Amnesty International – Iran: Sicherheitskräfte erschießen Dutzende Gefangene

In einem Bericht vom 9. April 2020 macht Amnesty International darauf aufmerksam, dass die iranischen Sicherheitskräfte in den letzten Tagen mindestens 36 Gefangene umgebracht haben, als diese gegen die Ausbreitung des Corona-Virus in den Gefängnissen protestierten. In mindestens acht Gefängnissen im ganzen Land kam es unlängst zu Protesten, weil die Behörden die versprochene Beurlaubung von Gefangenen zurücknahmen, um auf diesem Weg die überfüllten Gefängnisse zu entlasten und eine Ausbreitung des Corona-Virus in den Gefängnissen zu verlangsamen.

Statt auf die Forderungen der Gefangnen einzugehen, setzten die Behörden in mehreren Gefängnissen scharfe Munition und Tränengas ein. Die Folge: Mindestens 35 Gefangene kamen durch die Schüsse und das Tränengas ums Leben, mindestens ein weiterer starb an den Folgen der Schläge und Folter, die die Antwort der Behörden auf die Proteste darstellten.

Am 30. und 31. März 2020, setzten die Sicherheitskräfte laut unabhängigen Quellen und Angaben der Familienangehörigen der Gefangenen massive Gewalt ein, um die Proteste in den Gefängnissen Sepidar und Sheiban in der Stadt Ahvaz (Provinz Khuzestan/Chusestan) niederzuschlagen. Der Polizeichef der Provinz Chusestan gab öffentlich zu, dass Revolutionswächter und Bassidschis von außerhalb der Gefängnisse geholt wurden, um die Proteste der Gefangenen niederzuschlagen. Die Gefangenen hatten Mülleimer in Brand gesetzt. Der Einsatz von Tränengas und scharfer Munition im Sepidar-Gefängnis soll mindestens 15 Tote verschuldet haben.

Die Angehörigen eines Gefangenen, der im Sepidar-Gefängnis umgebracht wurde, teilten Amnesty International mit, dass sie mehrere Tage nach den Protesten einen Anruf eines Polizisten erhielten und aufgefordert wurden, die Leiche ihres Angehörigen abzuholen. Die Polizei behauptete, er sei an einer Überdosis von Drogen gestorben. Die Familie weist darauf hin, dass er nie Drogen konsumiert habe. Die Behörden weigerten sich, der Familie eine Todesbescheinigung auszustellen, aus der die Todesursache hervorginge. Da der Gefangene auch sonst keine bekannten Erkrankungen hatte, befürchtet die Familie, dass er an den Folgen des Einatmens von Tränengas gestorben ist.

Im Sheiban-Gefängnis wurden die Gefangenen nach den Protesten in den Gefängnishof gebracht, ausgezogen und verprügelt. Etwa 20 Gefangnene wurden von den Sicherheitskräften umgebracht. Mohammad Ali Amouri, der sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt und in Sheiban in Haft war, wurde in ein anderes Gefängnis verlegt. Er wird an einem unbekannten Ort ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, und Amnesty International befürchtet, dass er gefoltert wird.

Danial Zeinolabedini, ein Gefangener, der für eine Tat, die er angeblich begangen haben soll, als er unter 18 Jahre alt war, zum Tode verurteilt wurde, starb vergangene Woche unter verdächtigen Umständen. Er hatte an den Protesten im Gefängnis von Mahabad teilgenommen und wurde am 30. März in das Mian-do-Ab-Gefängnis der selben Provinz (West-Aserbaidschan) verlegt. Am 31. März rief er ganz verzweifelt seine Familie an, und sagte, dass er von den Gefängniswärtern brutal verprügelt werde, und bat um Hilfe. Am 3. April erhielt die Familie einen Anruf der Behörden. Der Gefangene habe angeblich Selbstmord begangen, die Familie solle seine Leiche abholen. Amnesty International hat ein Photo der Leiche erhalten. Die Verletzungen, die darauf zu sehen sind, entsprechen Folterspuren. Die Familie konnte blaue Flecken und Schnittwunden entdecken.

Quellen:

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2020/04/iran-prisoners-killed-by-security-forces-during-covid19-pandemic-protests/
Iran: Prisoners killed by security forces during COVID-19 pandemic protests
9 April 2020, 08:51 UTC

https://www.akhbar-rooz.com/عفو-بین-الملل-احتمال-کشته-شدن-حدود-۳۶-ز/
vom Freitag, 22. Farwardin 1399 (10. April 2020)
عفو بین الملل: احتمال کشته شدن حدود ۳۶ زندانی در سرکوب اعتراضات زندانیان