Anteil der Frauen unter Lastenträgern (Kulbaran) steigt rasant

Lastentträger im Grenzgebiet zw. Iranisch-Kurdistan und Irak

Die Teheraner Tageszeitung „Hamschari“ hat heute, den 22.01.2020, einen Bericht über den rasant zunehmenden Anteil von Frauen und Kindern unter den Kulbaran (Lastenträger / Grenzgänger) veröffentlicht. Sie hat eine Untersuchung im iranischen Grenzgebiet zum Irak und zur Türkei vorgenommen und berichtet nun über deren Ergebnisse.

Die Überschrift des Artikels lautet: „Meine Mutter, Lastenträgerin“.

Die Zeitung hat u.a. mittels Interviews festgestellt, dass in der letzten Zeit der Frauenanteil und der Anteil von Kindern zugenommen hat. Als Gründe dafür werden die hohe Arbeitslosigkeit in den Regionen und die Notwendigkeit, zum geringen Einkommen etwas hinzuzuverdienen genannt.

Die Frauen müssen Lasten über 30kg für 4 bis 5 Stunden tragen können. Zudem sind die Wege im Gebirge schwer zu gehen.

Quelle: https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199022

Iran: Neuer Vize für den Auslandsterror

General Seyyed Mohammad Hedschasi (Hejazi), stellvertretender Kommandant der Quds-Streitkräfte der Pasdaran

Die Qods-Streitkräfte der Pasdaran (Revolutionswächter) sind eine Spezialeinheit der Revolutionswächter für Kriegsführung im Ausland (Irak, Syrien, Libanon u.a.) und für die Ermordung politischer Gegner im Ausland. Kurz nach dem Tod von General Soleimani im Irak hatte Ajatollah Chamene’i General Esma’il Ghaani zum neuen Chef der Qods-Streitskräfte ernannt. Jetzt, am 20. Januar 2020, folgte ihm Brigadegeneral Seyyed Mohammad Hosseinsade Hedschasi (Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi) als neuer Stellvertreter der Qods-Streitkräfte. Er ist also jetzt die Nummer 2 dieser Einheit.

Wer ist Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi?
Geboren wurde er 1956 in Isfahan. Im Mai 1979, also bald nach der Revolution, wurde er Mitglied der neu gegründeten Revolutionswächter. Während des iranisch-irakischen Krieges war er für die Versendung von „Volkskräften“ an die Südfront verantwortlich. Sprich, er war auch daran beteiligt, Kinder und Jugendliche an die Front zu schicken. Von 1997-2007 (1376-1386 iran. Kalender) war er Oberbefehlshaber der Bassidschi-Milizen.

Berater des Religiösen Führers?
Die englische Wikipedia gibt unter Berufung auf das American Jewish Committee (Barsky, Yehudit, May 2003, Hizballah) an, dass Mohammad Hejazi als Sicherheits- und Geheimdienstberater von Ajatollah Chamene’i auch an einem Treffen zur Planung des AMIA-Bombenanschlags in Buenos Aires (erfolgte 1994) beteiligt gewesen sei. In der noch zugänglichen Datei ist er unter dem Namen Hijazi aufgeführt. Ob es sich um Fakten handelt, ist schwer überprüfbar, da Geheimdienste egal welcher Zugehörigkeit nicht dafür bezahlt werden, die Wahrheit zu sagen.

Erfahrung im Libanon?
2019 gab Jonathan Conricus laut Meldung von news.gooya (ihrerseits auf Radio Farda verweisend) bekannt, dass Mohammad Hejazi das Kommando über die Qods-Streitkräfte im Libanon ausübt und auch für das Programm zur Herstellung von Raketen im Libanon verantwortlich ist. Jonathan Conricus ist laut der englischen Wikipedia der Leiter der Abteilung für Auslandsmedien des Pressebüros der „Israelischen Verteidigungskräfte“. Das bedeutet, dass es sich im Grunde um eine militärische Quelle für diese Angabe handelt, was die Glaubwürdigkeit nicht erhöht.

Erfahrung mit der Unterdrückung der Kurden
Die persische Wikipedia weist auch ohne Quellenangabe darauf hin, dass er für die Unterdrückung der Kurdenproteste in den kurdischen Provinzen und im kurdischen Teil der Provinz West-Aserbaidschan verantwortlich war.

Seite an Seite mit den Wahlfälschern von 2009
Im Jahr 2009, als Ahmadineschad dank einer massiven Wahlfälschung auf Anweisung des Religiösen Führers Chamene’i ein zweites Mal zum Präsidenten „gewählt“ wurde, spielte Mohammad Hejazi eine wichtige Rolle als Befehlshaber des Thar-ollah Stützpunkts der Pasdaran in der Hauptstadt Teheran. Er gab laut mündlichen Quellen damals den Befehl, dass die Bassidschi-Motorradfahrer und die Jeeps der Pasdaran straflos die Demonstrierenden überfahren dürfen. Dieser Befehl wurde bekannt, als es später vereinzelt zu Gerichtsverhandlungen kam, auch wenn dabei der Autor nicht genannt wurde.

https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Hejazi
https://fa.wikipedia.org/wiki/سیدمحمدحجازی
https://en.wikipedia.org/wiki/IDF_Spokesperson%27s_Unit
https://news.gooya.com/2020/01/post-34417.php
vom 20. Januar 2020
جانشین جدید فرمانده نیروی قدس سپاه پاسداران، سید محمد حجازی کیست

Iran: Tod eines Generals

Begräbnis von General Qasem Soleimani (Quelle 7)
Der Text auf dem Plakat: Wir schlagen dem, der nach dem Märtyrertod des Generals noch von Verhandlungen (mit den USA) spricht, eins in die Fresse!

US-Angriff
Am 3. Januar 2020 starb der iranische General Qasem Soleimani zusammen mit weiteren Personen infolge eines US-Raketenangriffs nahe dem Internationalen Flughafen von Baghdad.
Laut einer Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums vom 2. Januar 2020 (siehe Quelle 1)
erfolgte der Angriff aufgrund einer Anweisung des US-Präsidenten, Qasem Soleimani umzubringen. Der Anschlag wurde damit begründet, dass General Soleimani, dem die Quds-Streitkräfte der Revolutionswächter unterstanden, für den Tod von Hunderten von Amerikanern verantwortlich sei und für die Angriffe auf die US-Botschaft in Baghdad, die diese Woche (d.h. die Woche, in der der 2. Januar lag) stattfanden.
Wer war Qasem Soleimani? Wir versuchen, hierzu aus diversen Quellen eine Antwort zusammenzutragen.

Kindheit von Qasem Soleimani
Qasem Soleimani wurde am 11. März 1957 in einer Bauernfamilie in einem Bergbauerndorf namenes Qanate- Molk im Landkreis Rabor in der ostiranischen Provinz Kerman geboren (Quellen 2,3,5). Er hatte fünf Schwestern und einen Bruder namens Sohrab. Sohrab wurde später Generaldirektor der Gefängnisorganisation von Teheran (Q 4). Sein Vater hatte von der Schahregierung einen landwirtschaftlichen Kredit von 900 Tuman (damals ca. 100 Dollar) erhalten und konnte ihn nicht zurückzahlen (Q6). Deshalb verließ Qasem Soleimani im Alter von 13 Jahren nach 5 Jahren die Grundschule und machte sich zusammen mit einem anderen Jugendlichen auf den Weg in die Provinzhauptstadt Kerman, um dort Geld zu verdienen, damit die Familie die Schulden abbezahlen konnte (Q5). Die Kinder lebten in der Angst, dass ihr Vater verhaftet würde, weil er die Schulden nicht abbezahlen konnte. Qasem Soleimani war damals so mager, dass keiner ihn zur Arbeit auf dem Bau nehmen wollte, denn das war damals der Arbeitsmarkt für Ungelernte in der Stadt. Schließlich wurden er und sein Freund für den Bau einer Schule am Rand von Kerman angeheuert, für einen Tagelohn von 2 Tuman. Nach acht Monaten hatten sie genug Geld angespart, um es nach Hause zu bringen (das heißt nicht, dass bis dahin der Gesamtbetrag von 900 Tuman zusammengekommen wäre). Die Arbeit in der Stadt dürfte der Situation von Obdachlosen nahe gekommen sein, falls die Familie dort keine Verwandten hatte. Nach Abzahlung des Kredits bekam Qasem Soleimani Auftragsarbeiten der Sazemane Abe Kerman (Wasserwerk von Kerman, das für die Versorgung der Häuser mit Wasser zuständig ist, und für den Bau und Unterhalt des Wasserleitungsnetzes verantwortlich ist (2). Er stieg bis zum Assistent eines Ingenieurs auf. In seiner Freizeit trainierte Qasem Soleimani Gewichtheben in örtlichen Trainingsklubs (6), praktizierte Karate und war Fitness-Trainer (mit heutigen Worten) (4). Während des Fastenmonats besuchte Qasem Soleimani die Predigten eines Wanderpredigers namens Hojjat Kamyab, eines Schützlings von Khamene’i (Frage, ist das ein Schreibfehler im Original und nicht stattdessen Ajatollah Chomeini gemeint?). Diese Predigten eröffneten ihm die Perspektive einer möglichen Revolution im Iran (6).
Als der Schah Anfang 1979 gestürzt wurde, war Qasem Soleimani 22 Jahre alt.

Die Revolution von 1979
Diese Revolution veränderte das Leben von Qasem Soleimani gewaltig. Im ganzen Land wurden sogenannte Komitees gebildet, die in der Regel unter der Kontrolle von Geistlichen standen und auf Stadtteilebene eine staatliche Ordnung mit Waffengewalt durchsetzten. Die Waffen wurden bei der Eroberung der Kasernen erbeutet und gelangten so in die Hände der Bevölkerung. Durch seine Kontakte zu dem genannten Wanderprediger dürfte Qasem Soleimani das Vertrauen der lokalen Geistlichen erlangt haben, er stand nicht im Geruch, einer linken Organisation anzugehören. Auch wenn über diese Zeit in den Quellen nichts geschrieben wird, ist anzunehmen, dass er Dank seiner Begeisterung über die Revolution und seiner ideologischen Unverdächtigkeit in die Kreise derer aufgenommen wurde, die die neue Organisation der Revolutionswächter (Sepahe Pasdaran) aufbauen sollten. Er selbst wurde Mitglied der Vereinigung Sepahe Eftexari (Ehren-Streitkraft) von Kerman(2). Am Anfang hat er vielleicht nur eine kurze militärische Ausbildung von 45 Tagen erhalten, wie Dexter Filkins vermutet (6). Zuerst wurde er mit der Wasserversorgung der Provin Kerman betraut (5). Aber bald schon wurde er in den Nordwesten des Irans entsandt, um dort die Aufstände der Kurden niederzuschlagen (6), wobei die russische Wikipedia dabei hinzufügt, dass er bei der Niederschlagung keine Schlüsselrolle spielte (5).

Der iranisch-irakische Krieg
Als Saddam Hussein am 22. September 1980 den Iran angriff, hatte Qasem Soleimani den Rang eines Leutnants in den Reihen der Streitkräfte der Revolutionswächter (5). Die Revolutionswächter wurden als Armee mit eigenen Landstreitkräften, Marine und Luftwaffe aufgebaut und besaßen eine eigene Uniform, da die neuen Machthaber kein Vertrauen in die verbliebenen Offiziere der Schah-Armee hatten und jederzeit einen Putsch befürchteten. Während des Kriegs galt Qasem Soleimani als wagemutiger junger Mann, so dass er bald mit dem Aufbau einer Brigade aus Kerman betraut wurde. Hierfür zog er viele junge Männer heran, die er während in den Klubs für Gewichtsheben in Kerman kennen gelernt hatte (6). Laut Dexter Filkins verabschiedete sich Qasem Soleimani vor jeder Schlacht von seinen Soldaten mit einer Umarmung und bat sie um Verzeihung, dass er nicht selbst als Märtyrer sterbe. Die iranische Strategie, die wenig auf Technik und mehr auf das Verheizen von Menschenleben setzte und namentlich der sinnlose Angriff auf die Halbinsel Faw soll Soleimani bedrückt haben, wie Dexter Filkins schreibt. Dem widersprechen Angaben von Augenzeugen jener Zeit, die berichten, dass Qasem Soleimani damals selbst Kinder unter 12 Jahren aus den Provinzen Kerman, Yazd und Sirjan für den Krieg angeworben hat. Zum Ausgleich versprach der den Eltern, wenn die Kinder dabei stürben, kämen sie ins Paradies und die Eltern würde bis zum Ende ihres Lebens ein Gehalt wie staatliche Angestellte erhalten (mündliche Quelle).

Giftgas
Während des iranisch-irakischen Krieges setzte der Irak auch Giftgas ein. Die Waffen wurden mit westlicher Hilfe gebaut, auch deutsche Firmen waren damals daran beteiligt. 1987 wurde eine Division unter dem Kommando von Qasem Soleimani im Kampf mit der irakischen Armee mit Artilleriegeschossen bombardiert, die chemische Waffen enthielten. Mehr als 100 Männer seiner Einheiten litten darauf an den Folgen der chemischen Waffen (6). Da der Krieg zwischen Iran und Irak in der offiziellen Darstellung im Iran ohnehin als ein Krieg betrachtet wird, der von den USA und vom Westen allgemein angestiftet wurde, ist es naheliegend, dass dem Westen aus dieser Perspektive jegliche Berechtigung abgesprochen wird, irgendwelche moralischen Urteile zu fällen. Menschen mit so einer Vorgeschichte wie Qasem Soleimani werden Ermahnungen zur Einhaltung der Menschenrechte aus Deutschland, England oder den USA gewiss nur für pure Heuchelei halten.

Sepah-e Qods (Qods-Streitkräfte)
1374 (1995/6) wurde Qasem Soleimani zum Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte der Pasdaran ernannt. Zu jener Zeit erreichten die Taliban im benachbarten Afghanistan den Höhepunkt der Macht. In der Zeit davor war Soleimani für die Bekämpfung des Schmuggels an der Ostgrenze des Irans zuständig gewesen, also somit auch des Drogenschmuggels aus Afghanistan via Iran in die Türkei. Die Qods-Streitkräfte sind die Einheit der Pasdaran (Revolutionswächter), die für Auslandsoperationen bis hin zur Ermordung politischer Gegner im Ausland zuständig ist. In dieser Funktion spielte Qasem Soleimani über einen Zeitraum von fast 25 Jahren eine zentrale Rolle im Nahen Osten. Er organisierte die Unterstützung und Ausbildung der Hesbollah im Libanon, den Aufbau von sogenannten Volksmilizen in Syrien, um die Regierung von Baschar al-Asad zu stützen, wozu er auch über 10.000 Afghanen heranzog, die im Iran lebten und denen er einen festen Aufenthalt im Iran mit dem Recht, eine Familie zu gründen, versprach. Er sorgte für die Etablierung verschiedener bewaffneter Gruppen und Milizen im Irak, sowohl unter Schiiten wie unter Sunniten, hatte regelmäßige Kontakte zu den irakischen Kurdenführern Talebani und Barsani und war sowohl Gegenspieler der US-Streitkräfte im Irak wie auch ihr heimlicher Partner, als es um den Kampf gegen den IS (Islamischen Staat) im Irak und Syrien ging. Dabei muss man allerdings bedenken, dass heute in der westlichen Presse seine Rolle wesentlich stärker hervorgehoben wird als die der kurdischen Kräfte im Irak und im Syrien, so dass hier nachträglich eine „Korrektur“ des Geschichtsbilds stattzufinden scheint.
Es gibt so viel über die Tätigkeit von Qasem Soleimani in seiner Zeit als Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte zu berichten, dass sich damit ein Buch füllen lässt. Allein schon das Thema der Entführungen aus dem Ausland und der Ermordung von Personen im Ausland wäre schon ein langes Kapitel, das wir hier nicht einmal anschneiden.

Familie
Qasem Soleimani selbst hat zwei Söhne und zwei Töchter (4), laut Dexter Filkins sind es drei Söhne und zwei Töchter, 2013 soll er sich besorgt gezeigt haben, dass seine damals (2013) in Malaysien lebende Tochter Narges „vom islamischen Weg abweiche“.
Qasems Bruder Sohrab Soleimani war eine Zeitlang Generaldirektor der Gefängnisorganisation von Teheran, weshalb er von den USA auf die Sanktionsliste gesetzt wurde, „wegen seiner Rolle bei Menschenrechtsverletzungen in iranischen Gefängnissen“ (Q4).

Quellen:

  1. https://web.archive.org/web/20200103031549/https://www.defense.gov/Newsroom/Releases/Release/Article/2049534/statement-by-the-department-of-defense/
  2. Persischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://fa.wikipedia.org/wiki/قاسم_سلیمانی
  3. Türkischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://tr.wikipedia.org/wiki/Kasım_Süleymani
  4. Englischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Qasem_Soleimani
  5. Russischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://ru.wikipedia.org/wiki/Сулеймани,_Касем
  6. Artikel von Dexter Filkins in The New Yorker vom 30. September 2013, The shadow commander
    https://www.newyorker.com/magazine/2013/09/30/the-shadow-commander
  7. https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=197950 vom 6. Januar 2020

Iran: 304 Tote, Tausende Verhaftungen – neuer ai-Bericht

Proteste im Iran, November 2019


Amnesty International berichtet heute, den 16. Dezember 2019, in einem neuen Bericht über die Entwicklung der Menschenrechtslage im Iran nach der Niederschlagung der Proteste vom November 2019. Inzwischen ist die Zahl der nachgewiesenen Tötungen durch Staatsorgane auf 304 Menschen angestiegen, Tausende von Menschen wurden willkürlich verhaftet, 15-jährige Kinder werden mit Erwachsenen zusammen eingesperrt, neben berüchtigten Gefängnissen wie Fashafouyeh in der Provinz Teheran auch in Kasernen und in Schulen, die als provisorische Haftorte dienen, weil die Gefängnisse überfüllt sind. Am 26. November 2019 gab Hossein Naghavi Hosseini, ein Sprecher des iranischen Parlamentsausschusses für Nationale Sicherheit und Außenpolitik, bekannt, dass 7000 Menschen verhaftet worden seien. Eine amtliche Zahl wurde bislang noch nicht veröffentlicht. Es wird von Folterungen und Misshandlungen der Gefangenen berichtet, Amnesty International hat Dutzende Fälle von Verschwindenlassen dokumentiert, vielen Gefangenen wird der Kontakt zur Außenwelt verweigert.

Proteste im Iran, November 2019

Wir können mit euren Kindern tun, was wir wollen
Müttern in den Provinzen Ost-Aserbaidschan und West-Aserbaidschan, die sich nach dem Verbleib ihrer Angehörigen auf Polizeiwachen, bei den Staatsanwalten und Revolutionsgerichten erkundigten, wurde mitgeteilt, dass die Behörden nicht vorhätten, sie zu informieren: „Wir können mit euren Kindern tun, was wir wollen. Wir können sie solange verhaften, wie wir wollen, und sei es für 10 Jahre. Wir werden sie hinrichten und Ihr werdet nichts dagegen tun können,“ wurde ihnen von einer Amtsperson gesagt.

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2019/12/iran-thousands-arbitrarily-detained-and-at-risk-of-torture-in-chilling-post-protest-crackdown/
16 December 2019, 00:01 UTC

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/81891/
iran-emrooz.net | Mon, 16.12.2019, 8:17
عفو بین‌الملل: در اعتراضات ایران ۳۰۴ کشته شده‌اند

Iran: Amnesty International zählt 208 tote Demonstranten

Beerdigung der Toten der Proteste vom November 2019 in Mariwan (Kurdistan)


Seit Beginn der Proteste gegen die Benzinpreis-Erhöhungen im Iran vom 15. November 2019 sind laut Meldungen, die bei Amnesty International eingegangen sind, mindestens 208 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden. Amnesty International spricht davon, dass die wirkliche Zahl vermutlich noch höher ist.
Allein in Schahryar, einer Stadt im Großraum Teheran, sind mehrere Dutzend Demonstranten getötet worden. Filmmaterial, das von Amnesty International untersucht wurde, belegt, dass die iranischen Sicherheitskräfte auf unbewaffnete Demonstranten geschossen haben.
Laut Informationen von Amnesty International wurden die Angehörigen der Erschossenen bedroht, sie dürften nicht mit den Medien reden. Sie sollten nicht einmal eine Beerdigung für die Toten abhalten. Einige Familie wurden erpresst, ein Lösegeld zu zahlen, um den Leichnam ihrer Angehörigen zu erhalten.

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2019/12/iran-death-toll-from-bloody-crackdown-on-protests-rises-to-208/
Iran: Death toll from bloody crackdown on protests rises to 208

2 December 2019, 15:51 UTC

Proteste im Iran: Mindestens 4800 Verhaftungen in 10 Tagen


Ein Team von Radio Farda hat sich die Mühe gemacht, die amtlichen Meldungen über die Verhaftungen der letzten Tage zusammenzutragen.
Laut Ali Fadawi, dem stellvertretenden Generalbefehlshaber der Streitkräfte der Pasdaran, fanden in den letzten Tagen in 28 (von 31) iranischen Provinzen Proteste statt.
Hier die Meldungen aus den einzelnen Provinzen.

Chorassane Rasawi: 400 Verhaftete
In Maschhad kam es am 24. Aban (15. November) zu großen Protesten wegen der Benzinpreiserhöhung. Die erste amtliche Angabe über die Zahl der Verhafteten stammt interessanterweise nicht von den sogenannten Sicherheitsorganen, sondern vom Freitagsimam von Maschhad, dem direkten Vertreter des Religiösen Führers vor Ort, der in seiner Freitagspredigt von 400 Verhaftungen sprach. Es wird sichtbar, dass diese Verhaftungswelle in direktem Zusammenhang mit einer Rede des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i vom vorigen Sonntag (17. November) steht, der die Sicherheitsbehörden zu hartem Durchgreifen aufgefordert hatte.

Chusestan: 450 Verhaftete
Gholam-Resa Shariyati, der Provinzgouverneur der Erdölprovinz Chusestan, erklärte am 26. Aban (17. November), dass in den ersten drei Tagen der Proteste 180 Menschen verhaftet wurden. Ein Menschenrechtsaktivist spricht davon, dass es bis zum 29. Aban (20. November) 450 Verhaftete waren.

Diverse kurdische Städte: 300 Verhaftete
Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 300 Verhafteten. Laut Angaben der kurdischen Agentur Kordpa wurden allein in Bukan 120 Menschen verhaftet, in Thalathe Babajani (keiner großen Ortschaft!) 22. Aus anderen Quellen verlautet, dass es in Sanandadsch und Marivan zu weiteren 100 Verhaftungen kam. 300 Verhaftungen ist also eine sehr konservative Schätzung.

Kermanschah: 700 Verhaftete
Kermanschah und Umgebung, eines der kurdischen Zentren im Iran, verzeichnete laut Angaben des Befehlshabers der Pasdaran-Einheit „Sepahe Nabiye Akram“ in der Provinz Kermanschah, machte keine konkreten Zahlenangaben, sprach aber davon, dass den Anführern der Proteste „mit Gewalt entgegengetreten wird.“ Laut Menschenrechtsquellen wurden in der Provinz mindestens 700 Personen verhaftet. Schon vor der Verhaftungswelle waren die Gefängnisse in dieser Provinz überfüllt, die Lage in den Gefängnissen muss jetzt katastrophal aussehen.

West-Aserbaidschan: 100 Verhaftete
Zu dieser Region gehören kurdische Städte wie Bukan (s.o.) und Urumije. Über 100 Verhaftete wurden in das Gefängnis von Urumije verlegt.

Isfahan: 200 Verhaftete
Die Zahl stammt aus Menschenrechtskreisen. Das staatliche iranische Fernsehen hat damit begonnen, „Geständnisse“ von Verhafteten aus Isfahan auszustrahlen.

Teheran: 800 Verhaftete
Auch hier gibt es keine amtlichen Angaben über die Zahl der Verhaftungen. Wenn man sieht, dass aus Großstädten wie Isfahan, Maschhad oder Teheran keine amtlichen Angaben vorliegen, ist das ein Hinweis auf eine gezielte Politik der Behörden, ihr Vorgehen zu verheimlichen. Möglicherweise befürchten sie dadurch eine weitere Zunahme der Proteste.
Amtliche Zahlenangaben gibt es nur von der unteresten Ebene, einigen Dörfern und Stadtteilen oder Kleinstädten.
Lediglich gegenüber Abgeordneten des iranischen Parlaments haben Vertreter der Provinzverwaltung von Teheran eine Zahl von 600 Verhafteten genannt. Vergangenen Donnerstag kam es auch an der Uni von Teheran zu Verhaftungen. Betroffen waren mindestens 50 Studenten.

Albors: 400 Verhaftete
Albors gehört zum Großraum Teheran. Das Innenministerium soll gegenüber Abgeordneten des iranischen Parlaments angegeben haben, dass in der Provinz Albors 400 Personen verhaftet wurden.
Die Öffentlichkeitsabteilung der Pasdarankräfte der Provinz Albors spricht davon, dass bis zum 27. Aban (18. November) 150 Personen verhaftet wurden.

Schiras: 300 Verhaftete
Radio Farda hat von 300 Verhafteten in der Provinz Fars erfahren, deren Zentrum Schiras ist. Die lokale Webseite Shiraze hat am 27. Aban (18. November) unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle in den Sicherheitsbehörden von der Verhaftung von 100 Menschen allein in Schiras geschrieben.

Ost-Aserbaidschan: 30 Verhaftete
Abedin Choram, Befehlshaber der Pasdaran in dieser Provinz, hat die Verhaftung von 30 Personen in Tabris bekannt gegeben. Diese Zahl ist auffällig niedrig, bedenkt man, dass allein die Stadt Tabris im Jahr 2016 1,6 Mio Einwohner hatte.

Masandaran: 100 Verhaftete
Ali Safarpur, der Befehlshaber der Sicherheitskräfte in Sari, gab am 26. Aban (17. November) die Verhaftung von 60 Protestierenden bekannt. Menschenrechtskreise sprechen von über 100.

Kohgiluye und Boyer-Ahmad: 250 Verhaftete
Mahmud Mussawi, Befehlshaber der Sicherheitskräfte von Gadsch-Saran, gab am 29. Aban (20. November) bekannt, dass während der Proteste 150 Menschen in diesem Landkreis verhaftet wurden. Dies zusammen mit Angaben von lokalen „Telegram“-Quellen führt zu einer Gesamtzahl von mindestens 250 Verhafteten.

Kerman: 100 Verhaftete
Auch hier vermeiden die amtlichen Stellen, namentlich der Generalstaatsanwalt der Provinz Kerman, Yadollah Mouhed, die Nennung von Zahlen. Die 100 Verhaftungen stammen aus Menschenrechtskreisen.

Lorestan: 300 Verhaftete
Hadschi Mohammad Mahdiyan, der Befehlshaber der Sicherheitskräfte in Lorestan, nennt ebenfalls keine Zahlen. Menschenrechtskreise sprechen von mindestens 300 Verhaftungen.

Yasd: 40 Verhaftete
Der Generalstaatsanwalt von Jasd, Mohammad Haddadsade, spricht am 26. Aban (17. November) von 40 Verhaftungen.

Sandschan: 30 Verhaftete
Am 27. Aban (18. November) gab Esmail Sadeqi Niyaraki, der Leiter der Justizverwaltung der Provinz Sandschan, die Verhaftung von 30 Personen bekannt.

Chorassane Dschonubi: 29 Verhaftete
Ebrahim Hamidi, der Leiter der Justizverwaltung der Provinz Chorassane Dschonubi, gab bekannt, dass in Zusammenhang mit den Benzinpreisprotesten 29 Verfahren eingeleitet wurden.
Er gab an, dass die Verhafteten gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden seien.

Buschehr: 100 Verhaftete
Buschehr ist der Standort eines Atomkraftwerks im Iran. Das bedeutet, dass dort der Zugriff der Sicherheitskräfte und die Kontrolle der Nachrichten schärfer ist als in manchen anderen Gebieten. Das dürfte einer der Gründe sein, warum von dort weniger Meldungen über Proteste eintreffen. Menschenrechtskreise sprechen von über 100 Verhafteten.

https://www.radiofarda.com/a/radiofarda_report_on_arrests_19_province_iran/30286963.html
vom 1. Adhar 1398 (22.11.2019)
bar-awarde radyo farda, bazdashte 4800 mo°tarez dar 18 ostane iran