Iran: Verteile und herrsche

سپیده قلیان
Sepide Qolyan

Derzeit kommen aus dem Iran Meldungen von Verlegungen politischer Gefangener, bei denen zumindest in einigen Fällen das Motiv vorzuliegen scheint, die Gefangenen möglichst heimatfern zu verlegen, um Besuche noch mehr zu erschweren. Eine Gefangene, die dies jetzt zu spüren bekam, ist Sepide Qolyan, eine Menschenrechtlerin, die die streikenden Arbeiter der Zuckerfabrik von Neyshekar Haft-Tape unterstützt hatte. Sie hatte sich zusammen mit Arbeitern der Fabrik bei der Staatssicherheit von Schusch nach dem Verbleib inhaftierter Arbeiter erkundigt und wurde bei der Gelegenheit selbst verhaftet. Nach einem Monat wurde sie gegen Kaution freigelassen. Als die staatliche Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Sima wa Seda das unter Druck abgelegte „Geständnis“ von ihr und einigen Mitgefangenen ausstrahlte, machte sie zusammen mit einem anderen Gefangenen bekannt, dass sie von Beamten des Geheimdienstministeriums und anderer „Sicherheits“kräfte gefoltert wurden. Nur wenige Stunden nach dieser Erklärung wurden sie wieder verhaftet. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung, in der sie schließlich (im Jahr 2019) zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Diese Strafe verbüßte sie im Ewin-Gefängnis. Sepide Qolyan hatte mehrfach beantragt, in die Nähe ihrer Familie ins Sepidar-Gefängnis von Ahwaz verlegt zu werden. Stattdessen wurde sie am 9. März 2021 ohne Vorankündigung ins Gefängnis von Buschehr verlegt, das 600 Kilometer vom Wohnort ihrer Eltern entfernt ist.

Auch mit anderen Gefangenen wurde ähnlich verfahren.

Die Direktion des Ewin-Gefängnisses sowie die Oberste Gefängnisverwaltung hat in den letzten Monaten mehrmals erklärt, sie sei nur ausführendes Organ der Verlegungen, die von anderen Institutionen angeordnet würden. Das kann stimmen, überprüfen können wir es nicht. Klar ist nur die Absicht, die hinter den Verlegungen steht. Den Zusammenhalt der Gefangenen aufzubrechen, sie von ihrem Umfeld zu isolieren und sie so moralisch zu schwächen.

Den einzelnen Gefangenen mögen die Herrschenden auf diesem Weg brechen, aber die Ursache für die Unruhe im Iran, der rasante wirtschaftliche Niedergang, wird dadurch nicht gestoppt.

Quelle:

سپیده قلیان از اوین با دست بند و پا بند به زندان بوشهر تبعید شد
vom 21. Esfand 1399 (11. März 2021)

Iran: Die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt

„Arbeit ist das Angebot von Waren oder Dienstleistungen auf einem Markt, um dafür eine Vergütung zu erhalten.“

Zentrum für Statistik des Irans

Das Zentrum für Statistik des Irans hat im Herbst 2020 einen Bericht über den Arbeitsmarkt im Iran veröffentlicht.

Demnach beträgt die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (über 15 Jahre) im Iran 42,4 Millionen Menschen, bei einer Gesamtbevölkerung von 84 Millionen. Von den 42,4 Millionen sind 25,8 Millionen erwerbstätig oder als Arbeitssuchende registriert. Somit sind rund 61% der erwerbsfähigen Bevölkerung auf dem Arbeitsmarkt präsent. Bei den Männern sind von 31,2 Millionen im erwerbsfähigen Alter 21,4 Millionen auf dem Arbeitsmarkt (rund 69%), während bei den Frauen von 31,2 Millionen im erwerbsfähigen Alter nur 4,2 Millionen auf dem Arbeitsmarkt präsent sind (rund 14%). Das führt dazu, dass der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung, die auf dem Arbeitsmarkt präsent ist, im Iran nur 41% beträgt (im Weltdurchschnitt 60%). Wohlgemerkt, die Quote von 14% umfasst auch die arbeitssuchenden Frauen. Das bedeutet, dass 6 von 7 Frauen im Iran nicht nur kein eigenes Einkommen haben, sondern auch nicht einmal arbeitslos gemeldet sind. Weltweit sind dagegen rund 48% der Frauen auf dem Arbeitsmarkt integriert, was deutlich macht, wie radikal anders die Lage für Frauen im Iran ist.

Zum Vergleich: In einem Buch über die Erwerbstätigkeit von Frauen im Iran, das 1383 (2004) erschienen ist, schreiben Puya Ala’eddini und Mohammad-Reza Razavi, dass die Quote der Frauen, die auf dem Arbeitsmarkt präsent war, 1355 (1976) 14,8 Prozent betrug. Das war drei Jahre vor Ausbruch der Revolution. Somit ist der Iran in den letzten 42 Jahren in diesem Punkt auf der Stelle getreten. Das ist kein Wunder. Sobald die Islamisten an der Macht waren, hoben sie einiges von der Gesetzgebung des Schahs auf, darunter auch Rechte zum Schutz der Frauen. Der Beruf der Sekretärin wurde als für Frauen nicht gebührlich eingestuft. Nach der islamistischen Gesetzgebung müssen Frauen zuerst die Einwilligung des Ehemanns einholen, wenn sie arbeiten wollen, wenn sie eine selbständige Tätigkeit aufnehmen wollen oder eine Reise unternehmen wollen. Einer der auffälligen Widersprüche der iranischen Gesellschaft ist, dass der Anteil der Frauen, die studieren, deutlich gestiegen ist, während sie danach noch viel weniger Zugang zum Arbeitsmarkt finden wie ihre männlichen Kollegen.

Quelle:

https://www.radiofarda.com/a/Iranian-women-share-of-labor-market/31139647.html
vom 18. Esfand 1399 (8.3.2021)
جایگاه زنان در بازار کار ایران

Die American Bar Association zeichnet Nasrin Sotoudeh mit dem Eleanor Roosevelt-Preis aus

Nasrin Sotoudeh

Die American Bar Association verlieh der iranischen politischen Gefangenen Nasrin Sotoudeh den Eleanor Roosevelt-Preis für die weltweite Förderung der Menschenrechte, für ihren „unerschütterlichen Mut und ihre Wirksamkeit bei der Verfolgung einer gerechten Rechtsstaatlichkeit im Iran“.

Nasrin Sotoudeh ist eine iranische Menschenrechtsanwältin, die kürzlich wegen ihrer Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte und zum Protest gegen die erzwungenen Hijab-Gesetze des Iran zu Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt wurde.

In einer Videobotschaft an die American Bar Association sagte Sotoudeh, dass es eine große Ehre sei, die Auszeichnung zu erhalten, und sie freut sich, dass es Solidarität zwischen Anwälten auf der ganzen Welt gibt. „Ich möchte diese wichtige Gelegenheit nutzen, um mich bei jeder einzelnen Person zu bedanken, die in der Zeit, in der ich im Gefängnis war und meine Familie jeden Tag belästigt und bedroht wurde, begeisterte Unterstützung für meinen Mann und mich gezeigt hat“, erklärte Sotoudeh. „Ich schätze Ihre Unterstützung und betone immer, dass ich meine berufliche Pflicht tue.“

Sotoudeh beschrieb die Erklärung der Menschenrechte als Vermächtnis für die gesamte Menschheit und wies auf Eleanor Roosevelts Bemühungen hin, die Internationale Erklärung der Menschenrechte zu verabschieden. „Sie hat besser als jeder andere gesehen, wie Krieg alle menschlichen Errungenschaften zerstören kann, und abgesehen von Gewalt und Massaker an Menschen zerstört er die kulturellen und sozialen Errungenschaften“, fügte Sotoudeh hinzu. Sie sprach auch das Beileid für den Tod der Richterin Ruth Bader Ginsburg aus und nannte sie eine Verfechterin der Gerechtigkeit, die gegen rassistische und sexuelle Diskriminierung kämpfte.

https://iranintl.com/en/iran-in-brief/american-bar-association-awards-nasrin-sotoudeh-eleanor-roosevelt-prize
American Bar Association Awards Nasrin Sotoudeh With Eleanor Roosevelt Prize
Iran International, 29.12.2020

https://www.americanbar.org/groups/human_rights/events/eleanor-roosevelt-prize-for-global-human-rights-advancement/
Eleanor Roosevelt Prize for Global Human Rights Advancement

https://www.americanbar.org/groups/human_rights/events/eleanor-roosevelt-prize-for-global-human-rights-advancement/virtual2020erprizeawards/nasrinsotoudeh/

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/87113/
اهدای جایزه حقوق بشر کانون وکلای آمریکا به نسرین ستوده

Anmerkung:

Die American Bar Association ist eine Vereinigung von Rechtsanwälten, Richtern und Studenten der Rechtswissenschaften in den Vereinigten Staaten. Eleanor Roosevelt war eine US-amerikanische Menschenrechtsaktivistin und Diplomatin sowie die Ehefrau des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Innerhalb der Frauenbewegung repräsentierte Eleanor Roosevelt den progressiven Flügel der Demokratischen Partei.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eleanor_Roosevelt

https://de.wikipedia.org/wiki/American_Bar_Association

Iran: Die Salz-Frauen von Chaharmahal Bakhtiari

Die BewohnerInnen der Dörfer Qaleh Rashid, Shekarabad und Hossein Abad in Ardal Chaharmahal Bakhtiari arbeiten seit mehreren Jahrhunderten im Salzbergwerk Qaleh Rashid.

Laut IRNA sind die arbeitenden Frauen dieser drei Dörfer damit beschäftigt, Salz aus den Felsen zu gewinnen, aus denen das Salzwasser vom frühen Frühling bis zum Mittherbst geflossen und getrocknet ist. „Salzpflücken“ ist der lokale Begrif dafür.

Ab Ende April wird das Wasser der Salzquelle auf die Felsen geleitet. Nach einigen Tagen trocknet das Wasser und es erscheinen Salzkristalle.

Frauen gehen mit einer Axt zu verschiedenen Stellen, um die Salzstücke zu trennen. Sie bringen Sie die Bruchstücke nach unten, um sie zu erweichen und mit großen Steinen zu zermahlen.

Das Salz wird dann in geformte Schalen gegossen und zum Aushärten und Trocknen in die Sonne gestellt.

Formsalze werden für den Verkauf mit Rindern das Tal hinunter transportiert und mit Lastwagen weiter in verschiedenen Regionen.

Dieses Salz enthält spezielle Mineralsalze, die von Menschen und Tieren gebraucht werden.

Das Vorhandensein verschiedener Salze im Wasser der Quellen ist auf den Durchgang von Wasser durch die Erdschichten und verschiedene Gesteine ​​der Erde zurückzuführen.

Quelle

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=218924
زنانِ چین در چهارمحال و بختیاری

Amnesty International und Deutschland fordern die dauerhafte Freilassung von Nasrin Sotudeh

Nasrin Sotudeh

Amnesty International hat die Freilassung von Nasrin Sotudeh begrüßt und erklärt, dass die Anwalt niemals wegen der Verteidigung der Menschenrechte hätte inhaftiert werden sollen. Der Leiter der Menschenrechtsabteilung der deutschen Bundesregierung zeigte sich ebenfalls zufrieden mit der Freilassung von Nasrin Sotoudeh.

In einer Twitter-Nachricht unterstützte Amnesty International die Freilassung von Nasrin Sotudeh. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wurde die iranische Anwältin zu Unrecht nur wegen der Verteidigung der Menschenrechte inhaftiert. Amnesty International hatte die bedingungslose Freilassung von Frau Sotoudeh gefordert.

„Ich freue mich sehr, dass Nasrin Sotudeh zur medizinischen Behandlung aus dem Gefängnis entlassen wurde. Das Judiciary Media Center gab am Samstag, dem 8. November, bekannt, dass Nasrin Sotudeh, eine Gefangenenanwältin, mit Zustimmung des für das Qarachak-Gefängnis in Qazvin zuständigen Staatsanwalts in Hafturlaub gehen werde.

Frau Sotudeh wurde am 20. Oktober 2010 aus dem Evin-Gefängnis in die Generalabteilung des Teheraner Frauengefängnisses (Qarchak-Gefängnis) verlegt. Der PR-Beauftragte der Gefängnisorganisation der Provinz Teheran erklärte, die Gefangenenanwältin sei „wegen eines öffentlichen Verbrechens zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, wobei die letztgenannte Strafe gerade endgültig und bindend geworden ist“.

Nasrin Sotoudeh wurde vor einem Monat nach einer langen Zeit des Hungerstreiks in das Taleghani-Krankenhaus gebracht und fünf Tage später ins Gefängnis zurückgebracht, obwohl die Ärzte darauf bestanden, die Behandlung fortzusetzen, und die Notwendigkeit einer Intensivpflege.

https://www.peykeiran.com

Quelle: Deutsche Welle und Amnesty International

Iran: 24 Jahre Gefängnis für den Kampf gegen das Zwangskopftuch

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Saba Kord-Afshari

Wie Radio Farda und die Nachrichtenagentur Horana berichtet, hat die 28. Kammer des Obersten Gerichtshofs des Irans den Antrag der Anwälte von Saba Kord-Afshari auf ein Revisionsverfahren abgelehnt. Saba Kord-Afshari war wegen ihres Protests gegen die Kopftuchpflicht von der 26. Kammer des Revolutionstribunals von Teheran zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Saba Kord-Afshari lehnte es ab, ein Kopftuch in der Öffentlichkeit zu tragen und nahm an der Bewegung „Weißer Mittwoch“ teil, die jeden Mittwoch mit weißer Kleidung als Zeichen des Protests an die Öffentlichkeit ging. Das Revolutionstribunal legte dies als „Ermutigung zum Verderben der Sitten und zur Prostitution“, als „Kriminelle Vereinigung zum Zweck der Begehung von Verbrechen gegen die Sicherheit des Landes“ und als „Propagandistische Tätigkeit gegen das System“ aus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Saba_Kord_Afshari

https://news.gooya.com/2020/11/post-45245.php

vom 9. November 2020

حکم ۲۴ سال زندان به خاطر پیاده‌‌روی بدون حجاب
https://news.gooya.com/2020/11/post-45245.php

Iran: Australierin im Gefängnis „verschwunden“

Kylie Moore-Gilbert, Dozentin an der University of Melbourne, im Iran in Haft


Die australische Forscherin Kylie Moore-Gilbert, Dozentin an der University of Melbourne, wurde 2018 verhaftet, als sie von einem Aufenthalt im Iran in ihre Heimat zurückkehren wollte. Ihr wurde Spionage vorgeworfen und sie erhielt 10 Jahre Gefängnis. Die Behörden boten ihr eine Strafermäßigung an, wenn sie bereit sei, für den Iran zu spionieren. Zuletzt war sie im Gefängnis von Qaretschak in Haft, wo sie im August von Lyndall Sachs, der/dem Botschafter/in Australiens in Iran, besucht wurde. Sie war zuerst im Ewin-Gefängnis in Teheran in Haft und wurde dann mit Nasrin Sotude nach Qaretschak verlegt. Ein Kreis zur Unterstützung von Kylie Moore-Gilbert in Australien ist besorgt, dass das zurückhaltende Auftreten der australischen Behörden gegenüber der iranischen Regierung nicht die richtige Form des Umgangs mit dem iranischen Regime ist.

Die sich häufenden Auslandsmorde wie auch die Tatsache, dass vermehrt ausländische Staatsbürger unter dem beliebten Vorwurf der Spionage im Iran inhaftiert werden (eine Forscherin aus Frankreich ereilte dasselbe Schicksal), machen deutlich, dass die iranischen Machthaber im Umgang mit dem Ausland wieder vermehrt auf Drohung, Einschüchterung und Erpressung setzen.

Luftaufnahme des Qaretschk-Gefängnisses

https://www.abc.net.au/news/2020-10-26/kylie-moore-gilbert-moved-iran-qarchak-prison/12812032
vom 26.10.2020
Kylie Moore-Gilbert moved from Iran’s Qarchak prison, but Australian academic’s current location unknown

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=216859
vom 5. Aban 1399 (26.10.2020)
استرالیا خواستار توضیح ایران درباره وضعیت کایلی مور‌ گیلبرت‎، پژوهشگر زندانی شد‎‎

Iran: Eine revolutionäre Frau wurde festgenommen 

تصویری از ویدئوی زن دوچرخه‌سوار که روز دوشنبه در شبکه‌های اجتماعی منتشر شد.
Dieses Video einer Radfahrerin wurde am Montag in den sozialen Medien veröffentlicht.

Video

Am Montag, den 19. Oktober 2020, wurde in den sozialen Medien ein Video verbreitet, dass ein iranische Frau beim Radfahren in der religiösen und konservativen Stadt Najafabad (in der Nähe von Isfahan) zeigt. Offenbar ohne sich den herrschenden Regeln der Scharia und den Bekleidungsvorschriften in der islamischen Republik Iran zu unterwerfen, fährt die Frau über einen zentralen und belebten Platz. Dabei grüßt sie mit eine großen, viel Selbstsicherheit ausstrahlenden Geste die erstaunten ZuschauerInnen am Straßenrand. Gefilmt wird sie aus einem hinter und neben ihr fahrenden Auto von einem Mann, der sie fragt, ob jetzt die Freiheit im Iran ausgebrochen sei. Anschließend ruft er ihr noch zu „Prima! Prima!“

Am heutigen Dienstag wurde bekannt, dass die Frau verhaftet worden ist.
Der Gouverneur von Najafabad beschrieb die „Tat“ der Frau, die beim Fahrradfahren auf dem Hauptplatz der Stadt keinen Hijab hatte, als „Verstoß gegen die Norm und Beleidigung des islamischen Hijab“.

Die revolutionäre Bewegung des Volkes
befindet sich in einer Situation,
in der die Politik der Unterdrückung
des Regimes sie nicht aufhalten kann und will.
Wenn die Angst vor dem Tod
bei den Massen nachlässt,
verliert die Angst vor der Unterdrückung
seine Wirksamkeit.

(Argang Bamschad) ارژنگ بامشاد

Quelle:

https://www.radiofarda.com/a/30902845.html

Iran: Geistlicher Säure-Attentäter fordert Schaffung von Unsicherheit für Frauen

Freitags-Imam von Isfahan, Seyyed Yusef Tabatabai-Nezhad (76 Jahre)


Yusef Tabatabai-Nezhad (auch Tabatabai Nejad), Freitags-Imam von Isfahan, ist der Vertreter des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i in Isfahan und wurde von diesem auch in seinem Amt eingesetzt.

Säure ins Gesicht
In einer Freitagspredigt im Jahr 1393 (2014) hatte Yusef Tabatabai-Nezhad erklärt:
„Das Problem der (schlechten) Verschleierung hat inzwischen die Grenze von Ermahnungen überschritten. Im Kampf gegen die schlechte Verschleierung muss jetzt „die feuchte Rute gezückt werden“ (bayad chube tar-ra bala bord – eine Anspielung auf Schläge mit nassen Granatäpfelruten, die sehr weh tun, ohne dass die Ruten brechen), und „es müssen die zornigen Kräfte in Anspruch genommen“ werden. Sprich, vom Regime organisierte Gewalttäter sollen als „spontane“ Unbekannte zuschlagen. Unmittelbar im Anschluss an diese Predigt erhielten verschiedene Bürgerinnen dieser Stadt SMS-Mitteiliungen des Inhalts: „Den schlecht Verschleierten wird demnächst Säure ins Gesicht gespritzt.“ (ruye surate bad-hejaban asid pashide mishawad)
Kurz danach wurde mehreren Frauen von „Unbekannten“ eine Flüssigkeit ins Gesicht gesprüht, die sie stark verätzte. Bis heute hat die Polizei keinen einzigen Täter verhaftet…

Schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit!
Jetzt ist der Freitags-Imam Yusef Tabatabai-Nezhad wieder an die Öffentlichkeit getreten. Er hat eine Sitzung mit dem Stellvertreter des Vize-Direktors für „Nachrichtenwesen und Sicherheit“ des Generalstabs der bewaffneten Streitkräfte und mit dem Kommandanten der Polizeikräfte von Isfahan abgehalten, auf der er verlangte, dass für „schlecht Verschleierte“ eine „Atmosphäre der Unsicherheit“ geschaffen werden solle. Er sagte wörtlich: „Der Raum in der Gesellschaft für diese Leute, deren Zahl gering ist, muss unsicher gemacht werden. Es darf nicht zugelassen werden, dass sie einfach auf die Straße und in die Parks kommen und dort die Regeln verletzen.“ Er bezeichnete die internationalen Proteste wegen Menschenrechtsverletzungen im Iran als Einmischung in die inneren Angelegenheit und erklärte: „Die sollen sich an ihre Gesetze halten, und wir halten uns an unsere.“

Die Schafe sollen Gott fürchten
Dieser Rückfall in die aggressivsten Zeiten des Islamismus im Iran ist kein Zufall. Er steht auf einer Stufe mit der überraschenden Hinrichtung von Navid Afkari. Dahinter steht der grundlegende Gedanke, dass die „Bürger“ keine Bürger eines souveränen Staates sind, sondern Schafe, die Gott fürchten sollen. In einer Zeit, wo die Proteste immer stärker werden und der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i immer mehr ins Zentrum der Kritik gerät, gibt es in dieser Denkschule eine klare Antwort. Die Menschen, sprich die Schafe, sind auf Abwege geraten, weil sie den Religiösen Führer, den Vertreter Gottes auf Erden, nicht mehr respektieren. Das einzige, was sie von diesem Irrweg zurückbringt, ist Angst. Es ist die göttliche Mission der Geistlichen, den Schafen diese Angst einzuflößen, wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Insofern ist es kein Wunder, dass ein Vertreter des Religiösen Führers, der von diesem jederzeit abgesetzt werden könnte, wenn er dessen Meinung nicht vertritt, hier vorprescht.

Wer ist Yusef Tabatabai-Nezhad?

Und es ist auch keine Überraschung, dass Seyyed Yusef Tabatabai-Nezhad so auftritt. Er ist 1944 im Dorf Zafar-Qand in Ardastan geboren und jetzt 76 Jahre alt. Er ist Mitglied des Houze-ye Elmiye von Isfahan (das Theologische Zentrum, das über 40 theologische Seminare in der Provinz Isfahan betreibt), er war Mitglied im Expertenrat und Abgeordneter im iranischen Parlament. Kurz, er ist ein Mensch, der in einer islamistischen Geisteswelt groß geworden ist und die Welt nur durch diese eine Brille gesehen hat und sieht. Er ist Gefangener seiner Gedanken, und dies treibt ihn dazu, die anderen zu seinen Gefangenen zu machen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=215502
vom 12. Mehr 1399 (3. Oktober 2020)
امام‌ جمعه اصفهان بار دیگر زنان را تهدید کرد/ وی همانی است که با سخنان خود سبب اسیدپاشی های اصفهان شد

https://alischirasi.wordpress.com/2020/09/14/iran-navid-afkari-was-steht-hinter-der-exekution/

https://fa.wikipedia.org/wiki/سیدیوسفطباطبایی‌نژاد