Iran: Eine revolutionäre Frau wurde festgenommen 

تصویری از ویدئوی زن دوچرخه‌سوار که روز دوشنبه در شبکه‌های اجتماعی منتشر شد.
Dieses Video einer Radfahrerin wurde am Montag in den sozialen Medien veröffentlicht.

Video

Am Montag, den 19. Oktober 2020, wurde in den sozialen Medien ein Video verbreitet, dass ein iranische Frau beim Radfahren in der religiösen und konservativen Stadt Najafabad (in der Nähe von Isfahan) zeigt. Offenbar ohne sich den herrschenden Regeln der Scharia und den Bekleidungsvorschriften in der islamischen Republik Iran zu unterwerfen, fährt die Frau über einen zentralen und belebten Platz. Dabei grüßt sie mit eine großen, viel Selbstsicherheit ausstrahlenden Geste die erstaunten ZuschauerInnen am Straßenrand. Gefilmt wird sie aus einem hinter und neben ihr fahrenden Auto von einem Mann, der sie fragt, ob jetzt die Freiheit im Iran ausgebrochen sei. Anschließend ruft er ihr noch zu „Prima! Prima!“

Am heutigen Dienstag wurde bekannt, dass die Frau verhaftet worden ist.
Der Gouverneur von Najafabad beschrieb die „Tat“ der Frau, die beim Fahrradfahren auf dem Hauptplatz der Stadt keinen Hijab hatte, als „Verstoß gegen die Norm und Beleidigung des islamischen Hijab“.

Die revolutionäre Bewegung des Volkes
befindet sich in einer Situation,
in der die Politik der Unterdrückung
des Regimes sie nicht aufhalten kann und will.
Wenn die Angst vor dem Tod
bei den Massen nachlässt,
verliert die Angst vor der Unterdrückung
seine Wirksamkeit.

(Argang Bamschad) ارژنگ بامشاد

Quelle:

https://www.radiofarda.com/a/30902845.html

Iran: Ehemaliger Bildungsminister tötet seine zweite, junge Frau

Moahammad-Ali Nadschafi ist ein bekannter Mann im Iran. Früher war er Bildungsminister in der Regierung Rafsandschani, zuletzt war Oberbürgermeister von Teheran. Ihm wird eine sehr enge Beziehung zum Religiösen Führer Chamene’i nachgesagt. Gestern hat er seine zweite, junge Frau, Mitra Ostad, mit einer Pistole erschossen. Die Polizei gibt an, dass er fünf Schüsse abgefeuert hat. Die Pistole ist sichergestellt.


Mitra Ostad und ihr Mörder, Moahammad-Ali Nadschafi

Nadschafi gibt die Tat zu. Angeblich hat er seine Frau wg. sexueller Kontakte mit einem anderen Mann getötet. Er hat sich selbst gestellt und ist in Polizeigewahrsam.

Zwei iranische Nachrichtenagenturen haben inzwischen berichtet, dass er vor der Tat in der heiligen Stadt Ghom war und einen Rechtsgelehrten besucht hat. Offensichtlich hat er sich vor der Tat Rechtshilfe geholt. Womöglich hat er es schriftlich bekommen.

Ihr Sohn hat in einem Interview erzählt, wie gewalttätig Nadschafi ist. Öfters musste er mit ansehen, wie seine Mutter von Nadschafi misshandelt wurde. Als er einmal dazwischen gegangen ist, hat sein Vater auch ihn geschlagen und ihm sogar die Hand gebrochen.

Kommentar:

Für uns sieht es wie ein geplanter Eifersuchtsmord aus. Die Tatsache, dass Nadschafi nach Ghom reiste und sich von einem Mullah beraten ließ, deutet darauf hin, dass die Tat nicht im Affekt geschah sondern gründlich geplant wurde. Nach der Scharia kann er, aber muss er nicht unbedingt bestraft werden. Eine Hinrichtung wäre theoretisch möglich, ist in seinem Fall aber höchst unwahrscheinlich. Ein Anwalt argumentiert genau so: eine Hinrichtung käme nicht in Frage. Möglich wäre auch eine kurze Gefängnisstrafe oder eine Geldstrafe.

Im Iran unterliegen Männer und Frauen hinsichtlich der Scharia einer sehr unterschiedlichen Rechtsprechung. Frauen müssen in solchen Fällen häufig mit einer Hinrichtung rechnen. Auch würde bei einer Frau die Geldstrafe doppelt so hoch angesetzt wie bei einem Mann. Der Seitensprung einer Frau gilt nach der Scharia für sich schon als Straftat, während ein Mann ganz legal bis zu vier Frauen gleichzeitig haben kann und kurzfristig noch sehr viel mehr. Wenn ein Mann seiner Frau einen Seitensprung durchgehen lässt, wird er ausgelacht und verliert seine Ehre. Er gilt nicht mehr als richtiger Moslem. Er wird von der Scharia geradezu zu so einer Tat gezwungen.

Nach dem religiösen Modell im Iran und der Scharia können die Mächtigen an der Spitze des iranischen Staats machen was sie wollen. Nadschafi gehörten als ehemaliger Bildungsminister und Oberbürgermeister zu den Mächtigsten im Land.

Iran: Menschenrechtsanwältin zu 33 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt


Nasrin Sotude
Die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude, die bereits eine Haftstrafe von 5 Jahren Gefängnis verbüßt, wurde von der 28. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran unter dem Vorsitz von Richter Maqisse zu weiteren 33 Jahren Gefängnis und zusätzlich 148 Peitschenhieben verurteilt. Das Urteil wurde Nasrin Sotude im Gefängnis verkündet. Die Verhandlung gegen die inhaftierte Rechtsanwältin hatte am 9. Dey 1397 (29. Dezember 2018) in Abwesenheit der Angeklagten vor dem Revolutionstribunal stattgefunden. Die Vorwürfe waren die folgenden: „Zusammenschließung und Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“, „Propagandistische Tätigkeit gegen das System“, „Einflussreiche Mitgliedschaft in den illegalen, gegen die Sicherheit gerichteten Gruppierungen „Verein der Menschenrechtsverteidiger – Legam“ (Legam setzt sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein) und „Nationaler Friedensrat““, „Aufwiegelung der Bevölkerung zur Korruption und moralischen Ausschweifung und Schaffung der Basis dafür“, „Auftreten ohne den von der Scharia vorgeschriebenen Schleier am Ort der Vernehmung“ (dazu gehört Mut!), „Verletzung der öffentlichen Ordnung und Ruhe“, „Verbreitung von Lügen zur Aufwiegelung der öffentlichen Meinung“.
Allein schon die Vorwürfe machen deutlich, dass es sich um einen politischen Prozess handelt.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=92052
vom 20. Esfand 1397 (11. März 2019)
33 sale habse taze wa 148 zarbeye shalaq baraye nasrin sotude

Iranische Fundamentalisten loben die Attentate auf die Satirezeitung Charlie Hebdo


Ausgabe der Jal Sarat vor einigen Tagen

„Jal Sarat“ ist die iranische Ausgabe der fundamentalistischen Organisation Ansar Hisbollah. In einer Ausgabe der letzten Tage schrieb sie auf der Startseite, dass die Macher der Satiriezeitung Charlie Hebdo Feinde des Islams waren und an den heiligen Tagen des Islams zum Friedhof geschickt worden sind. Damit sagen sie, das aus islamischer Sicht das Attentat gerechtfertig war.


Ausgabe der Kayhan vom 9. Januar 2015

Der Herausgeber dieser Zeitung ist der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i. Kayhan ist Sprachrohr für ihn und seine Anhänger. Ihr Direktor Hussein Schariat Madari gilt als streng fundamentalistisch und wird von Sicherheitskräften der Bassidschi und Revolutionswächter unterstützt. Jeden Tag wird Kayhan in Millionenauflage gedruckt – verkauft werden jedoch nur ein paar tausend Exemplare.

Am Freitag schrieb Kayhan als Aufmacher der ersten Seite: „کیهان کشته‌شدگان „شارلی ابدو“ را مهدورالدم خواند“.

Übersetzt bedeutet dies etwa: „Die Getöteten bei Charlie Hebdo mussten nach der Scharia getötet werden“. Die Phrase „مهدورالدم “ (mahdur al dam) muss erklärt werden. „dam“ heisst wörtlich übersetzt „Blut“ und „mahdur“ bedeutet „jemand, der seine Rechte verloren hat“. Beides zusammen ist ein Scharia-Ausdruck, der sich auf Menschen bezieht. Wenn ein Gerichtsurteil „mahdur al dam“ lautet, heisst das, das dieser Mensch das „Recht auf sein Blut verloren“ hat, also hingerichtet werden muss. Es ist eine Fatwa, wenn ein Rechtsgelehrter das ausspricht.

Während die Reformisten im Iran die Attentate veruteilt haben, hat der fundamentalistische Flügel, der die Macht in der Hand hat, sie gerechtfertigt. Die Reformisten werden von diesen Fundamentalisten wiederum als Anhänger des Westens bezeichnet.

Iran: Polizei für moralische Sicherheit filmt Frauen

In der Islamischen Republik Iran ist die Verfolgung von „unislamisch“ gekleideten Frauen auch 34 Jahre nach der Revolution noch immer ein staatliches Thema. Es gibt sogar extra eine „Polizei für moralische Sicherheit“ (Polis-e Amniyat-e Achlaqi), was den Schluss zulässt, dass „schlecht verschleierte“ Frauen die staatliche Sicherheit bedrohen.

Die Polizei bestätigt: Die Mode wechselt mit den Jahreszeiten
Faktum ist, dass der Chef dieser Polizei, Oberst Mas’ud Sahediyan, der iranischen Nachrichtenagentur Mehr ein Interview zum Thema gegeben hat. Darin gab er bekannt: „Die Polizei macht jeden Monat Filmaufnahmen von der Lage der Verschleierung der Einzelpersonen auf der Ebene der Großstädte, um die Lage der Verschleierung und die Veränderung derselben zu beobachten. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Lage der Verschleierung nicht verändert. Die Farbe und das Modell der Kleidung ändert sich nur mit den Jahreszeiten.“

Ein Hühnchen mit den Privatfirmen zu rupfen
Der Chef der Polizei für moralische Sicherheit betonte auch, dass Privatfirmen nicht das Recht hätten, ihren Angestellten zu zwingen, unschicklich Kleidung anzuziehen, und erklärte: „Im Falle einer Beschwerde oder der Vorlage von Berichten, dass Einzelpersonen gezwungen werden, unschickliche Kleidung oder unpassende Schminke zu benutzen, tritt die Polizei auf den Plan und redet mit den Verantwortlichen dieser Firmen ein Wörtchen.“

Iran: Was hat die Polizei damit zu tun, wie die Leute sich anziehen?

Wie die iranische Nachrichtenagentur ILNA meldet, hat der Vorsitzende des Kultur- und Sozialausschusses des Stadtrats von Teheran, Mortesa Tala’i, sich Gedanken über die Rolle der Polizei gemacht: „Was hat das mit der Polizei zu tun, dass sie den Leuten sagen soll, was sie anziehen sollen und was nicht? (…) Es ist die Aufgabe der Polizei auf der ganzen Welt und auch in unserem Land, Hüter und Vollstrecker des Gesetzes zu sein.“ Ein schönes Wort, und dies zudem aus dem Munde des ehemaligen Polizeikommandanten von Teheran.

Iran: Betonköpfe werfen mit Steinen

Während der Sprecher des Rechtsausschusses des iranischen Parlaments Allahyar Malekschahi letzte Woche im Parlament erklärte, man wolle die Steinigung für Ehebruch durch eine andere Strafe ersetzen, sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. So wurden laut iranischen Quellen in den letzten Tagen vier Frauen gesteinigt, deren Leichen jetzt der Gerichtsmedizin übergeben wurden. Den Frauen war Drogenkonsum und illegale geschlechtliche Beziehungen zur Last gelegt worden, wobei die Steinigung nur für letzteren Vorwurf verhängt werden kann. Ob ihre Angehörigen von der staatlich angeordneten Ermordung benachrichtigt wurden, ist nicht bekannt. Beobachter teilten jedenfalls mit, dass die Leichen nicht nur Spuren der Steinwürfe aufwiesen, sondern auch Spuren zuvor erlittener Folter. Wie man sieht, dient die Todesstrafe einmal mehr dazu, andere Verbrechen des Staates zu vertuschen.

Iran: Heirat von 10-Jährigen

Der Generaldirektor des Standesamts für die Region Teheran hat auf einem Runden Tisch bekannt gegeben, dass im Vorjahr (Das iranische Jahr geht vom 21. März bis zum 20. März des Folgejahrs) 75 Jugendliche unter 10 Jahren in der Region Teheran verheiratet wurden, im gleichen Zeitraum seien rund 4000 Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren verheiratet worden.
Die iranische Geistlichkeit, die stets die moralische Überlegenheit des Islams gegenüber dem verdorbenen Westen betont, ist für diesen Zustand direkt verantwortlich, da sie die Scharia so auslegt, dass selbst im Alter von 9-10 Jahren schon eine Heirat zulässig ist.

Iran: Das Geheimnis des Schleiers

Die Verschleierung der Frau im Iran ist so offensichtlich, dass sie stets eines der Themen ist, mit dem sich ausländische Medien beschäftigen, wenn sie über den Iran berichten. Es ist genug darüber geschrieben und berichtet worden, könnte man meinen, und sich gelangweilt abwenden.
Ja, der westliche Medienkonsument kann sich abwenden, weil für viele die Nachrichten ein Konsumgut sind wie eine Banane oder ein Waffeleis.
Aber die Iranerinnen können sich nicht abwenden, sie müssen damit und darin leben.

Wie macht das Regime seine Gegner zu Komplizen?

Wenn man bedenkt, wie viele Millionen Menschen in den 1990-er Jahren Chatami die Stimme gaben, weil sie aufgrund seiner Reformversprechen hofften, dass er ihr Leben erleichtern werde, wenn man bedenkt, wieviele Millionen Menschen 2009 – nach der Fälschung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen – auf die Straße gingen und gegen das Regime protestierten und ihre Gesundheit und ihr Leben dabei aufs Spiel setzten, fragt man sich immer wieder, wieso die Menschen sich dann so „brav“ an die Kleidervorschriften des Regimes halten. Wie schafft es ein Regime, das nicht einmal 10 Prozent Rückhalt in der Bevölkerung hat, seine Regeln den anderen 90 Prozent aufzuzwingen. Dies ist das Geheimnis des Schleiers, das wir lüften wollen.

Die Kinder als Geiseln
Die ersten, die gegen den Kleidungszwang aufbegehren, sind die Kinder, wenn sie heranwachsen. Wer in eine Gesellschaft hineinwächst, stellt spätestens in der Pubertät die Frage, mit welchem Recht die Vorschriften gemacht werden, was gerecht ist, was ungerecht. In einer jungen, kinderreichen Gesellschaft wie dem Iran ist der Anteil dieser Rebellen potentiell sehr hoch. Da müsste es doch leicht sein, die Regeln über den Haufen zu werfen, denken wir. Aber dem ist nicht so. Die Eltern dieser Kinder, die mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent Gegner des Regimes sind, sind die ersten, ihre Töchter zu ermahnen, sich islamisch zu verschleiern. Auch Eltern, die einen religiösen Staat verabscheuen, auch Eltern, die Volksmudschahedin sind und das jetzige Regime hassen, auch Eltern, die selbst schon im iranischen Gefängnis gesessen haben, sie alle üben Druck auf ihre Töchter aus, die Regeln des Regimes einzuhalten. Warum?

Gebückt in die Freiheit
Darauf gibt es mehrere antworten. Nehmen wir an, die Tochter hat sich nicht so verschleiert, wie die Sittenstreifen es wünschen. Die Tochter wird also von der Straße weg verhaftet. Wo ist sie jetzt? Die Eltern wissen es nicht. Denn eine üble Praxis lateinamerikanischer Diktaturen, sei es die von Pinochet, sei es die von Videla, war es die Menschen zu verhaften und verschwinden zu lassen, die Angehörigen völlig im Ungewissen zu lassen. Das gleiche im heutigen Iran. Also müssen die Eltern – häufig die Mutter, die möglichen Haftorte absuchen. In Großstädten wie Teheran geht das nicht zu Fuß, man braucht ein Auto, das heißt meist – ein Taxi. Und das kostet Geld. Und jetzt gehe von einer Wache zur nächsten und frage nach und lasse dich beleidigen und demütigen, denn darin sind die Machthaber Meister. Schon einem unpolitischen Bürger kann da der Kragen platzen, wie viel mehr einem, der selbst schon die Kerker dieses Staates von innen kennen gelernt hat.
Jetzt nehmen wir an, dass die Eltern nach mehrwöchiger Suche herausgefunden haben, wo ihre Tochter ist. Damit ist sie noch nicht frei. Jetzt heißt es, jemanden zu finden, der sich für die Freilassung einsetzt. Den Geistlichen anflehen, diesen Pasdar, jenen Beamten. Jeder ist ein König für sich. Und wer fleht schon gerne jemanden an, den er von Herzen hasst? Nehmen wir an, auch diese Hürde ist überwunden, die Eltern haben einen einflussreichen Fürsprecher gefunden. Umsonst ist nichts. Die Tochter wird nicht einfach freigelassen, sie muss zumindest eine Strafe zahlen, eventuell auch eine Kaution. Kann sie das? Sie hat kein Geld. Können die Eltern das? Wahrscheinlich auch nicht, je nachdem, wie hoch der Betrag ist. Die Eltern müssen also bei Freunden und Bekannten Schulden machen, um die Tochter freizukaufen. Und das wie oft? Auch die Bekannten sind keine Goldesel. Einmal mag das gehen, aber nicht ständig.
Und damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Wenn ein Elternteil das Glück hat, einen festen Arbeitsplatz zu haben, bedeutet dies im Iran, dass er oder sie in einer Abhängigkeit vom Staat steht. Der Arbeitsplatz untersteht entweder direkt dem Staat oder der Staat kann über seine Kontrollmöglichkeiten Druck auf den Arbeitgeber ausüben. In diesem Punkt unterscheidet sich die Islamische Republik Iran nicht von der frühren Deutschen Demokratischen Republik. Dein Kind ist ein Regimefeind? Dann ist die Familie ein Regimefeind. Und Regimefeinden geben wir keine Arbeit. Kündigung!
Die Folge: Die Eltern sind die ersten, die Druck auf ihre Töchter ausüben, die Regeln der Verschleierung einzuhalten, obwohl sie entschiedene Gegner dieses Schleiers sind. Hinzu kommt, dass besonders hübsche Mädchen immer Gefahr laufen, dass die Pasdaran oder Bassidschis aus ihrer Umgebung auf einen Vorwand lauern, sie wegen unislamischer Kleidung zu verhaften, um sie dann in Haft zu vergewaltigen. Dagegen gibt es keinen Richter und keinen Gottt, der hilft, das wissen auch die Eltern. Und es ist nachempfindbar, dass die Mädchen, die solchen Vergewaltigungen ausgesetzt waren, Selbstmord begehen. Auch das wissen die Eltern. Was sollen sie tun?

Der Fluch des Islam – die schrumpfende Frau
Die Art, wie die Geistlichen die Scharia, die islamischen Regeln, auslegen, führt dazu, dass die Frau zusammenschrumpft. Ihr ganzer Körper wird nichts, löst sich in schwarzem Tuch auf, wird eine unsichtbare Masse, übrig bleibt das Gesicht. Die Frau wird zum Gesicht. Will sie in dieser Gesellschaft bestehen, ist sie dazu verurteilt, sich auf ihr Gesicht zu konzentrieren. Das Gesicht ist ihr Ausweis, ist ihre Persönlichkeit. Wenn’s hoch kommt, vielleicht noch die Farbe des Kopftuchs und des Mantels. Wir kennen die verheerende Wirkung von Schönheitsidealen im „freien Westen“, wo neben Fettleibigkeit auch Magersucht vielen Menschen das Leben vergällt. Wenn nur noch eine Handvoll Mensch – sein Gesicht – übrig bleibt, wirken sich solche Ideale noch viel konzentrierter aus. Um den iranischen Idealen zu entsprechen, wird jede Frau – egal ob im Haushalt eines Pasdaran, eines Hisbullahis oder einer reichen Familie im Norden Teherans – alles tun, um ihr Gesicht zu schminken, ihre Augenlider zu färben, ihre Augenbrauen zu stylen, ihre Augenfarbe mit Linsen zu verändern, ihre Haarfarbe zu ändern, und das Aussehen der Nase dem herrschenden Schönheitsideal anzupassen. Nasenoperationen gehören zu den wenigen boomenden Handwerken im Iran. Und obwohl solche Operationen teuer sind, wird sich auch eine ärmere Familie anstrengen, ihrer Tochter eine solche Operation zu ermöglichen, denn wenn ihre Tochter deswegen keinen Mann bekommt und zu Hause bleibt, wird das für die Familie noch teurer. Also verschuldet man sich lieber.

Schönheit macht krank
Es versteht sich, dass die Schminke, die Haarfärbemittel, die Lidstifte, die Tätowierungen, die Augenlinsen etc. Geld kosten. Und was für Ware gibt es günstig auf dem iranischen Markt? Das, was die Pasdaran über ihre illegalen Importhäfen gegen Gebühr ins Land lassen. Und das ist inzwischen meist Ware aus China. Dass es nicht zu den Stärken der chinesischen Industrie gehört, gesundheitliche einwandfreie Ware auf den Markt zu bringen, ist bekannt. Hinzu kommt, dass die chinesische Industrie ihre Waren je nach Absatzmarkt in verschiedene Kategorien einteilt, und der iranische Markt gehört nicht zu denen, die die beste Qualität bekommen. Und auch die anderen asiatischen Lieferanten zeichnen sich nicht durch eine hohe Qualitätskontrolle aus. Die Folge: Viele Iranerinnen, die solche Mittel benutzen, haben bald eine geschädigte Haut, die den Kauf zusätzlicher Mittel erfordert, um diese Schäden zu übertünchen. Hinzu kommt vor allem bei Städterinnen, dass die völlige Körperbekleidung zu einem Mangel an Vitamin D führt, das ja durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Das hat weitere Gesundheitsschäden zur Folge.

Schleier sind Ketten
Wer sich an deutschen Arbeitsplätzen umschaut, sieht schnell, dass man für die verschiedensten Arbeiten eine gewisse Beweglichkeit benötigt. Bei Arbeiten an Maschinen mit sich bewegenden Teilen ist es erforderlich, dass man nichts am Körper habt, was an diesen bewegten Teilen festhaken könnte und zu Arbeitsunfällen führen könnte. Das mögen Halsketten sein, das mögen lange Ärmel sein, das mögen Tücher sein. Die Tuchverhüllung der Frau führt dazu, dass sie viele Arbeiten nicht ausführen kann, nicht, weil die Männer es besser können, sondern, weil die Kleidung der Männer mehr Bewegungsfreiheit gibt. Die jungen Frauen, die gerade eine Ausbildung abgeschlossen haben, sehen, dass ihre männlichen Kollegen, die nicht besser sind, einen Job bekommen, sie selber aber nicht. Wegen dieser Verschleierung. Klar, dass sie das als ungerecht empfinden.

Ketten für die einen, Stützen für die andern
Indem das iranische Regime die Frauen in Ketten fesselt und die Familien, aus denen diese Frauen kommen, in Geiselhaft nimmt, wenn die Frau die Regeln nicht einhält, hält es sich selbst am Leben. Die Mechanismen haben wir oben gesehen. Und dabei kennt die Schamlosigkeit der Machthaber keine Grenzen. Selbst wenn eine Frau am Friedhof als Zeichen der Trauer über den Tod des Nächsten ihr Kopftuch wegreißt, kann es ihr passieren, dass die sogenannten Ordnungshüter zur Stelle sind und sie verhaften: Wegen Verletzung der Regeln sittlicher Bekleidung.
Das Kopftuch, die Körperverhüllung, ist etwas Oberflächliches. Aber gerade, weil es oberflächlich ist, eignet es sich hervorragend zur Machtdemonstration. Mit dem Tuch kann die iranische Regierung mehr Terror ausüben als mit jeder Maschinenpistole.

Teheran: Buchmesse


Festnahme vor dem Eingang zur Teheraner Buchmesse – da kommt Lust zum Lesen auf…

Wie üblich, werden im Iran vor den Wahlen die Kontrollen der „Sitten“polizei etwas gelockert, um die Bevölkerung dafür an die Urnen zu locken. Sobald die Wahlen vorbei sind, geht der Straßenterror wieder los. Das Foto zeigt eine Frau, die sich gegen die Festnahme wegen „unislamischer Kopfbedeckung“ zur Wehr gesetzt hat und nun am Boden liegt. Um sie herum sind einige Vertreter der staatlichen Organe, Passanten, und Zuschauer, die sich weiter hinten bedeckt halten. Von einem Eingreifen der Zuschauer ist hier nichts zu sehen.