Al-Arabiya: Medien über den Iran – Hintergründe

Titel der Webseite von Al-Arabiya, wählbar in den Sprachen Arabisch, Englisch, Persisch und Urdu


Al-Arabiya wurde laut der englisch-sprachigen Wikipedia 2003 in der Dubai Media City in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet und gehört dem saudischen Fernsehsender Middle East Broadcasting Center (MBC). Ursprünglich richtete sich dieses Medienportal (Fernsehen, Internet) an arabisches Publikum, inzwischen veröffentlicht es auch auf englisch, urdu und persisch.

Al-Arabiya – das Gegenprojekt zu Al-Jazeera

Al-Arabiya wurde als Reaktion auf die anhaltende Kritik von Al-Jazeera an der saudischen Königsfamilie von Angehörigen der saudischen Königsfamilie gegründet. Laut der englischen Wikipedia-Seite üben der saudische Prinz Abdulaziz bin Fahd und sein Onkel mütterlicherseits Waleed bin Ibrahim al Ibrahim über MBC ihre Eigentums- und Kontrollrechte über Al-Arabiya aus.


Wer finanziert Al-Arabiya?

Die russische Wikipedia berichtet zu Al-Arabiya, dass zu ihren ursprünglichen Eigentümern mit einem Kapitalbeitrag von 300 Millionen US-Dollar das Middle East Broadcasting Center (MBC) gehörte, außerdem die libanesische Familie Hariri, sowie weitere Investoren aus Saudi-Arabien, Kuweit und anderen Staaten am persischen Golf. Ursprünglich nur ein Fernsehsender, eröffnete Al-Arabiya ab 2004 auch eine eigene Webseite. Seit 2008 berichtet die Seite auch auf Persisch.

Al-Arabiya auf Persisch, Büro in Teheran wegen Wahlberichterstattung geschlossen

15. Juni 2009, Protest gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen in Teheran


Die französische Wikipedia schreibt, dass der erste Generaldirektor der Fernsehkette der ehemalige jordanische Premierminister Salah Qallab war. Sie schreibt weiter, dass der Iran im September 2008 den Leiter des Teheraner Büros von Al-Arabiya, Hassan Fahs, auswies, der selbst erklärte, von hochrangigen Personen im Iran mit Inhaftierung und Ermordung bedroht worden zu sein. Im Juni 2009 hat die iranische Regierung die Schließung des Büros von Al-Arabiya in Teheran wegen „ungerechter Berichterstattung“ angeordnet. Seitdem ist das Büro dort geschlossen.

Zensur des saudischen Königshauses
Die spanische Wikipedia berichtet, dass ein Dokumentarfilm über die saudische Königsfamilie auf direkte Anweisung von König Abdullah nicht ausgestrahlt wurde.

https://farsi.alarabiya.net/fa/2019/11/11/کاخ-سفید-دخالت-های-ایران-مانع-بازگشت-عراق-به-وضعیت-طبیعی-اش-می-شود

vom 11. November 2019

https://en.wikipedia.org/wiki/Al_Arabiya
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%90%D0%BB%D1%8C-%D0%90%D1%80%D0%B0%D0%B1%D0%B8%D1%8F
https://fr.wikipedia.org/wiki/Al-Arabiya
https://es.wikipedia.org/wiki/Al-Arabiya
abgerufen am 11. November 2019

Al-Arabiya auf Persisch:

https://farsi.alarabiya.net/

Iran International: Medien und Hintergründe


Wir berichten über den persischsprachigen Fernsehsender Iran International, der per Satellit in den Iran ausgestrahlt wird. Eigentümer des Senders ist eine Firma namens Volant Media UK Ltd. Der Sender wurde am 18. Mai 2017 in Betrieb genommen und wird von einer DMA Media Ltd geleitet, die Büros in Paris, Istanbul, Kabul und Washington hat. Die finanzielle Kontrolle über Volant Media UK Ltd wurde von zwei Firmen auf den Kaiman-Inseln ausgeübt. Informationen über die Besitzverhältnisse und die Gewinn- und Verlustrechnung der Volant Media UK Ltd finden sich in Quelle 1 und 2 (s.u.). Daraus geht hervor, dass die Volant Media UK Ltd im Jahr 2017 einen Verlust von 26.391.222 britischen Pfund gemacht hat (26 Mio Pfund), im Jahr 2018 einen Verlust von 76 Mio Pfund. Wer gibt dieses Geld?

Saudische Geldgeber?
Am 31. Oktober 2018 berichtete der Korrespondent Saeed Kamali Deghan Iran im Guardian unter dem Titel „Concern over UK-based Iranian TV channel’s links to Saudi Arabia“, dass der Sender von der saudischen Regierung über eine Offshore-Gesellschaft und eine Firma finanziert werde, deren Direktor ein saudiarabischer Geschäftsmann mit engen Verbindungen zum saudischen Kronprinzen Mohammad bin Salman sei. Angeblich seien 250 Millionen Dollar bereit gestellt worden, um die Betriebskosten des Senders für fünf Jahre abzudecken.

Abdulrahman al-Rashed, Bindeglied zwischen Al Arabiya und Iran International
Die Firma Volant Media, die Eigentümerin von Iran International, hat einen Direktor namens Adel Abdulkarim, saudischer Staatsbürger und langjähriger Geschäftspartner von Abdulrahman al-Rashed, ehemaliger Generalmanager des Nachrichtenkanals Al Arabiya, der sich ebenfalls in saudiarabischem Besitz befindet. Zuvor war Abdulrahman al-Rashed Chefredakteur der arabischen Zeitung Sharq ul-Awsat gewesen. Laut dem Bericht im Guardian war Abdulrahman al-Rashed auch an der Finanzierung von Iran International beteiligt.

Saudische Medienriesen hinter dem iranischen Fernsehsender
Vor Adel Abdulkarim war Fahad Ibrahim Aldeghither der größte Aktionär von Volant Media. Vom Mai 2016 bis Mai 2018 gehörten ihm 75% der Aktion von Volant Media. Fahad Ibrahim Aldeghither war von März 2013 bis Februar 2016 der Vorsitzende der Mobile Telecommunication Company Saudi Arabia (Zain), und damit der drittgrößte Telecom-Betrieb in Saudi-Arabien.

Chefredakteur des Fernsehkanals Iran International ist Hossein Rassam, ehemal leitender politischer Analytiker an der britischen Botschaft in Teheran.

Die persische Wiki
Laut der persisch-sprachigen Wikipedia hat Iran International seine Tätigkeit im Vorfeld der letzten Präsidentschaftswahlen im Iran aufgenommen. Präsident Hassan Rouhani war am 20. Mai 2017 zum zweiten Mal zum Präsidenten der Islamischen Republik Iran gewählt worden.
Auch die persische Wiki berichtet von den Berichten, dass saudisches Geld hinter diesem Sender steht, verweist aber zugleich auf ein Dementi vom 3. Adhar 1397 (Ende 2018) durch Iran International. Dieses Dementi gehen freilich nicht darauf ein, wer es sich denn leisten kann, in zwei Jahren einen Verlust von 100 Mio Pound auf sich zu nehmen, ohne den Laden zu schließen…

Quellen:

  1. https://beta.companieshouse.gov.uk/company/09918100/filing-history
  2. https://uk.globaldatabase.com/company/volant-media-uk-ltd#div_ownership

https://en.wikipedia.org/wiki/Iran_International
eingesehen am 16. Dezember 2019

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86_%D8%A7%DB%8C%D9%86%D8%AA%D8%B1%D9%86%D8%B4%D9%86%D8%A7%D9%84
eingesehen am 16. Dezember 2019

Die Webseite von Iran International:
https://iranintl.com/en
https://iranintl.com/ايران/ایران-اینترنشنال-با-هیچ-دولتی-ارتباط-ندارد

Das Dementi von Iran International mit korrektem Titel

Iran: Erneut ein Schlag gegen iranische Oppositionsmedien


Ruhollah Zam
Der von der US-Regierung finanzierte iranisch-sprachige Sender Radio Farda (Radio morgen) berichtet heute, den 14. Oktober 2019, davon, dass die iranischen Revolutionswächter am heutigen Tag öffentlich die Behauptung erhoben hätten, dass sie Ruhollah Zam (Sam) in den Iran gelockt und verhaftet hätten. Wo genau die Pasdaran diese Meldung veröffentlicht haben, gibt Radio Farda nicht an.
Ruhollah Zam hatte 2015 in Paris den Nachrichtenkanal „Amadnews“ auf Telegram eröffnet, der zahlreiche Interna über die Islamische Republik Iran veröffentlichte und der als Tribüne für oppositionelle Stimmen diente.
Aus iranischen Webseiten ist ersichtlich, dass zum Beispiel die staatliche iranische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima am 14.10. über die Verhaftung von Ruhollah Zam berichtet hat. Der Direktor von Seda wa Sima wird direkt vom Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i ernannt und untersteht diesem.
Einzelheiten über das Geschehen wurden nicht bekannt gegeben. Es wird lediglich triumphierend davon berichtet, dass der Geheimdienst der Pasdaran eine erfolgreiche Operation gegen die westlichen Geheimdienste durchgeführt hätte.
Es heißt in Oppositionskreisen, dass Ruhollah Zam in ein dem Iran benachbartes Land gelockt, dort von Kräften des Geheimdienstes der Pasdaran entführt und im Iran verhaftet wurde.
Ein Telegram-Nachrichtenkanal namens „Axbare amniyatiye defa°i“ (Nachrichten über Sicherheit und Verteidigung), der den iranischen Geheimdiensten nahestehen soll, hat laut einem Bericht von Iran-Emrooz (das seinerseits auf die Deutsche Welle verweist), erklärt, dass Ruhollah Zam ab seinem Abflug aus Frankreich in ein dem Iran benachbartes Land vollständig unter der Aufsicht der iranischen Geheimdienstorgane stand. Es heißt weiter: „Er selbst und seine Begleiter sind mitsamt der Geräte, die sie dabei hatten, darunter Tablett, I-Phone, Computer etc. … ebenso wie die Kontrolle über den Kanal und die Webseite Amadnews und sämtliche Informationen, die von Individuen innerhalb des Irans an dieses konterrevolutionäre Medium geschickt worden, in die Gewalt der Revolutionswächter des Geheimdienstes der Pasdaran gelangt.“ Laut der englischen Wikipedia haben die Revolutionswächter selbst die Nachricht von Zam’s Verhaftung auf seinem Nachrichtenkanal platziert und damit deutlich gemacht, dass sie jetzt die Kontrolle übernommen haben.
Über die Rolle von Ruhollah Zam zu urteilen ist noch zu früh. Es gab immer wieder kritische Stimmen in der Opposition, die dessen Kanal „Amadnews“ als Werk des iranischen Geheimdienstes betrachteten. In deren Augen ist die jetzige Entführung eine Scheinoperation, um ihn aus dem Verkehr zu ziehen, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat. Die Aufgabe hätte darin bestanden, Kontakte zur Opposition im Ausland aufzubauen und zugleich an deren Informationsquellen zu kommen. Ob diese Vermutung zutrifft, kann derzeit nicht berurteilt werden. Sicher ist aber, dass die iranischen Geheimdienstes sämtliche elektronischen Medien, die ihnen in die Hände gefallen sind, sorgfältig auswerten werden, um auf diesem Wege möglichst viel Informationen über ihre Gegner im In- und Ausland zu gewinnen. Die einzige Frage ist also nur, ob Ruhollah Zam die Rolle eines bewussten Mitarbeiters der Dienste spielte oder selbst ein Opfer war.

https://www.radiofarda.com/a/rohollah_zam_arrest_why_background/30215929.html
vom 22. Mehr 1398 (14. Oktober 2019)
chahar °amaliyate faribe jomhuriye eslami, az forude fuladwand ta ruhollah zam

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/81215/
vom 14.10.2019, 17:18
sepahe pasdaran: ruhollah zam-ra dastgir kardim (Deutsche Welle)

https://en.wikipedia.org/wiki/Ruhollah_Zam

https://news.gooya.com/2019/10/post-31055.php
Nachrichten der staatlichen iranischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima vom 14.10.2019:

Iran Journal: Eine deutschsprachige Nachrichtenseite über den Iran

Wir haben in der letzten Zeit Artikel der Webseite iranjournal.org direkt übernommen. Das war nicht ganz korrekt, zumal nicht immer ein vollständiger Link angegeben war. In Zukunft werden wir das so handhaben, dass wir einfach den Link veröffentlichen, wenn ein interessanter Artikel über ein Thema erschienen ist, über das wir nicht berichtet haben.
So oder so, dürfte es auch unsere LeserInnen interessieren, wer Iran Journal macht und wer die Seite finanziert.
Iran Journal stellt sich selbst als Projekt des Vereins Transparency for Iran vor. Zum Thema Förderung schreibt die Zeitung:
„Die Redaktion von Transparency for Iran (TFI) wurde bisher durch institutionelle Fördergelder finanziert.“ Um das Fortbestehen der Redaktion weniger von großen Geldgebern abhängig zu machen, wirbt sie um Fördermitglieder. Die RedakteurInnen der Zeitung erhalten kleinere Honorare als üblich, aber es ist kein rein ehrenamtlicher Journalismus, was den Geldbedarf für so ein Projekt erhöht.
Am Fuß dieser Seite ist zu lesen:
In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung e.V.

Förderung

Die Redaktion von Iran Journal besteht laut eigenen Angaben aus folgenden Personen:
Iman Aslani (Pseudonym) / Autor
Arbeitet als Journalist hauptsächlich für persischsprachige Medien.

Mehran Barati / Autor
Publizist. Politischer Analyst. Einer der renommiertesten Iran-Experten.

Nasrin Bassiri / Autorin
Freie Journalistin und Buchautorin. Schreibt für deutsche und persischsprachige Medien außerhalb des Iran.

Yasmin Khalifa / Autorin
Freie Journalistin und Filmschaffende.

Sepehr Lorestani (Pseudonym) / Autor
Journalist. Schreibt unter einem anderen Namen für nicht-staatliche Zeitungen im Iran.

Mahindokht Mesbah / Autorin
Freie Journalistin. Schreibt für persischsprachige Medien außerhalb des Iran, u. a. für die Deutsche Welle.

Farhad Payar / Redaktionsleiter
Freier Journalist, Theater- und Filmschaffender. Leitet die Redaktion von Iran Journal seit dem 1. August 2011 und ist inhaltlich verantwortlich gemäß §55 Abs. 2 RStV.

Ali Sadrzadeh /Autor
Journalist und Nahostexperte. Jahrelanger Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks.

Mina Tehrani (Pseudonym) / Autorin
Journalistin. Schreibt unter anderen Namen für persischsprachige Medien innerhalb und außerhalb des Iran.

Alke Wierth / Lektorin
Journalistin. Arbeitet u. a. als freie Redakteurin für Bildung und Migration im Berlin-Teil der taz.

Redaktion und Geschäftsstelle

Über den Vorstand des Trägervereins des Iran Journal, Transparency for Iran, gibt die Zeitung folgendes an:

Der Vorstand des Vereins Transparency for Iran e. V. (Träger des Iran Journal)

Ali Samadi Ahadi
1. Vorsitzender, Jahrgang 1972, ist freier Regisseur und Autor. 1985 floh er aus dem Iran. Er studierte Film und Fernsehen in Kassel und Sozialwissenschaften in Hannover. Für seine Dokumentation Lost Children über das Schicksal von Kindersoldaten erhielt Ali Samadi Ahadi 2006 den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Dokumentarfilm. Seine 2009 erschienene Culture-Clash-Komödie Salami Aleikum gewann den Preis der deutschen Filmkritik als „Bestes Spielfilmdebüt“. Unter dem Eindruck der iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 entstand im folgenden Jahr die mit dem Grimme Preis ausgezeichnete Dokumentation Iran: Elections 2009. Die Kinoversion The Green Wave wurde mit dem Deutschen Menschenrechtsfilmpreis und dem UNICEF Filmpreis ausgezeichnet.
Kontakt: ali.samadi@transparency-for-iran.org

Dr. Nasrin Bassiri
2. Vorsitzende, Jahrgang 1945, ist promovierte Politikwissenschaftlerin. Sie ist Frauenrechtsbeauftragte an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften in Graz, kehrte Sie 1979 nach Teheran zurück, unterrichtete an der Teheraner Universität und engagierte sich in zahlreichen Frauenrechtsorganisationen. 1983 floh Sie aus dem Iran. Sie hat an mehreren Berliner Hochschulen unterrichtet, und ihr ehrenamtliches Engagement in Sachen Frauenrechte und Flüchtlingshilfe in zahlreichen Berliner Einrichtungen fortgesetzt. Sie hat 15 Jahre die persische Sendung beim rbb Radio Multikulti gestaltet und geleitet und ist sonst freiberuflich als Journalistin und Publizistin tätig. Als Buchautorin hat sie sich mit der Lage der Frauen im Iran, und Diskriminierung in Deutschland auseinandergesetzt.
Kontakt: bassiri@transparency-for-iran.org

Dr. Shamim Rafat
Schatzmeister, Jahrgang 1977, ist Executive Director eines Beratungsunternehmens in Berlin. Zuvor war er mehrere Jahre für eine große internationale Unternehmensberatung als Strategieberater im Public Sector tätig und hat Transformationsprojekte für die Bundesregierung betreut. Der Politikwissenschaftler hat an der Freien Universität Berlin studiert und an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen promoviert. In den letzten Jahren hat er sich verstärkt für die Menschenrechte im Iran eingesetzt und internationale Kampagnen betreut.
Kontakt: rafat@transparency-for-iran.org

Geschäftsstelle

Resa Mohabbat-Kar hat Politik- und Kulturwissenschaften studiert. Er leitet die Geschäftsstelle und ist somit für sämtliche Vereinsangelegenheiten zuständig. Zudem organisiert er die Veranstaltungen von Transparency for Iran.
Kontatk: mohabbat-kar@transparency-for-iran.org

Transparency for Iran
Postfach 040325
10062 Berlin

Der Vorstand von Transparency for Iran arbeitet ehrenamtlich.

Der Vorstand

Iran: Blick über den Zaun



Blogger gibt es im wie Sand am Meer, und selbst wenn man sich auf das Thema Iran beschränkt, finden sich im Iran, in den USA und natürlich auch in Europa da sicher Tausende. Genaue Daten kennen wir nicht, die gibt es nichtmal für Deutschland.
Aber statt dass jeder sein eigenes Süppchen kocht, lohnt es sich, mal zu den anderen rüberzuschauen, was die so machen. Vor kurzem wurden wir auf eine interessante englischsprachige Webseite aufmerksam gemacht, die unter https://ajammc.com betrieben wird.
Dort findet sich ein Artikel von Alex Shams vom 10. August 2013, indem er seine Gedanken über Stereotype in der Iran-Berichterstattung macht, sei es in den üblichen Medien, sei es durch sogenannte Alternative, die bei einem Tripp in den Iran entdeckt haben, dass die Iraner auch Menschen sind. Diese erstaunliche Entdeckung wäre nicht so erstaunlich, wenn man die Iranerinnen und Iraner, die selbst im Netz aktiv sind, ernst und vor allem zur Kenntnis nehmen würde. Aber ein Alternativ-Tourist „von uns“ ist natürlich viel seriöser als irgendein ominöser Iraner, nicht wahr?
Nun, Alex Shams stellt uns in seinem Artikel eine Initiative vor, die es auch in anderen Städten der Welt gibt. Sie will mit Photos, ohne Text, das Leben in einer Stadt darstellen. Im Iran gibt es diese Bewegung in Teheran, Tabris, Isfahan und Schiras.
Die Seite für Teheran lautet:
https://www.facebook.com/HumansOfTehran?fref=ts
Alex Shams ist hingegangen und hat mit iranischen Journalisten gesprochen, die für Humans of Teheran Photos machen. Er hat sie dazu befragt, wie die Angesprochenen reagieren, von denen ein Foto gemacht werden soll. Und diese Geschichten hinter dem Photo stellt er in seinem Artikel dar. Er ist auf englisch geschrieben, wer will kann ihn direkt lesen:

Picturing the Iranian Everyday: An Interview with the Photographers Behind “Humans of Tehran”

Iran: Am Scheideweg zwischen Krieg und Frieden?


Am Scheideweg zwischen Krieg und Frieden?
Ein Titelblatt mit diesem Text hat dazu geführt, dass die iranische Wochenzeitung Seda von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurde. Angeblich seien die Fundamentalisten über diesen Artikel, der die Beziehungen zwischen Iran und USA zum Thema hat, empört. Was auch immer die Motive für die Beschlagnahmung sind, sie zeigen, dass das Thema von den Machthabern warm gehalten wird.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/79523/
vom 11.05.2019, 19:02
hafte-name seda, qorbaniye tanesh miyane amrika wa iran?

Iran: Demonstration von pensionierten Lehrerinnen und Lehrern vor dem Arbeitsministerium

Am heutgen Dienstag kam es zu einer Demonstration von pensionierten Lehrerinnen und Lehrern sowie anderen Rentnerinnen und Rentnern vor dem Arbeitsministerium in Teheran. Die Menschen kritisierten die Schwierigkeiten, angesichts der hohen Inflation die Lebenshaltungskosten zu bestreiten.

Darüber hinaus wandten sie sich gegen die jüngsten Folterungen von Sepide Qalyan und Esmail Bakschi, sowie gegen die als Einschüchterung gedachte Ausstrahlung von „Dokumentationen“ ihrer unter Folter erpressten, angeblichen Geständnisse im Staatsfernsehen.

Kommentar:

Noch in den 1980er Jahren, also den ersten Jahren nach der Islamischen Revolution im Iran, haben Angehörige von Inhaftierten es nicht gewagt, außerhalb des engsten Familienkreises über eine Festnahme zu sprechen. Zu groß war die Angst vor Repressalien und Ausforschungen von Geheimdiensten. Das änderte sich in den folgenden Jahrzehnten langsam. In den 90er Jahren sprach man immerhin in der Famile über die Festnahmen, jedoch ohne nähere Angaben über die Umstände. Im Ausland wurde nicht berichtet, selbst wenn es Hinweise gab. Viel später erst wurden Informationen an Medien, auch im Ausland, weitergegeben, die die Angehörigen neutral zu den Festgenommenen befragten. Erst vor wenigen Jahren wurde es üblich, über Folterungen von Angehörigen zu berichten und dies sogar in der Öffentlichkeit. Mit Esmail Bakschi und Sepideh Qalyan sehen wir mutige AktivistInen, die sogar noch einen Schritt weiter gehen: sie kommen aus dem Gefängnis, wo sie gefoltert wurden und gehen sogleich an die Presse und berichten im Internet. Sie haben offene Briefe geschrieben, in denen sie fordern, dass ihre Folterer festgenommen, vor Gericht gebracht und bestraft werden. Auch die streikenden Arbeiter in Haft-Tapeh haben Signalwirkung gehabt. Ihre inhaftierten Aktivisten sind bekannt und ihre Freilassung wird auch von anderen Bewegungen gefordert, die sich mit ihnen solidarisieren.