Iran: Nasrin Sotude tritt in Hungerstreik

Menschenrechtlerin Nasrin Sotude


Die politische Gefangene Nasrin Sotude tritt in Hungerstreik, um auf diesem Weg die Freilassung aller politischen Gefangenen im Iran zu fordern. Angesichts der Virus-Epidemie fordert sie eine Politik der nationalen Versöhnung.

https://news.gooya.com/2020/03/post-36321.php
vom 16. März 2020
بیانیه نسرین ستوده و اعلام آغاز اعتصاب غذا

Qom: Heiligtum der Ma’sume geschlossen

Dies ist eine Seitentür des Ma’sume-Heiligtums in Qom, die angeblich von Protestierenden aufgebrochen wurde. Der „Bruch“ sieht sehr sauber aus. Kam der „Angriff“ von innen?


Ma’sume, die Schwester von Imam Resa, ist in Qom begraben. Imam Resa ist in Maschhad begraben. Die Gräber der beiden sind wichtige Wallfahrtsorte der Schiiten im Iran und zugleich wichtige Wirtschaftszentren der religiösen Stiftungen, die nach der Revolution von 1979 viele Ländereien und Firmen von Schahanhängern übernommen haben.
Qom war im Iran ein wichtiger Startpunkt für die Ausbreitung des Coronavirus, ebenso Maschhad, denn in religiösen Zentren drängen sich die Menschen um die Heiligenschreine, ein günstiger Umstand für die Ausbreitung von Viren. Die Geistlichkeit in beiden Städten, die ihre Pfründe in Gefahr sahen, denn die Pilger lassen eine Menge Geld zurück, hat ihr bestes getan, damit namentlich über Qom keine Quarantäne verhängt wird. Mit Erfolg: Der Virus konnte sich von Qom aus im ganzen Land ausbreiten. Und auch in der Provinz Chorasane Razavi, in der Stadt Maschhad, sind amtlich 230 Menschen vermutlich am Coronavirus gestorben.
Jetzt wurde das Heiligtum der Ma’sume in Qom geschlossen. Darauf haben einige Gläubige oder sogenannte Unbekannte, die im Auftrag der Geistlichkeit handeln, eine dieser Türen wieder aufgebrochen, aus Protest gegen die Schließung. Auch jetzt noch kommen viele Menschen zu diesem Heiligtum.

https://www.radiofarda.com/a/breaking-the-door-of-a-religious-place-in-qom/30491072.html
vom 24. Esfand 1398 (16. März 2020)
کرونا؛ معترضان درِ حرم «حضرت معصومه» را برای جلوگیری از تعطیلی آن شکستند

Iran: Brandstiftung als Virusbekämpfung?

Brandstiftung im Gesundheitszentrum Touhid in Bandar-Abbas am 28.2.2020


Der von Saudiarabien finanzierte Nachrichtensender Iran International berichtet, dass am Freitagabend, den 28. Februar 2020, eine Menschenmenge vor dem Gesundheitszentrum Darmangahe Touhid in Bandar-Abbas zusammengekommen ist, um dagegen zu protestieren, dass aus Qom Menschen mit Corona-Virus-Erkrankungen dorthin verlegt werden. Ein entsprechendes Gerücht war in Umlauf gebracht worden. Der Protest beschränkte sich freilich nicht auf Worte. Das Gesundheitszentrum wurde angezündet. Der Brand konnte aber von der Feuerwehr rasch gelöscht werden.
Schon früher hatte es in verschiedenen Regionen im Iran Proteste gegeben, sobald bekannt wurde, dass dort Quarantäne-Stationen für Corona-Erkrankte oder für Corona-Verdächtige eingerichtet werden sollen. So am 1. Esfand in den Städten Masal und Schaft in der Provinz Gilan, später in der Stadt Selsele in der Provinz Lurestan.
Amtliche Dementis bringen in solchen Situationen meistens nichts, da der Stadt in den Augen der Mehrheit seine Glaubwürdigkeit verspielt hat.
Ebenfalls bekannt wurde, dass 25 Religionsstudenten in Basargan an der iranisch-türkischen Grenze im Ja°farpur-Hotel der Stadt untergebracht sind. Sie hatten in Qom Theologie studiert, und als sie in die Türkei zurückkehren wollten, war die Grenze geschlossen, worauf sie im Hotel untergebracht wurden. Am Donnerstagabend hat ein Teil der Bevölkerung in Basargan vor dem Hotel gegen diese Theologiestudenten protestiert, weil sie befürchten, dass diese ebenfalls vom Corona-Virus infiziert sind. Aus Qom sind die höchsten Infektionszahlen im Iran bekannt.

https://news.gooya.com/2020/02/post-35783.php
Saturday, Feb 29, 2020
معترضان به «شایعه انتقال بیماران کرونا از قم به بندرعباس» درمانگاه شهرک توحید را آتش زدند

Teheran (Iran): Studenten protestieren gegen die Regierung

# 1500 – die Toten vom November 2019 # 176 – die Toten vom Flugzeugabschuss # …?


Am Sonntag, den 16. Februar, haben Studenten auf dem Gelände der Amir-Kabir-Universität in Teheran gegen die repressive staatliche Politik protestiert. Die Demonstranten erinnerten am 40. Tag seit dem Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs durch die Revolutionswächter an die 176 zivilen Opfer dieser Politik, ebenso an die mindestens 1500 Menschen, die bei den Protesten im November des Jahres 2019 ums Leben kamen.

Ajatollah Chomeini vor der Machtergreifung:
mizan ra’ye mellat ast – Maßstab ist die Stimme des Volkes
umgewandelt von den Studenten:
mizan ranje mellat ast – Maßstab ist das Leiden des Volkes
Mit dem ersten Satz meinte Chomeini, dass er abdanken würde, wenn das Volk es wünsche.
Die Mütter leiden –
hier ist überall Sumpf.
Anspielung auf das Massaker in den Sümpfen von Mahschahr.
Lasst Neda Naji frei!
Für eine inhaftierte Aktivistin

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/82771/
vom 16.02.2020
تجمع دانشجویان دانشگاه امیرکبیر در اعتراض به حکومت

Iran: Iranisch-französische Forscherin seit anderthalb Monaten im Hungerstreik

Fariba Adelkhah, seit 24. Dezember 2019 im Ewin-Gefängnis in Teheran im Hungerstreik


Fariba Adelkhah, die zusammen mit ihrem Gefährten Roland Marchal Mitte 2019 verhaftet wurde, wird seitdem ebenso wie ihr Gefährte im Ewin-Gefängnis in Teheran in Haft gehalten. Fariba Abdelkhah, eine Forscherin des Instituts für Politikwissenschaften in Paris, ist am 24. Dezember 2019 in Hungerstreik getreten, um gegen ihre Inhaftierung zu protestieren. Ihre Akte liegt zusammen mit der ihres Freundes bei der 15. Kammer des Revolutionstribunals von Teheran, in den Händen des berüchtigten Richters Salawati. Den beiden wird „propagandistische Tätigkeit gegen das System“ sowie „krimineller Zusammenschluss gegen die nationale Sicherheit“ vorgelegt, als rein politische Tatbestände.

Fariba Adelkhah ergeht es wie einer Reihe anderer Doppelstaatler, die neben der ausländischen noch die iranische Staatsbürgerschaft besitzen. Der Iran entlässt sie nicht aus der Staatsbürgerschaft und behandelt sie anschließend als „eigene“ Bürger, ohne dass sie den Schutz der Botschaft in Anspruch nehmen können, zu dem ausländische Staatsbürger berechtigt sind.

https://www.radiofarda.com/a/30426834.html
vom 21. Bahman 1398 (10. Februar 2020)
فریبا عادل‌خواه بیش از یک ماه و نیم در اعتصاب غذاست

Iran: Blumen zum Tag der Frau – neun bis 12 Jahre Gefängnis

Blumen zum Tag der Frau: die drei Frauen
erhielten zwischen 9 und 12 Jahren plus 7 Monaten Gefängnis


Am 8. März 2019 hatten mehrere Frauen ohne Kopftuch in der Metro von Teheran Blumen an die in der Metro sitzenden Frauen verteilt und ihnen ihren Wunsch mitgeteilt, dass sie einmal ganz normal nebeneinander auf der Straße gehen können, in einem Iran, in dem jede Religion und Überzeugung geachtet wird. Von dieser Aktion wurden Videoaufnahmen gemacht. Drei Frauen wurden im Sommer 2019 verhaftet. Die 28. Kammer des Revolutionstribunals von Teheran unter dem Vorsitz von Richter Maqise sprach folgendes Urteil: Yasmin Ariyani und Monire Arabshahi wurden zu je 16 Jahren Gefängnis, Mozhgan Keshavarz zu 23 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt. Wie Amir Ra’isiyan, der Anwalt der verurteilten Frauen, mitteilte, fand jetzt vor der 54. Kammer des Revisionsgerichts der Provinz Teheran das Revisionsverfahren statt. Dabei ergingen ohne Verhandlung am Mittwoch, den 16. Bahman 1398 (5. Februar 2020), folgende Urteile:
Yasmin Aryani und ihre Mutter Monire Arabshahi erhielten je 9 Jahre und 7 Monate Gefängnis, Mozhgan Keshavarz 12 Jahre und 7 Monate. Davon sind auf alle Fälle fünfeinhalb Jahre in Haft zu verbüßen.
Den Frauen waren folgende Delikte vorgeworfen worden:
„Krimineller Zusammenschluss zur Verletzung der nationalen Sicherheit“, „Förderung und Begünstigung von moralischer Verderbtheit und Prostitution auf dem Wege der Ignorierung der Kopfbedeckungspflicht“, „Propaganda gegen das System.“
Hier ein Video von der Aktion in der Metro:

Proteste gegen den neuen irakischen Premierminister Mohammed Tawfiq Allawi

Links: Mohammed Tawfiq Allawi, neuer irakischer Premierminister, rechts: Barham Salih, irakischer Präsident

Seit dem 1. Februar gibt es im Irak einen neuen Premierminister. Er heisst Mohammed Tawfiq Allawi und ist Nachfolger von Adil Abd al-Mahdi, der im November letzten Jahres nach massiven Protesten mit zahlreichen Todesopfern von seinem Amt zurückgetreten war. Zuletzt hatte er die Regierung nur noch kommissarisch geleitet.

Auch gegen den neuen Premierminister sind nun wieder Proteste in Baghdad und anderen Städten im Süden des Iraks aufgeflammt. Mohammed Tawfiq Allawi wird nachgesagt, dass er von der iranischen Regierung und von Muqtada as-Sadr, einem radikalen, irakischen Geistlichen, Milizenführer und Schiiten-Politiker unterstützt wird.

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Proteste gegen Mohammed Tawfiq Allawi im Februar 2020

Iran: Die Täter als Opfer

Die „Stimme der Verteidiger“ – Webseite der internationalen Hilfstruppen des Irans im Krieg in Syrien, Irak und Libanon


Zur Unterstützung des syrischen Regimes von Baschar al-Asad setzte der Iran auch speziell angeworbene Kämpfer aus Pakistan, Afghanistan, Libanon, Iran und dem Irak ein, die unter dem Namen „Modafe’ane Haram“ antraten, das heißt, die Verteidiger des Heiligtums, womit das Mausoleum von Zainab gemeint ist, der Tochter von Imam Ali und Fatima.

„Die Verteidiger des Heiligtums, doppeltes Opfer der Gleichgültigkeit“


Wie die Webseite dieser Organisation, deren militärisches Rückgrat die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) bilden, in der letzten Woche (5.-11. Bahman 1398) bekannt gab, wurden diese Kämpfer auch Ende letzten Jahres gegen die iranische Bevölkerung eingesetzt, die nach den Benzinpreiserhöhungen auf die Straße ging.

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Das Zainab-Mausoleum in Damaskus, Syrien. Es ist zugleich das Zentrum eines Basars, der in den Händen der iranischen Pasdaran liegt


Die Webseite schreibt: „Wie wir im Monat Aban selbst erleben konnten, schlugen die Proteste der Bevölkerung, die für ihren Lebensunterhalt kämpft, in Gewalt um, so dass viele der Jungs von den „Verteidigern des Heiligtums“ gezwungen waren, in Aktion zu treten. Dabei sind leider einige dieser Liebsten wie Mortaza Ebrahimi den Märtyrertod gestorben. Im Verlauf der Ereignisse wurden wir Zeugen, dass wieder diese Verteidiger geopfert wurden und die im Staatsapparat ihre Verantwortung nicht übernommen haben.“
Gemeint ist, dass diese Kämpfer von den staatlichen Organen zwar zur Niederschlagung der Proteste eingesetzt wurden, aber danach keiner etwas davon wissen wollte, die Angehörigen dieser staatlichen Hilfstruppen zu unterstützen.

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Asghar Paschapour

Asghar Paschapour, ein bekannter Kommandant der Sepahe Qods in Syrien, einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionswächter für „Auslandsoperationen“, ist am Sonntag, den 2.2.2020 in Syrien getötet worden. Offenbar kam er bei Kampfhandlungen von Assads Truppen und iranischen Unterstützungseinheiten, die gemeinsam einen Vorstoß gegen syrischen Oppositionseinheiten durchführten, ums Leben. Er galt in Syrien als rechte Hand von General Qasem Soleimani, der jüngst auf Befehl von US Präsident Trump in Baghdad getötet wurde.

https://news.gooya.com/2020/02/post-34903.php
صفحه نخست » فرمانده ارشد نیروی قدس سپاه پاسداران در حلب کشته شد

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199746
vom 14. Bahman 1398 (3. Februar 2020)
سایت «مدافعان حرم»: بسیاری از ما مجبور به ورود به جریان آبان‌ماه شدیم

https://fa.wikipedia.org/wiki/مدافعان_حرم

https://www.sedayemodafean.org/sedaye-shoma/20818/
5.-11. Bahman 1398
مدافعان حرم، قربانی مضاعف بی‌تدبیری‌ها

Iran: Gefängnisstrafen für Rücktrittsforderung

Die Unterzeichner des offenen Briefes an Ajatollah Chamene’i, in dem sie dessen Rücktritt fordern


Mitte vergangenen Jahres hatten eine Reihe von Bürgerrechtsaktivisten im Iran einen offenen Brief an den Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i unterschrieben, in dem sie ihn aufforderten, von seinem Amt zurückzutreten, und zugleich eine Änderung der Verfassung forderten.
Wie der Rechtsanwalt Mohammad Hossein Aghasi mitteilt, wurde inzwischen gegen die Unterzeichner des Briefs vor dem Revolutionstribunal in Maschhad verhandelt und langjährige Gefängnisstrafen verhängt. Wie der Anwalt berichtet, hat das Revolutionstribunal die Urteile nicht veröffentlicht, vielmehr ist der Anwalt gezwungen, sich selbst zum Gericht zu begeben, um dort eine Abschrift der Urteile anzufertigen.
Laut Angaben von Mohammad Hossein Aghasi haben folgende Unterzeichner Gefängnisstrafen erhalten:
Abdol-Rasul Mortazavi, 26 Jahre Gefängnis.
Mohammad Sepehri, 6 Jahre Gefängnis.
Hashem Chastar (Khastar), 16 Jahre Gefängnis.
Mohammad Nurizad, 15 Jahre Gefängnis.
Fateme Sepehri, 6 Jahre Gefängnis.
Hashem Raja’i, Mohammad Hosseinpur und Mortaza Qasemi jeder 1 Jahr Gefängnis.

https://www.radiofarda.com/a/iran_court_sentenced_eight_people_khamenei_open_letter_prison/30412988.html
vom 14. Bahman 1398 (3. Februar 2020)
هشت تن از نویسندگان نامه درخواست «استعفای خامنه‌ای» به ۷۲ سال زندان محکوم شدند

Wir gehen nicht zum Fajr-Filmfestival im Iran

من به جشنواره فجر نمی روم!
Durchgestrichenes Logo des Fajr-Filmfestivals mit dem Schriftzug: „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival!“

Jedes Jahr im Januar / Februar findet in Teheran das Internationale Fajr-Filmfestival statt. Es wurde im Jahr 1982 vom iranischen Kultusministerium ins Leben gerufen. Ca. 10 Tage lang zeigen dem iranischen Staat genehme Filmschaffende ihre Werke und können hohe Fördergelder erhalten.

Doch dieses Jahr rufen 139 kritische KünstlerInnen aus dem Iran erstmals dazu auf, nicht an diesem Event teilzunehmen. Unter ihnen befinden sich weltbekannnte Regisseure und Schauspieler wie Jafar Panahi, Mohammad Rasul-Of, Hamid Farokhnejad, Tahmine Milani oder Tarane Alidusti. Dazu verbreiten sie das oben abgebildete Logo des Filmfestivals mit dem Satz „Ich gehe nicht zum Fajr-Filmfestival“.

Sie begründen in Interviews und auf ihren Websites ihren Appell mit dem Abschuss der ukrainischen Maschine nahe Teheran und den tagelangen Vertuschungsversuchen seitens des Militärs und der Regierung. Ebenfalls werden die Massaker gegen Protestierende auf den Straßen Irans in der Folge der Benzinpreiserhöhungen thematisiert.

Der Appell wurde heute publik. Sogleich nach seinem Bekanntwerden erhielten einzelne KünstlerInnen Anrufe vom iranischen Geheimdienst und wurden bedroht.

Quellen:

https://www.akhbar-rooz.com/%d9%85%d9%86-%d8%a8%d9%87-%d8%ac%d8%b4%d9%86%d9%88%d8%a7%d8%b1%d9%87-%d9%81%d8%ac%d8%b1-%d9%86%d9%85%db%8c-%d8%b1%d9%88%d9%85/

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=199027