Iran: Der Kampf ums Wasser führt ins Gefängnis


Jussef Farhadi Baba’i

Während die Prozesse gegen bekannte iranische Umweltschützer weiter gehen, kam es am Sonntag, den 17. Februar 2019, zu weiteren Verhaftungen. Jussef Farhadi Baba’i wurde am Sonntag zusammen mit seinem Bruder von den Sicherheitsorganen in Schahre Kord verhaftet. Er war in der Kampagne „Sedaye Paye Ab“ aktiv, die sich gegen die Wasserumleitungsprojekte mehrerer Flüsse im Iran wendet. Diese Wasserumleitungen haben schon im letzten Jahr zu heftigen Protesten der betroffenen Landbevölkerung geführt, die nun ihre Felder nicht mehr bewässern können.

Ebenfalls am Sonntag wurden zwei Umweltschützer in der kurdischen Stadt Sanandadsch verhaftet. Es handelt sich dabei um Arman Wafayi und Schahu Faradschi, die zugleich auch dem kurdischen Ableger der Hesbe Wahdate Melli angehören, einer Umweltschutzpartei, die erst vor zwei Jahren gegründet wurde.

https://www.radiofarda.com/a/arrest-of-an-iranian-enviroment-activist/29776724.html
vom 29. Bahman 1397 (18. Februar 2019)
se fa°°ale digare mohite zist dar iran bazdasht shodand

Iran: Umweltschützerin widerruft Geständnis unter Folter

Die Umweltschützerin Niloufar Bayani stand heute vor Gericht, nachdem sie vor über einem Jahr zusammen mit weiteren iranischen und internationalen Umweltschützern festgenommen worden war. Sie musste sich gegen den Vorwurf der Spionage verteidigen. Sie widerrief ihr vorangegangenes Geständnis unter Folter.


Niloufar Bayani

Während der heutigen Verhandlung wandte Niloufar Bayani sich an das Publikum im Gerichtssaal und schrie mit lauter Stimme, dass das unter Folter von ihr erpresste Geständnis nicht wahr sei. Sie berichtete, wie Verhörbeamten sie gefoltert und bedroht haben und beschrieb, wie ihr auch eine Spritze gegeben wurde. „Jeder hier im Saal hätte unter diesen Bedingen alles gesagt, was die Verhörbeamten sich wünschen“ erklärte sie dazu.

Niloufar Bayani ist in einem Gefängnis der Revolutionswächter inhaftiert. Sie hatte seit einem Jahr keinen Anwalt ihrer Wahl – lediglich ein Anwalt der Revolutionswächter wurde ihr zugeordnet. Ihr droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe.

Iran: Umweltschützern droht Todesstrafe


Seit neun Monaten sind eine Reihe bekannter iranischer UmweltschützerInnen in Haft. Aufgrund eines Berichts der Armee, die eigentlich für die Aufsicht über die Wälder zuständig ist, hat jetzt die Generalstaatsanwaltschaft die Anklage gegen fünf der Angeklagten auf „Verderber auf Erden“ umgewandelt, worauf die Todesstrafe steht. Die Verhörbeamten werden jetzt entsprechend der „Wunschliste“ des Generalstaatsanwalts entsprechende „Geständnisse“ fabrizieren. Die Anklage gegen die Umweltschützer ist abstrus und ist letztlich dadurch motiviert, dass diese Personen verschiedenen Herrschaften in die Quere gekommen sind, die sich ihr Jagdvergnügen nicht durch Umweltbedenken verleiden lassen wollen. Auch die Zusammenarbeit mit ausländischen Umweltschützern ist verpönt, daraus wird dann gleich Feindpropaganda und Spionage als Vorwurf produziert. Es macht gar keinen Sinn, sich mit den einzelnen Vorwürfen auseinander zu setzen, der Erfindungsgeist von Machthabern und ihrer Handlanger kennt nirgends Grenzen. Rechtsanwalt
Mohammad Hossein Aqasi, der einige der Umweltschützer vertritt, weist darauf hin, dass viele nicht den Anwalt ihrer Wahl nehmen durften sondern zwangsweise einen Anwalt zugewiesen bekamen, der gar nicht ihre Interessen vertritt.
Die inhaftierten Umweltschützer sind: Morad Tahbaz, Sam Rajabi, Amir Hossein Xaleqi, Human Jukar, Sepide Kashani (w), Nilufar Bayani (w), Taher Qadiriyan und Abdolreza Kuhpaye.
Die fünf Personen, die von der Änderung der Anklage betroffen sind, sind: Morad Tahbaz, Nilufar Bayani, Human Jukar, Sepide Kashani und Taher Qadiriyan.
Kawus Seyyed Emami, ein weiterer inhaftierter Umweltschützer, war Anfang dieses Jahres in der Haft gestorben. Die Behörden täuschten einen Selbstmord vor, die Angehörigen gehen davon aus, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.

http://www.etehadefedaian.org/?p=21943
vom 22. 10. 2018
mohammad-hosein aqasi: ettehame panj fa°°ale mohite zist be mofsed fi l-ard.

Südiran: Wasserproteste und ein Toter in Kamaraj

Kamaraj, ein Dorf westlich von Kazerun, Südiran, war diese Woche Schauplatz von heftigen Auseinandersetzung rund um die knappe Wasserversorgung.

Seit einigen Jahren nimmt der Wasserspiegel des in der Nähe von Kamaraj gelegenen Flusses stetig ab. Grund ist die zunehmende Trockenheit der Region, verstärkt durch Bewässerungsmassnahmen der Landwirte. Es ist in der Gegend nämlich üblich, seine für den täglichen Bedarf und für die Bewässerung der Landwirtschaftsflächen erforderlichen Wassermengen direkt dem Fluss zu entnehmen. Dafür kommen zahlreiche kleine Pumpen zum Einsatz.

Die Bezirksregierung hat diese Wasserentnahme verboten, das Verbot bislang aber nicht effektiv durchgesetzt. Den Dorfbewohner wurde keine Alternative aufgezeigt. Die Pumpen blieben somit weiter in Betrieb und der Wasserspiegel sank weiter.

Diese Woche hat sich die Bezirksregierung aus Kazerun zusammen mit der örtlichen Polizei vorbereitet und die illegalen Pumpen eingesammelt. Daraufin kam es zu starken auch gewaltförmigen Protesten in Kamaraj. Es flogen Steine und brennende Barrikaden wurden errichtet. Die Polizei reagierte mit Schusswaffen. Heute starb ein Bauer durch Schüsse. Ca. 20 Demonstranten wurden verletzt. Auch die Polizei beklagte ca. 12 Verletzte in ihren Reihen.

Iran – Afghanistan: Wassermangel am Hirmand-Fluss


Der Wassermangel ist in vielen Regionen des Irans immer mehr zu spüren. Der in Afghanistan entspringende Hirmand-Fluss führt so wenig Wasser, dass die Kanäle im angrenzenden Gebiet im Iran kein Wasser mehr führen. Das ist für die Bewässerung der Gärten verheerend, ebenso für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung.

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Quelle:
https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=158702
vom 8. Tir 1397 (29. Juni 2018)
°aks/ bohran-e kam-abi dar shahrestan-e marzi hirmand

Chorramschahr (Iran): Salz in der Leitung

So fing es an: Die Menschen in Chorramschahr, einer iranischen Großstadt an der Grenze zum Irak, stellten fest, dass das Wasser, das aus der Leitung war, kein Trinkwasser mehr war, sondern Salzwasser. Die Menschen gingen auf die Straße und protestierten. Der Freitagsimam von Chorramschahr – ein vom religiösen Führer Ajatollah Chamene’i eingesetzter Geistlicher, ermahnte die Bevölkerung zu Besonnenheit, ohne den Protest an und für sich zu kritisieren. Die Antwort der Regierung war dagegen gewalttätig. Sie setzte die sogenannten Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten ein, es gab Verletzte und eine Person soll laut Gerüchten von der Polizei erschossen worden sein. Diese gewaltsame Reaktion empörte die Bevölkerung umso mehr, und so versammelte sie sich täglich vor dem Sitz des Provinzgouverneurs. Um die Menschen zu beschwichtigen, wurden Zisternenwagen mit Trinkwasser geschickt, aber das war ein Tropfen auf den heißen Stein, für so eine große Stadt wie Chorramschahr, die 2012 knapp 140.000 Einwohner hatte.
Dann entdeckten die Einwohner, wo ihr bisheriges Trinkwasser abgeblieben war. Geschäftstüchtige Leute aus dem Kreise der Machthaber hatten es an den Irak verkauft, genauer sie hatten Leitungen nach Basra (Irak) legen lassen, um das Trinkwasser dort für gutes Geld zu verkaufen. Und stattdessen das Leitungssystem für die eigene Bevölkerung mit Salzwasser gespeist. Die wütende Bevölkerung fand heraus, wo diese Leitung nach Basra verlief und zerstörte sie mit primitiven Mitteln, um das Geschäft zu stoppen.
Das hatte Erfolg. Jetzt fließt wieder Süßwasser in den Leitungen von Chorramschahr.

https://news.gooya.com/2018/06/post-16244.php
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=87412
https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=158966

Iran – Umweltschützer: 90 Tage in Haft ohne Anklage


Mindestens 13 iranische UmweltschützerInnen, darunter Mortesa Ariya-Neschad, Nilufar Bayani, Human Dschoukar, Amir-Hossein Chaleqi-Hamidi, Hassan Ragh, Sam Radschabi, Aref Sare‘ (Zare°), Mohammad Sare‘, Ali-Resa Farhad-sade, Taher Qadiriyan, Abdol-Resa Kuhpaye undHamide Kaschani-Dust, sind seit rund 90 Tagen in Haft. Sie werden in Hafteinrichtungen diverser Geheimdienste festgehalten. Sie haben keinen Anwalt, ihr Haftort ist teilweise unbekannt, die Anklage wurde den Angehörigen nicht mitgeteilt, einige Gefangene haben keine Besuchserlaubnis erhalten, in den staatlichen Medien werden verleumdende Berichte über die Umweltschützer verbreitet.

Hintergrund ist wohl der, dass die iranischen Umweltschützer eine Reihe von Gebieten mit staatlicher Unterstützung unter Schutz stellen konnten. Die Bassidschis und Pasdaran, die ja kein Recht und kein Gesetz kennen, fuhren in die Reservate, um dort zu jagen, was dann durch die Verbindungen der Umweltschützer im Inland und Ausland bekannt gemacht wurde. Das war diesen Herrschaften wohl ein Dorn im Auge. Vermutlich ist das der Grund für den Rachefeldzug gegen die Umweltschützer.

Jetzt haben rund 800 Menschen aus dem Bereich Umwelt und Kultur einen offenen Brief an den Staatspräsidenten geschrieben, um sich für die inhaftierten Umweltschützer einzusetzen.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/74441/
vom 22.04.2018, 15:55
nameye nazdik be 800 nafar az ziste-mohiti, farhangi wa honari be rouhani
takliye bazdashtihaye mohite zisti-ra roushan konid

Iran – Isfahan: Demonstrationen der Bauern für ihr Wasser

Heute fand in der Stadt Isfahan eine personenstarke Kundgebung der Bauern und in schwarze Tschadors gehüllter Frauen statt, die ihr Wasser einforderten, dass durch das Ableiten des Wassers des Flusses Sayande-Rud für ihre Felder fehlt. Auch ihre Trinkwasserversorgung ist dadurch weggefallen. Im Gegensatz zur Region, wo die Sicherheitskräfte massiv eingreifen, greift die Polizei gegen diese Kundgebungen nicht ein. Auffallend ist, dass die Demonstrierenden direkt Parolen gegen die Regierung rufen, also gegen Präsident Hassan Rouhani und seine Minister. Inwieweit der Protest von Kreisen um den Religiösen Führer instrumentalisiert wird, um damit Rouhani unter Druck zu setzen, lässt sich derzeit mangels Informationen nicht beurteilen. Es gehen auch Gerüchte, dass damit die Atmosphäre für einen Putsch der Revolutionswächter (Pasdaran) geschaffen werden soll, die dann als Retter in der Not inszeniert werden.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=152155
vom 20. Farwardin 1397 ( 9. April 2018)
film / tazaharate bozorge haqq-abe-daran-e esfahan. emruz, 20 farwardin 97