Iran: Geistlicher Säure-Attentäter fordert Schaffung von Unsicherheit für Frauen

Freitags-Imam von Isfahan, Seyyed Yusef Tabatabai-Nezhad (76 Jahre)


Yusef Tabatabai-Nezhad (auch Tabatabai Nejad), Freitags-Imam von Isfahan, ist der Vertreter des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i in Isfahan und wurde von diesem auch in seinem Amt eingesetzt.

Säure ins Gesicht
In einer Freitagspredigt im Jahr 1393 (2014) hatte Yusef Tabatabai-Nezhad erklärt:
„Das Problem der (schlechten) Verschleierung hat inzwischen die Grenze von Ermahnungen überschritten. Im Kampf gegen die schlechte Verschleierung muss jetzt „die feuchte Rute gezückt werden“ (bayad chube tar-ra bala bord – eine Anspielung auf Schläge mit nassen Granatäpfelruten, die sehr weh tun, ohne dass die Ruten brechen), und „es müssen die zornigen Kräfte in Anspruch genommen“ werden. Sprich, vom Regime organisierte Gewalttäter sollen als „spontane“ Unbekannte zuschlagen. Unmittelbar im Anschluss an diese Predigt erhielten verschiedene Bürgerinnen dieser Stadt SMS-Mitteiliungen des Inhalts: „Den schlecht Verschleierten wird demnächst Säure ins Gesicht gespritzt.“ (ruye surate bad-hejaban asid pashide mishawad)
Kurz danach wurde mehreren Frauen von „Unbekannten“ eine Flüssigkeit ins Gesicht gesprüht, die sie stark verätzte. Bis heute hat die Polizei keinen einzigen Täter verhaftet…

Schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit!
Jetzt ist der Freitags-Imam Yusef Tabatabai-Nezhad wieder an die Öffentlichkeit getreten. Er hat eine Sitzung mit dem Stellvertreter des Vize-Direktors für „Nachrichtenwesen und Sicherheit“ des Generalstabs der bewaffneten Streitkräfte und mit dem Kommandanten der Polizeikräfte von Isfahan abgehalten, auf der er verlangte, dass für „schlecht Verschleierte“ eine „Atmosphäre der Unsicherheit“ geschaffen werden solle. Er sagte wörtlich: „Der Raum in der Gesellschaft für diese Leute, deren Zahl gering ist, muss unsicher gemacht werden. Es darf nicht zugelassen werden, dass sie einfach auf die Straße und in die Parks kommen und dort die Regeln verletzen.“ Er bezeichnete die internationalen Proteste wegen Menschenrechtsverletzungen im Iran als Einmischung in die inneren Angelegenheit und erklärte: „Die sollen sich an ihre Gesetze halten, und wir halten uns an unsere.“

Die Schafe sollen Gott fürchten
Dieser Rückfall in die aggressivsten Zeiten des Islamismus im Iran ist kein Zufall. Er steht auf einer Stufe mit der überraschenden Hinrichtung von Navid Afkari. Dahinter steht der grundlegende Gedanke, dass die „Bürger“ keine Bürger eines souveränen Staates sind, sondern Schafe, die Gott fürchten sollen. In einer Zeit, wo die Proteste immer stärker werden und der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i immer mehr ins Zentrum der Kritik gerät, gibt es in dieser Denkschule eine klare Antwort. Die Menschen, sprich die Schafe, sind auf Abwege geraten, weil sie den Religiösen Führer, den Vertreter Gottes auf Erden, nicht mehr respektieren. Das einzige, was sie von diesem Irrweg zurückbringt, ist Angst. Es ist die göttliche Mission der Geistlichen, den Schafen diese Angst einzuflößen, wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Insofern ist es kein Wunder, dass ein Vertreter des Religiösen Führers, der von diesem jederzeit abgesetzt werden könnte, wenn er dessen Meinung nicht vertritt, hier vorprescht.

Wer ist Yusef Tabatabai-Nezhad?

Und es ist auch keine Überraschung, dass Seyyed Yusef Tabatabai-Nezhad so auftritt. Er ist 1944 im Dorf Zafar-Qand in Ardastan geboren und jetzt 76 Jahre alt. Er ist Mitglied des Houze-ye Elmiye von Isfahan (das Theologische Zentrum, das über 40 theologische Seminare in der Provinz Isfahan betreibt), er war Mitglied im Expertenrat und Abgeordneter im iranischen Parlament. Kurz, er ist ein Mensch, der in einer islamistischen Geisteswelt groß geworden ist und die Welt nur durch diese eine Brille gesehen hat und sieht. Er ist Gefangener seiner Gedanken, und dies treibt ihn dazu, die anderen zu seinen Gefangenen zu machen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=215502
vom 12. Mehr 1399 (3. Oktober 2020)
امام‌ جمعه اصفهان بار دیگر زنان را تهدید کرد/ وی همانی است که با سخنان خود سبب اسیدپاشی های اصفهان شد

https://alischirasi.wordpress.com/2020/09/14/iran-navid-afkari-was-steht-hinter-der-exekution/

https://fa.wikipedia.org/wiki/سیدیوسفطباطبایی‌نژاد

Todesfall nach Säureattentat im Iran

In der iranischen Stadt Isfahan erlag am Sonntag, den 19.10.2014, eine junge Frau ihren schweren Verletzungen durch ein Säureattentat

Laut verschiedenen Medienberichten hatte das Attentat am Sonntagvormittag stattgefunden. Drei Frauen waren davon betroffen. Es wird berichtet, dass zwei vermummte Männer mit einem Motorrad auf die Frauen zu raste, die Säure verspritzte und davonfuhr. Zwei Frauen trugen Verletzungen im Gesicht und an den Händen davon. Die dritte Frau war am schwersten verletzt. Ihr ganzes Gesicht und der Halsbereich bis hinunter zu Brust hatte tiefe Verletzungen. Sie starb noch auf der Straße. Alle drei wurden ins nächste Krankenhaus gebracht.

Die Menschen in Isfahan behaupten, dass die Säureattentäter Hisbollahi gewesen seien (die natürlich von Pasdaran und Bassidschi unterstützt werden).

Eine Studentin hatte zusammen mit ihrem Vater das Geschehen aus der Nähe beobachtet: „ Wir sahen bei der Straße Scheich Sadugh eine größere aufgeregte Menschenansammlung. Als wir näherkamen sahen wir Polizei, einen Krankenwagen und Sanitäter, die sich um die drei Frauen kümmerten. Ich selbst habe die schwer verletzte Frau gesehen, wie sie im gesamten Brustbereich veräzt war. Mein Vater hat angesichts dieser Situation darauf bestanden, dass ich nicht an die Uni, sondern wieder nach Hause zurück gehe. Ich solle die Entwicklung der nächsten Tage abwarten.“

Diverse Websites und Medien berichten außerdem von einem weiteren Vorfall, der sich am voran gegangenen Tag ebenfalls in Isfahan zugetragen hat. Drei Männer wurden quasi auf frischer Tat ertappt, wie sie mit Säureflaschen ein Attentat begehen wollten. Passanten riefen die Polizei an, die schnell kam und zusammen mit den Passaten die drei Männer festnahmen. Die Männer wurden zur nächsten Polizeistation gebracht. Obwohl eine große Zahl von Menschen das miterlebt hat, waren offizielle Stellen bei der Justiz und der Polizei nicht bereit, den Vorfall zu bestätigen.

Iran: Das göttliche Gesicht der Schwefelsäure


Teufel und Frau – europäisches Mittelalter

In der Legende von Doktor Faustus ist der Schwefelgeruch eines der Zeichen, an denen die Anwesenheit des Teufels erkannt wird.
Im Staatsislam der Islamischen Republik Iran dagegen nimmt der Schwefel geradezu göttlichen Charakter an, wenn er denn als Schwefelsäure ins Gesicht von Frauen gespritzt wird, die nicht so gekleidet sind, wie die Herren Ajatollahs es ihnen vorschreiben wollen.
Solche Gewalttaten standen ganz am Beginn der Islamischen Republik, als Ajatollah Chomeini nach seiner Rückkehr aus Paris im Iran die Macht ergriff und mit Hilfe solcher Säureattacken Hunderttausende von Frauen, die mit seiner Lesart des Korans nicht einverstanden waren, dazu zwang, ebenfalls verschleiert auf die Straße zu gehen.
Natürlich besaß Ajatollah Chomeini genug Verstand, nicht selbst auf die Straße zu gehen und den Frauen Schwefelsäure ins Gesicht zu sprühen, dafür gab es schließlich willige Helfer, die von keiner Polizei und keinem Gericht je verfolgt wurden, denn jemand hielt seine schützende Hand über sie. Nachdem die Islamisten die Herrschaft im Iran gefestigt hatten, wurde es leise um solche Angriffe. War ja auch nicht mehr nötig, schließlich hatten die Auftraggeber die totale Macht über das Land. Aber nach dem Ende des irakisch-iranischen Krieges kam wieder etwas politische Bewegung ins Land, die sogenannten Reformisten traten an die Öffentlichkeit und gewannen mit Chatami die Präsidentschaftswahlen.

Niruye chodsar – die eigenmächtigen Kräfte
Ab diesem Moment tauchten sie wieder auf, die „eigenmächtigen Kräfte“, wie sie von den eigentlichen Herrschern des Landes getauft wurden, um ihre eigene Urheberschaft zu vertuschen. In der Amtszeit Chatamis zeichneten sich die Täter durch Serienmorde an Intellektuellen aus, selbst der damalige Innenminister Chatamis wurde Opfer eines Gewaltangriffs dieser Kreise. Eine gerichtliche Aufarbeitung der Verbrechen versandete schnell, einer der Täter – vom Geheimdienst – beging angeblich Selbstmord im Gefängnis.
Dann löste Ahmadineschad seinen Vorgänger Chatami für acht Jahre im Präsidentenamt ab, und wie von Zauberhand waren die eigenmächtigen Kräfte verschwunden, um erst wieder gegen Ende seiner Amtszeit aufzutauchen, als sie die britische Botschaft in Teheran belagerten und verwüsteten. Bis dahin waren sie ja auch nicht nötig, schließlich lagen die Revolutionswächter, die Polizei, die Geheimdienste, die Gerichte und Gefängnisse alle in der Hand der Radikalen, da konnten sie direkt im Namen des Gesetzes handeln.
Mit Präsident Rouhani ist zwar kein Reformist, sondern ein sogenannter „Gemäßigter“ ins Amt gekommen, doch schwupp, sind sie wieder da. Denn Ajatollah Chamene’i hätte ganz andere Kandidaten bevorzugt, aber aufgrund der damaligen Umstände musste er die Wahl akzeptieren. Die formale Regierungsgewalt liegt zwar in den Händen Rouhanis, aber die Strukturen im Hintergrund bestehen weiter.
Und so tauchten die Hisbullahis am Flughafen auf, als der iranische Außenminister Sarif von den Atomverhandlungen aus dem Ausland zurückkehrte, und beschimpften ihn wüst.

Das Gespenst der Säureattentate
Wer glaubte, dass die Säureattentate nur eine „Jugendsünde“ des iranischen Islamismus der Anfangszeit unter Chomeini gewesen seien, wird jetzt eines Besseren belehrt. Allein in der Stadt Isfahan wurden in den vergangenen Wochen 15 Frauen mit Säure angegriffen, die angeblich nicht gut genug verschleiert gewesen seien.
Einigen von ihnen droht der Verlust des Augenlichts, vielen wurde das Gesicht und die Kehle bleiben verätzt. Gleich ist wieder von „eigenmächtigen Kräften“ die Rede, und im iranischen Parlament hat es ein Abgeordneter sogar für nötig gehalten, zu dementieren, die Pasdaran und Bassidschis steckten dahinter.
Aber wer dahinter steckt, zeigt sich schnell, wenn man die öffentlichen Predigten der radikalen Geistlichen der letzten Zeit anschaut. So verwies der einflussreiche Ajatollah Mesbah Yasdi, der Ziehvater von Ahmadineschad und ein enger Vertrauter des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i darauf hin, dass die Durchsetzung der Einhaltung der islamischen Gebote sich nicht auf mündliche Ermahnungen beschränken sollte. Und der von Ajatollah Chamene’i eingesetzte Freitagsimam von Isfahan, Mohammad Taqi Rahbar, sagte kürzlich: „Die Ermahnung zur Einhaltung der religiösen Gebote und zur Vermeidung dessen, was verboten ist, soll über mündliche Ermahnungen hinaus gehen.“
Auch der Freitagsimam von Maschhad blies ins selbe Horn:
„Falls nötig, muss man die Menschen unter Druck und mit einem Schlag auf den Hinterkopf ins Paradies befördern.“
Diese Worte haben Adressaten, die wissen, was sie tun sollen, und die auch wissen, dass sie dies straflos tun können.

Die schiitischen Brüder des Islamischen Staats (IS)
Ziel der Ajatollahs und Imame ist es, ihre Vorstellungen vom Islam gewaltsam durchzusetzen, und dabei ist Terror wirksam. So trauen sich die Frauen in Isfahan heute nicht mehr, normal gekleidet auf die Straße zu gehen oder mit offenem Autofenster durch die Straßen zu fahren, denn wer hat schon gern Säure im Gesicht. Kommt hinzu, dass einige Frauen sogar Telefonanrufe erhalten haben, sie sollten mit ihrer Kleidung aufpassen, sonst drohe ihnen Rache. In einem Staat, der anhand von Telefonanrufen sogar den Aufenthaltsort des Anrufenden herausfinden kann, wenn er möchte, sind solche straflosen Drohanrufe ein deutliches Zeichen, dass die Täter die Unterstützung des Staats genießen.
Die Iraner brauchen sich vor einem Angriff des IS nicht zu fürchten – bei ihnen ist er schon längst an der Macht.