Iran: 16. Adhar, Tag der Studenten

Gedenkfeier zum 16. Adhar (8. Dezember) an den Unis in Teheran 2019 (manchmal fällt der Gedenktag auch auf den 7. Dezember)


Im Iran war gestern (8. Dezember 2019) der Tag des Studenten. Ursprünglich geht dieser Gedenktag auf die Unterdrückung der Studentenproteste unter dem Schahregime zurück.

Vorgeschichte
Am 16. Adhar 1332 (Ende 1953) griffen die iranischen Sicherheitskräfte des Schahregimes die Universität von Teheran an, um die Studentenproteste auf dem Gelände der Universität zu unterdrücken. An der Technischen Hochschule wurden bei diesem Angriff drei bekannte Vertreter der Studentenbewegung ermordet. Es waren: Schariat Rasawi, Mohadess Qandschi und Bosorg Nija. Seit dieser Zeit begehen die Studentinnen und Studenten den 16. Adhar Jahr für Jahr als Gedenktag der Studentenbewegung. Dieses Andenken fand in der Öffentlichkeit statt, wenn die Umstände es zuließen, ansonsten im kleineren Kreise. Nach der Revolution versuchte das neue Regime, diesen Tag für sich zu vereinnahmen. Aber im Laufe der Zeit wurde der Gedenktag selbst Anlass für die Schandtaten des neuen Regimes.

Proteste an den Unis in Teheran
Am 8. Dezember 2019 demonstrierten die iranischen Studentinnen und Studenten im Universitätsbezirk von Teheran gegen das jüngste Massaker von Mitte bis Ende November 2019. Dabei sollen laut Gerüchten über 1000 unbewaffnete Demonstranten erschossen worden sein, über 11.000 Menschen sollen verhaftet worden sein. Diese Zahlen sind derzeit nicht nachprüfbar.
Im Internet kursieren jetzt Aufnahmen von den gestrigen Studentenprotesten. Hier die Parolen, die sie riefen:

setare dar parwande
daneshjumun dar band-e

ein Stern in der Akte
unser/e Stundent/in ist in Haft

(politisch auffällige Studenten, auch solche, die nicht nach den Vorstellungen des Regimes verschleiert sind, bekommen einen Stern in die Akte. Das hat in einigen Fällen schon zur Verhaftung geführt)

asa:tid, asa:tid,
harf bezanid, natarsid

Dozenten, Dozenten
macht den Mund auf, habt keine Angst

ostadhamun zaliland
zellat-ra mipazirand

Unsere Dozenten sind armselige Menschen,
sie akzeptieren jedes Übel
(das sie trifft)

xiyabanha xuni shod
azadi qorbani shod

die Straßen sind blutig,
die Freiheit wurde geschlachtet

jawabe ma tofang nist
in hame koshte kam nist

unsere Antwort ist nicht das Gewehr
aber so viele Tote ist nicht wenig

sarkub payane rah nist
moqawemat zendegist

Unterdrückung ist nicht das Ende des Wegs
Widerstand ist Leben

az haft-tape ta tehran
zahmatkeshan dar zendan

von Haft-Tape bis Teheran
die Arbeitenden sind im Knast

(erinnert auch an die Verfolgung der Arbeiter
in der Zuckerfabrik von Haft-Tape)

daneshju agah ast
ba karegar hamrah ast

der Student weiß, was Sache ist,
er steht auf der Seite der Arbeiter

farzande kargaranim
kenareshan mimanim

wir sind die Kinder von Arbeitern
wir bleiben auf ihrer Seite

iran, lobnan, faranse
sarkubo gharat bas-e

Iran, Libanon, Frankreich
Repression und Raub reichen (uns)

baradare shahidam
rah-at edame darad

ich bin Bruder eines Märtyrers
ich setze deinen Weg fort

Anmerkung

Das Rufen von Parolen wird von politischen Gruppen vorher besprochen, sowohl der Inhalt der Parolen wie die Art des Vortrags. In diesem Fall wird jede Parole von einem Vorredner ausgerufen, dann folgt im Chor die Wiederholung, dieses zwei Mal. Die Auswahl der Parolen liefert einen Hinweis auf die politische Herkunft. Ein Stichwort hier ist der Hinweis auf „Arbeiter“.

Quelle
https://www.youtube.com/watch?v=O7orbgEmNxQ&feature=youtu.be