Tahmine Milani oder Tarane Alidusti. Dazu verbreiten sie das oben abgebildete Logo des Filmfestivals mit dem Satz „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival“.

Sie begründen in Interviews und auf ihren Websites ihren Appell mit dem Abschuss der ukrainischen Maschine nahe Teheran und den tagelangen Vertuschungsversuchen seitens des Militärs und der Regierung. Ebenfalls werden die Massaker gegen Protestierende auf den Straßen Irans in der Folge der Benzinpreiserhöhungen thematisiert.

Der Appell wurde heute publik. Sogleich nach seinem Bekanntwerden erhielten einzelne KünstlerInnen Anrufe vom iranischen Geheimdienst und wurden bedroht.

Quellen:

https://www.akhbar-rooz.com/%d9%85%d9%86-%d8%a8%d9%87-%d8%ac%d8%b4%d9%86%d9%88%d8%a7%d8%b1%d9%87-%d9%81%d8%ac%d8%b1-%d9%86%d9%85%db%8c-%d8%b1%d9%88%d9%85/

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199027

Iran:Mohammad Rasoulof ist zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt


Mohammad Rasoulof
Der iranische Berufsverband der Filmschaffenden „Haus des Kinos“ hat den Justizchef des Iran am Dienstag in einem offenen Brief aufgefordert, das Urteil gegen den renommierten Regisseur Mohammad Rasoulof zu überdenken. Der Verband erwarte, dass die Justiz bei Themen, die unmittelbar die künstlerischen Aktivitäten der Filmschaffenden beträfen, keine „skandalösen Urteile“ fälle, heißt es in dem Schreiben.

Der Regisseur ist am 20. Juli in Teheran wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit und Propaganda gegen die islamische Regierung“ zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Außerdem wurden gegen den 47-Jährigen ein Ausreiseverbot von zwei Jahren sowie ein ebenfalls zweijähriges Verbot der Beteiligung an politischen und zivilgesellschaftlichen Aktivitäten verhängt.

Rasoulof ist für seine kritischen Filme bekannt. Vor allem seine letzten drei Werke „Auf Wiedersehen“, „Manuscripts Don’t Burn“ und „A Man of Integrity – Kampf um die Würde“ sorgten international für großes Aufsehen.

2017 ist Rasoulof bei den Filmfestspielen in Cannes für seinen Film „Lerd“ mit dem Preis „Un Certain Regard“ ausgezeichnet worden. Mit dem Nachwuchspreis werden junge Talente oder innovative Filme geehrt. In dem Film hatte der regimekritische Regisseur die Korruption im Iran aufgegriffen. Bei seiner Rückkehr wurde Rasoulof am Imam-Khomeini-Flughafen in Teheran sein Reisepass abgenommen. Seitdem darf er das Land nicht mehr verlassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Rasoulof wegen seiner Filme bestraft wird. Bereits 2010 wurde er festgenommen, als er mit seinem Kollegen Jafar Panahi einen Dokumentarfilm über Folterungen und Morde im Kahrizak-Gefängnis drehen wollte, und wegen „Propaganda gegen den Staat“ zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde später auf ein Jahr verkürzt.

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Iran: Frauengesang in der Öffentlichkeit noch immer ein Verbrechen

Am Anfang stand der Auftritt einer iranischen Sängerin, unverschleiert, blondiert, vor dem Publikum an einem nicht genannten Ort im Iran. Eine Straftat, nach den Vorstellungen der herrschenden Geistlichkeit. Aus diesem Grund enthielt das auf youtube veröffentlichte Video auch die Überschrift: Die Adresse geben wir nicht, damit die Mollas vor Wut einen Herzinfarkt kriegen.
Nun, wütend sind sie tatsächlich geworden.

Wie der persische Dienst von BBC am 21. Mai berichtete, war die Sängerin vor ein paar Tagen in Abyane aufgetreten, einer historischen Ortschaft 40 km von Natans entfernt (Provinz Isfahan). Ruhollah Amini, der Freitags-Imam von Natans (Natanz) – der verlängerte Arm des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i an diesem Ort, verurteilte diesen Auftritt und erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim: „Welcher fromme Mann, der seine Ehre besitzt, würde zulassen, dass zu irgendeinem Zeitpunkt die göttlichen Gebote von jedem, der will, verletzt werden?“
Ruhollah Amini fügte hinzu: „Leider sehen wir, dass in einer Zeit, in der einige der Verantwortlichen des Systems gegenüber den (islamischen) Werten Rückzieher machen, einige Menschen, die Verderbnis verbreiten, absichtlich die (islamischen) Vorstellungen im heiligen Monat Ramadan verletzen. Es ist die Pflicht der gerichtlichen Institutionen, des Geheimdienstes und der Ordnungskräfte, energisch gegen solche Verletzungen der religiösen Werte vorzugehen.“


Negar Mo°asam, die Sängerin

Yussef Hassani, der Verwaltungschef des Landkreises Natans, hatte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Seda wa Sima erklärt, dass die Angehörigen eines privaten Reisebüros, die für die Verletzung der gesellschaftlichen Traditionen und der kulturellen Identität dieses geschichtlichen Orts verantwortlich seien, ausfindig gemacht worden seien. Die Staatsanwaltschaft von Natans werde gegen diese vorgehen. Wie Yussef Hassani weiter erklärte, habe die Staatsanwaltschaft von Natans die Konfiszierung von zwei Reisebussen angeordnet. Auch sei der Leiter dieser Gruppe und die Sängerin vom Gericht vorgeladen worden. Falls die Geladenen sich nicht vor Gericht einfänden, würde Haftbefehl gegen sie erlassen, sagte er. Er betonte, dass dieser Fall auf der Spitze der Tagesordnung stehe.
Der persische Dienst von Voice of America berichtete einen Tag später, am 22. Mai, dass die aus Schiras stammende Sängerin Negar Mo°asam, die auf dem in Abyane aufgenommenen Video singt, von der Staatsanwaltschaft von Natans vorgeladen wurde. Mortesa Basseriyan, der Staatsanwalt von Natans, bestätigte diese Vorladung und äußerte weiter: „Wir sind der erste Landkreis, in dem es zu diesem bitteren Vorfall kam, und haben darauf reagiert. Gegen diese Verletzung des religiösen Gesetzes werden wir entschieden und mit aller Macht und Stärke auf der Grundlage der Gesetze reagieren.“

Atombomben gegen Gesang
Dass die Reaktion der lokalen Machthaber hier besonders scharf ausfällt, mag noch einen ganz anderen politischen Hintergrund haben: Natanz ist der Standort der Atomanlage Natanz, wo die iranischen Machthaber in aller Heimlichkeit eine unterirdische Atomanlage einrichteten, die Tausende von Zentrifugen zur Urananreicherung enthielt. Man darf annehmen, dass an einem Ort mit derart heiklen militärischen Projekten alle lokalen Machthaber sorgfältig ausgewählt sind und eng mit dem religiösen Führer und den Pasdaran verbändelt sind. Das dürfte auch der Grund sein, warum der Geheimdienst schnell aktiv geworden ist und die „Täter“ herausgefunden hat.
Vor diesem Hintergrund war es für die Sängerin ziemlich riskant, in dieser Region aufzutreten.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183043
vom 30. Ordibehescht 1398 (20. Mai 2019)
film / dar yeki az shahrhaye iran adres nemi dim ta axundha az °asabaniyat sekte konand

http://www.bbc.com/persian/iran-48360157
vom 31. Ordibehescht 1398 (21. Mai 2019)
peygarde qaza’iye zani ke dar rustaye abyane baraye mardom awaz xand

https://ir.voanews.com/a/singer-iran-music/4927682.html
vom 1. Chordad 1398 (22. Mai 2019)
negar mo°azzam honarmande shirazi ke dar abyane awaz xand rasman mourede peygarde qaza’i qarar gereft

https://de.wikipedia.org/wiki/Atomanlage_Natanz
abgerufen am 27.05.2019

Iran: Tanz und Musik auf der Straße, ohne Geschlechtertrennung


Auch vierzig Jahre nach der sogenannten Islamischen Revolution im Iran haben es die Machthaber nicht geschafft, den Wunsch der Bevölkerung nach Tanz und Musik zu unterdrücken. Und wie man auf dem Film sieht, tanzt in der Öffentlichkeit eine Frau zusammen mit einem Mann. Eine ältere Dame mit weißem Hut, wohl eine Touristin, filmt das Ganze. Der Film nennt keinen Ort, um die Beteiligten vor staatlicher Verfolgung zu schützen, denn die wäre sicher.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183091
vom 31. Ordibehescht 1398 (21. Mai 2019)
film / esme mahall napors / in sahneha be °onwane harekathaye e°terazi, az madrese ta xiyabanha °aleyhe hokumate eslami dar hale gostaresh ast

Iran: Musikerin bei Konzert hinter Wänden versteckt


Die Musikerin

Blick von der Musikerin zu den anderen Aufführenden

Hinter dieser Wand muss sie spielen

versteckter Blick auf das Publikum
Auf einer musikalischen Aufführung in Kaschan, die sich an eine Rede des Bürgermeisters von Kaschan anschloss, musste die anwesende Musikerin in islamischer Verhüllung vom Publikum versteckt hinter einer Wand auf der Bühne spielen. Die Männer durften offen spielen.
Der Clou: Das Thema der Rede des Bürgermeisters von Kaschan lautete: „Untersuchung der Hindernisse bei der Förderung der Kultur in Kaschan.“ Ein Blick hinter die Kulissen erspart lange Reden!

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183304
vom 3. Chordad 1398 (24. Mai 2019)
honar dar hokumate eslamiye zedde zan
film / nawazandeye zane goruhe musiqi majbur ast az poshte diwarha benawazad

Iran: Über 900 Menschen schreibender Berufe fordern Freilassung dreier Schriftsteller


Bektash Abtin, Resa Chandan-Mahabadi und Keyvan Bazhan

Die drei Mitglieder des iranischen Schriftstellerverbandes Bektash Abtin, Resa Chandan-Mahabadi und Keyvan Bazhan wurden vergangenen Mittwoch (15. Mai 2019) von der 28. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran unter dem Vorwurf der „Propaganda gegen das System“ und der „kriminellen Vereinigung, die gegen die Sicherheit des Landes gerichtet ist“, zu je sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil haben 900 Angehörige der schreibenden Berufe im Iran in einem offenen Brief an die Justiz und die Exekutive protestiert. Sie fordern die Freilassung der drei Schriftsteller.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=93323
vom 29. Ordibehescht 1398 (19. Mai 2019)
sadha newisande xahane laghwe ahkame zendane se °ozwe kanune newisandegane iran shodand

https://www.radiofarda.com/a/iranian-writers-reza-khandan-mahabadi-baktash-abtin-and-keyvan-bajan/29952755.html
vom 20. Mai 2019
bayaniyeye 900 newisande: hokme se °ozwe kanune newisandegan azadikosh ast

Iran: Underground im Kaufhaus


Video 1

Die Islamische Republik Iran hat etwas gegen Sängerinnen und gegen das öffentliche Tanzen von Frauen, gegen das gemeinsame Auftreten von Männern und Frauen (die nicht verheiratet sind) in der Öffentlichkeit, aber es gibt kein spezielles Gesetz, das Auftritte wie diesen in einem Einkaufszentrum in Teheran verbietet. Natürlich finden sich stets Begriffe wie „Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“, um solche Aktionen zu bestrafen, aber diese Frauen haben die Aktion zur „Begrüßung des (bevorstehenden) iranischen Neujahrsfests“ geschickt so inszeniert, dass sie nicht direkt gegen die Scharia verstoßen und trotzdem genau das tun, was die Herrschenden nicht wollen. Eine gelungene subversive Aktion.

https://news.gooya.com/2019/03/post-24188.php
vom 11. März 2019
buye nouruz awardim baratun
zweiter Film: daf nawaziye zibaye doxtarane tehrani dar markaze xarid be pishwaze nouruz

Die Frau in dem folgenden Video tanzen ebenfalls in der Öffentlichkeit und sogar auf der Straße. Sie wollen ihre Freude angesichts des bevorstehenden Noruz-Festes ausdrücken, mit dem jedes Jahr im Iran der Frühling eingeleitet wird. Der Frühlingsanfang fällt dieses Jahr auf den 20. März.


Video 2