Iran – die Tischdecke des Volkes

Sofre-ye mardom – die Tischdecke des Volks – ist ein persischer Ausdruck für den deutschen Begriff des „Warenkorbs“, wenn es um die für die Bevölkerung spürbare Inflation geht. In diesem Artikel versucht Freydun Khawand, die Inflation für die Bevölkerung verständlich zu erklären und sichtbar zu machen.

In der Wirtschaftswissenschaft werden Begriffe wie Kaufkraft (für Waren und Dienstleistungen) verwendet. Die Kaufkraft ist abhängig vom Einkommen einer Familie und der Inflation.

Das Einkommen

Einkommen kann verschiedene Quellen haben:

– Einkommen durch Arbeit (geistig, körperlich)

– Einkommen durch Kapital (Immobilien, Aktien)

– Einkommen in verschiedenen Formen von Sozialhilfe (Yarane).

Wenn es um die Inflation geht, ist die Art, wie Sozialhilfe finanziert wird, entscheidend:

Weg 1: durch Steuern finanziert. Das ist eine Form der Umverteilung und muss die Inflation nicht anheizen.

Weg 2: durch den Druck von Geld finanziert. Diese Methode schafft neue Inflation und die Wirkung verpufft schnell.

Inflation

Inflation kann zu Unruhen führen. Viele diktatorische Machthaber reagieren darauf mit Einfrieren von Preisen, was in der Regel zu einer Reduzierung der Produktion und des Angebots und somit zu einer stärkeren Inflation führt. Einer Anhebung der Löhne ohne Steigerung der Produktivität folgt meist auch die Inflation, was zu einer Anstiegsspirale führt.

Eine Maßnahme zur Bekämpfung der Inflation wäre die Anhebung der Leitzinsen durch die Zentralbank. Die Folge wäre unter Umständen eine Rezession (Unternehmen investieren weniger), Entlassungen, Anstieg der Arbeitslosigkeit. Populistische Regierungen werden solche Wege meiden.

Zur Kaufkraft

Ob die Kaufkraft einer Familie steigt oder fällt, hängt davon ab, was schneller steigt: Das Einkommen oder die Preise?

Wenn im Iran die Inflation amtlich gemessen wird, wird der Preis von 457 Waren und Dienstleistungen berücksichtigt. Für die „Tischdecke des Volkes“ wird nur die Preisentwicklung von Essen und Getränken berücksichtigt (wie viele Artikel?). Das hat Folgen. Während die amtliche Statistik für die Inflationsrate im Monat Tir (22. Juni bis 22 Juli) dieses Jahres eine Inflation von 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angibt, beträgt sie für den gleichen Zeitraum für Essen und Trinken 86 Prozent! Um gleich viel zu essen und zu trinken wie im Vorjahr, muss eine iranische Familie jetzt also einen 84 Prozent höheren Betrag ausgeben als vor einem Jahr. Da in vielen iranischen Haushalten Essen und Trinken den Hauptanteil an den Gesamtausgaben haben, trifft sie diese Entwicklung besonders hart. Manche Nahrungsmittel (Speiseöl, iranischer Reis, Butter und Hühnchen) sind im Iran so teuer geworden, dass viele Familien im Iran sich diese nicht mehr leisten können.

https://www.radiofarda.com/a/people-table-most-political-economic-variable/31991440.html