Iran: Vom Niedergang des Außenhandels

Container-Verladestelle


Der iranische Dienst der Deutschen Welle hat einen Bericht über die Entwicklung des iranischen Außenhandels in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 veröffentlicht. Der Bericht weist nicht darauf hin, aber es gilt dabei zu bedenken, dass der Iran nicht nur mit den Handelssanktionen zurecht kommen muss, sondern dass auch hier die Auswirkungen von Corona auf den Welthandel zu spüren sind.

Handel mit der EU
Laut einem jüngst veröffentlichten Bericht von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, hat Deutschland von Januar bis Juli 2020 Waren im Wert von 920 Mio. Euro in den Iran exportiert, das sind 42% des gesamten EU-Exports in den Iran. Die Einfuhren Deutschlands aus dem Iran sind seit dem Stop des Erdölimports im Jahr 2019 drastisch gesunken, für den Monat Juni 2020 hat Deutschland gerade mal Waren für 30 Mio. Euro aus dem Iran importiert.

Handel mit Asien
Volksrepublik China:
Die Zollstatistiken der Volksrepublik China besagen, dass der Iran in den ersten sieben Monaten des Jahres Waren für 3,5 Milliarden Dollar nach China exportiert hat, während China Waren für 5,1 Milliarden Dollar in den Iran exportiert hat.
Zusammen mit Syrien und Venezuela gehört China zu den einzigen Ländern, die öffentlich Erdöl aus dem Iran importieren. In den ersten 7 Monaten ist dieser Import um 82% gefallen und beträgt 77.000 Barrel pro Tag, das sind also 16 Mio. Barrel bis Juli. Der chinesische Zoll gibt dafür einen Wert von 741 Mio. Dollar an, das macht knapp 46 Dollar pro Barrel. Der Weltmarktpreis liegt im Moment bei 40 Dollar pro Barrel. Noch vor einem Jahr hatte China im gleichen Zeitraum Erdöl für 3,2 Milliarden Dollar aus dem Iran importiert.
Der drastische Rückgang muss auf Corona zurückgehen, denn wie gesagt importiert China ja weiterhin iranisches Erdöl. Zu bedenken ist, dass neben den amtlichen Direkt-Importen aus dem Iran auch Importe über Drittländer wie Malaysia und Indonesien zu beobachten sind.

Indien:
Vor den Sanktionen war Indien der zweitgrößte Importeur iranischen Erdöls, jetzt ist der Import iranischen Erdöls in den ersten 7 Monaten auf 140 Mio. Dollar gesunken, während es im Vorjahr noch 3,2 Milliarden Dollar waren. Der Export Indiens nach Iran in den ersten 7 Monaten 2020 betrugt immerhin noch 1,6 Milliarden Dollar.

Südkorea und Japan:
Die beiden Länder waren vor dem Embargo der dritt- und viertgrößte Importeur iranischen Erdöls. Vom Januar bis Juli dieses Jahres haben die beiden Länder nur noch Waren für 30 Mio. Dollar aus dem Iran importiert, im Vorjahr waren es noch 3,3 Milliarden Dollar.

Die Nachbarländer:
Hier die Daten über die vier wichtigsten Handelspartner der Nachbarschaft:

Irak:
Die Exporte von Iran in den Irak sind von Jan. – Mai 2020 auf 1,8 Milliarden Dollar gesunken, das ist die Hälfte vom gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Afghanistan:
Die iranischen Exporte nach Afghanisten sind im gleichen Zeitraum um 12% auf 781 Mio. Dollar gesunken.

Vereinigte Arabische Emirate:
Die Exporte von Iran in die Emirate sind von Jan. – Mai 2020 auf 310 Mio Dollar gesunken, von 1,6 Milliarden Dollar vom gleichen Zeitraum des Vorjahrs.


Türkei:
Die Türkei hat in den ersten 7 Monaten Waren für 580 Mio. Dollar aus dem Iran importiert, im Vorjahr waren es noch 3 Milliarden Dollar. Die Exporte der Türkei in den Iran sind auf 1,1 Milliarden Dollar geschrumpft.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=214684
vom 30. Shahriwar 1399 (20.09.2020)
سقوط سهمگین تجارت خارجی ایران

Ermordung von irakischem Sicherheitsexperten Hisham al-Hashimi

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Hisham al-Hashimi

Hisham al-Hashimi, Historiker, Publizist und Experte für irakische Sicherheitsfragen, war ein Gegner des Einflusses der Islamischen Republik Iran im Land. Er wurde am Montagabend in Bagdad ermordet.

Das irakische Innenministerium bestätigte die Nachricht von Al-Hashimis Ermordung und sagte, er sei aufgrund eines Attentats gestorben.

Al-Hashimi wurde Berichten zufolge kurz nach dem Attentat ins Krankenhaus eingeliefert, starb jedoch an seinen Verletzungen durch Schusswunden.

Sicherheitsquellen berichteten irakischen Medien, dass al-Hashimi durch bewaffnete Männer auf zwei Motorrädern in der Region Ziwana im Osten Bagdads erschossen wurde.

Videoaufnahmen von Überwachungskameras aus der Zeit seiner Ermordung zeigen, wie sich in der Nähe von al-Hashimis Haus vier Personen auf zwei Motorrädern seinem Auto nähern. Einer der bewaffneten Männer kam zur Fahrertür und schoss mehrfach vom Seitenfenster des Fahrers auf al-Hashimi.

Hashimi hatte laut Wikipedia zuvor zahlreiche Todesdrohungen erhalten, sowohl von dschihadistischen Gruppen aus dem sunnitischen Spektrum als auch von Angehörigen schiitischer Milizen im Irak. Hashimis Bruder sagte gegenüber Journalisten, der Ermordete habe kurz vor dem Anschlag noch Drohungen von Anhängern des „IS“ erhalten.

Quellen:

https://news.gooya.com/2020/07/post-40583.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Hisham_al-Hashimi

Iran: 35.000 Gastarbeiter im Nordirak

Die hohe Arbeitslosigkeit in den iranischen Provinzen Kermanschah und West-Aserbaidschan, in denen vor allem Kurden leben, hat dazu geführt, dass viele Bauarbeiter und Fachleute vom Bau sich im benachbarten Ausland, im Nordirak, nach Arbeit umgesehen haben. Letztes Jahr waren das laut inoffiziellen Quellen rund 35.000 Arbeiter. Einreisen konnten sie freilich nur als Touristen, weil sie nur ein einmonatiges Touristenvisum erhielten, kein Arbeitsvisum. Wenn sie dann in Soleimaniye, Arbil oder einer anderen Stadt im kurdischen Nordirak eine Arbeit fanden, so waren die Bedingungen höchst ungemütlich. Beengte Unterkünfte, schlechte Verpflegung, magere Löhne und keine Versicherung. Wenn der Arbeiter tödlich verunglückte oder infolge eines Arbeitsunfalls arbeitsunfähig wurde, bezahlte der Arbeitgeber nichts. Der Arbeiter war ja offiziell nicht zum Arbeiten da, sondern Tourist. Und trotzdem war diese Arbeit für viele eine Chance, denn die Alternative war, als Grenzgänger schwere Waren auf dem Rücken über das Gebirge zu transportieren, den Lawinen, dem Frost und den Todesschüssen der iranischen Pasdaran ausgesetzt. Bei noch viel geringerem Einkommen. Eine andere Alternative war es, im Iran irgendwas auf der Straße zu verkaufen und damit sein Dasein und das der Familie zu bestreiten. In einer Region, wo die Arbeitslosigkeit selbst nach amtlicher Statistik zwischen 17 und 20 Prozent liegt und damit fast doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt, ist das auch nicht sehr vielversprechend.

Corona macht einen Strich durch die Rechnung
Mit der Grenzschließung zwischen Iran und Nordirak ist auch diese Möglichkeit genommen, Geld zu verdienen. Bauarbeiter und Lastenträger können die Grenze nicht mehr passieren. Sie sitzen jetzt als Kleinhändler auf der Straße oder suchen Arbeit im Iran, wo sie die Löhne noch weiter drücken.

Quelle:
https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=209956

vom 16. Tir 1399 (6. Juli 2020)
دردهای مشترک از مریوان تا سلیمانیه/ ۳۵ هزار کارگر ایرانی در عراق روزمزدی می‌کنند!

Iran: Tödliche Grenzpolitik

Proteste in Nousud gegen die Schüsse auf die kurdischen Grenzhändler


Schon seit Jahren betreibt die Islamische Republik Iran gegen den Kleinhandel an den Grenzen – sei es an der kurdisch-irakischen, sei es an der balutschisch-pakistanischen Grenze, einen blutigen Krieg gegen die lokale Bevölkerung, die mit dem Kleinhandel über die Grenzen ihr Brot verdient. Der Grenzhandel in Kurdistan ist mühselig und gefährlich, Erfrierungen und Verschüttungen durch Lawinen sind Gefahren, die die Lastenträger immer wieder treffen. Hinzu kommt die staatliche Verfolgung durch die sogenannten Sicherheitskräfte, die im Gebiet von Pawe am Sonntag, den 16. Februar, auf 9 Grenzhändler geschossen haben. Zwei Menschen sind an den Schüssen verstorben. Sowohl vor dem Krankenhaus in Nousud, wo die Verletzten hingebracht wurden, als auch in Pawe gab es Proteste, in Pawe hatte praktisch der gesamte Basar geschlossen.

Auch in der Region Maku wurde auf die Grenzhändler geschossen. Während diese Menschen, die die Ware auf dem Rücken tragen, als Schmuggler verfolgt werden, betreiben die Revolutonswächter den Schmuggel im Großen. Sie werden natürlich nicht verfolgt.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=200562
vom 28. Bahman 1398 (17. Februar 2020)
کشته و زخمی شدن ۱۰ کولبر بر اثر تیراندازی نیروهای نظامی در مناطق مرزی نوسود و ماکو

https://www.radiofarda.com/a/strike-continues-paveh-iran/30439864.html
vom 28. Bahman 1398 (17. Februar 2020)
اعتصاب در بازار پاوه در اعتراض به کشته‌ و زخمی شدن ۹ کولبر

Irak: Frauen protestieren gegen Geschlechtertrennung

Die Trennung von Religion und Staat ist um vieles besser als die Trennung von Männern und Frauen! (das steht auf Arabisch auf dem Plakat)


Moqtada Sadr, einer der politischen Führer der Schiiten im Irak, der seit dem Sturz von Saddam Hossein massive militärische und finanzielle Unterstützung aus dem Iran erhalten hat, hat kürzlich die Demonstranten im Irak aufgefordert, in den Zelten, die die Demonstranten bei länger dauernden Protesten aufschlagen, die Trennung der Geschlechter einzuhalten, auf den öffentlichen Plätzen keinen Alkohol zu konsumieren und die religiösen Vorstellungen nicht zu beleidigen. Moqtada Sadr soll erklärt haben, dass die Teilnahme von Frauen an den Protesten unmoralisch sei und eine religiös nicht gestattete Vermischung von Männern und Frauen sei.
Darauf sind Tausende von Irakerinnen auf die Straße gegangen, um gegen die Äußerungen des Geistlichen zu protestieren.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=200378
vom 25. Bahman 1398 (14. Februar 2020)
عکس / پاسخ زنان عراقی به مقتدی صدر در مورد ‚زنانه مردانه شدن‘ تظاهرات ضد دولتی

Proteste gegen den neuen irakischen Premierminister Mohammed Tawfiq Allawi

Links: Mohammed Tawfiq Allawi, neuer irakischer Premierminister, rechts: Barham Salih, irakischer Präsident

Seit dem 1. Februar gibt es im Irak einen neuen Premierminister. Er heisst Mohammed Tawfiq Allawi und ist Nachfolger von Adil Abd al-Mahdi, der im November letzten Jahres nach massiven Protesten mit zahlreichen Todesopfern von seinem Amt zurückgetreten war. Zuletzt hatte er die Regierung nur noch kommissarisch geleitet.

Auch gegen den neuen Premierminister sind nun wieder Proteste in Baghdad und anderen Städten im Süden des Iraks aufgeflammt. Mohammed Tawfiq Allawi wird nachgesagt, dass er von der iranischen Regierung und von Muqtada as-Sadr, einem radikalen, irakischen Geistlichen, Milizenführer und Schiiten-Politiker unterstützt wird.

https://fararu.com/files/fa/news/1398/11/13/620693_868.png
Proteste gegen Mohammed Tawfiq Allawi im Februar 2020

Iran: Die Täter als Opfer

Die „Stimme der Verteidiger“ – Webseite der internationalen Hilfstruppen des Irans im Krieg in Syrien, Irak und Libanon


Zur Unterstützung des syrischen Regimes von Baschar al-Asad setzte der Iran auch speziell angeworbene Kämpfer aus Pakistan, Afghanistan, Libanon, Iran und dem Irak ein, die unter dem Namen „Modafe’ane Haram“ antraten, das heißt, die Verteidiger des Heiligtums, womit das Mausoleum von Zainab gemeint ist, der Tochter von Imam Ali und Fatima.

„Die Verteidiger des Heiligtums, doppeltes Opfer der Gleichgültigkeit“


Wie die Webseite dieser Organisation, deren militärisches Rückgrat die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) bilden, in der letzten Woche (5.-11. Bahman 1398) bekannt gab, wurden diese Kämpfer auch Ende letzten Jahres gegen die iranische Bevölkerung eingesetzt, die nach den Benzinpreiserhöhungen auf die Straße ging.

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Das Zainab-Mausoleum in Damaskus, Syrien. Es ist zugleich das Zentrum eines Basars, der in den Händen der iranischen Pasdaran liegt


Die Webseite schreibt: „Wie wir im Monat Aban selbst erleben konnten, schlugen die Proteste der Bevölkerung, die für ihren Lebensunterhalt kämpft, in Gewalt um, so dass viele der Jungs von den „Verteidigern des Heiligtums“ gezwungen waren, in Aktion zu treten. Dabei sind leider einige dieser Liebsten wie Mortaza Ebrahimi den Märtyrertod gestorben. Im Verlauf der Ereignisse wurden wir Zeugen, dass wieder diese Verteidiger geopfert wurden und die im Staatsapparat ihre Verantwortung nicht übernommen haben.“
Gemeint ist, dass diese Kämpfer von den staatlichen Organen zwar zur Niederschlagung der Proteste eingesetzt wurden, aber danach keiner etwas davon wissen wollte, die Angehörigen dieser staatlichen Hilfstruppen zu unterstützen.

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Asghar Paschapour

Asghar Paschapour, ein bekannter Kommandant der Sepahe Qods in Syrien, einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionswächter für „Auslandsoperationen“, ist am Sonntag, den 2.2.2020 in Syrien getötet worden. Offenbar kam er bei Kampfhandlungen von Assads Truppen und iranischen Unterstützungseinheiten, die gemeinsam einen Vorstoß gegen syrischen Oppositionseinheiten durchführten, ums Leben. Er galt in Syrien als rechte Hand von General Qasem Soleimani, der jüngst auf Befehl von US Präsident Trump in Baghdad getötet wurde.

https://news.gooya.com/2020/02/post-34903.php
صفحه نخست » فرمانده ارشد نیروی قدس سپاه پاسداران در حلب کشته شد

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199746
vom 14. Bahman 1398 (3. Februar 2020)
سایت «مدافعان حرم»: بسیاری از ما مجبور به ورود به جریان آبان‌ماه شدیم

https://fa.wikipedia.org/wiki/مدافعان_حرم

https://www.sedayemodafean.org/sedaye-shoma/20818/
5.-11. Bahman 1398
مدافعان حرم، قربانی مضاعف بی‌تدبیری‌ها

Reaktionen von Iranerinnen und Iranern im In- und Ausland zum Attentat auf General Qasem Soleimani

Es muss zwischen den offiziellen staatlichen und nicht offiziellen Reaktionen von Iranerinnen und Iraner unterschieden werden, die sehr unterschiedlich ausfallen.

Offizielle Reaktion

Die offizielle Reaktion ist das, was wir gerade in allen iranischen und nichtiranischen (Mainstream)Medien, auf allen Kanälen, teilweise sogar im Livestream zu sehen bekommen: Trauerfeiern mit hundertausenden (laut vielen Medien Millionen) Menschen in Teheran, Maschad oder Kerman, Racheschwüre und Drohungen der „wütenden iranischen Bevölkerung“.

Die islamische Regierung im Iran hat 40 Jahre Erfahrung mit solchen Inszenierungen und führt jedes Jahr mindestens drei vergleichbar große Straßenumzüge durch: den Aschura Tag, anlässlich des Todestages vom dritten Imam, Imam-Husain, dann laut iranischer Trauertradition 40 Tage später ein weiterer Tag und schließlich am Todestag seines Vaters Ali, dem ersten Imam, am 21. des Fastenmonats Ramadan.

Diese Tradition ist über tausend Jahre alt. Die Geistlichkeit hatte an diesen Tagen stets die Möglichkeit, Millionen von Gläubigen auf die Straßen oder in die Moscheen zu bringen und trauern zu lassen. Dies stellte eine eindrückliche Machtdemonstration der Geistlichkeit dar und unterstrich ihren Anspruch auf einen Teil der politischen Macht – persische Herrscher und Könige hatten darum immer Angst vor der Geistlichkeit. Auch Ayatollah Chomeini verstand es, diese drei Tage zu nutzen und setze bereits Jahre vor der Islamischen Revolution auf diese Karte.

Diese Tradition wird auch unter dem heutigen Religionsführer Chamene’i fortgesetzt. Unter der islamischen Regierung werden Pasdaran (Revolutionswächter) und deren Angehörige, Bassidschi (Milizen), deren Eltern, Kinder und sonstigen Familienmitglieder, Staatsbedienstete, und Arbeitnehmer, ganze Schulen, die Gläubigen, die Armen und die sonstwie vom Regime Abhängigen mobilisiert. Es werden hunderte kostenlose Busse aus dem ganzen Land auf den Weg geschickt und Benzingutscheine für die Anreise verteilt. Allein schon die kostenlose Verpflegung mit Obst oder (Fleisch)Sandwiches sind für arme Leute ein Anreiz.

Auf diese Weise können problemlos Millionen Menschen auf die Straße gebracht werden und genauso wurde nun im Fall des General Qasem Soleimani verfahren.

Inoffizielle Reaktion

Die inoffizielle Reaktion ist komplizierter. Viele Künstlerinnen und Künstler im Iran sind sich über die Verbrechen des General Qasem Soleimani im klaren, können aber in dieser aufgeheizten Situation im Iran nicht frei sprechen. Es zeugt bereits von großem Mut, wenn man in den sozialen Medien eine kritische Andeutung macht. Die meisten werden ihre Skepsis an den Trauerfeierlichkeiten allerdings durch Schweigen äußern. Sie sagen in der Öffentlichkeit nichts für und nichts gegen den General Qasem Soleimani.

Anders sieht es da schon im Ausland aus. Hier leben Exiliraner*innen, die aus guten Gründen den Iran verlassen haben, gut informiert sind und bei der Kritik am System der Rechtsgelehrten auch in der Öffentlichkeit kein Blatt vor den Mund nehmen. Hier erinnert man mit klaren Worten an den blutigen Werdegang des Generals bis zum Anführer der Al-Quds-Brigaden. Einschränkend wiederum muss man sagen, dass Exiliraner*innen, die regelmäßig ihre Verwandten im Iran besuchen, auch vorsichtig sein müssen und höchstens in vertraulichen Privatgesprächen ihre Kritik am Mullahregime äußern.

Reaktion der afghanischen Abgeordneten Belreis Roschan

Die afghanische Abgeordnete Belreis Roschan (Belquis Roshan) hat diese Woche eine kritische Rede im afghanischen Parlament gehalten, in der sie ihre Trauer äußert, nicht anlässlich des Todes von General Qasem Soleimani, sondern im Gedenken an die 5.500 jungen, afghanischen Männer, die von ihm für seine sog. Fatemidenarmee im syrischen Bürgerkrieg angeworben wurden und dort für die Unterstützung von Baschar al-Assad ihr Leben lassen mussten. Sie stammen aus armen Verhältnissen, migrieren mit ihren Familien in den Iran, wo sie kein Aufenthaltsrecht und keine Arbeitserlaubnis bekommen und aus dieser Not heraus auf das Angebot, in Syrien zu kämpfen, eingehen. Im Gegenzug erhalten sie 2.500 Dollar monatliches Einkommen und haben nach ihrer Rückkehr Aussicht auf einen iranischen Pass und eine Stelle beim Staat. Sterben sie im Kampf, werden ihre Familienangehörigen versorgt.

Afghanische Abgeordnete Belreis Roschan (Belquis Roshan), Januar 2020
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=3_Xrc1mgCrM

Iran: Tod eines Generals

Begräbnis von General Qasem Soleimani (Quelle 7)
Der Text auf dem Plakat: Wir schlagen dem, der nach dem Märtyrertod des Generals noch von Verhandlungen (mit den USA) spricht, eins in die Fresse!

US-Angriff
Am 3. Januar 2020 starb der iranische General Qasem Soleimani zusammen mit weiteren Personen infolge eines US-Raketenangriffs nahe dem Internationalen Flughafen von Baghdad.
Laut einer Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums vom 2. Januar 2020 (siehe Quelle 1)
erfolgte der Angriff aufgrund einer Anweisung des US-Präsidenten, Qasem Soleimani umzubringen. Der Anschlag wurde damit begründet, dass General Soleimani, dem die Quds-Streitkräfte der Revolutionswächter unterstanden, für den Tod von Hunderten von Amerikanern verantwortlich sei und für die Angriffe auf die US-Botschaft in Baghdad, die diese Woche (d.h. die Woche, in der der 2. Januar lag) stattfanden.
Wer war Qasem Soleimani? Wir versuchen, hierzu aus diversen Quellen eine Antwort zusammenzutragen.

Kindheit von Qasem Soleimani
Qasem Soleimani wurde am 11. März 1957 in einer Bauernfamilie in einem Bergbauerndorf namenes Qanate- Molk im Landkreis Rabor in der ostiranischen Provinz Kerman geboren (Quellen 2,3,5). Er hatte fünf Schwestern und einen Bruder namens Sohrab. Sohrab wurde später Generaldirektor der Gefängnisorganisation von Teheran (Q 4). Sein Vater hatte von der Schahregierung einen landwirtschaftlichen Kredit von 900 Tuman (damals ca. 100 Dollar) erhalten und konnte ihn nicht zurückzahlen (Q6). Deshalb verließ Qasem Soleimani im Alter von 13 Jahren nach 5 Jahren die Grundschule und machte sich zusammen mit einem anderen Jugendlichen auf den Weg in die Provinzhauptstadt Kerman, um dort Geld zu verdienen, damit die Familie die Schulden abbezahlen konnte (Q5). Die Kinder lebten in der Angst, dass ihr Vater verhaftet würde, weil er die Schulden nicht abbezahlen konnte. Qasem Soleimani war damals so mager, dass keiner ihn zur Arbeit auf dem Bau nehmen wollte, denn das war damals der Arbeitsmarkt für Ungelernte in der Stadt. Schließlich wurden er und sein Freund für den Bau einer Schule am Rand von Kerman angeheuert, für einen Tagelohn von 2 Tuman. Nach acht Monaten hatten sie genug Geld angespart, um es nach Hause zu bringen (das heißt nicht, dass bis dahin der Gesamtbetrag von 900 Tuman zusammengekommen wäre). Die Arbeit in der Stadt dürfte der Situation von Obdachlosen nahe gekommen sein, falls die Familie dort keine Verwandten hatte. Nach Abzahlung des Kredits bekam Qasem Soleimani Auftragsarbeiten der Sazemane Abe Kerman (Wasserwerk von Kerman, das für die Versorgung der Häuser mit Wasser zuständig ist, und für den Bau und Unterhalt des Wasserleitungsnetzes verantwortlich ist (2). Er stieg bis zum Assistent eines Ingenieurs auf. In seiner Freizeit trainierte Qasem Soleimani Gewichtheben in örtlichen Trainingsklubs (6), praktizierte Karate und war Fitness-Trainer (mit heutigen Worten) (4). Während des Fastenmonats besuchte Qasem Soleimani die Predigten eines Wanderpredigers namens Hojjat Kamyab, eines Schützlings von Khamene’i (Frage, ist das ein Schreibfehler im Original und nicht stattdessen Ajatollah Chomeini gemeint?). Diese Predigten eröffneten ihm die Perspektive einer möglichen Revolution im Iran (6).
Als der Schah Anfang 1979 gestürzt wurde, war Qasem Soleimani 22 Jahre alt.

Die Revolution von 1979
Diese Revolution veränderte das Leben von Qasem Soleimani gewaltig. Im ganzen Land wurden sogenannte Komitees gebildet, die in der Regel unter der Kontrolle von Geistlichen standen und auf Stadtteilebene eine staatliche Ordnung mit Waffengewalt durchsetzten. Die Waffen wurden bei der Eroberung der Kasernen erbeutet und gelangten so in die Hände der Bevölkerung. Durch seine Kontakte zu dem genannten Wanderprediger dürfte Qasem Soleimani das Vertrauen der lokalen Geistlichen erlangt haben, er stand nicht im Geruch, einer linken Organisation anzugehören. Auch wenn über diese Zeit in den Quellen nichts geschrieben wird, ist anzunehmen, dass er Dank seiner Begeisterung über die Revolution und seiner ideologischen Unverdächtigkeit in die Kreise derer aufgenommen wurde, die die neue Organisation der Revolutionswächter (Sepahe Pasdaran) aufbauen sollten. Er selbst wurde Mitglied der Vereinigung Sepahe Eftexari (Ehren-Streitkraft) von Kerman(2). Am Anfang hat er vielleicht nur eine kurze militärische Ausbildung von 45 Tagen erhalten, wie Dexter Filkins vermutet (6). Zuerst wurde er mit der Wasserversorgung der Provin Kerman betraut (5). Aber bald schon wurde er in den Nordwesten des Irans entsandt, um dort die Aufstände der Kurden niederzuschlagen (6), wobei die russische Wikipedia dabei hinzufügt, dass er bei der Niederschlagung keine Schlüsselrolle spielte (5).

Der iranisch-irakische Krieg
Als Saddam Hussein am 22. September 1980 den Iran angriff, hatte Qasem Soleimani den Rang eines Leutnants in den Reihen der Streitkräfte der Revolutionswächter (5). Die Revolutionswächter wurden als Armee mit eigenen Landstreitkräften, Marine und Luftwaffe aufgebaut und besaßen eine eigene Uniform, da die neuen Machthaber kein Vertrauen in die verbliebenen Offiziere der Schah-Armee hatten und jederzeit einen Putsch befürchteten. Während des Kriegs galt Qasem Soleimani als wagemutiger junger Mann, so dass er bald mit dem Aufbau einer Brigade aus Kerman betraut wurde. Hierfür zog er viele junge Männer heran, die er während in den Klubs für Gewichtsheben in Kerman kennen gelernt hatte (6). Laut Dexter Filkins verabschiedete sich Qasem Soleimani vor jeder Schlacht von seinen Soldaten mit einer Umarmung und bat sie um Verzeihung, dass er nicht selbst als Märtyrer sterbe. Die iranische Strategie, die wenig auf Technik und mehr auf das Verheizen von Menschenleben setzte und namentlich der sinnlose Angriff auf die Halbinsel Faw soll Soleimani bedrückt haben, wie Dexter Filkins schreibt. Dem widersprechen Angaben von Augenzeugen jener Zeit, die berichten, dass Qasem Soleimani damals selbst Kinder unter 12 Jahren aus den Provinzen Kerman, Yazd und Sirjan für den Krieg angeworben hat. Zum Ausgleich versprach der den Eltern, wenn die Kinder dabei stürben, kämen sie ins Paradies und die Eltern würde bis zum Ende ihres Lebens ein Gehalt wie staatliche Angestellte erhalten (mündliche Quelle).

Giftgas
Während des iranisch-irakischen Krieges setzte der Irak auch Giftgas ein. Die Waffen wurden mit westlicher Hilfe gebaut, auch deutsche Firmen waren damals daran beteiligt. 1987 wurde eine Division unter dem Kommando von Qasem Soleimani im Kampf mit der irakischen Armee mit Artilleriegeschossen bombardiert, die chemische Waffen enthielten. Mehr als 100 Männer seiner Einheiten litten darauf an den Folgen der chemischen Waffen (6). Da der Krieg zwischen Iran und Irak in der offiziellen Darstellung im Iran ohnehin als ein Krieg betrachtet wird, der von den USA und vom Westen allgemein angestiftet wurde, ist es naheliegend, dass dem Westen aus dieser Perspektive jegliche Berechtigung abgesprochen wird, irgendwelche moralischen Urteile zu fällen. Menschen mit so einer Vorgeschichte wie Qasem Soleimani werden Ermahnungen zur Einhaltung der Menschenrechte aus Deutschland, England oder den USA gewiss nur für pure Heuchelei halten.

Sepah-e Qods (Qods-Streitkräfte)
1374 (1995/6) wurde Qasem Soleimani zum Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte der Pasdaran ernannt. Zu jener Zeit erreichten die Taliban im benachbarten Afghanistan den Höhepunkt der Macht. In der Zeit davor war Soleimani für die Bekämpfung des Schmuggels an der Ostgrenze des Irans zuständig gewesen, also somit auch des Drogenschmuggels aus Afghanistan via Iran in die Türkei. Die Qods-Streitkräfte sind die Einheit der Pasdaran (Revolutionswächter), die für Auslandsoperationen bis hin zur Ermordung politischer Gegner im Ausland zuständig ist. In dieser Funktion spielte Qasem Soleimani über einen Zeitraum von fast 25 Jahren eine zentrale Rolle im Nahen Osten. Er organisierte die Unterstützung und Ausbildung der Hesbollah im Libanon, den Aufbau von sogenannten Volksmilizen in Syrien, um die Regierung von Baschar al-Asad zu stützen, wozu er auch über 10.000 Afghanen heranzog, die im Iran lebten und denen er einen festen Aufenthalt im Iran mit dem Recht, eine Familie zu gründen, versprach. Er sorgte für die Etablierung verschiedener bewaffneter Gruppen und Milizen im Irak, sowohl unter Schiiten wie unter Sunniten, hatte regelmäßige Kontakte zu den irakischen Kurdenführern Talebani und Barsani und war sowohl Gegenspieler der US-Streitkräfte im Irak wie auch ihr heimlicher Partner, als es um den Kampf gegen den IS (Islamischen Staat) im Irak und Syrien ging. Dabei muss man allerdings bedenken, dass heute in der westlichen Presse seine Rolle wesentlich stärker hervorgehoben wird als die der kurdischen Kräfte im Irak und im Syrien, so dass hier nachträglich eine „Korrektur“ des Geschichtsbilds stattzufinden scheint.
Es gibt so viel über die Tätigkeit von Qasem Soleimani in seiner Zeit als Oberbefehlshaber der Qods-Streitkräfte zu berichten, dass sich damit ein Buch füllen lässt. Allein schon das Thema der Entführungen aus dem Ausland und der Ermordung von Personen im Ausland wäre schon ein langes Kapitel, das wir hier nicht einmal anschneiden.

Familie
Qasem Soleimani selbst hat zwei Söhne und zwei Töchter (4), laut Dexter Filkins sind es drei Söhne und zwei Töchter, 2013 soll er sich besorgt gezeigt haben, dass seine damals (2013) in Malaysien lebende Tochter Narges „vom islamischen Weg abweiche“.
Qasems Bruder Sohrab Soleimani war eine Zeitlang Generaldirektor der Gefängnisorganisation von Teheran, weshalb er von den USA auf die Sanktionsliste gesetzt wurde, „wegen seiner Rolle bei Menschenrechtsverletzungen in iranischen Gefängnissen“ (Q4).

Quellen:

  1. https://web.archive.org/web/20200103031549/https://www.defense.gov/Newsroom/Releases/Release/Article/2049534/statement-by-the-department-of-defense/
  2. Persischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://fa.wikipedia.org/wiki/قاسم_سلیمانی
  3. Türkischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://tr.wikipedia.org/wiki/Kasım_Süleymani
  4. Englischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Qasem_Soleimani
  5. Russischsprachige Wikipedia zu Qasem Soleimani:
    https://ru.wikipedia.org/wiki/Сулеймани,_Касем
  6. Artikel von Dexter Filkins in The New Yorker vom 30. September 2013, The shadow commander
    https://www.newyorker.com/magazine/2013/09/30/the-shadow-commander
  7. https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=197950 vom 6. Januar 2020

Iranisches Konsulat im irakischen Nadschaf niedergebrannt, 24 Tote

https://gdb.rferl.org/1B5F1EE6-1EEB-46E6-B368-EB621631B9EA_w1023_r1_s.jpg
Niedergebranntes iranische Konsulat am 29.11.2019, Nadschaf, Irak

Wütende irakische Demonstranten haben heute, den 29.11.2019, das iranische Konsulat in Nadschaf, Zentralirak niedergebrannt.

Die Demonstraten riefen Parolen gegen den iranischen Religiösen Führer Ali Khamenei und traktierten seine Abbildungen mit Schuhsohlen.

24 Demonstraten wurden im Laufe der Auseinandersetzungen von irakischen Sicherheitskräften erschossen.

Quelle