Iranische Traditionen, ein Bollwerk gegen den kulturellen Angriff der Regierung

In den letzten 42 Jahren hat die Islamische Republik [Iran] versucht, eine theologische Kultur im Land zu etablieren.

Die Iraner versuchen, ihre Kultur vor dem Ansturm der theologischen Kultur zu schützen, indem sie alte Feste und Zeremonien abhalten

Jedes Mal, wenn eine traditionelle iranische Zeremonie stattfindet, wird von den der iranischen Regierung zugeschriebenen Medien versucht, sie herunterzuspielen. Klar ist jedoch die Fortsetzung dieser Traditionen und ihre Weitergabe an zukünftige Generationen. Dies wird vom Volk als eine Art Verteidigungsmechanismus gegen den kulturellen Angriff der [islamischen] Regierung auf verschiedene Lebensbereiche angesehen.

Nach der Revolution von 1979 versuchten die Islamisten zunächst, ihre eigene Auffassung von Religion als dominierender Kultur zu fördern. In diesem Zusammenhang wurden Radio, Veröffentlichungen, Bildung, Universitäten und öffentliche Foren als Werkzeuge verwendet.

In den frühen Jahren der Revolution wurde versucht, alles auszulöschen oder zu zerstören, was der vorislamischen Geschichte zugeschrieben wird. Sogar Persepolis [altpersische Residenzstadt, 520 v. Chr. von Dareios I. gegründet] sollte zerstört werden. Viele kulturelle Relikte verschwanden von den Stadtmauern und wurden durch Hadithe [Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des islamischen Propheten Mohammed] ersetzt, die schiitischen Imamen und revolutionären Parolen zugeschrieben wurden. Dieser Trend setzte sich nach und nach fort, bis nur noch Nowruz [persisches Neujahrs- und Frühlingsfest] als Hauptfeiertag der Iraner angesehen wurde. So sehr, dass Abolghasem Khazali, ein ehemaliges Mitglied der Expertenversammlung und des Wächterrates, die Ersetzung von Eid al-Ghadir [wichtiges schiitisches Fest] anstelle von Nowruz als Hauptfeiertag des Iran forderte. Diese Ansichten haben einige [islamistische] Fanatiker daran gehindert, an iranischen und nichtreligiösen Feiertagen teilzunehmen.

Möglicherweise haben Sie im Iran Menschen getroffen, die während der Nacht von Nowruz [Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr] oder Yalda [Wintersonnenwende] keine Eid-al-Ghadir-Stimmung haben. In den meisten Fällen denken diese Menschen, dass iranische Traditionen aufgrund ihrer langen Geschichte, die bis in vorislamische Zeiten zurückreicht, nicht ignoriert werden sollten, nur weil sie als Relikt des Zeitalters des Unglaubens gelten.

Aufgrund der Verbreitung und der tiefen Wurzeln der alten Traditionen in der Kultur des iranischen Volkes versuchten diese Menschen schließlich, sie zu islamisieren. Zum Beispiel betonen einige Geistliche diesen Teil der Tradition und betonen ihn, indem sie sich auf die Bedeutung der Barmherzigkeit des Islam beziehen. Diese Ansicht hat zu anhaltendem Druck geführt, Traditionen zu verzerren.

In diesem Zusammenhang empfiehlt Alireza Tohidloo, der als Experte für Koranwissenschaften gilt, dass Korangeschichten in der Nacht von Yalda erzählt werden. Er erklärt die lange Nacht von Yalda, zitiert einen Hadith aus dem sechsten Imam der Schiiten und schreibt, dass der Winter der Frühling des Gläubigen ist; Er nutzt seine langen Nächte zum Fasten und seine kurzen Tage zum Fasten. In einem anderen Teil erwähnt er Hafez‘ Diwan [bekanntestes Werk des berühmten pers. Dichters] und sagt: „Die Iraner, so wie sie den Koran rezitiert haben, bitten um Segen aus diesem göttlichen Buch, um ihre Arbeit zu beginnen, sie meditieren auch über Hafez‘ Diwan und bitten Khajeh Shiraz um gute Gebete.“

[…]

Aber der Versuch der islamischen Regierung, die Rituale und Bräuche des Volkes zu ändern, scheint ideologisch motiviert zu sein. Weil dieser Druck nicht auf alte und vorislamische Themen beschränkt ist.

In den letzten 42 Jahren sind Männer und Frauen zunehmend unter Druck geraten, einen bestimmten Lebensstil als islamisch-iranisches Modell anzunehmen. Die […], die Geburt, die Musik, die Bücher, die Ehe und vieles mehr waren durch die Regierung Änderungen unterworfen. Zum Beispiel sagte der Oberste Führer der Islamischen Republik, Ali Khamenei, in einer Sitzung mit dem Kabinett im September 2011: „Weil die Ehre des Iran nach dem Islam in keiner Periode der iranischen Geschichte existiert hat.“

Die Belege zeigen, dass die iranische Gesellschaft, selbst ein großer Teil der muslimischen Gemeinschaft, natürlich auf diesen Regierungsdruck reagiert hat, wie zu Zeiten, als ausländische Stämme den Iran dominierten und versuchten, die damalige Kultur zu verändern. Aus dem gleichen Grund und unter Betonung der iranischen Traditionen schützen die Menschen ihre Kultur vor Veränderungen.

Die Nacht von Yalda und Nowruz sind in der Tat Teil des emotionalen Teilens und des kollektiven Gedächtnisses der Menschen, die als Barriere gegen die Flut neuer Seminarkultur fungiert haben, die als islamische Kultur gefördert wird. Viele Feste und Bräuche wurden im Iran zerstört. Tatsächlich sind diese beiden Fälle die einzigen Relikte der iranischen Kultur aus der Antike, deren Erhaltung für einen großen Teil der iranischen Gesellschaft ein Symbol dafür ist, iranisch zu sein. Auf der anderen Seite können diese Traditionen aufgrund der Globalisierung und der kulturellen Homogenisierung den Unterschied zwischen einem Iraner und einem anderen […] ausmachen. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Regierung eine bestimmte Seminarkultur als offizielle Kultur bezeichnet. So wie die Erhaltung verschiedener Sprachen und Subkulturen in der heutigen Welt zu einem Anliegen sozial- und kulturwissenschaftlicher Aktivisten geworden ist und ihr Schutz als Erhaltung der menschlichen Zivilisation angesehen wird, haben die Menschen im Iran in den letzten 42 Jahren versucht, verschiedene Instrumente einzusetzen, darunter Zeremonien oder Erinnerungen. Verteidigen Sie sich in kulturellen Werken gegen die herrschende Macht. Zumal die Islamisierung der Geisteswissenschaften als Grundlage der Kultur heute auf der Tagesordnung der Regierung steht

Amir Soltanzadeh
Schriftsteller und Journalist – Persian Independent
20. Dezember 2020

سنت‌های ایرانی، سدی در برابر هجمه فرهنگی حکومت

https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith
https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz
https://en.wikipedia.org/wiki/Eid_al-Ghadir
https://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis

Die längste Nacht des Jahres (persisch: Shabe Yalda)

Frankreich: Lehrer von Islamist ermordet – Iran als Pate?

Conflans-Sainte-Honorine: Hier wurde der Lehrer Samuel Paty ermordet, weil er eine Mohammad-Karikatur zum Unterrichtsthema gemacht hatte


Vergangenen Freitag, den 16. Oktober 2020, wurde Samuel Paty, ein 47-jähriger Lehrer, in Conflans-Sainte-Honorine von einem Tschetschenen mit einem Schwert enthauptet. Der Täter namens Abdoullakh Abouyezidvitch A. war kein Schüler dieses Lehrers, er ging auch nicht in die Schule, an der der Lehrer unterrichtete und auch in keine benachbarte Schule. Der Täter war 2002 in Moskau geboren worden, war Russe tschetschenischer Abstammung und hatte in Frankreich Flüchtlingsstatus, so wie auch seine Eltern. Nach Angaben der Russischen Botschaft in Paris hatte er seit 2008 keine Verbindungen mehr nach Russland. Den französischen Geheimdiensten war er bis dahin nicht wegen religiösen Extremismus aufgefallen. Er hatte ein Konto bei Twitter, wo er als Begründung für den Mord angab, dass der Lehrer den Propheten Muhammad herabgewürdigt habe. Der Lehrer hatte am 5. Oktober 2020 im Unterricht im Rahmen des Themas Meinungsfreiheit eine Mohammad-Karrikatur gezeigt. Der Mörder hat auch ein Foto des Opfers auf seinem Twitter-Konto veröffentlicht. Nach amtlichen Angaben wurde der Mörder, Abdollakh Abouyezidivitch, von einer Polizeibrigade gestellt. Als er dabei eine Waffe zückte, wurde er mit zehn Schüssen getötet.

Gedenken von Kolleginnen und Kollegen an den ermordeten Lehrer

Der Dunstkreis der Täter
Der Unterricht des engagierten Lehrerers Samuel Paty hatte auch Beschwerden einiger Eltern ausgelöst, die eine schulinterne Untersuchung zur Folge hatten. Brahim Chnina, Vater einer Schülerin hatte sogar den Vorwurf erhoben, dass der Lehrer „kinderpornographische Bilder“ gezeigt habe. Weder der Vater noch die Tochter waren den Vorladungen der Untersuchung gefolgt, um ihre Behauptungen zu substantiieren. Wie sich bei den Untersuchungen durch Staatsanwalt und regionale Sicherheitsbehörden (renseignement territorial) herausstellte, hat der Vater dieser Schülerin am 8. Oktober auf Facebook gegen den Lehrer gehetzt und behauptet, dieser habe die muslimischen Schüler aufgefordert, die Hand zu heben, und sie dann angewiesen, die Klasse zu verlassen. Seine Tochter habe sich geweigert. In Wirklichkeit hatte seine Tochter an diesem Unterricht gar nicht teilgenommen. Am 12. Oktober wurde ein weiteres Video gegen den Lehrer auf YouTube veröffentlicht.
Derzeit sind im Rahmen der Ermittlungen 11 Personen in Gewahrsam, darunter auch der Vater der besagten Schülerin. Die Halbschwester dieses Mannes hatte sich 2014 dem „Islamischen Staat“ in Syrien angeschlossen und wurde von einem Untersuchungsrichter zur Fahndung ausgeschrieben.
Eine weitere Person, die sich in Gewahrsam befindet, ist Abdelhakim Sefrioui, der gemeinsam mit dem Vater der genannten Schülerin in einem Video auftauchte. Abdelhakim Sefrioui soll seit Ende der 1980er Jahre in der Region Paris in islamistischen Kreisen aktiv sein. Es war Sefrioui, der den Vater der 13-jährigen Schülerin von Anfang an unterstützte. Im Video bezeichnete er sich als Mitglied des Zentralkomitees des Rats der Imame Frankreichs (Conseil des imams de France), in dessen Namen er zu sprechen vorgab. In einem Video, dass Abdelhakim Sefrioui verbreitet hat, lässt er die 13-jährige Schülerin erklären, wie sehr sie von den im Unterricht gezeigten Videos schockiert gewesen sei. Dabei hatte sie tatsächlich nicht am Unterricht von Samuel Paty teilgenommen, weil sie in diesem Fach einen anderen Lehrer hatte.

Abdelhakim Sefrioui
Abdelhakim Sefrioui ist 1959 in Fes (Marokko) geboren, hat durch Heirat französische Staatsbürgerschaft erworben, und soll seit 1980, laut anderen Quellen seit 2000, in islamistischen Kreisen in Frankreich aktiv sein. 2004 gründete er das Kollektiv Scheich Yassin, eine Bewegung, die die palästinensische Hamas unterstützt (die iranischen Machthaber unterstützen die Hamas ebenfalls finanziell, militärisch und durch Ausbildung). Die Organisation Rat der Imame Frankreichs umfasst 13 Vertreter von Moscheen im Großraum Paris (Ile de France), ist also nur eine kleine Gruppierung. Der Sekretär dieser Gruppe hat gegenüber Le Monde erklärt, dass Sefrioui kein Recht habe, im Namen der Gruppe aufzutreten.
2006 schreibt Abdelhakim Sefrioui das Vorwort zu einem Buch von Youssef Qaradhawi.

Youssef Qaradhawi, auf einem vermutlich schon älteren Foto

Youssef Qaradhawi
Es soll hier nicht behauptet werden, dass Youssef Qaradhawi hinter dem Mord am Lehrer Samuel Paty steht. Aber man darf annehmen, dass Abdelhakim Sefrioui eine geistige Nähe zu ihm verspürte, sonst hätte er kaum das Vorwort geschrieben. Youssef Qaradhawi wird 1926 in Ägypten geboren, wird mit 2 Jahren Waise, wächst in einer Familie frommer, praktizierender muslimischer Bauern auf, wird dann von seinem väterlichen Onkel erzogen und in eine Koranschule des Dorfes geschickt, wo er mit 10 den Koran auswendig lernt. Er setzt seine Schulbildung in Tanta an einem Institut fort, das der Azhar-Universität in Kairo untersteht. Später studiert er Theologie an der Azhar-Universität, macht eine Lehrerausbildung und erhält 1960 den Master in Koranwissenschaften. 1961 wird er von der Azhar-Universität nach Qatar geschickt, Wo er das Institut für religiöse Studien modernisiert. Er gründet 1973 die Fakultät für Islamische Studien an der Uni von Qatar und wird deren Präsident (Dekan). 1977 gründet er die erste Universität für islamische Wissenschaften und Vorschriften in Qatar, deren Dekan er bis 1990 bliebt. 2004 wird er Verwalter des Zentrums für islamische Studien in Oxford, dessen Finanzierung vom Emirat von Qatar übernommen wird.

Während seines Studiums in Ägypten wurde er als Mitglied der Muslimbrüder wiederholt inhaftiert: 1949, 1954, 1956 und 1962. Ihm wurde die ägyptische Staatsbürgerschaft aberkannt, so dass er jetzt die Staatsangehörigkeit von Qatar besitzt. 2015 wurde er wie Mohamed Morsi und andere Muslimbrüder von einem ägyptischen Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 2018 erfolgte ein weiteres Urteil zu lebenslänglicher Haft. Vorwurf: „Aufruf zum Mord“, „Verbreitung falscher Nachrichten“, „Vandalismus an öffentlichem Eigentum“.
In Frankreich, Großbritannien und den USA hat er ein Einreiseverbot.
Er verurteilt die Trennung von Staat und Religion, befürwortet unter bestimmten Bedingungen die Todesstrafe für Gläubige, die vom Islam abfallen, und ist mit Banken liiiert, die der Unterstützung des Terrorismus im Nahen Osten beschuldigt werden. So ist er Vorsitzender des Rats zur Überwachung der Einhaltung der Scharia bei der Islamischen Bank von Qatar und war Berater in Scharia-Fragen bei der Banque Al-Taqwa, die bis 2010 auf einer Liste der USA und der UNO stand, weil sie Al-Qaida finanziell unterstützte. Er unterstützte 2004 die Hamas und rechtfertigte Selbstmordattentate in Israel: „Die Operationen der Märtyrer sind die Waffe, die Gott den Armen gegeben hat, um gegen die Starken zu kämpfen. Das ist der göttliche Ausgleich.“
Im Jahr 2013 hat Youssef al-Qaradhawi die Sunniten aufgefordert, sie den syrischen Rebellen anzuschließen, während er die Hisbollah (Anmerkung: ebenfalls vom Iran finanziert!) als „Partei des Satans“ bezeichnete.

Das Schwert: Folklore oder Tatwaffe? Hier „Kämpfer des Islams“ – schiitische Islamisten

Ajatollah Chamenei – das schiitische Spiegelbild
Wir haben versucht, in den vorigen Absätzen das geistige Umfeld einzufangen, in denen dieser Mord verübt worden sein mochte. Von einer iranischen Urheberschaft ist also nicht unbedingt auszugehen, obwohl natürlich auch der Religiöse Führer des Irans die Veröffentlichung der jüngsten Mohammad-Karikatur in Frankreich verurteilt hat. Was er vom Gebrauch von Schwertern hält, hat er vor sechs Jahren einmal sehr deutlich gemacht:

Wir haben keinen säkulären Imam Hossein
Auf einer Versammlung von Mitgliedern des Zentralen Stabs des Komitees der Kämpfer des Islams (Setade Markaziye Hey’ate Razmandegane Eslam) erinnerte er daran: „Dieses Komitee kann nicht säkulär sein. Ein säkuläres Imam-Hossein-Komitee gibt es nicht. Wer immer Interesse an Imam Hossein hat, der interessiert sich auch für den politischen Islam. Der Islam ist kämpferisch (er verwendet das schillernde Wort mojahed – jemand, der für Gott kämpft). Der Islam bekämpft (er verwendet das vieldeutige Wort moqatele – jemand der kämpft oder tötet). Islam bedeutet, sein Blut herzugeben, sein Leben herzugeben. Das ist die Bedeutung, wenn jemand von Imam Hossein überzeugt ist. Wenn jemand glaubt, bei einer islamischen Trauerveranstaltung oder bei den schiitischen Passionsumzügen Acht geben zu müssen, dass er nicht auf den politischen Islam zu sprechen kommt, so irrt der. Solche Komitees (die die Passionsumzüge organisieren) sind nicht dazu da, nichts mit der Politik zu tun haben zu wollen.“

https://www.lemonde.fr/societe/article/2020/10/17/attentat-de-conflans-un-hommage-national-sera-rendu-a-l-enseignant-assassine-vendredi-annonce-l-elysee_6056408_3224.html
Par Cécile Chambraud, Elise Vincent et Nicolas Chapuis Publié le 17 octobre 2020 à 11h43, mis à jour hier à 11h29

https://fr.wikipedia.org/wiki/Abdelhakim_Sefrioui

https://fr.wikipedia.org/wiki/Youssef_al-Qarad%C3%A2w%C3%AE

vom 19.10.2020

https://www.dw.com/fa-ir/رهبر-جمهوری-اسلامی-امام-حسین-سکولار-نداریم/a-18030918

vom 30.10.2014

Iran: Die Botschaft der Bombenleger

Assadi Assadollah, 3. Botschaftsrat der Iranischen Botschaft in Wien


Am 1. Juli 2018 wurde Assadollah Assadi, Dritter Botschaftsrat der Iranischen Botschaft in Österreich, bei seiner Rückreise aus Luxemburg in Aschaffenburg in Deutschland verhaftet und an Belgien ausgeliefert, nachdem er einen Sprengstoff zur Verübung eines Sprengstoffattentats auf eine Versammlung der iranischen Volksmudschahedin übergeben hatte. Am 30. Juni 2018 war in Villepinte (Dept. Seine-Saint-Denis, Großraum Paris) das Jahrestreffen des Nationalen Widerstandsrats der Volksmodschahedin geplant. Nach Angaben des Belgischen Geheimdienstes ist Assadollah Assadi ein Bediensteter des Iranischen Geheimdienstes. Der Prozess gegen ihn und weitere drei Personen soll Ende November 2020 in Antwerpen beginnen.

Die Angeklagten
Zentrale Figur dieses geplanten Anschlags ist Assadollah Assadi, ein 39-jähriger Iraner. Er hatte den Sprengstoff in einer Pizzeria in Luxemburg an ein iranisches Ehepaar übergeben, das in Antwerpen wohnte. Das Paar wurden am nächsten Tag in Brüssel verhaftet, als es nach Paris reisen wollte. Bei der Durchsuchung des Mercedes, in dem die beiden fuhren, entdeckte die Polizei 500 g Acetonperoxid, 3 Handys und 35.000 Euro in bar. Der Ehemann, Amir Sa°duni, gestand im Verhör, dass er seit 2007 mit Assadollah Assadi zusammenarbeitete.

Haftbefehl gegen Assadi Assadollah vom Generalbundesanwalt


Assadollah Assadi war von 2003 bis 2008 Diplomat an der iranischen Botschaft im Irak, 2014 wurde er als Dritter Botschaftssekretär an der iranischen Botschaft in Wien bestätigt. Er hat in dem Jahr vor seiner Verhaftung die Örtlichkeiten in Paris ausgekundschaftet, wo das Attentat stattfinden sollte, und war auch für die Finanzierung des Anschlags zuständig. Während seiner Militärausbildung hatte Assadollah Assadi auch den Umgang mit Sprengstoffen gelernt. Zu seinen Aufgaben gehörte es, in Zusammenarbeit mit dem iranischen Außenministerium Informationen über oppositionelle Gruppen zu sammeln. Während des Verhörs drohte Assadollah Assadi den Ermittlern mit Racheakten.

Brisanter Sprengstoff
Wie Le Monde berichtet, wurde beim Versuch, den Sprengstoff zu entschärfen, ein Roboter der Armee eingesetzt. Dieser wurde dabei völlig zerstört, ein anwesender Polizeibeamter erlitt Verletzungen.

Geiselnahme
Die französischen Behörden nehmen an, dass die Verhaftung der französisch-iranischen Forscherin Fariba Adelkhah in Wirklichkeit dazu dienen sollte, die französischen Behörden unter Druck zu setzen, für die Freilassung von Assadi Assadollah zu sorgen. Offensichtlich hält man in Teheran nicht viel davon, dass Belgien ein eigenständiger Staat ist…

https://www.akhbar-rooz.com/طرح-خنثی-شدۀ-انفجار-در-گردهمائی-سازمان
vom 20. Mehr 1399 (11. Oktober 2020)
طرح خنثی شدۀ انفجار در گردهمائی سازمان مجاهدین کار حکومت ایران بود

https://de.wikipedia.org/wiki/Acetonperoxid
https://www.lemonde.fr/international/article/2018/10/10/attentat-dejoue-en-france-un-diplomate-iranien-incarcere-en-belgique_5367663_3210.html
https://www.lemonde.fr/europe/article/2018/10/02/l-allemagne-remet-un-agent-iranien-a-la-belgique_5363255_3214.html
https://www.lemonde.fr/societe/article/2020/07/15/attentat-dejoue-contre-l-opposition-iranienne-en-2018-un-proces-se-tiendra-en-belgique-a-l-automne_6046295_3224.html
https://www.lemonde.fr/international/article/2020/10/10/l-attentat-manque-de-villepinte-en-2018-a-ete-concu-par-l-iran-conclut-une-enquete-belge_6055519_3210.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Fariba_Adelkhah
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/iran-entlaesst-fariba-adelkhah-voruebergehend-aus-haft-16984948.html
vom 4.10.2020 07:23

Iran – Mohammad-Reza Shajarian – Tod eines Sängers

Mohammad-Reza Shajarian


Mohammad-Reza Shajarian (Mohammad-Resa Schadscharian) ist einer der bekanntesten iranischen Sänger der klassischen persischen Musik. Er wurde 1940 in Maschhad geboren und ist am 8. Oktober 2020 in einem Krankenhaus in Teheran an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.
Am 9. Oktober wurde auf dem Beheshte-Zahra-Friedhof in Teheran an seinem Leichnam das Gebet gesprochen, dann wurde die Leiche nach Maschhad geflogen und von dort nach Tus gebracht, wo sie am 10. Oktober auf dem Ferdousi-Friedhof beerdigt wurde.

Die Fronten zur Beerdigung des Sängers

Gewaltiges Aufgebot an Polizei und Zivilbeamten
Das Regime, dem die Beliebtheit des Sängers nicht verborgen geblieben ist, hat alles unternommen, um zu verhindern, dass die Menschenmassen, die sein Begräbnis begehen wollten, nicht zur Beerdigung kommen konnten. Es gab keine öffentlichen Verkehrsmittel von Maschhad nach Tus, so dass viele mit dem Auto kamen und die Ränder der Zufahrtsstraßen über Kilometer hinweg als Parkplätze dienten. Der Zugang zum Friedhof wurde den meisten versperrt, die Beerdigung wurde zum Teil auf Bildschirmen übertragen.

Von der Beerdigung ausgesperrt, aber präsent: Das Volk

Ein Mann von Charakter
Shajarian war nicht nur einer der bekanntesten Sänger traditioneller iranischer Musik, er zeichnete sich auch durch seine kritische Haltung gegenüber der Regierung aus. Als der nur durch Wahlbetrug wiedergewählte Präsident Ahmadineschad die protestierenden Menschen als xas-o-xa:sha:k (auf der Straße liegendes Laub und Staub) bezeichnete, sprach Shajarian von sich: Ich bin die Stimme des Staubs. Er begab sich auch nie auf die Einladungen des „Religiösen Führers“ Ajatollah Chamene’i an die Künstler und bildete sowohl seinen Sohn wie seine Tochter im traditionellen Gesang aus. Dabei will das islamistische Regime von singenden Frauen nichts wissen, mehr noch, sowohl der Vorgänger, Ajatollah Chomeini, wie sein Nachfolger, Ajatollah Chamene’i, haben eine Fatwa erlassen, in denen Musik als Haram, als religiös verwerflich und verboten bezeichnet wird. Welcher Musiker, der sein Handwerk liebt, kann sich damit anfreunden? Versteht, sich, dass der Religiöse Führer des Landes kein Wort des Beileids über den Tod von Shajarian verlor.

Tofang-at-ra zamin begzar
Leg deine Waffe auf die Erde!

Dies war eines seiner jüngeren Lieder, das sich an die einfachen Mitglieder der bewaffneten Organe des Regimes richtete. Das Lied war so eindrucksvoll, dass das Regime – damals unter Präsident Ahmadineschad – alle Mühe hatte, die Polizisten, Soldaten oder Mitglieder der Bassidschi-Milizen davon zu überzeugen, dass er ein Regimefeind sei und sie nicht auf ihn hören sollten. Denn seine Botschaft war klar: Warum wollt ihr auf uns schießen? Setzen wir uns zusammen und reden miteinander.

https://news.gooya.com/2020/10/post-44138.php
vom 10. Oktober 2020
مراسم خاکسپاری محمدرضا شجریان در آرامگاه فردوسی + روایت مردم

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=215958
vom 20. Mehr 1399 (11. Oktober 2020)
سایه بلند شجریان بر خامنه‌ای و جمهوری اسلامی ایران

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Resa_Schadscharianhttps://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Reza_Shajarianhttps://fr.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Reza_Shadjarianhttps://fa.wikipedia.org/wiki/محمدرضا_شجریان

Iran: Geistlicher Säure-Attentäter fordert Schaffung von Unsicherheit für Frauen

Freitags-Imam von Isfahan, Seyyed Yusef Tabatabai-Nezhad (76 Jahre)


Yusef Tabatabai-Nezhad (auch Tabatabai Nejad), Freitags-Imam von Isfahan, ist der Vertreter des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i in Isfahan und wurde von diesem auch in seinem Amt eingesetzt.

Säure ins Gesicht
In einer Freitagspredigt im Jahr 1393 (2014) hatte Yusef Tabatabai-Nezhad erklärt:
„Das Problem der (schlechten) Verschleierung hat inzwischen die Grenze von Ermahnungen überschritten. Im Kampf gegen die schlechte Verschleierung muss jetzt „die feuchte Rute gezückt werden“ (bayad chube tar-ra bala bord – eine Anspielung auf Schläge mit nassen Granatäpfelruten, die sehr weh tun, ohne dass die Ruten brechen), und „es müssen die zornigen Kräfte in Anspruch genommen“ werden. Sprich, vom Regime organisierte Gewalttäter sollen als „spontane“ Unbekannte zuschlagen. Unmittelbar im Anschluss an diese Predigt erhielten verschiedene Bürgerinnen dieser Stadt SMS-Mitteiliungen des Inhalts: „Den schlecht Verschleierten wird demnächst Säure ins Gesicht gespritzt.“ (ruye surate bad-hejaban asid pashide mishawad)
Kurz danach wurde mehreren Frauen von „Unbekannten“ eine Flüssigkeit ins Gesicht gesprüht, die sie stark verätzte. Bis heute hat die Polizei keinen einzigen Täter verhaftet…

Schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit!
Jetzt ist der Freitags-Imam Yusef Tabatabai-Nezhad wieder an die Öffentlichkeit getreten. Er hat eine Sitzung mit dem Stellvertreter des Vize-Direktors für „Nachrichtenwesen und Sicherheit“ des Generalstabs der bewaffneten Streitkräfte und mit dem Kommandanten der Polizeikräfte von Isfahan abgehalten, auf der er verlangte, dass für „schlecht Verschleierte“ eine „Atmosphäre der Unsicherheit“ geschaffen werden solle. Er sagte wörtlich: „Der Raum in der Gesellschaft für diese Leute, deren Zahl gering ist, muss unsicher gemacht werden. Es darf nicht zugelassen werden, dass sie einfach auf die Straße und in die Parks kommen und dort die Regeln verletzen.“ Er bezeichnete die internationalen Proteste wegen Menschenrechtsverletzungen im Iran als Einmischung in die inneren Angelegenheit und erklärte: „Die sollen sich an ihre Gesetze halten, und wir halten uns an unsere.“

Die Schafe sollen Gott fürchten
Dieser Rückfall in die aggressivsten Zeiten des Islamismus im Iran ist kein Zufall. Er steht auf einer Stufe mit der überraschenden Hinrichtung von Navid Afkari. Dahinter steht der grundlegende Gedanke, dass die „Bürger“ keine Bürger eines souveränen Staates sind, sondern Schafe, die Gott fürchten sollen. In einer Zeit, wo die Proteste immer stärker werden und der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i immer mehr ins Zentrum der Kritik gerät, gibt es in dieser Denkschule eine klare Antwort. Die Menschen, sprich die Schafe, sind auf Abwege geraten, weil sie den Religiösen Führer, den Vertreter Gottes auf Erden, nicht mehr respektieren. Das einzige, was sie von diesem Irrweg zurückbringt, ist Angst. Es ist die göttliche Mission der Geistlichen, den Schafen diese Angst einzuflößen, wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Insofern ist es kein Wunder, dass ein Vertreter des Religiösen Führers, der von diesem jederzeit abgesetzt werden könnte, wenn er dessen Meinung nicht vertritt, hier vorprescht.

Wer ist Yusef Tabatabai-Nezhad?

Und es ist auch keine Überraschung, dass Seyyed Yusef Tabatabai-Nezhad so auftritt. Er ist 1944 im Dorf Zafar-Qand in Ardastan geboren und jetzt 76 Jahre alt. Er ist Mitglied des Houze-ye Elmiye von Isfahan (das Theologische Zentrum, das über 40 theologische Seminare in der Provinz Isfahan betreibt), er war Mitglied im Expertenrat und Abgeordneter im iranischen Parlament. Kurz, er ist ein Mensch, der in einer islamistischen Geisteswelt groß geworden ist und die Welt nur durch diese eine Brille gesehen hat und sieht. Er ist Gefangener seiner Gedanken, und dies treibt ihn dazu, die anderen zu seinen Gefangenen zu machen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=215502
vom 12. Mehr 1399 (3. Oktober 2020)
امام‌ جمعه اصفهان بار دیگر زنان را تهدید کرد/ وی همانی است که با سخنان خود سبب اسیدپاشی های اصفهان شد

https://alischirasi.wordpress.com/2020/09/14/iran-navid-afkari-was-steht-hinter-der-exekution/

https://fa.wikipedia.org/wiki/سیدیوسفطباطبایی‌نژاد

Iran: Kritik im UN-Menschenrechtsrat

Der deutsche Botschafter Michael Freiherr von Ungern-Sternberg hat am Freitag, den 25. September 2020, auf der 45. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf eine Erklärung über die Verletzung der Menschenrechte im Iran im Namen von 47 Ländern abgegeben. Er kritisierte namentlich die Hinrichtung des Ringers Navid Afkari, die Todesstrafe gegen Jugendliche wie etwa Barzan Nasrollahzade, ein Angehöriger der sunnitischen Minderheit im Iran, der als Minderjähriger verhaftet wurde und dann als „Kämpfer gegen Gott“ (Moharebe) zur Hinrichtung verurteilt wurde. Er forderte unter anderem die Freilassung von Nasrin Setude, Narges Mahmudi und anderen politischen Gefangenen im Iran. Von Ungern-Sternberg war von 2013 bis 2016 deutscher Botschafter in Teheran.

Die 47 Staaten, in deren Namen der Diplomat seine Erklärung abgab, waren folgende:

Afrika: 0

Asien-Pazifik: Israel, Palau, die Marschallinseln, Neuseeland (4)

Australien (1)

Europa: (37)

Osteuropa: Albanien, Bulgarien, Estland, Finnland, Kroatien, Lettland, Litauen, (Nord)Makedonien, Moldawien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn (17)

Westeuropa: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Irland, Lichtenstein, Luxemburg, Malta, Monacco, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Zypern (20)

Kanada (1)

Südamerika und Karibische Inseln: Brasilien, Costa Rica, Honduras. (3)

Aktuelle Mitglieder im UN-Menschenrechtsrat

Im UN-Menschenrechtsrat sind jeweils 47 Staaten vertreten, jeweils eine bestimmte Anzahl pro Kontinent, die aktuelle Zusammensetzung der im Rat vertretenen Staaten ist die folgende:

Afrikanische Staaten: Angola, Burkina Faso, Kamerun, Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Lybien, Mauritanien, Namibia, Nigeria, Senegal, Somalien, Sudan, Togo (13)

Asien-Pazifik: Afghanistan, Bahrain, Bangladesh, Fidji, Indien, Indonesien, Japan, Marshallinseln, Republik Korea, Nepal, Pakistan, Philippinen, Katar (13)

Südamerika und Karibische Inseln: Argentinien, Bahamas, Brasilien, Chile, Mexiko, Peru, Uruguay, Venezuela (8)

Europa: (12)

Osteuropa: Armenien, Bulgarien, Tschechische Republik, Polen, Slowakei, Ukraine (6)

Westeuropa: Österreich, Dänemark, Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien (6)

sowie Australien, (1),

zusammen 47 Staaten.

Die politische Realität hinter dieser Erklärung

Ein Vergleich der beiden Listen ist aufschlussreich. Keine einzige afrikanische Regierung hat die Erklärung unterstützt. Von den 13 aktuellen Mitgliedern des Menschenrechtsrats aus Asien-Pazifik haben nur die Marshallinseln die Erklärung unterstützt. Zu den Nicht-Unterstützern gehören: Indien, Republik Korea (Südkorea) und Japan – alle drei waren bis zur Verhängung der Import-Sanktionen gegen den Iran im Jahr 2019 nach China die wichtigsten Importeure iranischen Erdöls. Auch Katar und Bahrain, die mit iranischen Kriegsgesten im Persischen Golf konfrontiert werden, sowie Pakistan und Afghanistan als Grenznachbarn haben sich nicht beteiligt, und es fällt auf, dass trotz der langen Liste europäischer Staaten ausgerechnet Armenien fehlt, das direkt an den Iran angrenzt. Liegt es daran, dass Armenien aus dem Iran mit Rüstungsgütern versorgt wird? Aus Lateinamerika ist Brasilien vertreten, der Erdölexporteur Venezuela dagegen nicht.

Islam in Indonesien

Was die Diplomatie nicht leisten kann

Es wurde wohl einige Mühe darauf verwendet, ebenso viele Unterstützterstaaten für die Erklärung zu finden wie der Menschenrechtsrat Mitglieder hat, aber die Unterstützung ist stark europalastig (37 von 47), und sie zeigt deutlich, dass die direkten Nachbarn des Irans sowie Staaten mit einem beträchtlichen Anteil islamischer Staatsangehöriger (Pakistan, Indonesien, Libyen, Sudan) sich schwer tun, gegen die iranische Regierung öffentlich aufzutreten. Dahinter mögen Sicherheitsbedenken stehen – der Iran ist kein gemütlicher Nachbar und rüstet auch zur Atombombe auf, es mag auch immer noch die Aura des islamischen Revolutionärs wirken, denn „immerhin“ hatten die iranischen Islamisten sich getraut, die US-Botschaft in Teheran zu besetzen. Hinzu kommt, dass es zwar sehr schön ist, wenn Israel die Erklärung unterstützt, aber wieviele Regierungen mit starkem islamischem Bevölkerungsanteil würden sich trauen, gemeinsam mit Israel eine Erklärung gegen einen islamischen Staat zu unterstützen?

Das Verdienst dieser Erklärung besteht vor allem darin, den Blick eines Teils der Medien auf die Menschenrechte im Iran zu lenken.

https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/09/28/deutscher-botschafter-kritisiert-iran/

vom 28.09.2020
UN-Menschenrechtsrat
Deutscher Botschafter kritisiert Iran

https://www.akhbar-rooz.com/حکومت-زير-فشار،-ده-ها-کشور-جهان-اعدام-نو/
vom Freitag, den 4. Mehr 1399 (25. September 2020), 15:54
حکومت زیر فشار، ده ها کشور جهان اعدام نوید افکاری را محکوم کردند

https://news.gooya.com/2020/09/post-43624.php
vom 25. September 2020
بیانیه کم سابقه ۴۷ کشور جهان درباره نقض حقوق بشر در ایران

https://unric.org/de/181019-menschenrechtsrat/
vom 18. Oktober 2019
Deutschland und 13 weitere neue Mitglieder wurden am Donnerstag in den Menschenrechtsrat gewählt

https://de.wikipedia.org/wiki/Indonesien#Religion

Iran: In Zukunft eine Präsidentin?

Faezeh Hashemi – künftige Präsidentschaftskandidatin?


Am Sonntag, den 23. August, hielt der Religiöse Führer Ali Chamene’i eine Videokonferenz für den Staatspräsidenten Hassan Rouhani und seine Minister. Seine Äußerungen und Argumente wurden noch am selben Tag von Faezeh Hashemi (Fa’ese Haschemi) in einer Tondatei aufgenommen und kritisiert, die unter anderem in die Hände der oppositionellen Webseite Iranwire gelangte.

Faezeh Hashemi
Faezeh Hashemi ist in der iranischen Politik nicht irgendwer, sondern die Tochter des früheren Präsidenten und Ziehvaters von Ali Chamene’i, also Akbar Haschemi Rafsandschani, der zugleich einer der einflussreichsten Geistlichen des Irans war. Faezeh Haschemi war früher selbst Mitglied des iranischen Parlaments und von September 2012 bis März 2013 aus politischen Gründen im Ewin-Gefängnis in Teheran inhaftiert.

Iranwire
Iranwire ist eine Webseite, die 2014 von Maziar Bahari gegründet wurde, einem iranisch-kanadischen Journalisten, Filmemacher und Menschenrechtler, der von 1998 bis 2011 für Newsweek arbeitete und von Juni bis Oktober 2009 in Haft war.

Kapitalflucht
Der Religiöse Führer Ali Chamene’i hatte in seiner sonntäglichen Videokonferenz kritisiert, dass viele Iraner ihr Kapital in ein Land in der Nachbarschaft des Irans bringen und dort vor allem Immobilien kaufen. Der Religiöse Führer verlangte von der Regierung, sie solle diese Praxis stoppen. Faezeh Hashemi beging gleich mehrere Tabubrüche. Sie nannte das Land, das gemeint war, beim Namen, nämlich die Türkei. Und dann ging sie in die Vollen. Sie sagte: „Wenn wir dagegen protestieren wollen, müssen wir uns erst einmal selbst anschauen und uns fragen, was denn geschehen ist, dass die Iraner sich gezwungen sehen, ihr Geld woanders zu investieren? Das fällt auf unsere eigene Politik zurück. Wenn unsere Politik nicht im Interesse des Volkes ist, wenn sie die wirtschaftliche Sicherheit beeinträchtigt, wenn wir uns ständig im verbalen Krieg mit den anderen befinden, wenn in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht kein Gefühl der Sicherheit herrscht und unsere nationale Währung ständig an Wert verliert, dann hat das mit unserer Außenpolitik und mit unserem Missmanagement in der Wirtschaft zu tun. Da ist es nur natürlich, dass die Menschen auf ihr Geld achten und es woanders investieren.“ Mit diesen Worten zeigt sie nicht nur, dass die geforderten Maßnahmen des Religiösen Führers nur auf die Oberfläche zielen und nicht am Grund der Kapitalflucht. Mehr noch, sie macht den Religiösen Führer direkt für die Kapitalflucht verantwortlich. Denn die Grundlinien der iranischen Außenpolitik bestimmt nach der iranischen Verfassung nicht die Regierung, nicht der Staatspräsident, sondern der Religiöse Führer. Als Tochter eines Ajatollahs aus dem Zentrum der Macht ist ihr das sehr wohl bewusst.

Import von I-Phones
An anderer Stelle kritisierte Ali Chamene’i den Import von I-Phones aus den USA. Es seien Luxusartikel, für die 1398 (2019) eine halbe Milliarde Dollar ausgegeben worden seien. Der Religiöse Führer Chamene’i räumte zwar ein, dass diese Importe vom Privatsektor getätigt wurden, aber die Regierung müsse das unterbinden. Faezeh Hashemi ließ das Argument durchaus gelten, dass die Verringerung des Imports von Luxusgütern Auswirkung auf den Import wichtiger Waren haben könne, aber es sei nicht gesagt, dass diejenigen, die sich ein I-Phone kaufen, dies mit Hilfe vom Staat erwirtschafteter Devisen täten. Es sei sicher richtig, dass die staatlichen Devisen nur für den Import notwendiger Artikel verwendet würden. Sie fährt weiter: „Aber wenn ich als Händler mit Geld aus der eigenen Tasche Waren importiere und im Inland eine Nachfrage existiert, macht ein Verbot keinen Sinn.“ Das Argument ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Faezeh verteidigt hier die Interessen des Privathandels, also des Basars, der zu den traditionellen finanziellen Stützen der Geistlichkeit gehört, und wenn man bedenkt, dass der Schmuggel von Konsumgütern zu den wesentlichen Tätigkeiten der Revolutionswächter (Pasdaran) gehört, greift sie gleichzeitig auch noch deren monopolisierende Stellung im Handel an.

Embargo: Immer sind die andern schuld
Bei der Gelegenheit greift Faezeh Hashemi auch die Worte von Baqer Noubakht (Noubacht) an, das ist der Direktor der staatlichen Planungs- und Budgetbehörde (sazemane barname wa budje). Er hatte am Samstag in Hinblick auf die US-Handelssanktionen erklärt: „Unter den jetzigen Bedingungen können wir nicht einmal Öl exportieren, um im Gegenzug Nahrungsmittel zu importieren, ja, nicht einmal im Austausch gegen Medikamente können wir Öl exportieren.“
Die Kritik an seinen Worten richtet sich ebenfalls gegen den Religiösen Führer, denn es ist er, der das Embargo gerne für alle wirtschaftlichen Übel verantwortlich macht. Faezeh Hashemi sagt dazu, dass das Embargo bei den Verantwortlichen der Islamischen Republik dazu diene, die Spuren zu verwischen und anderen die Schuld zuzuweisen. „Wenn wir mit den Worten von Herrn Noubacht kein Öl mehr verkaufen können, dann liegt das nicht an den Sanktionen, sondern hauptsächlich daran, dass wir uns der FITF-Konvention nicht angeschlossen haben.“ (Gemeint ist wohl die International Convention for the Suppression of the Financing of Terrorism.

Mangel an Medikamenten als politisches Kalkül
Faezeh Hashemi entlarvt es als politisches Märchen, dass der Mangel an Medikamenten, der für alle kranken Iraner schmerzhaft zu spüren ist, auf das Embargo zurückgehe. Sie sagt: „Übrigens wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass der Import von Medikamenten kein Problem sei. Die Schweiz ist sogar als Wahrer der (iranischen) Interessen auf den Plan getreten. Aber darauf ist niemand eingegangen und so hat das zu nichts geführt.“ Mit anderen Worten, Faezeh macht deutlich, dass in einer Frage, wo es für so manche Iraner um Leben und Tod geht, die Kooperationsbereitschaft des Westens ignoriert wurde, damit die Machthaber – Ajatollah Chamene’i eingeschlossen – das Ausland bequem als menschenverachtende Erpresser darstellen können. Als Frau des Establishments hat Faezeh Zugang zu solchen Informationen, denn woher sollte ein durchschnittlicher Iraner wissen, dass die Schweiz in dieser Frage eine Vermittlerposition bezogen hat?

Embargos wozu?
Faezeh Hashemi stellt die zentrale Frage: „Wenn die Embargos so schlecht sind, warum muss unser Verhalten heute, über vierzig Jahre nach der Revolution, so ausfallen, dass wir derartige Embargos auf uns laden? Was ist denn der Unterschied etwa zwischen Amerika, England oder Frankreich? Unterscheiden sich den Amerika und Russland oder Amerika und China irgendwie? Waren Russland und China denn unsere Freunde, dass wir ihnen jetzt so nahe gerückt sind und den Westen als Feind betrachten? Unsere Diplomatie muss mit der ganzen Welt Kontakt halten. Unsere falsche Politik hat uns dorthin gebracht, dass wir Tag für Tag mehr unter Druck geraten. Diese Politik hat kein Ziel und keinen Zweck. Wenn ein Ziel dahinter stünde, wenn es sich durch positive Auswirkungen auf unsere Freiheiten, unser Wachstum und unseren Fortschritt ausgewirkt hätte, dann wäre das ja noch akzeptabel. Aber eine Politik, die uns täglich mehr zurückwirft und unsere Probleme vermehrt hat, eine Politik, die von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt würde, wenn ein Referendum darüber abgehalten würde, warum soll so eine Politik fortgeführt werden? Wenn wir diese Politik, die uns so viele Probleme beschert hat, weiterführen, führt das nur zu weiterem Fehlmanagement und Fehlern unsererseits.“

Politik ohne Ziel?
Faezeh Hashemi stellt hier die gesamte Zielrichtung der iranischen Außenpolitik seit der Revolution in Frage. Sie tut dies in einer Form, die den Eindruck erweckt, sie verfolge eine demokratische Politik (Referendum über die Außenpolitik), aber so massiv ihre Kritik ist, sie vermeidet die Frage nach dem Grund, mehr noch, sie tut so, als gäbe es keinen Grund für die Politik. Dass schon Ajatollah Chomeini die Schaffung von internationalen Krisen und Drohungen (wir erinnern nur an die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran oder das Thema Revolutionsexport via Hisbullah und Co) als ein wesentliches Mittel zum Machterhalt der Geistlichkeit eingesetzt hat, thematisiert sie nicht. Auch der Bau der Atombombe, ein wesentlicher Bestandteil der Außenpolitik von Ajatollah Chamene’i, fällt unter diese Art, Politik zu betreiben. Wenn Faezeh Hashemi das nicht ausspricht, was gerade sie wissen müsste, heißt es, dass ihre Kritik nicht an den Grundfesten des islamischen Regimes rütteln soll. Dann müsste sie nämlich den Begründer der Islamischen Republik Ajatollah Chomeini angreifen, nicht Chamene’i. Sie unterwirft die Außenpolitik der Islamischen Republik einer rationalen Kritik aus der Sicht der Nützlichkeit für die Bevölkerung, aber seit wann muss Politik dem Volk dienen? Sie dient jedem Politiker dem Erhalt und der Mehrung seiner Macht. Die Frage ist doch, ob diese Außenpolitik aus der Sicht des Machterhalts nicht doch erfolgreich war. Und die Frage wirft sie lieber nicht auf.

Unterdrückung hilft nur kurzfristig
Faezeh Hashemi kritisiert auch die jüngsten Todesurteile und schweren Gefängnisstrafen, die im Iran verhängt wurden, namentlich gegen die Unterzeichner der Erklärung der 77. In dieser Erklärung hatten 77 Persönlichkeiten die Verfolgung der Straßenproteste vom November 2019 kritisiert. Faezeh Hashemi: „Der Hauptgrund für solche Urteile (…) ist die Angst, die ein Teil der Machthaber und unseres Systems vor dem Rebellieren und den Protesten der Bevölkerung haben. (…) Diese schweren Urteile sollen Angst und Panik unter der Bevölkerung verbreiten, damit sie sehen, was einem passiert, wenn man protestiert und kritisiert. Auch das ist eine falsche Politik, denn sie kann zwar kurzfristig wirken, aber mittel- und langfristig ist es umgekehrt und solche Vorfälle werden immer mehr.“

Wie ist das möglich?
Die unverhüllte und direkte Kritik von Faezeh Hashemi ist nicht möglich ohne Unterstützung aus den obersten Etagen der Macht. Sonst hätte man sie nach der Veröffentlichung dieser Tondatei sofort verhaftet, so wie viele anderen Kritiker schon längst mundtot gemacht wurden. Die Erfahrung mit der Scheindemokratie im Wahlkampf von Mussawi, Karubi und Ahmadineschad zeigt deutlich, was für ein Kalkül hinter dem Zulassen solcher kritischen Worte stehen könnte. Aufgrund der schlechten Erfahrungen, die die Menschen machen, wenn sie grundlegende Kritiker des islamischen Systems unterstützen, könnte die Tatsache, dass so eine prominente Frau derart handfeste Kritik übt, einen beachtlichen Teil der Bevölkerung zum Schluss veranlassen, dass sie eine Gegnerin von Ajatollah Chamene’i ist und dass eine Unterstützung für Faezeh Hashemi bei den nächsten Präsidentschatswahlen eine Änderung bewirkt, ohne dass man sich als Wähler den Gefahren aussetzt, die bei einer Unterstützung anderer Richtungen zu beobachten sind. Vielleicht bereiten sich die Strategen des Regimes schon auf die nächsten Präsidentschaftswahlen vor. Wir werden es sehen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Maziar_Bahari

https://de.wikipedia.org/wiki/Faezeh_Haschemi

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=213056
vom 3. Schahriwar 1399 (24. August 2020)
انتقاد فائزه هاشمی از سخنان علی خامنه‌ای؛ سیاست‌های غلط، سوء مدیریت و ترس از شورش

Qom: Heiligtum der Ma’sume geschlossen

Dies ist eine Seitentür des Ma’sume-Heiligtums in Qom, die angeblich von Protestierenden aufgebrochen wurde. Der „Bruch“ sieht sehr sauber aus. Kam der „Angriff“ von innen?


Ma’sume, die Schwester von Imam Resa, ist in Qom begraben. Imam Resa ist in Maschhad begraben. Die Gräber der beiden sind wichtige Wallfahrtsorte der Schiiten im Iran und zugleich wichtige Wirtschaftszentren der religiösen Stiftungen, die nach der Revolution von 1979 viele Ländereien und Firmen von Schahanhängern übernommen haben.
Qom war im Iran ein wichtiger Startpunkt für die Ausbreitung des Coronavirus, ebenso Maschhad, denn in religiösen Zentren drängen sich die Menschen um die Heiligenschreine, ein günstiger Umstand für die Ausbreitung von Viren. Die Geistlichkeit in beiden Städten, die ihre Pfründe in Gefahr sahen, denn die Pilger lassen eine Menge Geld zurück, hat ihr bestes getan, damit namentlich über Qom keine Quarantäne verhängt wird. Mit Erfolg: Der Virus konnte sich von Qom aus im ganzen Land ausbreiten. Und auch in der Provinz Chorasane Razavi, in der Stadt Maschhad, sind amtlich 230 Menschen vermutlich am Coronavirus gestorben.
Jetzt wurde das Heiligtum der Ma’sume in Qom geschlossen. Darauf haben einige Gläubige oder sogenannte Unbekannte, die im Auftrag der Geistlichkeit handeln, eine dieser Türen wieder aufgebrochen, aus Protest gegen die Schließung. Auch jetzt noch kommen viele Menschen zu diesem Heiligtum.

https://www.radiofarda.com/a/breaking-the-door-of-a-religious-place-in-qom/30491072.html
vom 24. Esfand 1398 (16. März 2020)
کرونا؛ معترضان درِ حرم «حضرت معصومه» را برای جلوگیری از تعطیلی آن شکستند

Iran: Nach 41 Jahren größte Alkoholfabrik des Nahen Ostens wieder eröffnet


Wie die amtliche iranischen Medien berichten, wurde jetzt die Brauerei und Alkoholfabrik Shams wieder in Betrieb genommen. Sie war im Verlauf der Revolution von 1979 zweimal in Brand gesetzt worden und musste dann schließen. Damals wurde eine ganze Batterie von Koran-Versen aufgefahren, um die Schließung der größten Alkoholfabrik des Nahen Ostens zu rechtfertigen. Wie flexibel Religionen im Umgang mit der Überlieferung sind, zeigt sich jetzt im Zuge der Coronavirus-Epidemie. Alkohol wird in den Krankenhäusern zur Desinfektion benötigt und ist auch Bestandteil diverser Medikamente. Und so kommt es, dass diese Fabrik nach 41 Jahren Stillstand die Produktion wieder aufnehmen darf. Laut Berichten produziert sie 22.000 Liter Alkohol am Tag, in drei Schichten, sie liefert Alkohol für den Bedarf der Krankenhäuser im Umfang von 4000 Litern pro Tag.
Jetzt wäre es interessant zu sehen, was für Rechtfertigungen die islamischen Theologen im Iran liefern, um die Wiedereröffnung zu begründen. Dann könnte man am lebenden Beispiel sehen, wie aus ein und dem selben Text samt Kommentaren die gegensätzlichsten Positionen abgeleitet werden. Leider fehlen uns für diesen Vergleich Berichte darüber, wie die Theologen derzeit damit umgehen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=202114
vom 21. Esfand 1398 (11. März 2020)
کرونا کارخانه «آبجوسازی شمس» را بعد از ۴۱ سال بازگشایی کرد

Iran: und diese Toten, gehen die auch auf die Kappe des Corona-Virus?


Es ist ja inzwischen ein beliebter internationaler Sport geworden, die Zahlen der Erkrankten und Verstorbenen am Corona-Virus zu zählen und zu addieren. Im Iran sind nun über 200 Vergiftungen mit Methanol, davon mindestens 28 mit tödlichem Ausgang, bekannt geworden. Der Grund dafür ist das Gerücht ist, dass Alkohol gut gegen den Corona-Virus ist.

Sicherheitshinweise für Methanol – kein harmloser Zeitgenosse

Alkohol – stets zu trinken?

Das wurde von manchen so verstanden, dass man den Alkohol trinken müsse. Und das wurde von manchen so verstanden, dass sie glaubten, jeder Alkohol sei Alkohol. Chemisch mag das ja stimmen, als eine Gruppe organischer Verbindungen, aber Methanol ist nicht Ethanol und dies keinPropanol und kein Isopropanol. In Desinfektionsmitteln kann man die drei letztgenannten zwar finden, aber Methanol ist da nicht üblich. Immerhin ist es selbst als Gift eingstuft, das rasch zum Erblinden führt, wenn man es trinkt.

20 Tote in Ahwas, 8 Tote in Karadsch, andere Städte halten die Zahl geheim
In den letzten Tagen sind in Ahwas 20 Menschen an Methanolvergiftung gestorben, 8 weitere in Karadsch, weil sie dem Gerücht glaubten, dass „Alkohol“ gut gegen den Virus sein. Laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA kamen allein in Ahwas über 200 Menschen wegen Methanolvergiftung ins Krankenhaus. Farhad Abulnezhadiyan, Rektor der Medizinischen Hochschule von Ahwas, drückte dies am 8. März so aus: „Es sollte nicht so sein, dass die Zahl der durch die Anwendung von Alkohol (gemeint ist Methanol) verstorbenen Menschen höher wird als die der Corona-Opfer…

Goldene Zeiten für Quacksalber
In einem Land, in dem Arzneimittel häufig nur noch gegen horrende Dollarbeträge als Importware für die Angehörigen der Kranken erhältlich sind, gedeiht natürlich auch die sogenannten Volksmedizin. Im Iran mischt da auch die Geistlichkeit munter mit. So gibt es einen Ajatollah Abbas Tabriziyan, der sich selbst als „Vater der islamischen Medizin“ bezeichnet und auch einen eigenen Telegram-Kanal betreibt. Von ihm stammt die Empfehlung, sich vor dem Schlafengehen einen mit Veilchenöl getränkte Wattebausch in den Anus einzuführen, um den Corona-Virus zu bekämpfen…

Peitschenhiebe statt Veilchenöl
Als mehrere Ärzte gegen diesen Ratschlag des hochrangigen Quacksalbers protestierten, brachte er sie von den Richter. Mit Erfolg. Sie wurden zu 60 Peitschenhieben auf die Fußsohle verurteilt. Was einmal mehr beweist, dass die schlimmste Krankheit im Iran nicht der Corona-Virus ist, sondern die Geistlichkeit.

https://www.radiofarda.com/a/iran-coronavirus-alcohol/30477368.html
vom 19. Esfand 1398 (9. März 2020)
مصرف الکل صنعتی «با هدف جلوگیری از کرونا» جان ۲۷ نفر را گرفت؛ توزیع «داروی امام کاظم» در شهرها

https://de.wikipedia.org/wiki/Methanol