Iranische Traditionen, ein Bollwerk gegen den kulturellen Angriff der Regierung

In den letzten 42 Jahren hat die Islamische Republik [Iran] versucht, eine theologische Kultur im Land zu etablieren.

Die Iraner versuchen, ihre Kultur vor dem Ansturm der theologischen Kultur zu schützen, indem sie alte Feste und Zeremonien abhalten

Jedes Mal, wenn eine traditionelle iranische Zeremonie stattfindet, wird von den der iranischen Regierung zugeschriebenen Medien versucht, sie herunterzuspielen. Klar ist jedoch die Fortsetzung dieser Traditionen und ihre Weitergabe an zukünftige Generationen. Dies wird vom Volk als eine Art Verteidigungsmechanismus gegen den kulturellen Angriff der [islamischen] Regierung auf verschiedene Lebensbereiche angesehen.

Nach der Revolution von 1979 versuchten die Islamisten zunächst, ihre eigene Auffassung von Religion als dominierender Kultur zu fördern. In diesem Zusammenhang wurden Radio, Veröffentlichungen, Bildung, Universitäten und öffentliche Foren als Werkzeuge verwendet.

In den frühen Jahren der Revolution wurde versucht, alles auszulöschen oder zu zerstören, was der vorislamischen Geschichte zugeschrieben wird. Sogar Persepolis [altpersische Residenzstadt, 520 v. Chr. von Dareios I. gegründet] sollte zerstört werden. Viele kulturelle Relikte verschwanden von den Stadtmauern und wurden durch Hadithe [Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des islamischen Propheten Mohammed] ersetzt, die schiitischen Imamen und revolutionären Parolen zugeschrieben wurden. Dieser Trend setzte sich nach und nach fort, bis nur noch Nowruz [persisches Neujahrs- und Frühlingsfest] als Hauptfeiertag der Iraner angesehen wurde. So sehr, dass Abolghasem Khazali, ein ehemaliges Mitglied der Expertenversammlung und des Wächterrates, die Ersetzung von Eid al-Ghadir [wichtiges schiitisches Fest] anstelle von Nowruz als Hauptfeiertag des Iran forderte. Diese Ansichten haben einige [islamistische] Fanatiker daran gehindert, an iranischen und nichtreligiösen Feiertagen teilzunehmen.

Möglicherweise haben Sie im Iran Menschen getroffen, die während der Nacht von Nowruz [Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr] oder Yalda [Wintersonnenwende] keine Eid-al-Ghadir-Stimmung haben. In den meisten Fällen denken diese Menschen, dass iranische Traditionen aufgrund ihrer langen Geschichte, die bis in vorislamische Zeiten zurückreicht, nicht ignoriert werden sollten, nur weil sie als Relikt des Zeitalters des Unglaubens gelten.

Aufgrund der Verbreitung und der tiefen Wurzeln der alten Traditionen in der Kultur des iranischen Volkes versuchten diese Menschen schließlich, sie zu islamisieren. Zum Beispiel betonen einige Geistliche diesen Teil der Tradition und betonen ihn, indem sie sich auf die Bedeutung der Barmherzigkeit des Islam beziehen. Diese Ansicht hat zu anhaltendem Druck geführt, Traditionen zu verzerren.

In diesem Zusammenhang empfiehlt Alireza Tohidloo, der als Experte für Koranwissenschaften gilt, dass Korangeschichten in der Nacht von Yalda erzählt werden. Er erklärt die lange Nacht von Yalda, zitiert einen Hadith aus dem sechsten Imam der Schiiten und schreibt, dass der Winter der Frühling des Gläubigen ist; Er nutzt seine langen Nächte zum Fasten und seine kurzen Tage zum Fasten. In einem anderen Teil erwähnt er Hafez‘ Diwan [bekanntestes Werk des berühmten pers. Dichters] und sagt: „Die Iraner, so wie sie den Koran rezitiert haben, bitten um Segen aus diesem göttlichen Buch, um ihre Arbeit zu beginnen, sie meditieren auch über Hafez‘ Diwan und bitten Khajeh Shiraz um gute Gebete.“

[…]

Aber der Versuch der islamischen Regierung, die Rituale und Bräuche des Volkes zu ändern, scheint ideologisch motiviert zu sein. Weil dieser Druck nicht auf alte und vorislamische Themen beschränkt ist.

In den letzten 42 Jahren sind Männer und Frauen zunehmend unter Druck geraten, einen bestimmten Lebensstil als islamisch-iranisches Modell anzunehmen. Die […], die Geburt, die Musik, die Bücher, die Ehe und vieles mehr waren durch die Regierung Änderungen unterworfen. Zum Beispiel sagte der Oberste Führer der Islamischen Republik, Ali Khamenei, in einer Sitzung mit dem Kabinett im September 2011: „Weil die Ehre des Iran nach dem Islam in keiner Periode der iranischen Geschichte existiert hat.“

Die Belege zeigen, dass die iranische Gesellschaft, selbst ein großer Teil der muslimischen Gemeinschaft, natürlich auf diesen Regierungsdruck reagiert hat, wie zu Zeiten, als ausländische Stämme den Iran dominierten und versuchten, die damalige Kultur zu verändern. Aus dem gleichen Grund und unter Betonung der iranischen Traditionen schützen die Menschen ihre Kultur vor Veränderungen.

Die Nacht von Yalda und Nowruz sind in der Tat Teil des emotionalen Teilens und des kollektiven Gedächtnisses der Menschen, die als Barriere gegen die Flut neuer Seminarkultur fungiert haben, die als islamische Kultur gefördert wird. Viele Feste und Bräuche wurden im Iran zerstört. Tatsächlich sind diese beiden Fälle die einzigen Relikte der iranischen Kultur aus der Antike, deren Erhaltung für einen großen Teil der iranischen Gesellschaft ein Symbol dafür ist, iranisch zu sein. Auf der anderen Seite können diese Traditionen aufgrund der Globalisierung und der kulturellen Homogenisierung den Unterschied zwischen einem Iraner und einem anderen […] ausmachen. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Regierung eine bestimmte Seminarkultur als offizielle Kultur bezeichnet. So wie die Erhaltung verschiedener Sprachen und Subkulturen in der heutigen Welt zu einem Anliegen sozial- und kulturwissenschaftlicher Aktivisten geworden ist und ihr Schutz als Erhaltung der menschlichen Zivilisation angesehen wird, haben die Menschen im Iran in den letzten 42 Jahren versucht, verschiedene Instrumente einzusetzen, darunter Zeremonien oder Erinnerungen. Verteidigen Sie sich in kulturellen Werken gegen die herrschende Macht. Zumal die Islamisierung der Geisteswissenschaften als Grundlage der Kultur heute auf der Tagesordnung der Regierung steht

Amir Soltanzadeh
Schriftsteller und Journalist – Persian Independent
20. Dezember 2020

سنت‌های ایرانی، سدی در برابر هجمه فرهنگی حکومت

https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith
https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz
https://en.wikipedia.org/wiki/Eid_al-Ghadir
https://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis

Die längste Nacht des Jahres (persisch: Shabe Yalda)

Iran – Mohammad-Reza Shajarian – Tod eines Sängers

Mohammad-Reza Shajarian


Mohammad-Reza Shajarian (Mohammad-Resa Schadscharian) ist einer der bekanntesten iranischen Sänger der klassischen persischen Musik. Er wurde 1940 in Maschhad geboren und ist am 8. Oktober 2020 in einem Krankenhaus in Teheran an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.
Am 9. Oktober wurde auf dem Beheshte-Zahra-Friedhof in Teheran an seinem Leichnam das Gebet gesprochen, dann wurde die Leiche nach Maschhad geflogen und von dort nach Tus gebracht, wo sie am 10. Oktober auf dem Ferdousi-Friedhof beerdigt wurde.

Die Fronten zur Beerdigung des Sängers

Gewaltiges Aufgebot an Polizei und Zivilbeamten
Das Regime, dem die Beliebtheit des Sängers nicht verborgen geblieben ist, hat alles unternommen, um zu verhindern, dass die Menschenmassen, die sein Begräbnis begehen wollten, nicht zur Beerdigung kommen konnten. Es gab keine öffentlichen Verkehrsmittel von Maschhad nach Tus, so dass viele mit dem Auto kamen und die Ränder der Zufahrtsstraßen über Kilometer hinweg als Parkplätze dienten. Der Zugang zum Friedhof wurde den meisten versperrt, die Beerdigung wurde zum Teil auf Bildschirmen übertragen.

Von der Beerdigung ausgesperrt, aber präsent: Das Volk

Ein Mann von Charakter
Shajarian war nicht nur einer der bekanntesten Sänger traditioneller iranischer Musik, er zeichnete sich auch durch seine kritische Haltung gegenüber der Regierung aus. Als der nur durch Wahlbetrug wiedergewählte Präsident Ahmadineschad die protestierenden Menschen als xas-o-xa:sha:k (auf der Straße liegendes Laub und Staub) bezeichnete, sprach Shajarian von sich: Ich bin die Stimme des Staubs. Er begab sich auch nie auf die Einladungen des „Religiösen Führers“ Ajatollah Chamene’i an die Künstler und bildete sowohl seinen Sohn wie seine Tochter im traditionellen Gesang aus. Dabei will das islamistische Regime von singenden Frauen nichts wissen, mehr noch, sowohl der Vorgänger, Ajatollah Chomeini, wie sein Nachfolger, Ajatollah Chamene’i, haben eine Fatwa erlassen, in denen Musik als Haram, als religiös verwerflich und verboten bezeichnet wird. Welcher Musiker, der sein Handwerk liebt, kann sich damit anfreunden? Versteht, sich, dass der Religiöse Führer des Landes kein Wort des Beileids über den Tod von Shajarian verlor.

Tofang-at-ra zamin begzar
Leg deine Waffe auf die Erde!

Dies war eines seiner jüngeren Lieder, das sich an die einfachen Mitglieder der bewaffneten Organe des Regimes richtete. Das Lied war so eindrucksvoll, dass das Regime – damals unter Präsident Ahmadineschad – alle Mühe hatte, die Polizisten, Soldaten oder Mitglieder der Bassidschi-Milizen davon zu überzeugen, dass er ein Regimefeind sei und sie nicht auf ihn hören sollten. Denn seine Botschaft war klar: Warum wollt ihr auf uns schießen? Setzen wir uns zusammen und reden miteinander.

https://news.gooya.com/2020/10/post-44138.php
vom 10. Oktober 2020
مراسم خاکسپاری محمدرضا شجریان در آرامگاه فردوسی + روایت مردم

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=215958
vom 20. Mehr 1399 (11. Oktober 2020)
سایه بلند شجریان بر خامنه‌ای و جمهوری اسلامی ایران

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Resa_Schadscharianhttps://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Reza_Shajarianhttps://fr.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Reza_Shadjarianhttps://fa.wikipedia.org/wiki/محمدرضا_شجریان

Iran: Neues von der Kulturfront

In der Mitte Ehsan Mohammad-Hassani, der Kämpfer an der Kulturfront


Ehsan Mohammad-Hassani gehört zu denjenigen, die versuchen, im Bereich der Kunst die Herrschaft der Revolutionswächter (Pasdaran) und des Religiösen Führers zu festigen. Als Freund von Mohammad Ali Jafari, damals Oberbefehlshaber der Revolutionswächter, leitet Ehsan Mohammad-Hassani seit 1390 (2011) die „Kunst- und Medienorganisation Ouj“ (Ouj heißt Höhepunkt) (Sazemane Honariye Resane’i Ouj). Diese Organisation hat eine ganze Reihe von Filmen im Sinne des Regimes gesponsort und wird ihrerseits vom Regime großzügig mit Mitteln ausgestattet.

Filme und Verhöre?
Laut Angaben des iranischen Filmemachers Mohammad Rasoulof, war während seiner Haft (im Iran) bei seiner ersten „Verhörsitzung“ auch eine dreiköpfige Gruppe zugegen, die von sich angaben: „Wir sind vom Geheimdienst der Pasdaran, vom (Pasdaran-) Stützpunkt Tharollah, und auch Ouj ist von uns.“ Ehsan Mohammad-Hassani hatte in einer Veröffentlichung vom Monat Adhar des Jahres 1390 (2011) selbst angegeben, dass er mit dem inhaftierten Filmemacher Mohammad Nourizad „an einem warmen Sommertag“ „eine fünfstündige Sitzung“ „in den Zeiten (seiner) Haft“ hatte. Es sieht also so aus, dass diese kulturellen Aktivitäten bis hin zur Teilnahme an Verhören von Filmemachern reichte, wohl in den Nachwehen der Niederschlagung der Proteste des Jahres 2009 gegen den gefälschten Wahlsieg von Präsident Ahmadineschad.

Freund von Soleimani
Ehsan Mohammad-Hassani war auch mit einem der führenden Pasdaran-General Qasem Soleimani befreundet, der ihm wiederholt bei Filmaufnahmen Besuch abstattete. Personen, die ein Treffen mit Soleimani wünschten, wandten sich deshalb an Ehsan als Vermittler.

https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Rasoulof

https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Nourizad

https://en.wikipedia.org/wiki/Qasem_Soleimani

https://www.radiofarda.com/a/who-leading-owj-which-dominating-Iranian-cinema/30777906.html
vom 21. Mordad 1399 (11. August 2020)
رئیس سازمان اوج؛ بازجو، رفیق حاج قاسم و مدافع حرم

‚Ma‘ bedeutet Protest

‚Ma‘ (Wir)

Vor etwa zwei Jahren schuf der Bildhauer „Afshin Sigholi“ die Skulptur ‚Ma‘ ( Wir) für die siebte Biennale der Bildhauerei in Teheran. Die Skulptur war aus drei Tonnen Beton gegossen worden und Stand in der Folge im Laleh-Park von Teheran. Jetzt ist sie auf einer Müllhalde gelandet. Wie kam es dazu?

Eine Jury entschied damals, dass das Kunstwerk am Eingang des Museums für Zeitgenössische Kunst aufgestellt werden könne. Dazu kam es jedoch nicht. Stattdessen fand sie einen Platz im Nordwesten des Laleh-Parks.

Der Laleh-Park existiert in seiner heutigen Form seit etwa dem Jahr 1966. Er wurde auf einem Freigelände im damaligen Nordteheran errichtet, nachdem es dort zu Beginn der 1960er Jahre zu Massendemonstrationen von Mossadegh-Anhängern gekommen war. Der Park sollte den Demonstrationen an diesem Ort ein Ende setzen. In den Jahren danach und sogar bis heute versammelten sich im Park Menschen – nicht mehr zu Demonstrationen aber zu den sehr beliebten Gymnastikübungen im Freien. Selbst diese harmlose Betätigung wurde zwischenzeitlich immer wieder versucht zu unterbinden.

‚Ma‘ ist das persische Personalpronemen „Wir“ und steht für Protest in der iranischen Gesellschaft. Die Skulptur soll ausdrücken, wie die Zeit „uns“ erodiert, frustriert und fragmentiert, aber auch dass „unsere“ Wunden geheilt werden können.

Mit der Zeit erkannten auch die Ordnungshüter und der Geheimdienst diese Implikationen und ab dem Moment war die Skulptur ein Dorn in ihren Augen. Aus diesem Grund wurde sie zerstört und abtransportiert.

Quellen:

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/85168/

Etemad-Zeitung / Niloufar Rasouli

https://de.wikipedia.org/wiki/Laleh-Park

https://de.wikipedia.org/wiki/Teheraner_Museum_f%C3%BCr_Zeitgen%C3%B6ssische_Kunst

Wir gehen nicht zum Fajr-Filmfestival im Iran

من به جشنواره فجر نمی روم!
Durchgestrichenes Logo des Fajr-Filmfestivals mit dem Schriftzug: „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival!“

Jedes Jahr im Januar / Februar findet in Teheran das Internationale Fajr-Filmfestival statt. Es wurde im Jahr 1982 vom iranischen Kultusministerium ins Leben gerufen. Ca. 10 Tage lang zeigen dem iranischen Staat genehme Filmschaffende ihre Werke und können hohe Fördergelder erhalten.

Doch dieses Jahr rufen 139 kritische KünstlerInnen aus dem Iran erstmals dazu auf, nicht an diesem Event teilzunehmen. Unter ihnen befinden sich weltbekannnte Regisseure und Schauspieler wie Jafar Panahi, Mohammad Rasul-Of, Hamid Farokhnejad, Tahmine Milani oder Tarane Alidusti. Dazu verbreiten sie das oben abgebildete Logo des Filmfestivals mit dem Satz „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival“.

Sie begründen in Interviews und auf ihren Websites ihren Appell mit dem Abschuss der ukrainischen Maschine nahe Teheran und den tagelangen Vertuschungsversuchen seitens des Militärs und der Regierung. Ebenfalls werden die Massaker gegen Protestierende auf den Straßen Irans in der Folge der Benzinpreiserhöhungen thematisiert.

Der Appell wurde heute publik. Sogleich nach seinem Bekanntwerden erhielten einzelne KünstlerInnen Anrufe vom iranischen Geheimdienst und wurden bedroht.

Quellen:

https://www.akhbar-rooz.com/%d9%85%d9%86-%d8%a8%d9%87-%d8%ac%d8%b4%d9%86%d9%88%d8%a7%d8%b1%d9%87-%d9%81%d8%ac%d8%b1-%d9%86%d9%85%db%8c-%d8%b1%d9%88%d9%85/

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199027

Iran:Mohammad Rasoulof ist zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt


Mohammad Rasoulof
Der iranische Berufsverband der Filmschaffenden „Haus des Kinos“ hat den Justizchef des Iran am Dienstag in einem offenen Brief aufgefordert, das Urteil gegen den renommierten Regisseur Mohammad Rasoulof zu überdenken. Der Verband erwarte, dass die Justiz bei Themen, die unmittelbar die künstlerischen Aktivitäten der Filmschaffenden beträfen, keine „skandalösen Urteile“ fälle, heißt es in dem Schreiben.

Der Regisseur ist am 20. Juli in Teheran wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit und Propaganda gegen die islamische Regierung“ zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Außerdem wurden gegen den 47-Jährigen ein Ausreiseverbot von zwei Jahren sowie ein ebenfalls zweijähriges Verbot der Beteiligung an politischen und zivilgesellschaftlichen Aktivitäten verhängt.

Rasoulof ist für seine kritischen Filme bekannt. Vor allem seine letzten drei Werke „Auf Wiedersehen“, „Manuscripts Don’t Burn“ und „A Man of Integrity – Kampf um die Würde“ sorgten international für großes Aufsehen.

2017 ist Rasoulof bei den Filmfestspielen in Cannes für seinen Film „Lerd“ mit dem Preis „Un Certain Regard“ ausgezeichnet worden. Mit dem Nachwuchspreis werden junge Talente oder innovative Filme geehrt. In dem Film hatte der regimekritische Regisseur die Korruption im Iran aufgegriffen. Bei seiner Rückkehr wurde Rasoulof am Imam-Khomeini-Flughafen in Teheran sein Reisepass abgenommen. Seitdem darf er das Land nicht mehr verlassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Rasoulof wegen seiner Filme bestraft wird. Bereits 2010 wurde er festgenommen, als er mit seinem Kollegen Jafar Panahi einen Dokumentarfilm über Folterungen und Morde im Kahrizak-Gefängnis drehen wollte, und wegen „Propaganda gegen den Staat“ zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde später auf ein Jahr verkürzt.

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Iran: Frauengesang in der Öffentlichkeit noch immer ein Verbrechen

Am Anfang stand der Auftritt einer iranischen Sängerin, unverschleiert, blondiert, vor dem Publikum an einem nicht genannten Ort im Iran. Eine Straftat, nach den Vorstellungen der herrschenden Geistlichkeit. Aus diesem Grund enthielt das auf youtube veröffentlichte Video auch die Überschrift: Die Adresse geben wir nicht, damit die Mollas vor Wut einen Herzinfarkt kriegen.
Nun, wütend sind sie tatsächlich geworden.

Wie der persische Dienst von BBC am 21. Mai berichtete, war die Sängerin vor ein paar Tagen in Abyane aufgetreten, einer historischen Ortschaft 40 km von Natans entfernt (Provinz Isfahan). Ruhollah Amini, der Freitags-Imam von Natans (Natanz) – der verlängerte Arm des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i an diesem Ort, verurteilte diesen Auftritt und erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim: „Welcher fromme Mann, der seine Ehre besitzt, würde zulassen, dass zu irgendeinem Zeitpunkt die göttlichen Gebote von jedem, der will, verletzt werden?“
Ruhollah Amini fügte hinzu: „Leider sehen wir, dass in einer Zeit, in der einige der Verantwortlichen des Systems gegenüber den (islamischen) Werten Rückzieher machen, einige Menschen, die Verderbnis verbreiten, absichtlich die (islamischen) Vorstellungen im heiligen Monat Ramadan verletzen. Es ist die Pflicht der gerichtlichen Institutionen, des Geheimdienstes und der Ordnungskräfte, energisch gegen solche Verletzungen der religiösen Werte vorzugehen.“


Negar Mo°asam, die Sängerin

Yussef Hassani, der Verwaltungschef des Landkreises Natans, hatte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Seda wa Sima erklärt, dass die Angehörigen eines privaten Reisebüros, die für die Verletzung der gesellschaftlichen Traditionen und der kulturellen Identität dieses geschichtlichen Orts verantwortlich seien, ausfindig gemacht worden seien. Die Staatsanwaltschaft von Natans werde gegen diese vorgehen. Wie Yussef Hassani weiter erklärte, habe die Staatsanwaltschaft von Natans die Konfiszierung von zwei Reisebussen angeordnet. Auch sei der Leiter dieser Gruppe und die Sängerin vom Gericht vorgeladen worden. Falls die Geladenen sich nicht vor Gericht einfänden, würde Haftbefehl gegen sie erlassen, sagte er. Er betonte, dass dieser Fall auf der Spitze der Tagesordnung stehe.
Der persische Dienst von Voice of America berichtete einen Tag später, am 22. Mai, dass die aus Schiras stammende Sängerin Negar Mo°asam, die auf dem in Abyane aufgenommenen Video singt, von der Staatsanwaltschaft von Natans vorgeladen wurde. Mortesa Basseriyan, der Staatsanwalt von Natans, bestätigte diese Vorladung und äußerte weiter: „Wir sind der erste Landkreis, in dem es zu diesem bitteren Vorfall kam, und haben darauf reagiert. Gegen diese Verletzung des religiösen Gesetzes werden wir entschieden und mit aller Macht und Stärke auf der Grundlage der Gesetze reagieren.“

Atombomben gegen Gesang
Dass die Reaktion der lokalen Machthaber hier besonders scharf ausfällt, mag noch einen ganz anderen politischen Hintergrund haben: Natanz ist der Standort der Atomanlage Natanz, wo die iranischen Machthaber in aller Heimlichkeit eine unterirdische Atomanlage einrichteten, die Tausende von Zentrifugen zur Urananreicherung enthielt. Man darf annehmen, dass an einem Ort mit derart heiklen militärischen Projekten alle lokalen Machthaber sorgfältig ausgewählt sind und eng mit dem religiösen Führer und den Pasdaran verbändelt sind. Das dürfte auch der Grund sein, warum der Geheimdienst schnell aktiv geworden ist und die „Täter“ herausgefunden hat.
Vor diesem Hintergrund war es für die Sängerin ziemlich riskant, in dieser Region aufzutreten.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183043
vom 30. Ordibehescht 1398 (20. Mai 2019)
film / dar yeki az shahrhaye iran adres nemi dim ta axundha az °asabaniyat sekte konand

http://www.bbc.com/persian/iran-48360157
vom 31. Ordibehescht 1398 (21. Mai 2019)
peygarde qaza’iye zani ke dar rustaye abyane baraye mardom awaz xand

https://ir.voanews.com/a/singer-iran-music/4927682.html
vom 1. Chordad 1398 (22. Mai 2019)
negar mo°azzam honarmande shirazi ke dar abyane awaz xand rasman mourede peygarde qaza’i qarar gereft

https://de.wikipedia.org/wiki/Atomanlage_Natanz
abgerufen am 27.05.2019

Iran: Tanz und Musik auf der Straße, ohne Geschlechtertrennung


Auch vierzig Jahre nach der sogenannten Islamischen Revolution im Iran haben es die Machthaber nicht geschafft, den Wunsch der Bevölkerung nach Tanz und Musik zu unterdrücken. Und wie man auf dem Film sieht, tanzt in der Öffentlichkeit eine Frau zusammen mit einem Mann. Eine ältere Dame mit weißem Hut, wohl eine Touristin, filmt das Ganze. Der Film nennt keinen Ort, um die Beteiligten vor staatlicher Verfolgung zu schützen, denn die wäre sicher.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183091
vom 31. Ordibehescht 1398 (21. Mai 2019)
film / esme mahall napors / in sahneha be °onwane harekathaye e°terazi, az madrese ta xiyabanha °aleyhe hokumate eslami dar hale gostaresh ast

Iran: Musikerin bei Konzert hinter Wänden versteckt


Die Musikerin

Blick von der Musikerin zu den anderen Aufführenden

Hinter dieser Wand muss sie spielen

versteckter Blick auf das Publikum
Auf einer musikalischen Aufführung in Kaschan, die sich an eine Rede des Bürgermeisters von Kaschan anschloss, musste die anwesende Musikerin in islamischer Verhüllung vom Publikum versteckt hinter einer Wand auf der Bühne spielen. Die Männer durften offen spielen.
Der Clou: Das Thema der Rede des Bürgermeisters von Kaschan lautete: „Untersuchung der Hindernisse bei der Förderung der Kultur in Kaschan.“ Ein Blick hinter die Kulissen erspart lange Reden!

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183304
vom 3. Chordad 1398 (24. Mai 2019)
honar dar hokumate eslamiye zedde zan
film / nawazandeye zane goruhe musiqi majbur ast az poshte diwarha benawazad