Proteste im Iran: Mindestens 4800 Verhaftungen in 10 Tagen


Ein Team von Radio Farda hat sich die Mühe gemacht, die amtlichen Meldungen über die Verhaftungen der letzten Tage zusammenzutragen.
Laut Ali Fadawi, dem stellvertretenden Generalbefehlshaber der Streitkräfte der Pasdaran, fanden in den letzten Tagen in 28 (von 31) iranischen Provinzen Proteste statt.
Hier die Meldungen aus den einzelnen Provinzen.

Chorassane Rasawi: 400 Verhaftete
In Maschhad kam es am 24. Aban (15. November) zu großen Protesten wegen der Benzinpreiserhöhung. Die erste amtliche Angabe über die Zahl der Verhafteten stammt interessanterweise nicht von den sogenannten Sicherheitsorganen, sondern vom Freitagsimam von Maschhad, dem direkten Vertreter des Religiösen Führers vor Ort, der in seiner Freitagspredigt von 400 Verhaftungen sprach. Es wird sichtbar, dass diese Verhaftungswelle in direktem Zusammenhang mit einer Rede des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i vom vorigen Sonntag (17. November) steht, der die Sicherheitsbehörden zu hartem Durchgreifen aufgefordert hatte.

Chusestan: 450 Verhaftete
Gholam-Resa Shariyati, der Provinzgouverneur der Erdölprovinz Chusestan, erklärte am 26. Aban (17. November), dass in den ersten drei Tagen der Proteste 180 Menschen verhaftet wurden. Ein Menschenrechtsaktivist spricht davon, dass es bis zum 29. Aban (20. November) 450 Verhaftete waren.

Diverse kurdische Städte: 300 Verhaftete
Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 300 Verhafteten. Laut Angaben der kurdischen Agentur Kordpa wurden allein in Bukan 120 Menschen verhaftet, in Thalathe Babajani (keiner großen Ortschaft!) 22. Aus anderen Quellen verlautet, dass es in Sanandadsch und Marivan zu weiteren 100 Verhaftungen kam. 300 Verhaftungen ist also eine sehr konservative Schätzung.

Kermanschah: 700 Verhaftete
Kermanschah und Umgebung, eines der kurdischen Zentren im Iran, verzeichnete laut Angaben des Befehlshabers der Pasdaran-Einheit „Sepahe Nabiye Akram“ in der Provinz Kermanschah, machte keine konkreten Zahlenangaben, sprach aber davon, dass den Anführern der Proteste „mit Gewalt entgegengetreten wird.“ Laut Menschenrechtsquellen wurden in der Provinz mindestens 700 Personen verhaftet. Schon vor der Verhaftungswelle waren die Gefängnisse in dieser Provinz überfüllt, die Lage in den Gefängnissen muss jetzt katastrophal aussehen.

West-Aserbaidschan: 100 Verhaftete
Zu dieser Region gehören kurdische Städte wie Bukan (s.o.) und Urumije. Über 100 Verhaftete wurden in das Gefängnis von Urumije verlegt.

Isfahan: 200 Verhaftete
Die Zahl stammt aus Menschenrechtskreisen. Das staatliche iranische Fernsehen hat damit begonnen, „Geständnisse“ von Verhafteten aus Isfahan auszustrahlen.

Teheran: 800 Verhaftete
Auch hier gibt es keine amtlichen Angaben über die Zahl der Verhaftungen. Wenn man sieht, dass aus Großstädten wie Isfahan, Maschhad oder Teheran keine amtlichen Angaben vorliegen, ist das ein Hinweis auf eine gezielte Politik der Behörden, ihr Vorgehen zu verheimlichen. Möglicherweise befürchten sie dadurch eine weitere Zunahme der Proteste.
Amtliche Zahlenangaben gibt es nur von der unteresten Ebene, einigen Dörfern und Stadtteilen oder Kleinstädten.
Lediglich gegenüber Abgeordneten des iranischen Parlaments haben Vertreter der Provinzverwaltung von Teheran eine Zahl von 600 Verhafteten genannt. Vergangenen Donnerstag kam es auch an der Uni von Teheran zu Verhaftungen. Betroffen waren mindestens 50 Studenten.

Albors: 400 Verhaftete
Albors gehört zum Großraum Teheran. Das Innenministerium soll gegenüber Abgeordneten des iranischen Parlaments angegeben haben, dass in der Provinz Albors 400 Personen verhaftet wurden.
Die Öffentlichkeitsabteilung der Pasdarankräfte der Provinz Albors spricht davon, dass bis zum 27. Aban (18. November) 150 Personen verhaftet wurden.

Schiras: 300 Verhaftete
Radio Farda hat von 300 Verhafteten in der Provinz Fars erfahren, deren Zentrum Schiras ist. Die lokale Webseite Shiraze hat am 27. Aban (18. November) unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle in den Sicherheitsbehörden von der Verhaftung von 100 Menschen allein in Schiras geschrieben.

Ost-Aserbaidschan: 30 Verhaftete
Abedin Choram, Befehlshaber der Pasdaran in dieser Provinz, hat die Verhaftung von 30 Personen in Tabris bekannt gegeben. Diese Zahl ist auffällig niedrig, bedenkt man, dass allein die Stadt Tabris im Jahr 2016 1,6 Mio Einwohner hatte.

Masandaran: 100 Verhaftete
Ali Safarpur, der Befehlshaber der Sicherheitskräfte in Sari, gab am 26. Aban (17. November) die Verhaftung von 60 Protestierenden bekannt. Menschenrechtskreise sprechen von über 100.

Kohgiluye und Boyer-Ahmad: 250 Verhaftete
Mahmud Mussawi, Befehlshaber der Sicherheitskräfte von Gadsch-Saran, gab am 29. Aban (20. November) bekannt, dass während der Proteste 150 Menschen in diesem Landkreis verhaftet wurden. Dies zusammen mit Angaben von lokalen „Telegram“-Quellen führt zu einer Gesamtzahl von mindestens 250 Verhafteten.

Kerman: 100 Verhaftete
Auch hier vermeiden die amtlichen Stellen, namentlich der Generalstaatsanwalt der Provinz Kerman, Yadollah Mouhed, die Nennung von Zahlen. Die 100 Verhaftungen stammen aus Menschenrechtskreisen.

Lorestan: 300 Verhaftete
Hadschi Mohammad Mahdiyan, der Befehlshaber der Sicherheitskräfte in Lorestan, nennt ebenfalls keine Zahlen. Menschenrechtskreise sprechen von mindestens 300 Verhaftungen.

Yasd: 40 Verhaftete
Der Generalstaatsanwalt von Jasd, Mohammad Haddadsade, spricht am 26. Aban (17. November) von 40 Verhaftungen.

Sandschan: 30 Verhaftete
Am 27. Aban (18. November) gab Esmail Sadeqi Niyaraki, der Leiter der Justizverwaltung der Provinz Sandschan, die Verhaftung von 30 Personen bekannt.

Chorassane Dschonubi: 29 Verhaftete
Ebrahim Hamidi, der Leiter der Justizverwaltung der Provinz Chorassane Dschonubi, gab bekannt, dass in Zusammenhang mit den Benzinpreisprotesten 29 Verfahren eingeleitet wurden.
Er gab an, dass die Verhafteten gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden seien.

Buschehr: 100 Verhaftete
Buschehr ist der Standort eines Atomkraftwerks im Iran. Das bedeutet, dass dort der Zugriff der Sicherheitskräfte und die Kontrolle der Nachrichten schärfer ist als in manchen anderen Gebieten. Das dürfte einer der Gründe sein, warum von dort weniger Meldungen über Proteste eintreffen. Menschenrechtskreise sprechen von über 100 Verhafteten.

https://www.radiofarda.com/a/radiofarda_report_on_arrests_19_province_iran/30286963.html
vom 1. Adhar 1398 (22.11.2019)
bar-awarde radyo farda, bazdashte 4800 mo°tarez dar 18 ostane iran