Qom: Heiligtum der Ma’sume geschlossen

Dies ist eine Seitentür des Ma’sume-Heiligtums in Qom, die angeblich von Protestierenden aufgebrochen wurde. Der „Bruch“ sieht sehr sauber aus. Kam der „Angriff“ von innen?


Ma’sume, die Schwester von Imam Resa, ist in Qom begraben. Imam Resa ist in Maschhad begraben. Die Gräber der beiden sind wichtige Wallfahrtsorte der Schiiten im Iran und zugleich wichtige Wirtschaftszentren der religiösen Stiftungen, die nach der Revolution von 1979 viele Ländereien und Firmen von Schahanhängern übernommen haben.
Qom war im Iran ein wichtiger Startpunkt für die Ausbreitung des Coronavirus, ebenso Maschhad, denn in religiösen Zentren drängen sich die Menschen um die Heiligenschreine, ein günstiger Umstand für die Ausbreitung von Viren. Die Geistlichkeit in beiden Städten, die ihre Pfründe in Gefahr sahen, denn die Pilger lassen eine Menge Geld zurück, hat ihr bestes getan, damit namentlich über Qom keine Quarantäne verhängt wird. Mit Erfolg: Der Virus konnte sich von Qom aus im ganzen Land ausbreiten. Und auch in der Provinz Chorasane Razavi, in der Stadt Maschhad, sind amtlich 230 Menschen vermutlich am Coronavirus gestorben.
Jetzt wurde das Heiligtum der Ma’sume in Qom geschlossen. Darauf haben einige Gläubige oder sogenannte Unbekannte, die im Auftrag der Geistlichkeit handeln, eine dieser Türen wieder aufgebrochen, aus Protest gegen die Schließung. Auch jetzt noch kommen viele Menschen zu diesem Heiligtum.

https://www.radiofarda.com/a/breaking-the-door-of-a-religious-place-in-qom/30491072.html
vom 24. Esfand 1398 (16. März 2020)
کرونا؛ معترضان درِ حرم «حضرت معصومه» را برای جلوگیری از تعطیلی آن شکستند

Iran: Nach 41 Jahren größte Alkoholfabrik des Nahen Ostens wieder eröffnet


Wie die amtliche iranischen Medien berichten, wurde jetzt die Brauerei und Alkoholfabrik Shams wieder in Betrieb genommen. Sie war im Verlauf der Revolution von 1979 zweimal in Brand gesetzt worden und musste dann schließen. Damals wurde eine ganze Batterie von Koran-Versen aufgefahren, um die Schließung der größten Alkoholfabrik des Nahen Ostens zu rechtfertigen. Wie flexibel Religionen im Umgang mit der Überlieferung sind, zeigt sich jetzt im Zuge der Coronavirus-Epidemie. Alkohol wird in den Krankenhäusern zur Desinfektion benötigt und ist auch Bestandteil diverser Medikamente. Und so kommt es, dass diese Fabrik nach 41 Jahren Stillstand die Produktion wieder aufnehmen darf. Laut Berichten produziert sie 22.000 Liter Alkohol am Tag, in drei Schichten, sie liefert Alkohol für den Bedarf der Krankenhäuser im Umfang von 4000 Litern pro Tag.
Jetzt wäre es interessant zu sehen, was für Rechtfertigungen die islamischen Theologen im Iran liefern, um die Wiedereröffnung zu begründen. Dann könnte man am lebenden Beispiel sehen, wie aus ein und dem selben Text samt Kommentaren die gegensätzlichsten Positionen abgeleitet werden. Leider fehlen uns für diesen Vergleich Berichte darüber, wie die Theologen derzeit damit umgehen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=202114
vom 21. Esfand 1398 (11. März 2020)
کرونا کارخانه «آبجوسازی شمس» را بعد از ۴۱ سال بازگشایی کرد

Iran: und diese Toten, gehen die auch auf die Kappe des Corona-Virus?


Es ist ja inzwischen ein beliebter internationaler Sport geworden, die Zahlen der Erkrankten und Verstorbenen am Corona-Virus zu zählen und zu addieren. Im Iran sind nun über 200 Vergiftungen mit Methanol, davon mindestens 28 mit tödlichem Ausgang, bekannt geworden. Der Grund dafür ist das Gerücht ist, dass Alkohol gut gegen den Corona-Virus ist.

Sicherheitshinweise für Methanol – kein harmloser Zeitgenosse

Alkohol – stets zu trinken?

Das wurde von manchen so verstanden, dass man den Alkohol trinken müsse. Und das wurde von manchen so verstanden, dass sie glaubten, jeder Alkohol sei Alkohol. Chemisch mag das ja stimmen, als eine Gruppe organischer Verbindungen, aber Methanol ist nicht Ethanol und dies keinPropanol und kein Isopropanol. In Desinfektionsmitteln kann man die drei letztgenannten zwar finden, aber Methanol ist da nicht üblich. Immerhin ist es selbst als Gift eingstuft, das rasch zum Erblinden führt, wenn man es trinkt.

20 Tote in Ahwas, 8 Tote in Karadsch, andere Städte halten die Zahl geheim
In den letzten Tagen sind in Ahwas 20 Menschen an Methanolvergiftung gestorben, 8 weitere in Karadsch, weil sie dem Gerücht glaubten, dass „Alkohol“ gut gegen den Virus sein. Laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA kamen allein in Ahwas über 200 Menschen wegen Methanolvergiftung ins Krankenhaus. Farhad Abulnezhadiyan, Rektor der Medizinischen Hochschule von Ahwas, drückte dies am 8. März so aus: „Es sollte nicht so sein, dass die Zahl der durch die Anwendung von Alkohol (gemeint ist Methanol) verstorbenen Menschen höher wird als die der Corona-Opfer…

Goldene Zeiten für Quacksalber
In einem Land, in dem Arzneimittel häufig nur noch gegen horrende Dollarbeträge als Importware für die Angehörigen der Kranken erhältlich sind, gedeiht natürlich auch die sogenannten Volksmedizin. Im Iran mischt da auch die Geistlichkeit munter mit. So gibt es einen Ajatollah Abbas Tabriziyan, der sich selbst als „Vater der islamischen Medizin“ bezeichnet und auch einen eigenen Telegram-Kanal betreibt. Von ihm stammt die Empfehlung, sich vor dem Schlafengehen einen mit Veilchenöl getränkte Wattebausch in den Anus einzuführen, um den Corona-Virus zu bekämpfen…

Peitschenhiebe statt Veilchenöl
Als mehrere Ärzte gegen diesen Ratschlag des hochrangigen Quacksalbers protestierten, brachte er sie von den Richter. Mit Erfolg. Sie wurden zu 60 Peitschenhieben auf die Fußsohle verurteilt. Was einmal mehr beweist, dass die schlimmste Krankheit im Iran nicht der Corona-Virus ist, sondern die Geistlichkeit.

https://www.radiofarda.com/a/iran-coronavirus-alcohol/30477368.html
vom 19. Esfand 1398 (9. März 2020)
مصرف الکل صنعتی «با هدف جلوگیری از کرونا» جان ۲۷ نفر را گرفت؛ توزیع «داروی امام کاظم» در شهرها

https://de.wikipedia.org/wiki/Methanol

Irak: Frauen protestieren gegen Geschlechtertrennung

Die Trennung von Religion und Staat ist um vieles besser als die Trennung von Männern und Frauen! (das steht auf Arabisch auf dem Plakat)


Moqtada Sadr, einer der politischen Führer der Schiiten im Irak, der seit dem Sturz von Saddam Hossein massive militärische und finanzielle Unterstützung aus dem Iran erhalten hat, hat kürzlich die Demonstranten im Irak aufgefordert, in den Zelten, die die Demonstranten bei länger dauernden Protesten aufschlagen, die Trennung der Geschlechter einzuhalten, auf den öffentlichen Plätzen keinen Alkohol zu konsumieren und die religiösen Vorstellungen nicht zu beleidigen. Moqtada Sadr soll erklärt haben, dass die Teilnahme von Frauen an den Protesten unmoralisch sei und eine religiös nicht gestattete Vermischung von Männern und Frauen sei.
Darauf sind Tausende von Irakerinnen auf die Straße gegangen, um gegen die Äußerungen des Geistlichen zu protestieren.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=200378
vom 25. Bahman 1398 (14. Februar 2020)
عکس / پاسخ زنان عراقی به مقتدی صدر در مورد ‚زنانه مردانه شدن‘ تظاهرات ضد دولتی

Irans „Kämpfer ohne Grenzen“

Das Wappen der Pasdaran (Revolutionswächter)


Manchmal dauert es länger, bis die Wahrheit an den Tag kommt. Jetzt hat die Nachrichtenagentur Fars, die das Sprachrohr der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) ist, zwei Artikel unter folgender Überschrift veröffentlicht:

General Ahmad Wahidi, der erste Befehlshaber der Qods-Streitkräfte

رزمندگان بدون مرز را بهتر بشناسید
Lernen Sie die Kämpfer ohne Grenzen näher kennen.

Kämpfer ohne Grenzen: Die Qods-Streitkräfte sind weltweit präsent im „Kampf für die Entrechteten“

Kämpfer ohne Grenzen
Diesen Begriff hat Ajatollah Chamene’i auf seiner Freitagsansprache nach der Ermordung von General Qasem Soleymani geprägt, dem langjährigen Kommandanten der Qods-Streitkräfte der Pasdaran. Ein griffiger Ausdruck: Da gibt es die „Reporter ohne Grenzen“, die „Ärzte ohne Grenzen“, die unter Einsatz ihres Lebens in gefährlichen Situationen aktiv werden, und jetzt definiert der oberste iranische Geistliche schlichtweg die Täter, den Führer des Auslandsterrors, ebenfalls als „ohne Grenzen“, hier eben „Kämpfer ohne Grenzen.“

Wie Morad Weissi, ein iranischer Journalist, der den Artikel analysiert hat, schreibt, wird hierbei erstmals offiziell von einer Agentur der Pasdaran bekannt gegeben, was die iranischen wie auch die syrischen Machthaber bislang bestritten haben.

Iran unterstützt die syrische Regierung: Im Zentrum der Qods-Befehlshaber General Soleimani

Irans Beitrag zur Repression in Syrien
Als es während des arabischen Frühlings auch in Syrien zu Protesten gegen die Regierung kam, war es die Qods-Streitkraft der iranischen Pasdaran, die ebenso wie die iranische Polizei den syrischen Sicherheitskräften zu Hilfe kamen, um die Straßenproteste zu unterdrücken. Damals, im Jahr 2011, versorgte der Iran die syrischen Sicherheitskräfte mit Waffen zur Bekämpfung von Unruhen, syrische Geheimdienstoffiziere wurden von den Qods-Kräften in den Iran geschickt, wo sie eine Ausbildung in Geheimdienstarbeit (Informationsbeschaffung) und „Krisenbekämpfung“ erhielten. Die Brutalisierung der Bekämpfung der Proteste Dank dieser Schulungen und Waffenhilfe trug ihren Teil dazu bei, dass die Unruhen in Syrien in einen Bürgerkrieg mündeten. Und seitdem sind die iranischen Qods-Streitkräfte und andere bewaffneten Institutionen mit dabei.

Raketen der iranischen Pasdaran für Hamas im Ghaza-Streifen

Schmuggel von Raketen in den Ghaza-Streifen
Ebenfalls im zweiten Artikel wird ein anderes Detail zugegeben, dass bislang immer bestritten hat. Dass nämlich die iranischen Pasdaran die palästinensische Hamas im Ghaza-Streifen mit Raketenteilen versorgt haben, die diese dann zusammensetzte und gegen Israel im Krieg vom Dezember 2008 einsetzte. Der Stratege im Hintergrund war damals General Qasem Soleymani, der vom Libanon aus die Fäden zog.

https://www.radiofarda.com/a/report-shows-Iran-police-was-involved-in-Syrian-protests-suppression-in-2011/30398942.html
vom 7. Bahman 1398 (27. Januar 2020)
افشای مشارکت پلیس ایران در سرکوب‌ اعتراض‌های سوریه

Bericht von Morad Weissi

https://basijnews.ir/fa/news/9210837/رزمندگان-بدون‌مرز-را-بهتر-بشناسید
vom 5. Bahman 1398 (25. Januar 2020)

https://www.farsnews.ir/news/13981105000470/رزمندگان-بدون‌-مرز-را-بهتر-بشناسید-نیروی-قدس-سپاه-چگونه-شکل-گرفت
vom 5. Bahman 1398 (25. Januar 2020)

https://www.farsnews.ir/news/13981106000522/رزمندگان-بدون-مرز-در-میدان-رزم-نیروی-قدس-در-کدام-جنگ‌ها-حضور-یافت
vom 6. Bahman 1398 (26. Januar 2020)

Iran: Neuer Vize für den Auslandsterror

General Seyyed Mohammad Hedschasi (Hejazi), stellvertretender Kommandant der Quds-Streitkräfte der Pasdaran

Die Qods-Streitkräfte der Pasdaran (Revolutionswächter) sind eine Spezialeinheit der Revolutionswächter für Kriegsführung im Ausland (Irak, Syrien, Libanon u.a.) und für die Ermordung politischer Gegner im Ausland. Kurz nach dem Tod von General Soleimani im Irak hatte Ajatollah Chamene’i General Esma’il Ghaani zum neuen Chef der Qods-Streitskräfte ernannt. Jetzt, am 20. Januar 2020, folgte ihm Brigadegeneral Seyyed Mohammad Hosseinsade Hedschasi (Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi) als neuer Stellvertreter der Qods-Streitkräfte. Er ist also jetzt die Nummer 2 dieser Einheit.

Wer ist Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi?
Geboren wurde er 1956 in Isfahan. Im Mai 1979, also bald nach der Revolution, wurde er Mitglied der neu gegründeten Revolutionswächter. Während des iranisch-irakischen Krieges war er für die Versendung von „Volkskräften“ an die Südfront verantwortlich. Sprich, er war auch daran beteiligt, Kinder und Jugendliche an die Front zu schicken. Von 1997-2007 (1376-1386 iran. Kalender) war er Oberbefehlshaber der Bassidschi-Milizen.

Berater des Religiösen Führers?
Die englische Wikipedia gibt unter Berufung auf das American Jewish Committee (Barsky, Yehudit, May 2003, Hizballah) an, dass Mohammad Hejazi als Sicherheits- und Geheimdienstberater von Ajatollah Chamene’i auch an einem Treffen zur Planung des AMIA-Bombenanschlags in Buenos Aires (erfolgte 1994) beteiligt gewesen sei. In der noch zugänglichen Datei ist er unter dem Namen Hijazi aufgeführt. Ob es sich um Fakten handelt, ist schwer überprüfbar, da Geheimdienste egal welcher Zugehörigkeit nicht dafür bezahlt werden, die Wahrheit zu sagen.

Erfahrung im Libanon?
2019 gab Jonathan Conricus laut Meldung von news.gooya (ihrerseits auf Radio Farda verweisend) bekannt, dass Mohammad Hejazi das Kommando über die Qods-Streitkräfte im Libanon ausübt und auch für das Programm zur Herstellung von Raketen im Libanon verantwortlich ist. Jonathan Conricus ist laut der englischen Wikipedia der Leiter der Abteilung für Auslandsmedien des Pressebüros der „Israelischen Verteidigungskräfte“. Das bedeutet, dass es sich im Grunde um eine militärische Quelle für diese Angabe handelt, was die Glaubwürdigkeit nicht erhöht.

Erfahrung mit der Unterdrückung der Kurden
Die persische Wikipedia weist auch ohne Quellenangabe darauf hin, dass er für die Unterdrückung der Kurdenproteste in den kurdischen Provinzen und im kurdischen Teil der Provinz West-Aserbaidschan verantwortlich war.

Seite an Seite mit den Wahlfälschern von 2009
Im Jahr 2009, als Ahmadineschad dank einer massiven Wahlfälschung auf Anweisung des Religiösen Führers Chamene’i ein zweites Mal zum Präsidenten „gewählt“ wurde, spielte Mohammad Hejazi eine wichtige Rolle als Befehlshaber des Thar-ollah Stützpunkts der Pasdaran in der Hauptstadt Teheran. Er gab laut mündlichen Quellen damals den Befehl, dass die Bassidschi-Motorradfahrer und die Jeeps der Pasdaran straflos die Demonstrierenden überfahren dürfen. Dieser Befehl wurde bekannt, als es später vereinzelt zu Gerichtsverhandlungen kam, auch wenn dabei der Autor nicht genannt wurde.

https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Hejazi
https://fa.wikipedia.org/wiki/سیدمحمدحجازی
https://en.wikipedia.org/wiki/IDF_Spokesperson%27s_Unit
https://news.gooya.com/2020/01/post-34417.php
vom 20. Januar 2020
جانشین جدید فرمانده نیروی قدس سپاه پاسداران، سید محمد حجازی کیست

Iran nach dem Flugzeugabschuss

Demonstration an der Pole Hafez (Hafis-Brücke) in Teheran


Vergangenen Mittwoch, den 8. Januar 2020, wurde im Iran ein ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen. Dabei kamen 176 Menschen ums Leben, keiner überlebte den Absturz. Unter den Toten befanden sich zahlreiche iranische Studenten, die in Kanada studieren und die in der Ukraine in ein Flugzeug umgestiegen wären, das nach Kanada flog.
Die amtlichen iranischen Stellen behaupteten erst, das Flugzeug sei aufgrund eines Motordefekts abgestürzt, was von ukrainischer Seite dementiert wurde. Ein paar Tage später kam ans Licht, dass die Revolutionswächter (Sepahe Pasdaran) das Flugzeug mit einer Rakete abgeschossen hatten. Dies wurde auf einen „menschlichen Fehler“ zurückgeführt.
Diese Erklärung löste im Iran am Samstag Proteste an zahlreichen Universitäten im ganzen Land aus. Am Sonntag kam es auch zu Kundgebungen in den Städten außerhalb des jeweiligen Uni-Geländes. Die Proteste hielten auch am Montag noch an. Straßenproteste gab es unter anderem in Teheran, Maschhad, Ahwas, Isfahan, Tabris, Gorgan, Sanandadsch, Kermanschah, Schiras, Qaswin, Semnan, Damghan, Yasd, Scharud, Amol und Babol.
Um zu verhindern, dass sich Menschen der Protestkundgebung am Freiheitsplatz (Meydane Azadi) in Teheran anschließen, haben die bewaffneten staatlichen Kräfte die entsprechenden Metroausgänge geschlossen und die Züge am Halt gehindert, so dass die Passagiere in der Metro gefangen waren.

Protestkundgebung in der Ostad-Mo’in-Straße in Teheran

Die Parolen
Wenn im folgenden vom „Führer“ die Rede ist, ist damit der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i gemeint, der als Staatsoberhaupt, Oberhaupt der Streitkräfte und als Vertreter der „Herrschaft des Rechtsgelehrten“ formal sämtliche Macht auf sich vereinigt.

Die Parolen, die auf Kundgebungen in Teheran gerufen wurden, lauteten z.B.
«ننگ ما، ننگ ما، رهبر الدنگ ما»
nange ma, nange ma, rahbar aldange ma.
Unsere Schande, unsere Schande, ist unser Depp von Führer.

«کشته ندادیم که سازش کنیم/رهبر قاتل رو ستایش کنیم»
koshte nadadim ke sazesh konim / rahbare qatel ro setayesh konim
Wir haben keine Menschenleben geopfert, um uns abzufinden und den mörderischen Führer zu preisen.

«ایرانی با غیرت/ حمایت حمایت»
irani ba gheyrat, hemayat, hemayat
Iraner, wenn du Ehre besitzt,
unterstütze uns.

In Sanandadsch rief man u.a.:
«نان، کار، آزادی، حکومت شورایی»
nan, kar, azadi,
hokumate shouravi
Brot, Arbeit, Freiheit,
eine Räte-Regierung.

In Schiras hieß es unter anderem:
«این ماه ماه آخره، سیدعلی وقت رفتنه»
in mah mahe axar-e, seyyed-ali waqte raftan-e
Dieser Monat ist der letzte Monat,
Seyyed Ali (Chamene’I), es ist Zeit zu gehen
(an den religiösen Führer gerichtet)

In Maschhad gegenüber dem Parke Mellat (Volkspark):
«توپ، تانک فشفشه/ آخوند باید گم بشه»
tup, tank, feshfeshe / axund bayad gom beshe.
Kanonen, Panzer, Raketen / die Geistlichen müssen verschwinden.
und:
«نخبه‌هامون را کشتند، به جاش آخوند گذاشتند»
noxbehamun-ra koshtand, be jash axund gozashtand
Unsere Elite haben sie umgebracht und an ihre Stelle die Geistlichen gesetzt.

An der Uni in Tabris:
«مرگ بر ستمگر، چه شاه باشه چه رهبر»
marg bar setamgar, che shah bashad che rahbar.
Tod dem Unterdrücker, egal ob Schah oder Führer.

In Semnan:
«جمهوری اسلامی نمی‌خواهیم نمی‌خواهیم»
jomhuriye eslami nemixahim nemixahim
Wir wollen keine Islamische Republik.
«رفراندوم رفراندوم تنها راه نجات ایران»
„Referendum, Referendum, das ist die einzige Rettung für den Iran.

In Qaswin
«فرمانده کل قوا/استعفا استعفا»
farmandehe kolle qawa / estefa, estefa.
Befehlshaber der gesamten Streitkräfte, Rücktritt, Rücktritt.
(an Ajatollah Chamene’i)

An mehreren Unis in Teheran und Isfahan:
«سپاه بی‌کفایت/ عامل قتل ملت»
sepah bikefayat / amele qatle mellat
die Pasdaran taugen nichts / sie dienen nur dem Massaker am Volk
«دانشجو بیدار است/از سیدعلی بیزار است»
daneshju bidar ast / az seyyed ali bizar ast
Die Studenten sind wach / Seyyed Ali (der Führer) plagt sie.

In Isfahan wurde das Wesen des Regimes in einem Satz zusammengefasst:
«سپاه جنایت می‌کنه، رهبر حمایت می‌کنه»
sepah jenayat mikone, rahbar hemayat mikone.
Die Pasdaran begehen Verbrechen, der Führer schützt sie.

Die Pasdaran begehen Verbrechen, der Führer schützt sie
Politische Parolen haben in einem Land, in dem kritische Medien geschlossen und die Journalisten verhaftet, gefoltert oder ermordet werden, eine besondere Rolle.
Wer zu Lebzeiten des Gründers der Islamischen Republik, d.h. zu Zeiten von Ajatollah Chomeini, Parolen gegen den Führer rief, wurde hingerichtet. Nach dem Tod von Ajatollah Chomeini folgte Ajatollah Chamene’i als Religiöser Führer, der Vorgänger wurde für heilig erklärt und Parolen gegen ihn wie gegen den Nachfolger wurden ebenfalls drastisch verfolgt. Noch 2017 wurden Menschen, die auf den Demonstrationen Marg bar rahbar (Tod dem Führer) riefen, Islamisten mit Motorrädern gehetzt, die freie Hand hatten, diese Demonstranten zu überfahren. Viele wurden damals wegen dieser Parole verhaftet und in die übelsten Gefängnisse gesteckt.

Kommentar:

Parolen als Gradmesser der Angst

Dieses Mal war es das erste Mal, dass die Menschen Parolen gegen den Führer und die Pasdaran (Revolutionswächter) riefen, und das landesweit, aber trotz der Allgegenwart der bewaffneten Kräfte beschränkten sie sich diesmal auf den Einsatz von Tränengas, Warnschüsse und in Einzelfällen auf Schüsse auf die Füße. Mit anderen Worten, die politischen Parolen sind auch ein Gradmesser der Unterstützung, die die Machthaber noch in der Bevölkerung genießen, und ein Gradmesser, wie stark die Angst in der Bevölkerung und auf der Gegenseite ist. In der jetzigen Situation scheinen sich die bewaffneten Kräfte bewusst zu sein, dass ein schärferes Eingreifen gegen die zitierten Parolen die Stimmung so stark gegen sie selbst aufheizen könnte, dass sie selbst in Gefahr geraten.

https://www.radiofarda.com/a/30372730.html
vom 22. Dey 1398 (12.01.2020)
اعتراض‌ها به سرنگونی هواپیمای مسافربری توسط سپاه، به شهرهای مختلف ایران کشیده شد